Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung - 2 -
2. Biographie Imre Nagys vor dem Ausbruch des Volksaufstandes - 2 -
2.1. Nagys politische Willensbildung - 2 -
2.2. Die Zeit vom Zweiten Weltkrieg bis 1953 - 4 -
2.3. Die Regierungszeit Nagys - 6 -
3. Der Volksaufstand 1956 - 7 -
4. Die Zeit nach dem Aufstand - 10 -
5. Mythos Nagy - 12 -
6. Definition der Ereignisse aus Sicht der Akteure - 12 -
7. Fazit - 14 -
Literaturverzeichnis - 16 -
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1. Einleitung
Ein junger Mann, der sich selbst und seinen Kurs in der Welt erst noch finden muss, kämpft an der Seite der Roten Armee während der russischen Revolution gegen die zarentreue weiße Armee. Ein Mitarbeiter der KPdSU kehrt 1944 in sein Heimatland Ungarn zurück, um dort an der Regierungsneubildung mitzuarbeiten. Ein ehemaliges Mitglied der Regierung Ungarns wird als Hauptakteur einer „Konterrevolution“ in Ungarn hingerichtet. Was zunächst wie der Lebenslauf von drei völlig verschiedenen Menschen klingen könnte, ist die Biographie von einer Person, Imre Nagy. Seine Politik des „Neu- enKurses“ und seine Reformen sind die Ergebnisse jahrelanger intensiver Beschäftigung mit dem Thema Sozialismus und Kommunismus. Sein Hauptaugenmerk galt von jeher der Agrarpolitik, sowohl in theoretischer, als auch in praktischer Form während seiner Amtszeiten innerhalb der Regierung in den 1950er Jahren. Sein Name ist mit den Ereignissen in Ungarn 1956 eng verbunden und anhand seiner Biografie lässt sich auch die Zeit vor und nach dem Ungarnaufstand untersuchen. In dieser Arbeit werde ich mich zunächst mit der Person Imre Nagys befassen und versuchen seinen politischen Werdegang nachzuzeichnen, wobei eine detaillierte Aufzählung seiner persönlichen und beruflichen Daten den Umfang dieser Arbeit sprengen würde und deswegen nur die ausschlaggebendsten genannt werden. Des Weiteren werde ich mich mit dem Mythos Imre Nagy während und nach dem Aufstand beschäftigen, und einen kurzen Einblick in die Definition der Ereignisse in den Herbstmonaten 1956 in Ungarn geben, denn diese hängen nicht nur von den beteiligten Akteuren und deren Einschätzung, sondern auch von der jeweiligen politischen Gesinnung und deren Umgang mit der Geschichte ab.
2. Biographie Imre Nagys vor dem Ausbruch des Volksauf-standes
2.1. Nagys politische Willensbildung
Imre Nagy wurde am 07. Juni 1896 im südwestungarischen Bezirk Somogy, in der Stadt Kaposvár, geboren. 1 Seine drei nach ihm geborenen Schwestern starben noch vor ihm. Nagys Großvater mütterlicherseits war in der Landwirtschaft tätig, seine Eltern beide Arbeiter, die Zeit ihres Lebens an ihrem sozialen Aufstieg arbeiteten. 2 Für Nagy war das Leben der Bauern, vor allem der landlosen, nicht unbekannt, er hatte viele Verwandte
1 János M. Rainer, Imre Nagy. Von Parteisoldaten zum Märtyrer des ungarischen Volksaufstandes. Eine
politische Biographie 1896-1958, Paderborn 2006, S. 22.
2 Ebd.
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die auf dem Land lebten. Ihm fehlte jedoch ein direkter Bezug zum Bauernleben, zumal er in der Stadt geboren wurde und seine Eltern versuchten sozial aufzusteigen. Nagy besuchte zunächst das Gymnasium, war allerdings nur ein mittelmäßiger Schüler, so dass ihm kein Stipendium verliehen wurde, welches ihm eine Fortsetzung der höheren Schulausbildung ermöglicht hätte. Stattdessen schloss er, gegen den Willen seiner Mutter, die den sozialen Aufstieg über den erstgeborenen Sohn erreichen wollte, eine Maschinenschlosserlehre ab. 3 Während seiner Ausbildung wurde er Mitglied im ungarischen Eisen- und Metallarbeiter-Verband. 1914 arbeitete er als Bürohilfe in einer Anwaltskanzlei, um die Hochschule in Kaposvár, die er ab September besuchte, finanzieren zu können. Er konnte allerdings sein Studium dort nicht abschließen, da er 1915 in die königlich ungarische Armee einberufen wurde. Als Soldat erlebte Nagy die Niederlage der österreichisch-ungarischen Armee in Galizien durch die russische Armee und kam später in russische Gefangenschaft. Da er Student war, wurde er in eine sogenannte „Intelligenzler-Baracke“ 4 in Sibirien untergebracht. Diese Zeit der Gefangenschaft war sehr prägend für ihn und eröffnete ihm neue politische Richtungen in zahlreichen Diskussionsabendenden mit ungarischen Kriegsgefangenen und später auch sowjetischen Kommunisten. 5
Die russische Revolution beendete die Zarenherrschaft und lockerte ab 1917 die strenge Bewachung der Gefangenen, so dass Nagy sein Russisch verbessern konnte und außerhalb des Lagers Arbeit fand, dabei aber Kontakt zu den Kommunisten in Russland hielt. 1918 trat er in die Kommunistische Partei der Ausländischen Arbeiter in Sibirien ein und kämpfte, wie viele andere ungarische Kriegsgefangene, zusammen mit der roten Armee gegen die zarentreue weiße Armee. 1920 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Russlands und später ein Behördenangestellter der unter anderem an der Auflösung russischer Kriegsgefangenenlager beteiligt war. Zu dieser Zeit lernte er Béla Kun kennen, der vergeblich versucht hatte einen Machtwechsel in Ungarn zugunsten der Kommunisten durchzuführen. Kun nahm Kontakt mit ehemaligen ungarischen Gefangenen auf, die, sobald sie nach Ungarn zurückkehrten, im Untergrund weiter agieren sollten, um so eine Revolution zugunsten der Kommunisten in Ungarn zu erreichen. Auch Nagy sollte daran beteiligt werden. Er kehrte 1921 zusammen mit anderen ungarischen Kriegsgefangenen in sein Heimatland zurück. Nachdem die kommunistische Par-
3 Rainer,Imre Nagy, S. 25.
4 Baja, B. (Hrsg.); Hadifogoly magyarok, S. 236 f., Dér, F. (Hrsg.) Nagy Imre, S. 12-24, zit. n. : Rainer;
Imre Nagy, S. 31.
5 Rainer, Imre Nagy, S. 25.
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tei in Ungarn bereits 1919 verboten wurde, trat Nagy, wie viele andere gleichgesinnte in die Sozialdemokratische Partei Ungarns ein und nahm eine Stelle als Angestellter in einer Versicherung an. Zunächst sah es so aus, als wenn er keinen Machtwechsel zugunsten der Kommunisten in Ungarn anstreben wollte. Dies lag auch an den strengen Auflagen und der Polizeiüberwachung der aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassenen vermeintlichen Kommunisten. Doch Nagy stand in den 1920er Jahren im ständigen Kontakt mit der Arbeiterbewegung Ungarns. Ein Zerwürfnis der linksgerichteten Mitglieder der Sozialdemokraten führte zur Gründung einer neuen kommunistischen Partei, an deren Organisation und Führung Nagy beteiligt war, um so einen demokratischen Machtwechsel zu erreichen. 1927 wurde diese Partei verboten und die Führungsriege verhaftet. Auch Nagy wurde festgenommen, aus Mangel an Beweisen jedoch kein Verfahren gegen ihn eingeleitet. Daraufhin versuchte er einen politischen Wechsel im Untergrund zu erreichen, ging dafür auch eine Zeitlang nach Wien, wobei er sich hauptsächlich auf die Landwirtschaftspolitik beschränkte und einige Schriften dazu verfasste. Er wusste allerdings, dass er seine politischen Ziele nicht in Wien erreichen konnte. 1930 ging er nach Moskau, wo er Arbeit in der Verwaltung fand. Nagy hatte mittlerweile geheiratet und eine Familie gegründet. Er und seine Frau beantragten nicht, wie viele seiner Landsmänner, die sowjetische Staatsbürgerschaft, sodass Nagy unter die Beobachtung der Kommunistischen Partei fiel, später auch für einige Tage in Untersuchungshaft kam. Dennoch war man sich seines Talentes, Texte und Reden zu schreiben, und seines Charismas bewusst.
2.2. Die Zeit vom Zweiten Weltkrieg bis 1953
Den Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebte Nagy in der Sowjetunion. Ungarn hatte an der Seite Nazi-Deutschlands gekämpft und war einer der Verlierer des Zweiten Weltkriegs, so dass eine Nachkriegsordnung von den Alliierten beschlossen wurde. Eine neue, sowjetrusslandfreundliche, Regierung wurde bereits in Moskau von Exil-Ungarn unter Aufsicht Stalins gegründet, 6 sodass Nagy als designierter Landwirtschaftsminister 1944 mit der Roten Armee in sein Heimatland zurückkehrte. Kurz nach Amtsantritt veranlasste er eine umfangreiche Bodenreform um den Groß-grundbesitz in Ungarn aufzulösen. 1945 wurde er Innenminister und kurz darauf Parlamentspräsident. 7 Es zeigt sich in dieser Zeit eine Unentschlossenheit sowohl bei Nagy,
6 Rainer, Imre Nagy, S. 65.
7 Ebd., S. 66.
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Arbeit zitieren:
Silke Peters, 2010, Imre Nagys Rolle während des ungarischen Volksaufstands, München, GRIN Verlag GmbH
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