Inhalt
Inhalt
I. Einleitung. 3
II. Begründung einer modernen Staatsethik bei Machiavelli und Hegel 4
II.1. Die politisch historischen Hintergründe im Vergleich 4
II.2. Die Staatsethik bei Machiavelli 5
II. 3. Hegel und die Entwicklung einer deutschen Staatsethik 7
III. Machttheorien 9
III.1. Machiavellis Lehre der Technik der Macht 9
III.2. Herrschaft und Macht bei Hegel 11
III.3. Zusammenfassung. 14
III. Die Verfassung. 15
III. 1. Machiavellis Mischverfassung. 15
IV. 2. Hegel zur Verfassung eines Staates 17
V. Zusammenfassung 19
Quellenverzeichnis 22
Literatur. 22
Internetquellen: 23
Internetquellen: 23
Internetquellen: 23
Internetquellen: 23
Internetquellen: 23
2
2
I. Einleitung
Hegel beginnt seine Schrift die Verfassung Deutschlands mit den Worten: „Deutschland ist kein Staat mehr.“ 1 Ernst Cassirer sieht in diesem ungewöhnlichen Beginn eine politi‐ sche Verzweiflung, die er den historischen Umständen, in denen Hegel sich 1801 be‐ fand, zuschreibt. Ähnlich wie Fichte, der im Jahr 1807 einen Aufsatz über Machiavelli schrieb 2 , zitierte Hegel in seiner Schrift aus Machiavellis Il Principe, genau wie Fichte sechs Jahre später, wählte er dafür das letzte, das 26. Kapitel. Hegel schrieb darauffol‐ gend: „Man kann annehmen, dass ein Mann, der mit dieser Wahrheit des Ernstes spricht, weder Niederträchtigkeit im Herzen, noch Spaß im Kopf hatte.“ 3 Eine Würdi‐ gung Machiavellis, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten, die zwischen Hegel und dem Florentiner lagen, selten zu finden ist 4 . Hegel interessiert sich vor allem auch für die historischen Hintergründe, die Machiavelli zur Niederschrift seines „Fürsten“ be‐ wegt haben. In der kurzen Schilderung der italienischen Geschichte 5 kommt er zum Schluss: „es [Italien] hörte auf ein Staat zu sein.“ 6 Damit schafft eine direkte Verbin‐ dung zwischen dem Italien Machiavellis mitsamt seinen politischen Problemen und dem Deutschland Hegels selbst, dem er eine ähnlich prekäre Lage unterstellt. Cassirer interpretiert in diese Haltung hinein, Hegel habe der zweite Machiavelli sein wollen. 7
Diese Behauptung Cassirers infrage stellend, ist es das Ziel dieser Hausarbeit, zu klären, in wieweit die politische Theorie Machiavellis in Hegels Verfassungsschrift Einzug hielt. Diese Schrift, die Hegel mit Anfang dreißig beendete, gilt als ein Werk des frühen He‐ gels. Im Vergleich zur Auseinandersetzung mit Hegels anderen Schriften, vor allem den späteren Werken (Phänomenologie des Geistes, Rechtsphilosophie uvm.) wurde es nur wenig diskutiert. Die meisten Rezipienten stellten es sogleich in Zusammenhang mit Machiavelli und dem Begriff der Staatsräson (z.B. Cassirer, Ottmann, Zenkert) 8 . Keiner geht jedoch so weit, wie Cassirer. Beeinflusst durch Machiavelli - ja sicher. Aber ein
1 In Hegel, Über die Reichsverfassung 2004: S.3 ff
2 Auszüge des Aufsatzes und eine kritische Betrachtung desselben findet man bei Hans Freyer: In Freyer, Hans: Über Fichtes Machiavelli‐Aufsatz, Verlag S. Hirzel, Leipzig 1936 3 Vgl.: Hegel, 2004: S. 126/127
4 Noch zu Machiavellis Lebzeiten, im Jahr 1523, veröffentliche Agostino Nifo (1473‐1538) sein Werk „De regnandi peritia ad Carolum V imperatorem“, ein Plagiat des Der Fürst. Er erklärt darin, das von ihm in dieser Schrift entworfene Bild eines tugendhaften Herrschers (im Stil der typisch humanistischen Fürs‐ tenspiegel) sei ein Gegengift zu Machiavelli. Daran anschließend bezeichneten europaweit unterschied‐ lichste Persönlichkeiten Machiavellis Der Fürst als Gift oder Werk Satans, manche entwarfen wie Nifo eigenes literarisches ‚Gegengift‘. Vgl: Buck, Buck, 1985: S. 129 ff
5 Vgl.: Hegel, Über die Reichsverfassung, 2004: S. 124‐126
6 Ebd. S. 124
7 Cassirer, Vom Mythus des Staates; 1949: S. 161
8 Die Ansicht dieser Autoren wird im weiteren Verlauf auch Eingang in diese Arbeit finden. Es sei aber vorab erwähnt, dass sie alle sich im Grunde einig sind, dass Hegel und Machiavelli aufgrund der Ähnlich‐ keit ihrer Umstände zu größtenteils gleichen Schlussfolgerungen für Begründung des Staates und Staatsethik, Macht und Souveränität des Staates gekommen seien. 3
Zweiter sein wollen? Um dieser Frage nachzugehen sollen Machiavellis Werke Il Princi‐ pe und Discorsi betrachtet, da in ihnen umfänglich und detailiert Machiavellis Politi‐ sches Ideal zu finden ist. Er hat mit der Niederschrift seines Gelegenheitswerkes Il Prin‐ cipe eine politische Notlage beschrieben und einen möglichen Ausweg. In den Discorsi breitet er seine politische Theorie, angelehnt an die Lektüre Polybios‘ und Livius‘, voll aus. Im Vergleich dieser beiden Schriften mit Hegels Verfassungsschrift sollen folgende wissenschaftliche Fragestellungen beantwortet werden:
Was waren die jeweiligen Hintergründe der nationalen Politik und der europäischen Machtkonstellationen in Italien Anfang des 16. Jahrhunderts und in Deutschland An‐ fang des 19. Jahrhunderts? Welchen Staat wünschte sich Machiavelli und beschrieb er in den beiden Werken? Gab es darin eine Form von politischer Ethik? Welche Staats‐ ethik findet sich bei Hegel? Welche allgemeinen Macht‐Techniken oder Theorien über Macht entwerfen die beiden Autoren und wie sollen diese jeweils dazu beitragen, ihr jeweiligen Ideal eines Staates umzusetzen? Welche konstitutionellen Rahmen entwer‐ fen sie dafür? Letztendlich: Waren Machiavelli und Hegel was ihre politische Theorie anging tatsächlich Brüder im Geist? Oder einte sie lediglich eine außen‐ und innenpoli‐ tisch schwere Zeit für ihr Vaterland als kritische Geister miterleben zu müssen?
Sowohl Machiavelli, als auch Hegel vertreten ein bestimmtes Modell der politischen Ethik, aus dem sich sowohl die Macht‐Theorien, als auch die Verfassungs‐ Begründungen herleiten lassen. Daher soll zunächst eine Analyse dieser Staats‐ Entwürfe staatfinden, um davon ausgehend zu den Macht‐ und Verfassungs‐Theorien überzugehen.
II. Begründung einer modernen Staatsethik bei Machiavelli und Hegel
II.1. Die politischhistorischen Hintergründe im Vergleich
Die Hintergründe Machiavellis und Hegels sollen einer kurzen Betrachtung unterzogen werden, denn wenn der Frage nachgegangen werden soll, ob letzterer wirklich eine Art Nachfolger des ersteren habe sein wollen, so ist es auch unerlässlich zu hinterfragen, welche Rolle sich beide im Rahmen der Umstände und der politisch geschichtlichen Hintergründe zugedacht haben.
Wenn sich die meisten Autoren in Bezug auf Machiavellis Politische Theorie in einer Sache einig sind, so darin, dass sich diese nur verstehen und einordnen lasse, wenn die politischen und historischen Umstände seiner Zeit betrachtet würden. Italien war zu Machiavellis Lebzeiten in fünf Staaten unterteilt: Die Republiken Venedig und Florenz, das Herzogtum Mailand, das Königreich Neapel und der Kirchenstaat. Machiavelli, der 1469 geboren wurde, erlebte zunächst eine recht ruhige Zeit, denn die fünf Staaten standen in einer Situation des Gleichgewichtes, keiner konnte erwarten, einen anderen erobern zu können und so musste auch keiner befürchten, von einem anderen erobert zu werden. Zu Machiavellis Tod jedoch herrschte starkes Ungleichgewicht, auf Italiens 4
Boden tobten Auseinandersetzungen der europäischen Großmächte Frankreich und Spanien um die Vorherrschaft in Europa. Und dies etwa seit 1494, als Machiavelli noch keine 30 Jahre alt war. In diesem Jahr war der französische König Karl VIII mit dem Ziel der Eroberung Neapels in Italien eingedrungen. Diesem Eindringen folgte der spani‐ sche Kaiser Maximilian um mit der Eroberung des venezianischen Territoriums ebenso Stärke zu demonstrieren. Diese Kriege müssen Machiavelli Sorgen bereitet haben. Darüber hinaus stand es auch um Florenz alles andere als gut: Wirtschaftlich, politisch und kulturell war die Republik im Niedergang begriffen. Ebenfalls im Jahre 1494 wur‐ den zum ersten Mal die Medici aus der Stadt vertrieben, berühmte Künstler verließen die Stadt, die Auseinandersetzungen zwischen den aristokratischen Familien und den mittleren Schichten führten zu einer politischen Unruhe und hinzu kam, dass man sich im Schatten der Auseinandersetzung zwischen Frankreich und Spanien auch entschei‐ den musste, auf welche Seite man sich stellt. 9
Die politische Lage zu Hegels Zeit war ähnlich turbulent und für Hegel wenig erfreulich, veranlasste sie ihn schließlich zu der Äußerung, Deutschland sei kein Staat mehr, son‐ dern eine Anarchie. Franz II. hatte auf die Krone des deutschen Kaiserreiches verzich‐ tet. Deutschland drohte der politische Zusammenbruch. 10 Für Hegel war es hilflos den Angriffen anderer Staaten ausgeliefert, sollte es zu einem Krieg kommen. Und solch ein Krieg war zu befürchten, denn die politische Lage in Europa war überaus unruhig:
Es war die Zeit der napoleonischen Kriege. Von 1792 bis 1815 stand Frankreich in stän‐ digen kriegerischen Auseinandersetzungen mit seinen europäischen Gegnern, ausge‐ löst durch Konflikte, die durch die Französische Revolution entstanden waren. Hegel muss einen Feldzug gegen Deutschland befürchtet haben und tatsächlich: 1805 zog die französische Armee in Deutschland ein, jedoch nur, um Österreich den Krieg zu erklä‐ ren, denn mit süddeutschen Herrschern hatte Napoléon Bonaparte kurz zuvor Bünd‐ nisse geschlossen.
Wie schon weiter vorne erwähnt ist vor allem der frühe Hegel ein Gegenstand dieser Analyse. Jener entdeckte in seiner Zeit in Bern (1793 - 1797) das Interesse für Politik und Wirtschaft, las die Werke Montesquieus, Grotius‘, Hobbes‘, Machiavellis und die vieler anderer politischer und ökonomischer Denker und legte damit eine breite Grundlage für seine spätere Philosophie.
II.2. Die Staatsethik bei Machiavelli
Machiavellis Staat ist nicht frei von Ethik, wie dies manche behauptet haben. Im Ge‐ genteil: Ähnlich, wie später Weber den Begriff der Verantwortungsethik entwirft, als jene Ethik, die ein Berufspolitiker haben muss, so sieht auch Machiavelli seinen Fürs‐
9 Vgl. Cassirer: Vom Mythus des Staates; 1949: S. 170 ff und Münkler Herfried: Die Physiognomie einer Epoche; in Machiavelli: Politische Schriften; 1990: S. 16 ff.
10 Cassirer, Mythus 2002: S. 161 5
ten, beziehungsweise jede Regierung vor allem in einer Pflicht: die Verantwortung für den Staat zu übernehmen. Das ist vor allem eine Pflicht, welcher der Staat in seinen Außenbeziehungen nachkommen muss. Er muss gerüstet sein für den Krieg oder ande‐ re Konflikte.
Aber auch das Innere des Staates, das Volk, muss so regiert werden, dass Stabilität und Ruhe herrschen. Dazu sind nach Machiavellis Meinung strenge Gesetze notwendig.
Ernst Cassirer sieht bei Machiavelli den modernen weltlichen Staat entstehen. 11 Analog zu Kopernikus, der eine moderne Astrologie zu entwerfen begann, legte Machiavelli alte Scheuklappen ab und begann die Realität ohne Verfremdung durch Heilserwar‐ tungen, ohne die Annahme, dass alles von Gott gewollt sei oder eine mittelalterliche Hierarchisierung der Dinge wahrzunehmen und zu analysieren. Seine Wahrnehmung wird von Beispielen wie dem des Césare Borgia beeinflusst: Vermutlich ‚gefielen‘ des‐ sen Machenschaften Machiavelli nicht, so war er eine Gefahr für Florenz und handelte überaus grausam. Doch Machiavelli schaffte es, ohne eine moralisierende Trübung seines Blickes in Borgia eine neue, eine spannendere Form des Fürsten zu entdecken: Einer, der nicht wie die meisten anderen Fürsten durch (für Machiavelli ‚langweilige‘) Erbfolge im Thron landete, sondern einer, der eroberte und sich vorher fremde Gebie‐ te zueigen machte. Einer, der durch seine Eroberungen eine neue, eine moderne Form von Staat, mit ebenso neuen Formen der Machterhaltung und -erweiterung, begrün‐ dete. Cassirer vermutet, dass Machiavelli in Borgia eine Art Pionier oder Vorbote sah, der für die Art stand, mit der in Zukunft mehr und mehr Staaten gegründet werden würden. 12 Natürlich, so denkt Machiavelli, braucht es dafür ein gewisses Maß an List und Gewalt. Man kann sich in so einer Position nicht auf der eigenen beispielhaften Moral ausruhen, dann bringt man es einen nämlich nicht weit. Was zählt ist ein großes Pensum an Eigenleistung: Als neuer Fürst - und nur diese sind es, die Machiavelli in Il Principe betrachtet - muss man die Geschichte studiert haben, man darf sich nicht auf andere verlassen, kann nur sich selbst trauen und man sollte die Geografie des zu er‐ obernden Gebietes gut kennen. Man muss jederzeit auf den Krieg vorbereitet sein. In Il Principe spricht Machiavelli davon, „Dämme bauen“ zu müssen: Mit dieser Metapher möchte er ausdrücken, dass sich ein Herrscher in ruhigen Zeiten nicht auf dem Erreich‐ ten ausruhen dürfe, sondern sich stets auf schlechtere Zeiten, also auch auf Kriege mit anderen Staaten, einzustellen und dafür vorzusorgen habe. 13
Eine wichtige Rolle bekommt die Gewalt bei Machiavelli, denn gerade die Fürsten, die ein Fürstentum neu erwerben, müssen entweder schon bei der Machtergreifung da‐ von Gebrauch machen, spätestens aber, um die Macht auf Dauer zu stellen, sei sie im Grunde unerlässlich. Wie aber ist sie einzusetzen? Wenn man Gewalt anwenden muss, dann sollte man dies stets ganz am Anfang seiner Herrschaft und auch alle Gewalt auf
11 ebd.: S. 176 ff.
12 Cassirer, Mythus des Staates, 2002: S. 176 ff
13 Machiavelli, Il Principe, 6
Arbeit zitieren:
Katrin Rönicke, 2009, Die Rezeption und Verbreitung Machiavellis Staatsdenkens am Beispiel Hegels 'Die Verfassung von Deutschland', München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte: Die Rezeption und Verbreitung Machiavellis Staatsdenkens am Beispiel Hegels 'Die Verfassung von Deutschland' ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte: neuer Titel erschienen: Die Rezeption und Verbreitung Machiavellis Staatsdenkens am Beispiel Hegels 'Die Verfassung von Deutschland'
Katrin Rönicke hat einen neuen Text hochgeladen
Schriften zur praktischen Philosophie am Beispiel der Türkei
Rassismus, Assimilation, Ehren...
Sinan Özbek
0 Kommentare