Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 3
2. Die Historie der SS-Wirtschaft 4
2.1 Der Aufbau der SS-Wirtschaftbetriebe 4
2.1.1 Die wirtschaftliche Betätigungen in den 6
Konzentrationslager
2.1.2 Die ersten SS-Großunternehmen 7
2.2 Die Reorganisation und Expansion 9
2.3 Die SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt und der 12
SS -Rüstungskonzern
2.4 Das rüstungswirtschaftliche Engagement der SS in 15
der zweiten Kriegshälfte und das Scheitern der SS-
Wirtschaft
2.5 Die SS-Geldgeschäfte 19
2.6 Die SS-Unternehmen 20
2.7 Die Persönlichkeiten der SS-Wirtschaft 22
2.7.1 Oswald Pohl 22
2.7.2 Dr. Hans Hohberg 23
3. Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen 24
4. Diskurs über die wirtschaftliche Betätigung der SS 25
5. Schlussbetrachtung 29
6. Quellenverzeichnis 31
6.1 Internet 31
6.2 Literatur 31
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1. Einleitung
Die Schutzstaffel (SS) unter Leitung des „Reichsführer-SS“ Heinrich Himmler war nicht nur eines der wirkungsvollsten Terror- und Vernichtungsinstrumente des nationalsozialistischen Regimes, sondern entwickelte sich sukzessive auch zu einem nicht unbedeutenden Wirtschaftfaktor des Dritten Reiches. 1 Keine andere Organisation verzeichnete in den zwölf Jahren der
nationalsozialistischen Herrschaft einen solchen Machtzuwachs. Neben der Besetzung leitender Ämter im Polizeiwesen, Innenministerium, Heeresrüstung und -verwaltung errang die SS auch großen Einfluß in der Außen-, Spionage-und
Wirtschaftspolitik. Dabei sicherten die Unterorganisationen der Verwaltungs- und Wirtschaftsämter der SS die notwendige Unabhängigkeit und somit letztlich auch eine noch stärkere Stellung im nationalsozialistischen Machtgefüge. Unter Leitung des SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Oswald Pohl entstand sukzessive eine große Wirtschaftsorganisation mit einer Vielzahl von verschiedenartigen Betrieben. Zeitweilig arbeiteten für den SS-Konzern 1.500 Mitarbeiter in der Berliner Zentrale. 2 In den Untersuchungen über das nationalsozialistische Deutschland wurde die wirtschaftliche Betätigung der SS lange Zeit nicht näher betrachtet. Erst in jüngster Geschichte interessierte sich die Wissenschaft für dieses Thema und die SS-Wirtschaft erfuhr eine tiefergehende Betrachtung in der Literatur. In seiner 2003 publizierten Habilitationsschrift „Die Wirtschaft der SS“ beschäftigte sich der renommierte Forscher zur Geschichte deutscher Konzentrationslager, Professor Hermann Kaienburg, in einer ausführlichen, deskriptiven Weise mit diesem umstrittenen Bereich der Geschichte des Dritten Reiches. Bereits zwei Jahre zuvor hatte
1 Naasner: SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung, S.3
2 Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS, S.2f
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sich auch Jan-Erik Schulte in seiner Dissertation unter dem Titel „Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS“ der Thematik gewidmet. Dabei arbeitete Schulte mehr die Motivationsstruktur und Karrieremuster der SS-Wirtschaftsoberen, sowie die spezifischen Mechanismen der SS-Bürokratie heraus. Beide Schriften bearbeiten das Thema äußerst umfassend und verwenden hierbei verschiedene Blickwinkel, was einen
weitreichenden Einblick über die SS-Wirtschaftstätigkeit gibt. Als eine der ersten befasste sich Enno Georg bereits 1963 in seinem Buch „Die wirtschaftlichen Unternehmungen der SS“ mit dem Thema. In der Breite kann das Werk jedoch nicht an die neueren Arbeiten von Schulte und Kaienburg heranreichen. Die darüber hinaus ausgewählten Schriften betrachten hingegen Teilaspekte der SS-Wirtschaft oder grenzen sich durch kontroverse Thesen von der zuvor genannten Standardliteratur ab.
2. Die Historie der SS-Wirtschaft
2.1 Der Aufbau der SS-Wirtschaftbetriebe
Nach der Machtergreifung 1933 versuchte die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) private Wirtschaftsunternehmen zu beeinflussen und in die Parteiorganisation einzubinden. Ein direktes Engagement der Partei oder ihrer Gliederungen an Unternehmen wurde jedoch abgelehnt. Besonders
Reichsschatzmeister Franz Xaver Schwarz sah in direkten Beteiligungen ein zu großes Risiko für die Stabilität der NSDAP. Diese Vorbehalte wurden allerdings durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ignoriert. Der an die NSDAP angeschlossene Verband gründete am 16. April 1934 die „Treuhandgesellschaft für die wirtschaftlichen Unternehmungen der Deutschen Arbeitsfront GmbH“ und begründete somit die erste wirtschaftliche Aktivität der
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Nationalsozialisten. Das bekanntest Projekt der DAF war das Volkswagenwerk in Fallersleben, dem heutigen Stadtteil von Wolfsburg. Neben der DAF widersetzte sich ein halbes Jahr später auch die SS der Anweisung des Reichsschatzmeisters und gründete ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Im Dezember 1934 wurde mit der Magdeburger „Nordland-Verlag GmbH“ das erste Wirtschaftsunternehmen der SS gegründet. Aufgabe des Verlages war es, die Ideen des Nationalsozialismus in Büchern und Schriften zu verbreiten. Am 3. Januar 1936 wurde mit der „Porzellan-Manufaktur Allach/München GmbH“ ein weiteres SS-Unternehmen gegründet. Auch bei diesem Unternehmen stand das
Gewinnstreben im Hintergrund. Vielmehr sollte, entsprechende dem Wunsch und Geschmack Himmlers, der pseudo-religiöse Nazikult auch in der Porzellankunst verbreitete werden. Mit der „Friedrich Franz Bauer GmbH“ gründete die SS im Juni 1937 ihr drittes Unternehmen zum Vertrieb von Fotos aus dem politischen Leben der NS-Diktatur. Um nicht in Konflikt mit der Parteianweisung zu geraten, trat die SS bei ihren Gesellschaften als Träger offiziell nicht in Erscheinung. 3 In den ersten Jahren nach der Machtergreifung war nicht der ökonomische Erfolg vorrangiges Ziel der SS-Wirtschafsbetätigung. Im Grunde war die SS nur bestrebt die nationalsozialistische Ideologie in ihrem Sinne zu verbreiten. Kulturelle und ideologische Repräsentation der nationalsozialistischen Gesinnung waren die bestimmenden Faktoren in der wirtschaftlichen Aufbauphase. Darüber hinaus lernte die Parteiorganisation in dieser Periode aber auch die Grundlagen der Wirtschaftsverwaltung und setzt sich erstmals mit grundlegenden betriebswirtschaftlichen Fragen auseinander. 4
3 Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS,
S.92ff
4 Bundesarchiv: Aufbau der SS-Verwaltung, Online im Internet:
http://www.bundesarchiv.de/foxpublic/FC3C7DAE0A062212000000004187E32A/
findmittelinfo.html [Stand: 07. Mai 2007]
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2.1.1 Die wirtschaftliche Betätigungen in den Konzentrationslager
Parallel zu dem zuvor beschriebenen privatwirtschaftlichen Engagement baute die SS unter Leitung des Verwaltungschef-SS Oswald Pohl konsequent die Werkstätten der ihr unterstellten Konzentrationslager (KZ) aus. Zu Beginn beschränkte sich die wirtschaftliche Tätigkeit der Häftlinge nur auf interne Arbeiten zur Selbstversorgung der Konzentrationslager. Die Werkstattbetriebe, mit Ausnahme des Konzentrationslagers Dachau, waren deshalb zunächst sehr klein. Erst Ende 1936 kam die Idee auf, die KZ-Häftlinge als billige Arbeitskräfte in Werkstätten auch außerhalb der einzusetzen. 5 Konzentrationslager Der größer werdende
Arbeitskräftemangel im Deutschen Reich gefährdete zunehmend den Plan der Reichsführung bis 1940 eine kriegsfähige Armee und Wirtschaft zu formen. Die sich auftuende Lücke bei den Arbeitskräften konnte nur durch den Einsatz von KZ-Häftlingen geschlossen werden. So mussten in den nächsten Jahren vermehrt Gefangene auch außerhalb der Konzentrationslager eingesetzt werden. Um die steigende Nachfrage nach Arbeitskräften zu befriedigen, musste die SS auch immer mehr Personen in den Konzentrationslagern internieren. Es kam zu einer regelrechten Verhaftungswelle. Dabei achtete die SS bewusst auf die Arbeitsfähigkeit der zu verhaftenden Personen. Nicht einsatzfähige, somit wirtschaftlich unrentable Personen hatten Glück und wurden verschont. Aufgrund der zunehmenden gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Arbeitskräfte aus den Konzentrationslagern wuchs innerhalb der SS langsam die Sorge über einen Kontroll- und Kompetenzverlust beim Häftlingseinsatz. Erst eine Kooperation mit dem „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ Albert Speer konnte diese Sorge ausräumen und sicherte der SS die vollständige
5 Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS,
S.98ff
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Kontrolle über den Arbeitseinsatz der KZ-Häftlinge. Laut Abkommen sollten die Gefangenen für die gigantischen städtebaulichen Neubaumaßnahmen der Nationalsozialisten,
besonders in der Reichshauptstadt Berlin, eingesetzt werden. Himmler und die SS behielten somit die Kontrolle über die KZ-Häftlinge, während Speer sich die nötigen Arbeitskräfte für seine Bauvorhaben gesichert hatte. 6
2.1.2 Die ersten SS-Großunternehmen
Im Gegensatz zur bisherigen Maxime wagte die SS im Jahre 1938 mit der „Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH“ (DESt) erstmals den Vorstoß ein Großunternehmen zu planen und schließlich auch zu gründen. Weniger aus wirtschaftlichen, sondern vielmehr aus Angst die Kontrolle über das Arbeitskräftepotenzial der KZ-Häftlinge zu verlieren und somit auch die machvolle Stellung der Organisation im NS-Staat zu gefährden, setzte die SS ihren Plan um. Das neue, eigene Unternehmen basierte vornehmlich auf der Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge. Die Finanzierung des Vorhabens wurde weitestgehend durch den wichtigsten Vertragspartner, Albert Speer, gesichert. Die SS war selbst nicht in der Lage die benötigen Finanzmittel aufzubringen. Erst eine großzügige Anzahlung aus Speers Städtebauetat ermöglichte der SS die Errichtung ihrer erster Betriebsstätten, den Ziegelwerken in Oranienburg, Hamburg und Weimar. Wirtschaftlich war das neue SS-Unternehmen jedoch nicht erfolgreich. Dies spielte jedoch nur eine untergeordnete Rolle, da die DESt vorrangig zur Sicherung des Einflusses der SS und zur Absicherung der Bauvorhaben Speers benötigt wurde. 7
6 Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS,
S.103ff
7 Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS,
S.103ff
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Im Mai 1939 weitete die SS ihre Tätigkeit aus und gründete mit der „Deutschen Ausrüstungswerke GmbH“ (DAW) ein weiteres Großunternehmen. Während die Entstehung der DESt eher politisch motiviert war, wurde die DAW aufgebaut um die gerade entstehenden bewaffneten SS-Verbände mit bestimmten Gütern zu versorgen. Wie bei der DESt basierte die wirtschaftliche Tätigkeit der SS auf der Ausbeutung der KZ-Häftlinge. Bei beiden Unternehmen wurde jedoch die SS-Trägerschaft bewusst hinter Privatpersonen verschleiert. Noch wagte es die SS nicht, als Wirtschaftsorganisation offiziell in Erscheinung zutreten. 8 Anfänglich fertigten die Werkstätten der DAW vor allem Inventarausstattungen wie Betten und Schränke. Mit Beginn des so genannten totalen Krieges wurde die Fertigung allerdings auf Rüstungszwecke umgestellt. 9 Auf der Basis der durch die Aufrüstung bedingten gesamtwirtschaftlichen
Bedarfsdeckungslücke, besonders bei den Arbeitskräften, und vor dem Hintergrund ideologisch vorangetriebener Städtebauprojekte, erreichten die Wirtschaftsunternehmen der SS ein neues Entwicklungsstadium. Im Zuge der wirtschaftlichen und politischen Kriegsvorbereitung waren die DESt und die DAW die beiden größten und bedeutendsten SS-Unternehmen. 10
8 Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS,
S.125ff
9 Naasner: SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung, S.169
10 Bundesarchiv: Aufbau der SS-Verwaltung, Online im Internet:
http://www.bundesarchiv.de/foxpublic/FC3C7DAE0A062212000000004187E32A/
findmittelinfo.html [Stand: 07. Mai 2007]
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Arbeit zitieren:
Christian Schmitt, 2007, Die Wirtschaftsunternehmen der SS, München, GRIN Verlag GmbH
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