Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. SS 2008
Vorwort
Am Anfang des 21. Jahrhunderts steht die Menschheit vor eine Reihe ungelöster sozialer, ökologischer und ökonomischer Fragestellungen. Eine der wichtigsten davon ist der globale Klimawandel, der in den kommenden Jahrzehnten gravierende Auswirkungen auf den gesamten Planeten haben wird. Schon mehrmals sah sich die Menschheit großen natürlichen Veränderungen gegenüber. Diesmal sind wir allerdings selbst verantwortlich für die Veränderungen der natürlichen Kreisläufe. Durch unsere Treibhausgasemissionen haben wir es geschafft, das gesamte Klima der Erde zu beeinflussen (vgl. IPCC 2007). Mehr als 13 % der anthropogenen Treibhausgasemissionen sind dem Verkehr zuzuschreiben. Im Unterschied zu anderen Bereichen hat man hier jedoch noch kein probates Mittel gefunden, um die Emissionen zu verringern. Im Gegenteil, der CO 2 -Ausstoß aus dem Verkehrssektor steigt und steigt. Sorgen bereitet hier nicht nur der Güter-, sondern auch der Personenverkehr. Ein Teil davon ist auf unsere Urlaubsreisen zurückzuführen: Wir fliegen und fahren immer öfter immer weiter weg. Daraus resultieren neben den klimaschädlichen Treibhausgasen zahlreiche weitere negative Auswirkungen für Mensch und Umwelt.
Besonders bedenklich ist, dass man sich bis heute nicht ernsthaft des Problems angenommen hat. Bisher wurden weltweit kaum Maßnahmen gesetzt, um dem ungezügelten Wachstum des Reiseverkehrs Einhalt zu gebieten. Genau das Gegenteil passiert: Flüge wurden nicht einmal im Kyoto-Protokoll berücksichtigt, und von der Internalisierung externer Kosten im Luft- und Straßenpersonenverkehr ist man auch noch weit entfernt. Daraus ergibt sich die Frage, was man tun kann, dass das Thema nachhaltige Mobilität endlich auch im Tourismusbereich mehr Beachtung geschenkt bekommt. Genau dieser Frage soll diese Arbeit nachgehen. Besonderes Augenmerk liegt dabei - wie aus dem Titel ersichtlich - auf der Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. Ich hoffe, mit dieser Arbeit einen kleinen Beitrag zu einer nachhaltigeren Entwicklung im Sinne des Klimaschutzes leisten zu können.
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Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. SS 2008
Zusammenfassung
Die Anzahl der weltweiten Reisen steigt und steigt - das bedeutet nicht nur höhere Einnahmen aus dem Tourismus, sondern auch ein verstärktes Verkehrsaufkommen, welches durch den Trend zu immer kürzeren und dafür immer öfteren Reisen noch stärker zunimmt. Damit geht eine Reihe von Problemen einher: CO 2 - und Schadstoffemissionen, Lärm, Flächenverbrauch und Unfälle haben negative Auswirkungen für Mensch, Umwelt und Klima.
Daher ist es notwendig, Wege zu finden, die zu einer nachhaltigeren Mobilität im Tourismus führen. Dazu müssen sowohl das gesamte System des Urlaubsreiseverkehrs als auch alle Akteure im Tourismusbereich in die Überlegungen mit einbezogen werden. Insgesamt können nachhaltige Mobilitätskonzepte im Tourismus somit nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn sich auch an den Gesamtsystemen etwas ändert. Nachhaltige Mobilität im Tourismus bedeutet Minimierung des Urlaubsreiseverkehrs sowie maximale Verlagerung auf nachhaltigere Verkehrsmittel wie Bahn und Bus. Die rezenten Entwicklungen im Tourismusbereich gehen jedoch in eine andere Richtung, ökologische, soziale, aber auch ökonomische Probleme aufgrund des (Massen-)Tourismus nehmen zu. Es gibt Trends zur Individualisierung, Sicherheit, Erlebnis und Wohlbefinden, andererseits aber auch zu Fern- und Billigreisen sowie zu häufigeren und dafür kürzeren Urlauben. TouristInnen wollen heute in kurzer Zeit möglichst viel erleben, sind aber nicht bereit, der Umwelt zuliebe auf nachhaltigere Verkehrsmittel umzusteigen. Es braucht also andere Anreize, um Verhaltensänderungen hervorzurufen.
Doch gerade bei der Verkehrsmittelwahl spielen die Wahl des Reiseziels, der Preis der Reise, Umfang und Qualität des Angebots und die Mobilität vor Ort die wichtigsten Rollen, Umweltbewusstsein höchstens eine untergeordnete. Pkws werden dabei aus verschiedenen Gründen überbewertet und dementsprechend am häufigsten genutzt. Aber auch Tou-rismusverantwortliche fühlen sich für nachhaltige Entwicklung und für die Probleme, die aus dem An- und Abreiseverkehr resultieren, fühlen sich TourismusmanagerInnen nicht zuständig. Sie sind in erster Linie an Wachstum und Gewinn interessiert.
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Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. SS 2008
Dieses Wissen ist Voraussetzung für die Erstellung erfolgversprechender, nachhaltiger Mobilitätskonzepte. Für die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto ist in der Tourismusregion eine Reihe von Maßnahmen notwendig, die die Reisezeit von Bahn und Bus verkürzen, den Komfort heben, die Flexibilität vor Ort sichern und die Reisekosten im akzeptablen Bereich halten sollen:
1. Konzentration touristischer Einrichtungen in einem oder mehreren Zentren 2. übersichtliches Nahverkehrsnetz mit Bussen zwischen diesen Zentren 3. Abstimmung des ÖPNV auf die Ankunftszeiten der Züge 4. Nutzung und Forcierung von Direktverbindungen in die großen Ballungsräume 5. Einsatz kundenfreundlicher Fahrzeuge im ÖPNV 6. unkomplizierter Erwerb von Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel 7. kundenfreundliche Gestaltung von Bahnhof und Haltestellen 8. Verleih von muskelbetriebenen Fortbewegungsmitteln und Gebrauchsgegenständen 9. kombinierte Mobilitäts- und Eintrittskarten in einem übersichtlichen Tarifsystem
Politik und Verkehrsunternehmen sind gefordert, die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Viele Beispiele wie „Alpine Pearls“ zeigen, dass ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvoll sowie technisch und finanziell machbar ist, auf solche nachhaltigen Mobilitätskonzepte zu setzen. Zur erfolgreichen Umsetzung konkreter Angebote muss die gesamte Mobilitätskette berücksichtigt, vor allem aber auch zielgruppenspezifische Angebote unter Einbindung aller Akteure vor Ort erstellt werden.
Letztlich ist es entscheidend, dass sich deutliche Veränderungen im Reiseverhalten nur dann ergeben werden, wenn die Maßnahmen von allen Seiten mitgetragen und umgesetzt werden. Durch die daraus resultierenden Synergieeffekte verstärken sich die Maßnahmen gegenseitig in ihrer Wirksamkeit, sodass sich letztendlich das gesamte System hin zu einer nachhaltigeren Mobilität im Tourismus verändert. Einzig die Frage, wer letztlich die Verantwortung für die Erstellung und Umsetzung nachhaltiger Mobilitätskonzepte übernimmt, ist bislang noch offen. Da entsprechende Maßnahmen der Region aber viele Vorteile bringen, kann man von einem prinzipiellen Interesse daran ausgehen. Schließlich ist es die einzige Möglichkeit, Tourismus auf lange Sicht erfolgreich zu betreiben.
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Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. SS 2008
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 6
1.1. Problemstellung und Zielsetzung. 6
1.2. Arbeitsaufbau und Arbeitsmethodik 7
2. Grundlagen nachhaltiger Mobilität 9
2.1. Prinzip der Nachhaltigkeit. 9
2.2. Mobilität und Verkehr 10
2.3. Nachhaltigkeit des Urlaubsreiseverkehrs. 11
3. Tourismus und Nachhaltigkeit 14
3.1. Nachhaltige Tourismusentwicklung 14
3.2. Rezente Entwicklungen im Tourismus. 16
3.3. Interessen der TouristInnen 16
3.4. Interessen der Tourismusverantwortlichen. 20
4. Nachhaltige Mobilität im Tourismus. 22
4.1. Bedeutung der Mobilität im Tourismus 22
4.2. Entscheidungskriterien für Reisende. 25
4.3. Analyse einer nachhaltigen Mobilitätskette 30
4.4. Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte im Tourismus. 34
5. Beispiel eines nachhaltigen Mobilitätskonzepts. 36
5.1. Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto 36
5.2. Erstellung konkreter Angebote. 46
5.3. Nachhaltige Mobilitätsprojekte mit Vorbildwirkung 48
5.4. Empfehlungen für mehr nachhaltige Mobilität im Tourismus. 52
6. Schlussfolgerungen. 58
Verzeichnisse........................................................................................................................ 60
Abbildungsverzeichnis 60
Tabellenverzeichnis. 60
Literaturverzeichnis. 60
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Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. SS 2008
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
Der weltweite Tourismus wächst und wächst: 2007 gab es bereits 903 Mio. internationale Ankünfte, während es 2003 noch nicht einmal 700 Mio. waren. Auch für die nächsten Jahre wird eine weitere Zunahme prognostiziert (UNWTO World Tourism Barometer Juni 2008, vorläufige Ergebnisse).
Abbildung 1: Einreisende Personen und Einnahmen in absoluten Zahlen, 1950 bis 2004. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung 2006.
Wie Abbildung 1 zeigt, gibt es Zuwächse auf allen Kontinenten - damit steigen auch die Einnahmen. Dadurch ist der Tourismus heute einer der weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweige: Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzt, dass die Tourismusbranche weltweit über 230 Millionen Stellen schafft - also acht Prozent der weltweiten Arbeitskraft. Trotz Rationalisierungsbestrebungen ist der Tourismus ein arbeitsintensiver Sektor, der vor allem Entwicklungsländern wertvolle Beschäftigungsmöglichkeiten für Niedrigqualifizierte bringt. Auch die Errichtung von Infrastruktur kommt - wenn auch nur in Teilen - der Bevölkerung zu Gute.
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Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. SS 2008
Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten: Der Anstieg des Tourismus kann in den bereisten Ländern und Regionen gravierende Folgen für die einheimische Bevölkerung, für Natur und Kultur haben. Oft können sie nicht einmal wirtschaftlich vom Tourismus profitieren. Gerade der Massentourismus führt in vielen Fällen zu sozialen, ökonomischen und ökologischen Problemen (vgl. ZIMMERMANN, 2007).
Ein Aspekt dieser gesamten Problematik ist der damit verbundene Verkehr: Vor allem An-und Abreise verursachen große Mengen an Luftschadstoffen (z.B. Feinstaub, NO x , SO 2 ,) und Treibhausgasen (CO 2 ), aber auch Unfälle und Lärm. Je nach Verkehrsmittel und Fahrtdauer ist eine Reise dann mehr oder weniger sozial- und umweltverträglich. Im Rahmen dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie nachhaltige Mobilität im Tourismus-Bereich aussehen könnte - einerseits anhand theoretischer Überlegungen, andererseits auch durch die Entwicklung eines konkreten Konzepts, das die Möglichkeiten zur Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto untersucht (vgl. JAIN 2006). Ziel dieser Arbeit ist es, zu zeigen, dass nachhaltige Mobilitätskonzepte im Tourismus nicht nur aus ökonomischer, ökologischer und gesellschaftlicher Sicht sinnvoll sind, sondern dass man sie auch tatsächlich umsetzen kann. Dabei soll vor allem auf die Interessen der einzelnen Akteure besondere Rücksicht genommen werden, die auch in sämtliche Überlegungen mit eingebunden werden. Die dadurch gewährleistete Nähe zur Realität sorgt dafür, dass das Konzept auch tatsächlich zur praktischen Anwendung herangezogen werden könnte.
1.2. Arbeitsaufbau und Arbeitsmethodik
Das Thema „Die Einbindung der öffentlichen Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto“ wirft eine Vielzahl an Fragestellungen im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit, Verkehr und Tourismus auf, die behandelt werden müssen, bevor man sich dem Thema an sich widmen kann. Im Rahmen dieser Arbeit wird das Thema als eines von mehreren denkbaren Konzepten für eine nachhaltige Mobilität im Tourismus betrachtet. Daher wird auch zunächst auf Basis der Überlegungen in den ersten Kapiteln ein theoretisches Kon-
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Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. SS 2008
zept entwickelt, das erst dann mit praktischen Beispielen verglichen wird. Dadurch wird besonders klar, was nachhaltige Mobilität im Tourismus wirklich ausmacht und was nicht. Im Arbeitsaufbau schlägt sich das folgendermaßen nieder: Zunächst wird in Kapitel 2 die Frage behandelt, warum ein Tourismus ohne Auto überhaupt Sinn macht und welche öffentlichen Verkehrsmittel für das Thema von Interesse sind. In diesem Zusammenhang wird überlegt, wie Verkehr möglichst nachhaltig gestaltet werden kann. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise soll das Problem nicht nur der Frage einer nachhaltigen Mobilität geprägt sein, sondern auch die Realitäten der Tourismuswirtschaft mit einbeziehen. Kapitel 3 zeigt daher, wie eine nachhaltige Tourismusentwicklung theoretisch aussehen kann und welche Probleme damit in der Praxis verbunden sind. Ganz besonders wird hier hervorgehoben, von welchen Interessen TouristInnen und Reiseanbieter geprägt sind und was dies für die Umsetzung nachhaltiger Tourismuskonzepte bedeutet.
Nach diesen einleitenden Abschnitten werden in Kapitel 4 dann beide Bereiche zusammengeführt. Hier steht die Frage im Mittelpunkt, wie nachhaltige Mobilität im Tourismus verwirklicht werden kann. Es wird also nach Lösungen gesucht, die eine positive ökonomische Entwicklung einer Tourismusregion erlauben, ohne dabei übermäßige ökologische und/oder gesellschaftliche Belastungen zu verursachen. Konkret geht es dabei um die Entkoppelung der Zahl der Nächtigungen vom Verkehrsaufkommen. In Kapitel 5 geht es schließlich, als Beispiel für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept im Tourismusbereich, um die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. Basierend auf den Aussagen aus den vorigen Abschnitten wird ein Konzept entwickelt, mit dem Reisenden der Umstieg von Auto und Flugzeug auf Bus und Bahn leicht gemacht werden soll. Anhand konkreter theoretischer und praktischer Beispiele wird gezeigt, dass nachhaltige Mobilität im Tourismus sehr erfolgreich umsetzbar ist. Abschließend werden einige Empfehlungen für konkrete Maßnahmen ausgesprochen, wie das Ziel eines sozial- und umweltverträglichen Urlaubsreiseverkehrs erreicht werden kann.
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Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto. SS 2008
2. Grundlagen nachhaltiger Mobilität
2.1. Prinzip der Nachhaltigkeit
Da der Begriff „Nachhaltigkeit“ besonders im Zusammenhang mit Mobilität in der weiteren Arbeit einen zentralen Platz einnimmt, soll hier seine Bedeutung kurz näher erläutert werden. Eine der heute gängigsten Definitionen stammt aus dem so genannten Brundt-land-Bericht (vgl. HAUFF 1987): „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu beeinträchtigen.“
Nachhaltigkeit beinhaltet drei Dimensionen (vgl. CASPERS-MERK et al. 1998): 1. Ökologische Nachhaltigkeit: Sie orientiert sich am stärksten am ursprünglichen Gedanken, keinen Raubbau an der Natur zu betreiben. Ökologisch nachhaltig ist eine Lebensweise, die die natürlichen Lebensgrundlagen nur in dem Maße beansprucht, wie diese sich regenerieren.
2. Ökonomische Nachhaltigkeit: Eine Gesellschaft sollte wirtschaftlich nicht über ihre Verhältnisse leben, da dies zwangsläufig zu Einbußen der nachkommenden Generationen führen würde. Allgemein gilt eine Wirtschaftsweise dann als nachhaltig, wenn sie dauerhaft betrieben werden kann.
3. Soziale Nachhaltigkeit: Ein Staat oder eine Gesellschaft sollte so organisiert sein, dass sich die sozialen Spannungen in Grenzen halten und Konflikte nicht eskalieren, sondern auf friedlichem und zivilem Wege ausgetragen werden können. Die „Nationale Nachhaltigkeitsstrategie“ der deutschen Bundesregierung (2001) stellt „eine ausgewogene Balance zwischen den Bedürfnissen der heutigen Generation und den Lebensperspektiven kommender Generationen“ in den Mittelpunkt. Als wesentliche Faktoren werden Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung genannt.
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2.2. Mobilität und Verkehr
Um die weiteren Ausführung nachvollziehen zu können, ist es wichtig, neben dem Prinzip der Nachhaltigkeit auch auf die Begriffe „Mobilität“ und „Verkehr“ näher einzugehen. Mobilität wird hier im Sinne räumlicher Mobilität verwendet, die die „Beweglichkeit von Personen und Gütern im geographischen Raum“ definiert. Durch deren Realisierung entsteht Verkehr, der dementsprechend als „Bewegung von Personen, Gütern und Nachrichten in einem definierten System“ beschrieben wird. Mobilität betont somit die individuellen Motive und Hintergründe stärker. Für das Thema der Arbeit ist grundsätzlich nur die Mobilität von Personen bzw. der Personenverkehr von Interesse. Dieser wird wiederum in Individualverkehr (motorisiert oder nicht-motorisiert) und öffentlichen Personenverkehr (Bus, Bahn, Schiff, Flugzeug, städtische Verkehrsmittel) unterteilt (vgl. NUHN/HESSE 2006).
In den kommenden Abschnitten werden Mobilität und Verkehr gerade im Zusammenhang mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit sehr häufig verwendet. „Nachhaltige Mobilität“ definiert gemäß den obigen Definitionen eine Form der Beweglichkeit im Raum, die eine zukunftsfähige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht nicht behindert. Diese nachhaltige Mobilität beschreibt die Prozesse in einem „nachhaltigen Verkehrssystem“. Darin sind alle strukturellen Komponenten enthalten, die zur Ortsveränderung von Personen oder Gütern erforderlich sind - die Verkehrsinfrastruktur, die verwendeten Transportmittel, die Aktivitäten, die den Verkehr verursachen, die Einrichtungen, die den Transportprozess organisieren und die transportierten Personen und Güter selbst (vgl. NUHN/HESSE 2006). In diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen werden, dass man gemäß der Definitionen von „nachhaltiger Mobilität“ oder einem „nachhaltigen Verkehrssystem“ sprechen kann, nicht aber von „nachhaltigem Verkehr“. Doch nicht nur das gesamte Verkehrssystem, sondern auch einzelne Teilsysteme können nachhaltig sein. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem System des Urlaubsreiseverkehrs. Nachhaltige Mobilität im Tourismus setzt voraus, dass dieses gesamte System in den Prozess der nachhaltigen Entwicklung eingebunden wird (siehe Abbildung 2).
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Abbildung 2: Komponenten des Urlaubsreiseverkehrssystems.
Quelle: Eigene Darstellung basierend auf NUHN/HESSE 2006.
In den folgenden Abschnitten sollen nun die einzelnen Komponenten genauer betrachtet und dabei analysiert werden, inwieweit sie zu einem nachhaltigeren Freizeitverkehrssystem beitragen können.
2.3. Nachhaltigkeit des Urlaubsreiseverkehrs
Urlaubsreisen verursachen Verkehr. Dieser Verkehr führt zu vielen Problemen hinsichtlich einer nachhaltigen Mobilität (vgl. PEETERS 2004: 20 und JAIN 2006: 12): So nimmt etwa die benötigte Infrastruktur große Flächen in Anspruch, die in Konkurrenz zu Bauland, Acker- und Weideflächen sowie Naturschutzgebieten stehen. Die Emissionen der Fahrzeuge belasten Umwelt und Klima: Durch die Verbrennung fossiler Kraftstoffe steigt die CO 2 -Konzentration in der Atmosphäre. Dadurch wird der Treibhauseffekt verstärkt und der rezente Klimawandel beschleunigt. Zudem rufen Stickoxide, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Feinstaub direkt und indirekt (z.B. durch Ozon-Bildung) Gesundheitsprobleme beim Menschen hervor. Als problematisch für Mensch und Natur gilt auch der Verkehrslärm. Darüber hinaus fordert der Verkehr jedes Jahr allein in Österreich hunderte Tote und mehrere zehntausend Verletzte (Statistik Austria, 2008).
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Aus diesen Problemen ergeben sich verschiedene Indikatoren, die Rückschlüsse auf die Nachhaltigkeit einzelner Verkehrsmittel zulassen (vgl. z.B. MEIER 2000). In verschiedenen Studien wurden Bahn (bzw. Schienenverkehr), Pkw (bzw. Straßenverkehr) und Flugzeug (bzw. Luftverkehr), also jene Transportmittel, die für den Freizeitverkehr besonders interessant sind, gegenüber gestellt (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1: Vergleich von Nachhaltigkeitsindikatoren für verschiedene Verkehrsmittel. *Personenkilometer
Quellen: 1 Allianz pro Schiene (2003). 2 Deutsche Bahn (2008). 3 Statistik Austria (2008). Wie Tabelle 1 klar zeigt, ist die Bahn das mit Abstand nachhaltigste Verkehrsmittel: Sie hat den geringsten Energieverbrauch, die geringsten CO 2 -, NO X - und Feinstaub-Emissionen und verbraucht deutlich weniger Flächen als der Straßenverkehr. Auch das Unfallrisiko liegt deutlich unter jenem des motorisierten Individualverkehrs. Einzig bei der Lärmbelastung ergibt sich ein Gleichstand - dennoch hat auch hier die Bahn die Nase vorn: Menschen empfinden Schienenlärm als weniger störend im Vergleich zum Straßenverkehrslärm (Allianz pro Schiene 2003: 13). Zudem kann die Lärmbelastung durch Schallschutzwände und neuartige Schienenfahrzeuge deutlich reduziert werden (vgl. DB 2008). Besonders markant ist der Unterschied auch bei den externen Kosten: Das sind jene Kosten, die die durch die Mobilitätsteilnehmenden verursacht, jedoch nicht von ihnen selbst
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getragen werden. Darunter fallen Unfälle, Lärm, die luftverschmutzungsbedingten Ge-sundheitskosten, das Klima, der Bereich Natur und Landschaft sowie die Kosten aus vor-und nachgelagerten Prozessen (vgl. Allianz pro Schiene 2007). Flugzeuge verursachen 2,5 Mal, Pkws sogar 4,5 Mal so viel externe Kosten. Laut EU-Angaben lagen die EU-weiten externen Kosten des Verkehrs 2003 bei 530 Mrd. Euro, das entspricht zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts der EU. Davon entfielen 10 Mrd. auf den Schienen-, 32 Mrd. auf die Luft- und 485 Mrd. Euro auf den Straßenverkehr (Allianz pro Schiene 2003). Die externen Kosten sind somit jener Indikator, der am besten zeigt, dass die Bahn das sozial- und umweltverträglichste Verkehrsmittel für Reisen ist. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Fuß- und Radverkehr aus ökologischer Sicht die am meisten zu bevorzugenden Formen der Bewegung darstellt. Da ihre Reichweiten jedoch begrenzt sind, finden sie in touristischen Überlegungen - zumindest für die Fahrt zum Urlaubsort - keine Berücksichtigung. Doch auch Schiff und Bus weisen sehr gute Werte auf, die sich im Bereich der Bahn, teilweise sogar darunter bewegen. Beide Verkehrsmittel stellen aber nur bedingt Reisealternativen zu Pkw und Flugzeug dar. Einzig Linienbusse können neben der Bahn einen Teil der Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln abdecken. Auch Reisebusse sind im Sinne der Nachhaltigkeit zu befürworten, fallen aber nicht in den Bereich des öffentlichen Verkehrs und werden daher in dieser Arbeit nur am Rande behandelt. Insgesamt zeigen die obigen Zahlen deutlich, wie Mobilität nachhaltig gestaltbar ist: 1. Betrachtet man die Nachhaltigkeitsindikatoren genau, muss man feststellen, dass es am besten wäre, jeglichen Urlaubsreiseverkehr zu verbieten. Nachdem das bisher weder möglich und noch sinnvoll ist, muss man versuchen, den Verkehr auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren.
2. Dieser notwendige Verkehr muss dann so nachhaltig wie möglich gestaltet werden. Konkret heißt das, den Anteil des Rad- und Fußgängerverkehrs zu maximieren und den Rest von Pkw und Flugzeug möglichst auf Bahn und Bus zu verlagern. 3. Durch technische Verbesserungen könnte man eine Verbesserung der Nachhaltig-keitsindikatoren für alle Verkehrsmittel erreichen. In naher Zukunft sind jedoch keine abrupten positiven Änderungen zu erwarten. Um ein nachhaltigeres Verkehrsystem zu erreichen, sind daher Verkehrsvermeidung und -verlagerung unumgänglich.
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Arbeit zitieren:
Christian Kozina, 2008, Die Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel in einen Tourismus ohne Auto, München, GRIN Verlag GmbH
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