Universität Flensburg
Institut für Philosophie
Grundlagen der Philosophie
Der Körper Heil oder Übel unseres Lebens?
Arne Viecens
19.08.2008
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
1
2.
Platons Sichtweise
3
3.
Nietzsches Sichtweise
8
4.
Fallbeispiel Jean-Dominique Bauby
12
5.
Fazit
15
6.
Literaturverzeichnis
16
1
Das Glück wohnt nicht im
Besitze und nicht im
Golde, das Glücksgefühl ist in
der Seele zu Hause.
Demokrit
1.
Einleitung
Unser Körper wird von uns als etwas ganz Natürliches angesehen, was uns von
Geburt an gegeben ist und uns unser gesamtes Leben hindurch begleitet. Ebenso wie
wir selbst, macht auch der Körper jegliche Veränderungen mit; er wächst, verändert
seine Form in gewissem Maße und wird durch Krankheiten mehr oder minder schwer
beeinträchtigt. Wir nehmen ihn als selbstverständlich hin, achten vielleicht
manchmal ein wenig mehr auf ihn, dann wieder weniger und machen uns doch die
meiste Zeit kaum Gedanken über diese Hülle, die uns jeden Tag umgibt und durch die
wir Eindrücke aller Art vermittelt bekommen. Meist gehen wir erst dann tiefer in
unsere Gedanken über den Körper, wenn wir alt oder krank sind und uns nicht mehr
in der glücklichen Lage befinden, die Funktionen des Körpers, welche uns das Leben
mitunter sehr erleichtern, in vollem Maße nutzen zu können.
Wie ist es aber um die Menschen bestimmt, die zu fast 100% auf ihren Körper
verzichten müssen, der sie zwar noch am Leben hält, aber ansonsten beinahe
vollkommen isoliert ist von dem, was uns umgibt? Eine dieser Krankheiten ist das
sogenannte Locked-In-Syndrom, kurz LIS, eine Art Komazustand mit dem Unterschied
der kompletten Wahrnehmung der Umwelt bei gleichzeitigem Verlust der
Kommunikationsmöglichkeit.
In dieser Arbeit soll es um die Frage gehen, wie ein Leben mit solch einer
verheerenden Krankheit aussehen kann und wie das Körperbild von einem der
betroffenen Menschen im Vergleich gesehen werden kann zu den Ansichten der
Philosophen Platon und Nietzsche, die ihre eigenen, gegeneinander konträren,
Vorstellungen von dem Verhältnis zwischen Körper und Seele ausgesprochen haben.
2
Platon glaubte an die Unsterblichkeit der Seele und vertrat eine Lehre der
Seelenwanderung. Für ihn ist die Seele unsichtbar, einfach, unzerstörbar und dem
Göttlichen ähnlich. Erst nach dem Tod befreit sich die Seele vom Körper und ist so zu
wahrer Erkenntnis fähig.
1
Während Platon ganz klar die Seele über den Körper stellt
und diesen nur als ein Hindernis ansieht, ist es für Nietzsche der Körper, der den
Menschen ausmacht und der uns das Leben so vermittelt, wie es ist. Man kann
verkürzt sagen, dass wir nach Platon in einem Körper sind, wohingegen wir nach
Nietzsche selbst der Körper sind.
Diese beiden Zustände des Selbst hat Jean-Dominique Bauby in seinem Leben
gehabt. Ende Dezember 1995 erleidet der erfolgreiche Redakteur einen Gehirnschlag
und wird all seiner bisherigen Lebensmöglichkeiten beraubt. Vollständig gelähmt und
unfähig zu sprechen vollendet er dennoch 15 Monate später sein Buch, welches er
mit Hilfe des ESA-Alphabets nur über sein Augenblinzeln diktiert hat. Durch dieses
Buch ist es erstmals möglich gewesen, Einblicke in die Welt eines Betroffenen zu
erhalten, der äußerlich erstarrt ist, geistig allerdings keinerlei Einschränkungen
erlitten hat.
Im Folgenden soll ein Bogen gespannt werden von der Antike bis heute, in dem
versucht wird, zwei der grundlegenden Körperbilder der Philosophie, mit dem
Schicksal von Bauby zu vergleichen, um eventuelle Gemeinsamkeiten erkennen zu
können. Bei Platon ist es sein Werk Phaidon, welches unter genannten
Gesichtspunkten untersucht wird, speziell hier die Abschnitte 63d bis 69e und bei
Nietzsche sein Werk Also sprach Zarathustra, im Speziellen die Abschnitte Von den
Hinterweltlern und Von den Verächtern des Leibes. Das Buch von Jean-Dominique
Bauby trägt den Titel Schmetterling und Taucherglocke.
1
Vgl. Zoglauer, Thomas: Geist und Gehirn, Das Leib-Seele-Problem in der aktuellen Diskussion, Göttingen 1998,
Seite22.
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