2
Inhaltsverzeichnis: Seite
Einf ührung 3
Die Entwicklungen im Vorfeld 4
Der Operationsbefehl Nr. 19 7
Vereitlung des Flottenvorstoßes und Beginn der Revolution 11
Nachbetrachtung 14
Bibliographie 16
3
Einführung
Der nachfolgende Aufsatz beschäftigt sich mit der Problematik des Operationsbefehls Nr. 19 der deutschen Seekriegsleitung (SKL) vom 24. Oktober 1918 und der Vereitlung seiner Ausführung durch den Widerstand der Matrosen der Hochseeflotte. Die entscheidenden Aspekte bilden hierbei die Motive der SKL, den Flotteneinsatz zu befehlen und die der Matrosen, diesen zu verhindern. Dabei spielen der Zeitpunkt des Einsatzbefehls - mitten in den Waffenstillstandsverhandlungen -und die Folge des Matrosenaufstands, nämlich die Novemberrevolution, eine wichtige Rolle.
Aufgrund der bedeutenden Tragweite und der Einbindung dieses Geschehens in die Theorie der „Dolchstoßlegende“ entwickelten sich im Lauf der Zeit unterschiedlichste Betrachtungsweisen in der Forschung. Geprägt wurde diese zunächst vor allem von den Zeitzeugen, die dabei die kontroversesten Stellungen einnahmen. Die eine Seite vertrat die Theorie der ´Admiralsrebellion´ 1 , die andere die des ´Dolchstoßes´ 2 . Allerdings sind Dittmann und von Trotha nur einige unter vielen. Einen entscheidenden Schub erhielt die Forschung durch die Veröffentlichung vieler Originaldokumente und Zeugenaussagen vor dem Untersuchungsausschuß 3 , die zuvor erschienene Beiträge relativierten. Dementsprechend aktualisierten sich die Arbeiten vor allem in der 50er 4 und 60er Jahren 5 . Doch auch neuere Veröffentlichungen demonstrieren den noch immer zu stillenden Klärungsbedarf der damaligen Geschehnisse 6 .
1 Dittmann, Wilhelm „Die Marine-Justizmorde von 1917 und die Admiralsrebellion von 1918“ Berlin
1926
2 Trotha, Adolf von „Der Dolchstoß auf die Flotte“ in: Süddeutsche Monatshefte 21 (1924) S.49-54
3 - Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen
Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur
Zeitgeschichte. Bd. 2: Der militärische Zusammenbruch und das Ende des Kaiserreichs. Berlin (o.J.)
- Werk des Untersuchungsausschusses (WUA) der Verfassungsgebenden Deutschen
Nationalversammlung und des Deutschen Reichstags 1919-1930, Das. Vierte Reihe. Die Ursachen
des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918. Doppelbände 9+10. Berlin 1928
4 Zeisler, Kurt „Die revolutionäre Matrosenbewegung in Deutschland im Oktober/ November 1918“,
in: Revolutionäre Ereignisse und Probleme in Deutschland während der Periode der Großen
Sozialistischen Oktoberrevolution 1917/1918, Berlin 1957 S.187 ff.
5 Deist, Wilhelm „Die Politik der Seekriegsleitung und die Rebellion der Flotte Ende Oktober 1918“
in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 14 (1966) S.341-368
6 Groß, Gerhard Paul „Die Seekriegführung der Kaiserlichen Marine im Jahre 1918“ in: Europäische
Hochschulschriften. Reihe III - Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 387. Veröffentlicht als
Dissertation, Frankfurt am Main 1989
4
Die Entwicklungen im Vorfeld
Die eigentlichen Voraussetzungen für die Ereignisse 1918 und später, die mit dem Flotteneinsatz in Verbindung stehen, wurden schon einige Jahre zuvor geschaffen. Bereits im Sommer 1917 war es bei den deutschen Matrosen im Zuge der Situation in russischen Zarenreich zu aufrührerischen Bewegungen gekommen, die zwar die Hinrichtung von Max Reichpietsch und Albin Köbis sowie zahlreiche weitere Verhaftungen, aber keine Veränderungen in der Flotte nach sich zogen. Diese angestrebten Umstellungen zielten vor allem auf die Mißstände innerhalb des Sozialgefüges der Schiffsbesatzungen ab.
Nach Zeisler 7 waren hierfür verschiedene Faktoren maßgeblich. So konnte durchschnittlich die Hälfte der Mannschaften im Zivilleben einem ausgebildeten technischem Beruf und beispielsweise einer gewerkschaftlichen Tätigkeit zugerechnet werden. Auch die Seeleute hatten zuvor auf Handelsschiffen schon mit proletarischen Ideen in anderen Ländern zu tun gehabt. Zudem bestand des öfteren auch eine Verbindung zur arbeitenden Landbevölkerung in den Werften. Durch das Leben auf engstem Raume innerhalb der Schiffskörper konnten sich politische Anschauungen extrem gut verbreiten. Schließlich war die Unzufriedenheit und letztlich auch der Friedenswille der Matrosen der „menschenunwürdigen Behandlung durch die Offiziere“ 8 und der langen Untätigkeit der Hochseeflotte zu verdanken.
Gerade diesen letzten Aspekt zu ändern hatte sich die am 11. August 1918 unter Admiral Scheer neu geschaffene Seekriegsleitung (SKL) in Spa zum Ziel gesetzt. Urheber dieser neuen Kommandogewalt waren Admiral Reinhard Scheer (Chef der Seekriegsleitung), Kapitän zur See Magnus von Levetzow (Chef des Stabes der Seekriegsleitung) und Admiral Adolf von Trotha (Stabschef des Hochseekommandos). Zuvor hatten sie sich gegen die alten Befehlshaber Capelle, Müller und Holtzendorff durchgesetzt und mit der SKL durch die Ausschaltung des Flottenkommandos, Admiralsstabs, Reichsmarineamts und Marinekabinetts ein Pendant zur Oberstenheeresleitung (OHL) entworfen. Die vollkommene Emanzipation erreichte die SKL, indem „dem Kaiser nur noch ein nomineller
7 Zeisler, a.a.O., S.187-191
8 Ebenda, S.188
5
Oberbefehl zugestanden wurde“ 9 . Durch die Meinungsverschiedenheit um den uneingeschränkten Ubootkrieg zwischen Reichskanzler Prinz Max von Baden 10 auf der einen und der SKL auf der anderen Seite geriet diese immer mehr auf die politische Ebene. Auch hier lassen sich Parallelen zur Vorgehensweise der OHL entdecken. Einen letzten Beweis der Ähnlichkeit lieferte schließlich die, wenn auch aufgrund des nahen Kriegsendes vergebliche Ansetzung des „Scheer-Programms“ 11 mit der Zustimmung der Industrie unter Stinnes in Anlehnung an das „Hindenburg-Programm“ 12 .
Den ersten entscheidenden Schnitt setzte die neue Kommandogewalt allerdings im Zuge des beabsichtigten verstärkten Ubootbaus in den eigenen Schiffsbesatzungen an. Nicht jedoch, wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre, um die dortigen Verhältnisse zu verbessern, sondern um die nun benötigten neuen Ubootbesatzungen zu erhalten, wurden innerhalb der Schiffsmannschaften starke Umschichtungen vorgenommen. Bereits am 22. August beschrieb Trotha die Lage auf den Schiffen der drei Liniengeschwader als äußerst heikel. Verständlich, bedenkt man den Umfang späterer Untersuchungen, „daß jeweils knapp die Hälfte der Kommandanten (48,4 %) und der I. Offiziere (45,4 %) ausgewechselt wurden“ 13 . Auf manchen Einheiten traf dies sogar auf beide Kommandoposten zu 14 . Die innere Struktur der Besatzungen und die damit verbundene Einsatzstärke wurden schon hier empfindlich beeinträchtigt.
In diese gesteigerte Phase der weiteren Kriegsplanungen der noch jungen SKL traf am 29. September 1918 die Nachricht der Waffenstillstandsforderung der OHL unter Generalquartiermeister Ludendorff. Ob erwartet oder unerwartet ist in der Forschung lange umstritten gewesen. Streitet man der Seekriegsleitung jegliche Vorab-information ab 15 , so muß der Anblick der nackten Tatsachen dermaßen schockierend gewesen sein 16 , daß man in völliger Verkennung der Lage mit der noch intakten Hochseeflotte eine Wendung des Kriegsglücks herbeizuführen versuchte.
9 Groß, a.a.O., S.426
10 seit 5. Oktober 1918 im Amt
11 die Ubootproduktion sollte entscheidend gesteigert werden
12 dieses lief zur Produktionssteigerung der Industrie schon seit Hindenburgs Ernennung zum Chef
des Generalstabes des Feldheeres 1916
13 Deist, a.a.O. S. 348
14 „Bayern“, „von der Tann“, „Königsberg“ und „Brummer“
15 Deist, a.a.O. S. 350
16 ähnlich der der breiten Öffentlichkeit
Arbeit zitieren:
Magister Artium Andre Hoffmann, 1999, Die Befehle für einen letzten Flotteneinsatz und der Beginn der Revolution bei den Matrosen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung: Die Befehle für einen letzten Flotteneinsatz und der Beginn der Revolution bei den Matrosen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung: neuer Titel erschienen: Die Befehle für einen letzten Flotteneinsatz und der Beginn der Revolution bei den Matrosen
Andre Hoffmann hat einen neuen Text hochgeladen
Forum Geschichte 03. Von den Folgen des Ersten Weltkriegs bis zur Gege...
Gymnasium Schleswig-Holstein, ...
Hans-Otto Regenhardt
Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert 03. Weltkrieg und Revolution
1914-1918/19
Sönke Neitzel, Manfred Görtemaker, Frank-Lothar Kroll
0 Kommentare