Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. AUFBAU DES SCHULSYSTEMS 4
2.1. Reformbewegung 4
2.2. Schule als vormilitärische Ausbildung 6
3. KONZEPTION DES UNTERRICHTS 7
3.1. Ideologische Grundlagen 7
3.2. Umsetzung im Schulalltag 11
4. VERGLEICH MIT MODERNER SCHULPÄDAGOGIK 13
5. SCHLUSS 15
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1. Einleitung
„Seit es Schulen gibt, lässt sich an ihnen ablesen, welche Aufmerksamkeit die Gesellschaft heranwachsenden Generationen widmet und was sie von ihnen erwartet“ (Marotzki [u.a.], 2005, S. 36).
Eine gesellschaftliche Ordnung, eine ideologische Weltanschauung oder auch ein politisches System werden gemeinhin stets bemüht sein, ihre Kenntnisse, Sichtweisen, moralischen Wertvorstellungen und systembedingte Grundsätze an Folgegenerationen weiter zu geben, um so den eigenen Fortbestand in der Zukunft zu sichern. Ist das erklärte Ziel eines Staates und besonders dessen absoluter Führungsspitze, das ‚eigene‘ Volk an die Spitze der globalen Evolution zu führen, so möchte man davon ausgehen, dass insbesondere auf fundierte schulische Ausbildung und Erziehung besonderes Augenmerk gelegt wird. Gemessen an diesem Denkansatz wird man bei genauerer Betrachtung des Schulsystems während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland feststellen, dass dem durchaus so war, jedoch nicht, wie es modern erzogene Menschen als selbstverständlich erachten würden. Das Thema der Erziehung im Dritten Reich ist zweifelsohne ein weites und vielfach bearbeitetes Feld. Analog zu der nicht enden wollenden gesellschaftlichen Diskussion und Reflektion der gesamten Zeit der Nazi-Diktatur finden sich auch in diesem Teilaspekt deutscher Geschichte vielfältige Meinungen: Aussterbende Generationen von Zeitzeugen, Journalisten und Wissenschaftler - alle vertreten teilweise völlig unterschiedliche, wenn auch von ihrem Standpunkt aus verständliche, Ansichten und Denkweisen. Ich beschäftige mich vor allem mit diesem Thema, weil ich mir selbst die Frage stelle: Wie ist es möglich, Generationen von Jugendlichen einer Ideologie zu unterwerfen?
Ich möchte in dieser Ausarbeitung vor allem die Grundlagen der Schule und ihre Verwendung im Erziehungsapparat des Dritten Reiches beleuchten. Zunächst werde ich im ersten Abschnitt auf die Übernahme des Schulsystems der Weimarer Republik und deren Umgestaltung eingehen. Auch die Nutzung des Sportunterrichts als Vorbereitung auf den Militärdienst werde ich kurz ansprechen. Um die Konzeption eines Schulsystems, dessen Aufgaben, Ziele und Strukturen, nachvollziehen zu können, muss man beachten, in welchem gesellschaftlichen Kontext sie entstanden und betrieben wurden. Zu diesem Zwecke gehe ich im zweiten Teil dieser Ausarbeitung auf die allgemeinen Vorstellungen der Nationalsozialisten zum Thema der Erziehung ein. Hier ist besonders die Person des Adolf
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Hitler zu beachten, da die Erziehungswissenschaftler, wie auch ein Großteil des gesamten Erziehungssystems, sich auf seine Thesen und Vorstellungen zur Erziehung und Ausbildung der Jugend berufen, oder ihre Werke aus Hitlers ideologischer Schrift ‚Mein Kampf‘ ableiten. Anschließend betrachte ich, wie sich die tatsächliche Umsetzung dieser Ideen im Schulalltag vollzog und gehe hierbei auch auf einige Zeitzeugenberichte ein. Im dritten Abschnitt werde ich die Erziehungsgrundsätze des Dritten Reiches mit jenen vergleichen, welche in der heutigen Zeit in der Bundesrepublik Deutschland Anwendung finden.
2. Aufbau des Schulsystems
2.1. Reformbewegung
Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschlang erlangten, übernahmen sie ein Bildungssystem, welches in den vorangegangenen Jahren mehrfach zur Reformierung anstand, diesen Wandel allerdings nie vollzogen hatte. Die Weimarer Republik hatte zuvor, vor allem in ihren Anfangsjahren, versucht, ein gesellschaftliches Umdenken, weg vom Militarismus des Kaiserreiches, hin zur demokratischen Kultur, zu erzeugen. Ein Reichsschulgesetz sollte das staatliche Bildungswesen vereinheitlichen, reformpädagogische Ideen das Schulwesen reformieren. Die Pläne der Demokratischen Partei (DDP) und der Sozialdemokraten gerieten allerdings schon dadurch ins Wanken, dass die Zentrums-Partei der Reichsverfassung und dem Versailler Friedensvertrag nur unter der Bedingung zustimmten, dass Religion als ordentliches Schulfach bestehen bleibt, genauso wie die Möglichkeit konfessioneller Schulen. Während die Weimarer Republik gegen die verschiedensten Widrigkeiten in innen- und außenpolitischen Bereichen zu bestehen hatte, scheiterten auch die Reformpläne im Bildungsbereich an der Uneinigkeit des zersplitterten politischen Machtapparates (vgl. Tenorth, 2000, S. 254-258).
Nach der Machtübernahme führten die Nationalsozialisten die Reformpläne der Republik aus, jedoch nicht ohne sie an ihre Ideologie anzupassen. Die zuvor an Uneinigkeit und Vielzahl der Reformer und politischen Lager gescheiterten Maßnahmen wurden nun mit autoritären Mitteln umgesetzt. Bereits 1934 wurden den Ländern durch das ‚Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung‘ (RMWEV) sämtliche Kompetenzen im Bereich
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der Bildung entzogen. Wie in den meisten anderen Bereichen des öffentlichen Lebens wurde auch das Bildungs-und Erziehungssystem ‚gleichgeschaltet‘ und an die Ideologie der nationalsozialistischen Politik angeglichen. Die Zusammenfassung der Lehrer zum ‚Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbund‘ und die Einrichtung der ‚Hochschulen für Lehrerbildung‘, vorwiegend in ländlichen Gebieten, zeigten bereits in den Anfangsjahren des Dritten Reiches, wie nachhaltig das deutsche Bildungssystem verändert werden sollte. Die Einführung von Zugangsbeschränkungen zu Hochschulen und akademischen Berufsfeldern für Frauen und Juden waren bereits die ersten Anzeichen für die bevorstehende Vereinigung von Ideologie und Lehre.
Zu einem der wichtigsten Punkte in Hitlers Idee der völkischen Erziehung gehört zweifelsfrei auch die Umgestaltung außerschulischer Aktivitäten. Mit der 1933 etablierten ‚Hitler-Jugend‘ (HJ) wurde eine politisch gesteuerte Jugendorganisation geschaffen, welche mit Hilfe ihrer staatlich gesicherten Monopolstellung und Mitspracherechten in erziehungspolitischen Fragen nicht nur in erzieherische Konkurrenz zu den bisher existierenden Schulen tritt, sondern auch die Heranwachsenden im Bereich der Freizeit bindet, um so die Indoktrination der nationalsozialistischen Ideologie auf alle Bereiche des Lebens, mit Ausnahme der Familie, auszudehnen. Ab 1939 wurde die Mitgliedschaft in der HJ verpflichtend, womit die Möglichkeit der Abschirmung vor rassistischen und radikalen Gedanken nahezu unmöglich wurde. Eine nahezu ebenbürtige Funktion übernimmt der ‚Bund Deutscher Mädel‘ (BDM), welcher das Gegenstück zur HJ darstellte, mit dem Unterschied, dass hier die Mädchen und jungen Frauen auf Hitlers Ideal der deutschen Frau, in der Hauptrolle als Mutter, einstellen sollte (vgl. Tenorth, 2000, S. 262-265).
Bis 1938 hatte das Dritte Reich das Bildungs- und Erziehungswesen vollständig unter Kontrolle gebracht. Des Weiteren wurde mit dem ‚Reichsschulpflichtgesetz‘ von 1938 die allgemeine Schulpflicht bis zum vollendeten 18. Lebensjahr eingeführt und das drei-stufige Berufsschulwesen definiert. Die Ausbildungsgänge in der Rangfolge: Facharbeiterausbildung im dualen System, Qualifizierung zum Techniker und als höchste Stufe die Ausbildung zum Ingenieur oder Kaufmann hatte in ähnlicher Form auch über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus Bestand (vgl. Tenorth, 2000, S.264).
Insgesamt hatte das nationalsozialistische Regime zwar auch gegen Widerstände von Eltern, Lehrern, Hochschulen und Studenten ankämpfen müssen, scheiterte aber aufgrund seiner politischen Radikalität und Autorität nicht daran. Hitlers Vorstellung vom ‚völkischen
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Arbeit zitieren:
Robert Möller, 2010, Schule als Instrument nationalsozialistischer Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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