ihm einmal von einem Traum erzählte, indem seine Mutter ihm prophezeite, dass Wassili berühmt sein wird.
Mit 13 Jahren ging Wassili in die Stadt Pskow, in das geistliche Seminar. Mit 26 Jahren legte er die Mönchsgelübde ab und bekam den Priesternamen Tichon zu Ehren des großen Lehrers des christlichen Lebens - Tichon von Sadonsk. Fünf Jahre später wurde er zum Bischof geweiht und ging nach Nordamerika, wo er als Oberhaupt der russischen Orthodoxen galt. Jedoch vermisste er hier sehr seine Heimat, seine „Mütterchen“ Russland. 1907 wurde er aus Amerika nach Russland überführt, in die Stadt Jaroslawl, wo er den Stuhl des Erzbischofs bestieg. Dort diente er bis zum Jahr 1913.
Schon zu dieser Zeit gab es ja erste Beunruhigungen unter dem Volk. Die Niederlage im russisch-japanischen Krieg, der Petersburger Blutsonntag von 1905 führte zur Unzufriedenheit des Volkes. Es gab unter anderem auch die ersten Versuche die Kirche zu reformieren. Tichon war aber der überzeugte Monarchist, was viele Quellen verdeutlichen. Er schloss sich dem „Bund des russischen Volkes“ an, welcher sehr nationalistische und orthodox-monarchistische Ideen vertritt. Tichon kämpfte zusammen mit anderen Monarchisten gegen den progressiven Block und wurde sogar von dem letzten Romanow mit einem Diamantenkreuz (für das Tragen auf dem Klobuk - Kopfbedeckung eines Mönchen) ausgezeichnet.
Als er am 18. November 1917 auf dem ersten Landeskonzil zum Patriarchen gewählt wurde, konnte er sich nicht vorstellen, was ihn und das ganze Land in den nächsten Jahren erwartete, nämlich Verfolgungen, Verhaftungen und nicht zuletzt die Erschießungen. Anathema, Großer Hunger, Antireligiöse Kampagne, Aufstand in Schuja Als die Bolschewiki in der Bürgerrevolution gesiegt haben und die Macht übernahmen, äußerte er sich kritisch darüber. Er verglich den Aufbau des Sozialismus auf dem russischen Boden mit dem Turmbau zu Babel, indem er prophezeite, dass ihr Vorhaben auf das gleiche Schicksal trifft wie das der Babylonier. Außerdem verurteilte er das Dekret über die Trennung der Kirche vom Staat und den Friedensvertrag von Brest-Litowsk.
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Während der Oktoberrevolution belegte er die sowjetische Macht mit dem Anathema (nannte jedoch keine Namen) vgl. Quellen zum Landeskonzil 1917/18 und zur Auseinandersetzung der Kirche mit den Bolschewiki, in: Hauptmann/ Stricker, S. 642-651. Man könnte zum Entschluss kommen, dass er auf der Seite der Weißgardisten war. Diese Behauptung wäre jedoch falsch. Er unterstützte anfangs die weißen Generäle (Koltschak, Wrangel, Denikin) moralisch, gab ihnen jedoch nie sein Segen, den Krieg gegen die bolschewistische Masse zu führen.
Die Geistlichen müssen ja schließlich den Frieden auf der Erde predigen, so wäre es nicht richtig gewesen, wenn Tichon sich einer Seite angeschlossen hätte. Er müsste in diesem Fall (in dem Bürgerkrieg zwischen den Weißen und den Roten) neutral bleiben (was Tichon auch anfangs tat).
Er konnte aber nicht schweigen, als die Bolschewiki anfingen die Reliquienschreine zu öffnen im Zuge der großen Rettungsaktion der hungrigen Menschen. Als 1921 aufgrund der Missernte, der große Hunger in Russland ausbrach und viele Menschen in großen Massen starben, konfiszierte der Staat sämtliche Kirchenschätze (mit Ausnahme der für die Durchführung der Gottesdienste unbedingt notwendigen Gegenstände) um diese im Ausland zu verkaufen und somit das Brot für das Volk zu besorgen. Tichon weigerte die geweihte Kultgegenstände zur Verfügung zu stellen, da er es als Gotteslästerung sah. Die Kirche (unter der Leitung von Tichon) versuchte ein Hilfsprogramm für Hungernde im Wolgagebiet zu organisieren. Der Versuch scheiterte, da der Staat es ihr verboten hat. Es kam zu großen Aufständen unter dem gläubigen Volk, da viele ihre Kirchenschätze von der Konfiskation schützen wollten. Der Aufstand der Menschen in der Stadt Schuja, in dem 5 Menschen von der bolschewistischen Polizei erschossen wurden, ist ein repräsentatives Beispiel für den Kampf der orthodoxen Gläubigen mit dem atheistischen Staat. Auch dazu hat Tichon seinen Beitrag geleistet. Am Vorabend des Aufstandes schickte er an Episkopate den Brief mit dem Aufruf zum Kampf gegen Gotteslästerer.
Für die Bolschewiki gab dieser Aufstand die Möglichkeit, viele Todesurteile auszusprechen und den Gerichtsprozess gegen die Geistlichen durchzuführen. Dabei war es irrelevant, ob die Priester sich in diesem Aufstand beteiligten oder nicht. Die bolschewistische Macht wollte
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Arbeit zitieren:
Nadja Schmidt, 2011, Patriarch Tichon – ein Beschützer des orthodoxen Glaubens und der orthodoxen Kirche?, München, GRIN Verlag GmbH
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