Gicht ist die Folge einer Störung des Purinstoffwechsels. Purine, wie Adenin, Hypoxanthin und Guanin, sind Bestandteile der Nukleinsäuren und damit der DNA oder RNA und kommen in allen menschlichen und tierischen Zellkernen vor. Harnsäure ist das Abbauprodukt dieser Purine. Die Zufuhr zum Harnsäurepool erfolgt einerseits aus der körpereigenen, endogenen Synthese (350 mg täglich), andererseits aus Nahrungspurinen (exogener Purinzufuhr) mit mehr als 300 mg täglich. Während beim Stoffwechselgesunden ein Gleichgewicht zwischen Harnsäurezufuhr undausscheidung besteht, ist dieses beim Gichtkranken gestört. Somit kommt es zu einer Vergrößerung des Harnsäurepools. Beim Gesunden liegt die Harnsäurekonzentration im Serum zwischen 2 und 7 mg/dl. Ab einer Harnsäurekonzentration von 6,5 mg/dl besteht die Gefahr einer Harnsäureausfällung.
Abbildung: Synthese, Zufuhr und Ausscheidung der Harnsäure
Gicht-Symptome
Ein akuter Gichtanfall führt zu Schwellungen und Hautrötungen an den Gelenken. In 2/3 aller Fälle ist das Großzehengrundgelenk betroffen. Diese können sich auf benachbarte Gebiete ausdehnen. Begleitend treten Symptome wie allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, erhöhter Puls, Kopfschmerzen und Erbrechen auf. Man unterscheidet vier verschiedene Formen: 1. asymptomatische Hyperurikämie: erhöhter Harnsäurespiegel, der zufällig entdeckt wird und völlig symptomlos verläuft.
2. akuter Gichtanfall: entsteht durch Natriumuratkristalle im Gelenkinnenraum und führt zu erheblichen Schwellungen, Entzündungen und Ergussbildung. Der Anfall beginnt in der Regel nachts oder frühmorgens und ist extrem schmerzhaft. Auslöser sind üppige Mahlzeiten mit Alkoholgenuss. Klassisch ist der Befall der Großzehengrundgelenks, aber auch Finger- und Handwurzelgelenke sowie das obere Sprunggelenk können betroffen sein. 3. interkritische Phase: hierbei handelt es sich um die Zeitspanne zwischen zwei Gichtanfällen, die wiederum symptomfrei verläuft. Es kann Monate bis Jahre dauern, bis ein neuer Gichtfall auftritt.
4. chronische Gicht: von einer chronischen Gicht spricht man, wenn es in mehreren Gelenken zu Harnsäure Ablagerungen, entzündlichen Reaktionen sowie Knorpel- und Knochenzerstörungen mit arthritischen Gelenkveränderungen kommt.
Gicht-Diagnose
Die Diagnose einer Hyperurikämie basiert auf der Messung des Harnsäurespiegels und dem Nachweis von Natriumuratkristallen in den Geweben und Gelenken. Gicht-Therapie
Das Ziel der Langzeittherapie ist eine dauerhafte Senkung des Harnsäurebestandes im Körper. Die Ernährungstherapie ist dabei die Basis. Dabei muss die Gesamtzufuhr von Purinen, die sich sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln als Bausteine der RNS, DNS und von Nukleotiden zu finden sind. Daneben werden Medikamente eingesetzt, die zum einen die Bildung von Harnsäure hemmen (Urikostatika) und zum anderen die Ausscheidung über die Niere erhöhen (Urikosurika).
Ernährungstherapie bei Hyperurikämie und Gicht
Eine konsequente Ernährungsumstellung hilft, Medikamente einzusparen oder macht diese überflüssig. Die häufige Über- und Fehlernährung in den westlichen Industrieländern ist als Ursache für die Entstehung einer Hyperurikämie und letztlich der Gicht zu sehen. Die Ernährungsumstellung bei einer Hyperurikämie verfolgt folgende Ziele:
• Einschränkung der Purinzufuhr mit der Nahrung
• Normalisierung des Körpergewichts bei Übergewicht
• Als Eiweißquelle Milch und Milchprodukte bevorzugen
• Einschränkung des Alkoholkonsums
Eine purinarme Kost sollte nicht mehr als 300 bis 500 mg Harnsäure pro Tag oder bis 3500 mg wöchentlich enthalten.
• Der Fleisch-, Fleischwaren- und Fischkonsum sollte sich auf 100 g pro Tag beschränken. Bei
Geflügel und Fisch ist die purinreichere Haut entfernen.
• Tierische Lebensmittel mit mehr als 200 mg Purinen pro 100 g wie Innereien, Schwarten,
Fleischextrakt, bestimmte Fischarten und alle pflanzlichen Produkte mit mehr als 50 mg Purinen pro 100g wie Hülsenfrüchte, grüne Erbsen, Broccoli, Weizenkeime sollten gemieden werden.
• Bevorzugung fettarmer Milchprodukte und Ei als Quelle tierischen Eiweißes
• Meiden von Innereien wie Leber, Niere, Bries, Herz, einige Fischsorten und Krustentiere wie
Salzhering und Hummer
• Hülsenfrüchte und purinreiche pflanzliche Lebensmittel meiden (Kohl, Rosenkohl, Erbsen,
weiße Bohnen und Linsen
• Einschränkung des Alkoholkonsums auf ein Glas Wein oder Bier täglich. 100 ml Bier enthalten
15 mg Harnsäure. Auch alkoholfreies Bier enthält etwa die gleiche Menge Purine
• Tee, Kakao und Kaffee sind erlaubt.
• Die Flüssigkeitszufuhr sollte täglich mehr als 2,5 Liter betragen, damit die
Harnsäureausscheidung über die Niere durch die erhöhte Diurese steigt. Geeignet sind alkalisierende hydrogencarbonatreiche Mineralwässer (führen zu einem Anstieg des Harn-pH-Wertes).
• Die Nahrungsmittel am besten kochen, da ein Teil der Purine in das Kochwasser übergeht
Eine streng purinarme Diät enthält nicht mehr als 300 mg Harnsäure täglich oder 2000 mg pro Woche. Es gelten die Regeln der purinarmen Diät. Zusätzlich sollte sich die Fleisch-, Wurst- oder Fischaufnahme maximal bis 100 g auf ein- bis zweimal wöchentlich beschränken.
Therapie bei einem akuten Gichtanfall
Tritt akut ein Gichtanfall auf, sollte eine flüssigkeitsangereicherte, streng purinarme Kost verabreicht werden. Für die Flüssigkeitszufuhr eigenen sich Tee, Säfte und alkalisierende Mineralwässer. Die Kost sollte leicht verdaulich sein. Für die Dauer der akuten Phase kann auch eine Reis-Obst-Diät oder Obstkost eingesetzt werden.
Rheumatoide Arthritis
Bereits dem griechische Arzt Hippokrates (460 bis 377 v. Chr.) und dem großen deutschen Mediziner Paracelsus (1493 bis 1541) war Rheumatismus und dessen Behandlung bekannt. Rheumatische Erkrankungen sind der Oberbegriff einer Vielzahl verschiedener Erkrankungen. Ihr gemeinsames Hauptmerkmal ist der Lokalisationsort das Stütz- und Bindegewebe des Bewegungsapparates. Von den rheumatischen Veränderungen sind der Bewegungsapparat mit seinen Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern, aber auch Erkrankungen des Bindegewebes, betroffen. Der Begriff Rheumatismus kommt aus dem Griechischen und bedeutet fließen, strömen. Es ist die veraltete, ungenaue Bezeichnung für die verschiedendsten Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, die mit fließenden, reißenden und ziehenden Schmerzen am Bewegungsapparat einhergehen. Nur die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen wie die chronische Polyarthritis sind einer Ernährungstherapie zugänglich.
Erst in jüngster Zeit zeigen wissenschaftliche Studien, daß nur in tierischen Nahrungsmitteln Stoffe enthalten sind, die die Entzündung der Gelenke fördern. Die Entzündung steht in engem Zusammenhang mit einer erhöhten Belastung des Körpers mit Arachidonsäure. Sie kommt nur in
tierischen, fettreichen Nahrungsmitteln vor. Etwa jeder 10. Erwachsene in Deutschland leidet unter den Symptomen von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Als Rheuma bezeichnet man im Volksmund Krankheiten mit Schmerzen in den Bewegungsorganen (Gelenke, Wirbelsäule oder Muskulatur). Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises gibt es in zahlreichen, unterschiedlichen Ausprägungen. Rheuma ist eine Sammelbezeichnung für mehr als 100 unterschiedliche Erkrankungen. Allen ist der Schmerz der Bewegungsorgane und eine eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke gemein. Zudem kommt es zu Schwellung und unter Umständen zum teilweisen oder vollständigen Funktionsverlust der betroffenen Körperregionen. Die den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zugrundeliegenden immunologischen Mechanismen sind nur unzureichend bekannt und Bestandteil der medizinisch wissenschaftlichen Forschung. Neben erblichen Faktoren, die sowohl bei den entzündlichen als auch den degenerativen rheumatischen Erkrankungen als wesentliche Rolle spielen, gelten bakterielle Infektionen, Streß sowie chemikalische und physikalische Einwirkungen als wichtigste Auslöser. Für die entzündlichen Reaktionen, die bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen auftreten, sind die sogenannten Eicosanoide und Zytokine als Vermittler der Entzündung (= Entzündungsmediatoren) wesentlich mitverantwortlich. Die häufigsten Formen von Rheuma sind Arthritis, Arthrosen, Weichteilrheumatismus, Wirbelsäulenverschleiß und die chronische Polyarthritis. Aber auch Gicht, die Osteoporose und Morbus Bechterew zählen zu den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.
Die verschiedenen rheumatischen Erkrankungen sind von der Häufigkeit in der deutschen
(Verschleißerkrankungen des Gelenkknorpels) 5 Millionen Betroffene
Weichteil-Rheumatismus (meist ist die Muskulatur betroffen) 1,6 Millionenn Betroffene Chronische Polyarthris (Entzündungen in mehreren Gelenken) 1 Million Betroffene
Rheuma-Therapie
Die medikamentöse Therapie erfolgt in erster Linie auf die Beschwerden bezogen. Die am häufigsten eingesetzten antirheumatischen Medikamente, die nichtsteoridalen Antirheumatika, Cortison und Basistherapeutika richten sich vorrangig gegen die Entzündung. Die nichtsteoridalen Antirheumatika wirken zusätzlich unterschiedlich stark gegen den Rheumaschmerz. Nachteil dieser Medikamente stellen die relativ häufig auftretenden unerwünschten Wirkungen (Nebenwirkungen) teils schwerwiegender Natur dar sowie Kontraindikationen, die den Einsatz bei Patienten verbieten. Grundlagen der Ernährungstherapie bei Rheuma
Ernährungstherapie statt Medikamentenbehandlung - davon träumen viele Rheumatiker, die mit Nebenwirkungen zu kämpfen haben, oder die unter starken Schmerzen trotz Medikation leiden. Die richtige Ernährungsweise sowie die regelmäßige Krankengymnastik kann die Rheumatherapie nicht ersetzten, sie bringt jedoch eine nebenwirkungsfreie, billige und lecker schmeckende Unterstützung im Kampf gegen eine chronische Krankheit. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sind keine ernährungsbedingten Erkrankungen wie Adipositas, Gicht oder Diabetes mellitus Typ 2. Bereits Hippokrates beschrieb jedoch Beziehungen zwischen der Ernährungsweise und dem Erkrankungsverlauf bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.
Die primär chronische Polyarthritis ist eine immunologisch bedingte rheumatische Erkrankung, die auf eine Ernährungstherapie anspricht. Grundsätzlich läßt sich feststellen, das Patienten, die unter einer primär chronischen Polyarthritis leiden, ihre Beschwerden verringern und gegebenenfalls Medikamente einsparen können, wenn sie vorwiegend pflanzliche Nahrungsmittel, wenig fettreiche
tierische Nahrungsmittel, reichlich Fisch (mindestens 3 - 4 mal wöchentlich) essen und antioxidative Vitamine sowie Mineralstoffe und Omega-3-Fettsäuren substituieren. In einer Befragung gaben 61 von 140 Befragten Rheumatikern an, daß der Genuß von Fleisch- und Wurstwaren zu einer Verschlimmerung der Rheumabeschwerden führt und 27 gaben an, daß diese durch tierische Fette und Milchprodukte hervorgerufen wird. Eine Besserung glaubten von 140 40 nach pflanzlicher Kost, 36 nach Fasten, 57 nach einer Kost mit hohem Rohkostanteil und 17 unter anderem nach dem Genuß von pflanzlichen Fetten zu beobachten. Übergewicht: Der Feind des Rheumatikers
Sehr viele Rheumapatienten haben Übergewicht. Jedes Kilo zuviel belastet den Bewegungsapperat. Eine Gewichtsreduktion ist für den übergewichtigen Rheumatiker der erste und wichtigste Schritt zur Schmerzreduktion.
Richtig abnehmen bei rheumatischen Erkrankungen
Nach jahrelangen Diskussionen um die richtige Reduktionskost ist klar, daß eine fettarme Ernährung zur Gewichtsabnahme führt. Ein Gewichtsverlust von 500 g pro Woche ist dabei völlig ausreichend. Die Energiezufuhr bei einer Reduktionskost liegt idealerweise zwischen 1200 und 1800 Kilokalorien. Nicht Kartoffeln, Reis, Nudeln, Brot, Bananen oder Weintrauben sind die Dickmacher der Nation sondern die großen Fleisch- und Wurstportionen, die auch den Arachidonsäurespiegel erhöhen. Im Gegensatz zu Fett machen Kohlenhydrate nicht dick und enthalten keine Arachidonsäure. Kohlenhydrate
Die direkte Energieversorgung des Körpers stammt aus kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln wie Getreideprodukten (Vollkornbrot, Vollkornbrötchen, Vollkornreis, Vollkornnudeln), Gemüse, Salate, Kartoffeln, Obst und Zucker. Mit Ausnahme von Zucker und Weißmehlprodukten sind kohlenhydratereiche Nahrungsmittel relativ Kilokalorienarm aber reich an wertvollen Ballaststoffen. Eiweiße
Eiweiß wird wissenschaftlich als Protein bezeichnet und ist lebensnotwendig. Es dient dem Körper als Baustoff für die Muskulatur aber auch für zahlreiche Hormone und Enzyme. Rheumatiker decken ihren Eiweißbedarf über pflanzliche Nahrungsmittel, fettarme Milchprodukte und insbesondere Fisch. Entgegen der häufig ausgesprochenen Empfehlung hat der Konsum von Schweinefleisch keinen negativen Effekt bei Gelenkerkrankungen oder Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Fette
Fett ist der energiereichste Nährstoff und deswegen weisen Mediziner und Diätassistenten darauf hin, daß Fett fett macht. Rheumatiker sollten ausschließlich hochwertige Vitamin-E- reiche Pflanzenöle und Diät- oder Reformmargarine verwenden. Rheumatiker, insbesondere die unter Übergewicht leidenden, profitieren von einer äußerst sparsamen Verwendung der richtigen Fette. Richtig trinken bei Rheuma
Jeder Mensch sollte täglich mindestens 2 Liter trinken. Die meisten Getränke haben keinerlei Einfluß auf das rheumatische Geschehen. Nur alkoholische Getränke können den entzündlichen Prozeß verstärken und sollten aus diesem Grunde weitgehend gemieden werden. Rheumatikern ist insbesondere Schwarz-, Kräuter- und Früchtetee, Kaffee (maximal 4 Tasse pro Tag), vitalstoffreicher Obst- und Gemüsesaft und besonders Mineralwasser (calciumreich > 250 mg/l) zu empfehlen.
Arbeit zitieren:
M.Sc. Sven-David Müller, 2011, Ernährungstherapie bei Arthritis und Arthrose, München, GRIN Verlag GmbH
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