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1. Einleitung
Das Erkenntnisinteresse dieser Hausarbeit ist die Entstehungsgeschichte und sprachliche Einordnung des Book of Common Prayer. Dabei werden die gesellschaftlichen, theologischen und literarischen Einflüsse herausgearbeitet, die bewirkten, dass The First Book of Common Prayer 1549 unter Edward VI. veröffentlicht, 1552 unter dem Titel The Second Book of Common Prayer“ in revidierter Form erschien und heutzutage hauptsächlich die Version von 1662 in Gebrauch ist.
Im ersten, historischen Hauptteil ist die Entstehung des allgemeinen Gebetbuchs der Kirche Englands unter Berücksichtigung des historischen Kontexts und diverser „Vorreiter“, die Einfluss auf das Prayer Book nahmen, Gegenstand der Untersuchung. Eine kurze Thematisierung seines Inhaltes und der vorgeschriebene Ablauf des einheitlichen Gottesdiensts werden zur Verdeutlichung, inwieweit sich die Zeit der Reformation und die damit verbundenen Anfänge des Protestantismus auf die anglikanische Kirche auswirkten, beitragen.
Der zweite, analytische Teil befasst sich mit der diachronen Sprachwissenschaft. Nach einem kurzen Überblick über die Sprachstufe des Early Modern English, anhand eines Textausschnitts des Holy Communion aus dem allgemeinen Gebetbuch, wird erläutert werden, welche sprachlichen Besonderheiten das Book of Common Prayer auszeichnet. Inwieweit sich Morphologie und Syntax im Speziellen (bezogen auf konkrete Textbeispiele) vom Modern English, und teilweise auch vom allgemeinen Early Modern English unterscheiden, wird examiniert.
Im Fazit werden abschließend Rückschlüsse auf die wechselseitige Beziehung von Entstehungsgeschichte und sprach(wissenschaft)licher Merkmale -die
ausschlaggebenden Konstituenten der heute gebrauchten Version - von 1662 gezogen.
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2. Geschichte des Book of Common Prayer
2.1 Historischer Hintergrund
Gemäß Francis Procter dauerte es bis in die letzten Jahre der Regierung Henry VIII., bis in England der Wunsch nach einer Veränderung der öffentlichen Gottesdienste laut wurde. (1961: 26) Bis dahin war noch immer der Katholizismus die führende Religion in England gewesen, was sich jedoch laut Trim und Balderstone innerhalb der Periode des Early Modern English ändern sollte. (2004: 2) Während dieser für die englische Geschichte so bedeutenden Zeit wurden die ersten Widerstände gegen die Autorität der Roman Catholic Church vernommen. (ebd.: 2-3) Henry VIII. hatte stets seine Vorherrschaft gefordert. Er löste die Klöster auf und verleumdete die Mönche. Die Äbte, die sich ihm widersetzten, wurden gehängt, gefesselt und wegen Verrats gevierteilt. Diese einst so einflussreichen Kirchenmänner, die den Halt und die Unterstützung durch das Königreich erfahren hatten, wurden nun binnen weniger als hundert Jahren vernichtend als Verräter kritisiert. Doch diese Veränderungen passierten nicht allein durch Henrys Einfluss. Vielmehr wurden die Änderungen an der kirchlichen Regierung und den religiösen Texten und Bräuchen durch den König und seine Minister von den führenden Mitgliedern der kirchlichen Hierarchie Englands genehmigt und vollzogen. Die Unterstützung dieser Kirchenhierarchie war ausschlaggebend für den Erfolg der Henrician reforms, ermöglichte aber auch die Konversion von „the Roman Catholic Church in England“ zu „the catholic Church of England“. (ebd.: 21) Nach dem Tod Henry VIII. im Jahre 1547 kam Edward VI. an die Macht und ließ nun, was unter seinem Vorgänger undenkbar gewesen wäre, den Beginn einer kurzen, doch intensiven Zeit Protestantischer Reform beginnen. (Targoff 2001: 14) Im Ausland hingegen hatte Martin Luther bereits 1523, also noch während der Herrschaft Henry VIII., seine ersten Versuche liturgischer Revisionen veröffentlicht und eine Reihe von ´Kirchen-Ordnungen` eingeführt. Diese waren eher Anordnungen von Gottesdiensten als Service-books und daher noch recht einfach gehalten. Doch sowohl die Katholiken als auch die Lutheraner stellten sich ähnliche Fragen und so ist es wichtig für die Vorgänge in England zwei ausländische Reformen in Betracht zu ziehen, deren Einflüsse später deutlich werden. Erstere war einfach die Katholik von Anfang bis
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Ende, während die zweite den Übergang vom Katholizismus zum Luthertum kennzeichnet. (Procter 1961: 26)
2.2 Entstehung des Book of Common Prayer
“The Book of Common Prayer and Administration of the Sacraments and other Rites and Ceremonies of the Church according to the Use of the Church of England”, wie der vollständige Titel lautet, erschien als “The First and Second Prayer Book of Edward VI” (Brook 1965: 15) erstmals 1549 beziehungsweise 1552. Heute wird zwar hauptsächlich die Überarbeitung von 1661-2 verwendet, doch entspricht diese abgesehen von ein paar geringfügigen Änderungen zu einem großen Grad der Terminologie des ersten oder zweiten Buches von Edward VI. (ebd.: 16) Vor der Reformation waren für die vollständige Ausführung der verschiedenen Zeremonien und Gottesdienste der Kirche gemäß Brook noch eine ganze Reihe an Büchern benötigt worden. Ein wenig war die Zahl der ursprünglich benutzten Bücher zwar schon reduziert worden, doch im späten Mittelalter waren vier bedeutende Gebetbücher immer noch in Verwendung: the Missal, Breviary, Manual and Pontifical. Das Missal stellte dabei das wichtigste Mass-book dar. Das Brevier beinhaltete die täglichen Gottesdienste mit deren allgemeinen Muster der Zusammensetzung von Gebeten, Psalmen, canticles, antiphones und Lesungen, die während der Gebetszeiten zu „Mattins, Lauds, Prime, Tierce, Sext, None and Compline“ vorgetragen werden sollten. Das Manual gab Aufschluss über die gelegentlichen Zeremonien wie Taufe und Beerdigung, welche von jedem zulässigen Priester durchgeführt werden konnten. Ergänzend dazu integrierte das Pontifical jene gelegentlichen Zeremonien wie die Priesterweihe, die ausschließlich von einem Bischoff durchgeführt werden durfte.
Zusätzlich waren für den Gottesdienst die Bücher „Lectionary, Gradual and Antiphoner“ hinzugezogen worden. Ersteres beinhaltete „the Epistles and Gospels of the Mass“, das Gradual ergänzte die musikalischen Teile der Messe und the Antiphoner beinhaltete die musikalischen Teile der Breviary Offices. (ebd.: 17) Im Zuge des Humanismus hatte es bereits einen Versuch gegeben, das Brevier zu überarbeiten. Da dieses Unternehmen jedoch scheiterte, betraute Clement VII. um 1529 den spanischen Franziskaner und Kardinal „of the Holy Cross“ Francis de Quiňones mit der Aufgabe, die Canonical Hours zu ihrer ursprünglichen Form zurückzubringen und dabei Schwierig- und Weitschweifigkeiten herauszunehmen. (Procter 1961: 27) Ziel der Revision sollte sein, dass der Klerus an dessen vernachlässigte Pflicht, Gottesdienst zu
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halten, erinnert würde. So wurde 1535 der erste Text Quiňones veröffentlicht und nachdem sechs produzierte Editionen harten Kritiken standgehalten hatten, wurde zwei Jahre später eine erneut überarbeitete Fassung herausgegeben, die sich beträchtlicher Beliebtheit erfreute. Doch die Reform war, wie sich später herausstellte, zu einschneidend: das Psalmbuch wurde komplett geändert, die lessons in der Kirche wurden auf drei gekürzt und somit alles reduziert, um das Fortleben von Psalmgesängen und dem Lesen in der Bibel zu bewahren. (ebd.) Gemäß Brook ließ das überarbeitete Brevier viele der mittelalterlichen accretions fallen und versuchte ein eher ununterbrochenes Lesen der Heiligen Schrift wiederherzustellen. (1965: 18) Doch auch wenn der beschäftigte Klerus die Einfachheit des Brevier befürwortete und das Werk zur Wiedergewinnung der persönlichen Rezitation des Gottesdiensts beitrug, würdigte es die reformierten Ideen zu sehr und entfernte sich gleichzeitig zu weit und übermütig von den alten Wegen. Als es schließlich in den öffentlichen Gottesdienst hervorgedrungen war, erfuhr es seinen Todesstoß und wurde 1558 durch den Pabst verboten. (Procter 1961: 27) Somit war zwar der erste Schritt in Richtung liturgischer Reformation gescheitert, doch der zweite entwickelte sich bereits während der Zeit des Breviers. 1542 wurde auf Initiative von Hermann von Wied, Prinz Erzbischof zu Köln, sowohl dem Landtag in Bonn als auch den führenden deutschen Geistlichen der Lutherischen Partei ein scheme vorgelegt, dass sich auf die Kirchen-Ordnung von 1533 stützte. (ebd.: 28) Schließlich erschien 1543 Hermann` s Consultation als eine Arbeit von Martin Butzer (Bucer) und Melancthon, wurde jedoch nie in Gebrauch genommen. Trotzdem nahmen diese beiden scheinbar erfolglosen Versuche in England Einfluss auf den Lauf der Ereignisse. So war das überarbeitete Brevier, zumindest in seiner früheren Fassung, noch vor Cranmer erschienen und hinterließ seine Spuren im Prayer Book. (ebd.: 29) Der Einfluss der Deutschen Reformation wird zudem am „direct borrowing“ aus Hermann von Wieds Consultation deutlich. Die Comfortable Words des Communion, bestimmte Gebete für die Taufe und einige Merkmale für die Ausführung des Begräbnisses können auf von Wied zurückgeführt werden. (Brook 1965: 19) Das Book of Common Prayer erschien in der Mitte des 16. Jahrhunderts laut Fritze als Antwort auf das Bedürfnis nach einem einheitlichen Gottesdienstmodell für die sich neu gestaltende englische Kirche. Jenes sollte, soweit es der vorherrschenden Regierung und den kirchlichen Obrigkeiten erstrebenswert schien, als Träger für weitere Schritte zur Reformation hin dienen. (1991: 65) Innerhalb der Christlichen Kirche hatte es zunächst recht freie Formen von Gottesdiensten gegeben und so waren bis zu dem Zeitpunkt, da
Arbeit zitieren:
Sophie Nagel, 2005, The Book of Common Prayer , München, GRIN Verlag GmbH
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