Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG. 2
2. MODERNISIERUNGSDIMENSIONEN. 2
2.1BESCHLEUNIGUNG 3
2.1.1 Paradoxien und „Motoren“ der Beschleunigung. 3
2.2 GLOBALISIERUNG 4
2.3 VERBINDUNG BEIDER DIMENSIONEN 5
2.3.1 Einseitigkeit und der politische Verlust. 5
3. DER FAKTOR ZEIT. 5
3.1 ZEITSTRUKTUR. 6
3.2 ZEIT ALS MITTEL DER ORDNUNG 6
3.4 ZEITFORMEN IN ANDEREN KULTUREN ZEITKULTUREN. 7
3.3 ZEITERLEBEN WAHRNEHMUNG ZEITBEWUSSTSEIN 7
3.3.1 Der Verlust von Sicherheit 9
4. FOLGEN 9
4.1. EXEMPLARISCHE AUSWIRKUNGEN DER LEISTUNGSGESELLSCHAFT FOLGEN FÜR KINDER, JUGENDLICHE UND FÜHRUNGSKRÄFTE
10
4.1.1 Leistungserwartungen im schulischen Kontext 10
4.1.2 Gefährdung des Gesundheitszustand. 10
4.1.3 Priorität der Eigenzeiten - Zeitmanagement als Sackgasse? 11
5. ANSÄTZE DER SOZIALEN ARBEIT. 11
6. SCHLUSSWORT 13
QUELLENVERZEICHNIS 15
ANHANG 16
1
1
1. Einleitung
Das Thema „Zeit“ boomt. Von der Geburt bis zum Tod spielt der Faktor Zeit eine zentrale Rolle in unserem Leben. Keine Zeit zu haben und ständiger Zeitdruck sind ein Zeichen für Ruhm und Erfolg. Außerdem ist der Wille groß, vieles Schönes zu tun, es müssen Entscheidungen getroffen werden. Die Angst etwas zu verpassen verleitet dazu, so schnell, viel und gleichzeitig wie möglich, zu schaffen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der Entspannung und Wohlbefinden nachrangig werden. Diese Arbeit soll aufzeigen, inwiefern sich globale und beschleunigte Prozesse negativ auf den Menschen auswirken. Fast die Hälfte der deutschen Topmanager hat eine 60‐70 stündige Arbeitswo‐ che. In Japan sterben 10% aller Männer an „Karoshi“ (=Tod durch Überarbeitung) (vgl. Reheis 1996, S. 6). Bspw. das Burn‐out ist auch eine neue Modeerscheinung. Um die Entwicklung derartiger Folgen zu verstehen, werden in dieser Arbeit zuallererst die Dimensionen „Beschleunigung“ und „Globalisie‐ rung“ als wissenschaftliche Grundlagen überblicksweise vorgestellt. Durch unterschiedliche Entwick‐ lungsweisen der Beschleunigung entstanden Paradoxien, die aufgezeigt werden. Danach geht es um zentrale globale Aspekte, die für das Verständnis sozialer Prozesse relevant sind. Bspw. werden grundlegende wirtschaftliche Prozesse, die u.a. entscheidend für jegliche Änderungen im sozialen Bereich waren, aufgegriffen. Als Überleitung wird am Ende dieses Kapitels eine Verbindung und Be‐ tonung der wichtigsten Aspekte vorgenommen. In Punkt 3 werden, mit Blick auf Folgen und auf prak‐ tische Handlungsfolgerungen, neue Zeitstrukturen, Zeitformen sowie das Zeiterleben, näher beleuch‐ tet. Der Einbezug des individuellen Zeitbewusstseins und der Zeitwahrnehmung ist für die Antworten der Sozialen Arbeit auf die postmoderne Gegenwart, unabdingbar. Folgen und „Gesellschaftskrank‐ heiten“ durch Überbelastung sind Inhalte des 4. Inhaltspunktes. Da sich die Organisationsweise von Raum und Gesellschaft negativ auf das Wohlbefinden auswirkt, wird das Aufrechterhalten von Ge‐ sundheit und Lebensqualität zu einer wichtigen Aufgabe. Die Maßnahmen erhalten eine große Be‐ deutung, weil der Wandel soziale Probleme intensiviert. Die Folgen verweisen nochmals auf die neu‐ en Anforderungen, mit welchen die Soziale Arbeit konfrontiert wird. Wie nun die Reaktionen seitens der Sozialen Arbeit aussehen könnten, wird im letzten Inhaltspunkt ausgearbeitet.
2. Modernisierungsdimensionen
Zusätzlich zu den Schwerpunkt‐Dimensionen „Beschleunigung“ und „Globalisierung“, können weitere komplexe Umwälzungsprozesse lediglich aufgelistet werden: Differenzierung, Individualisierung 1 , Rationalisierung, Domestizierung, Ver‐ und Entgeschlechtlichung und Integration (vgl. Degele, Dries 2005, S.5f). Selbstverständlich stehen all diese Dimensionen in einem engen Zusammenhang. Der Einbezug weiterer Dimensionen wäre für die Bearbeitung dieses Themas durchaus sehr sinnvoll, es muss aber aus platztechnischen Gründen darauf verzichtet werden.
1 Das individuelle Leben und Handeln löst sich von klar vorgeschriebenen Pflichten und Rollen. Während Tradition und Religion zunehmend an Bedeutung verlieren, erhöht sich die individuelle Freiheit der Bestimmung über eigene Lebensgestaltung. Das Individuum wird zur Wahl zwischen vielen Alternativen gezwungen. Eigenverantwortung muss es wichtige Entscheidungen selbstständig treffen. Die Identitätsent‐ wicklung bedarf zahlreicher Anpassungen (vgl. Rosa 2005, S. 355ff). ‐ 2 ‐
2.1Beschleunigung
Zuallererst soll geklärt werden, was unter sozialer Beschleunigung verstanden wird. Eine grobe, defi‐ nitorische Beschreibung kann laut H. Rosa durch drei Bereiche, in denen sie sich äußert, erfolgen. Der erste Bereich kennzeichnet die Ebene der Technologie, hierunter fällt z.B. das Automobil. Der zweite Bereich beinhaltet den beschleunigten Wandel des Sozialen, hier kann bspw. der Wandel von Mode und von Lebens‐ und Arbeitsverhältnissen herangezogen werden. Der letzte Bereich ist das individu‐ elle Lebenstempo: Zeitdruck, Fast Food und Speed‐Dating sind Ausdruck der Beschleunigung in die‐ sem Bereich (vgl. Degele, Dries 2005, S. 159). „Im Spannungsfeld der drei Dimensionen steht das moder‐ ne Individuum und seine ‐rundum beschleunigte‐ soziale Lebenswelt“ (Degele, Dries 2005, S. 169). Und nun ausführlicher: Neben der Wirtschaft, ist also auch der soziale Lebensbereich einer gewaltigen, nahezu gewalttätigen Beschleunigung unterworfen. Ein Grund hierfür liegt im weltweiten Wettbewerb, dem man standhalten möchte. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Bildung. Leistung wird permanent gestei‐ gert, es wird ständig ein „Mehr“ gefordert, um nicht nur international mithalten zu können, sondern auch um immer weiter aufsteigen zu können. Das Individuum ist direkt betroffen. Unkontrollierbare Geschwindigkeiten, die ihren Lauf nehmen und sich kaum mehr stoppen lassen, erweisen sich als erhebliche Zerstörungsquellen, insbesondere in Bezug auf die menschliche Psyche und den Körper. Um sich aus dem Beschleunigungswahn lösen zu können, propagieren viele Autoren ein angemesse‐ nes Tempo (=Entschleunigung). Verschiedene Formen der Zeitwahrnehmung, Zeitkulturen oder die Entwicklung eines Zeitbewusstseins gewinnen in diesem Kontext für sozialwissenschaftliche Untersu‐ chungen an Gewicht. Die Zeitwahrnehmung ändert sich insofern, dass innerhalb kürzerer Zeit mehr Eindrücke verarbeitet werden. Es wird mehr erlebt und gefüllte Zeit vergeht schneller. Diese Wahr‐ nehmung variiert je nach Individuum (entscheidend ist z.B. Alter, Befinden, sozialer Kontext) (Degele, Dries 2005, S. 154ff). Der nichteinheitliche Vollzug von Beschleunigungsprozessen, kann als Grund herangezogen werden, dass eine einheitliche Definition kaum möglich ist (vgl. Rosa 2005, S. 112). 2.1.1 Paradoxien und „Motoren“ der Beschleunigung
Das paradoxe an diesem Phänomen ist, dass durch die fortschrittliche Technik ein Zeitgewinn herbei geführt wird, welcher mit einem gleichzeitigen Gefühl von Zeitverlust verbunden ist 2 . Zur Erklärung dieser widersprüchlichen Tatsache, können die drei „Beschleunigungsmotoren“ (nach Rosa) herange‐ zogen werden. Der ökonomische Motor besagt, dass das „Schnellerwerden“ in Verbindung mit dem „Mehrwerden“ steht. Das meint, dass z.B. Produktion, Transport oder Kommunikation nicht nur schneller, sondern auch mehr wird. Dies betrifft ebenso den kulturellen Bereich. Dieser Motor zeigt, dass auch Gesellschaften bzw. die Bevölkerung im Zusammenspiel mit Prozessen wie Differenzie‐ rung, Individualisierung oder Urbanisierung, von einer optimalen Zeitkoordination nicht verschont bleiben. Arbeit sowie Freizeit müssen richtig geplant werden. Denn der Wunsch, möglichst viele der neuen Optionen, die die Multioptionsgesellschaft anbietet, in die kurze Lebensbiografie zu packen, ist groß. Als dritten Motor führt Rosa differenzierte Gesellschaften an, in welchen der soziale Wandel rasch voranschreitet. Das homogene Ganze zerfällt in Teilsysteme, mit eigener Funktionslogik. Diese Teilsysteme spezialisieren und verselbstständigen sich. Die Vielfalt von Chancen und Risiken steigt
2 Eine beispielhafte praktische Illustration kann mit dem Automobil vorgenommen werden: Der Zeitgewinn durch das schnelle Transport‐ mittel führt dazu, dass noch häufiger noch längere Strecken zurückgelegt werden, um noch entferntere Ziele zu erreichen (vgl. Rosa 2005, S. 121). ‐ 3 ‐
gleichzeitig. Die Steuerung kann zu Bremseffekten führen, indem rasche Entscheidungen erschwert werden. Paradoxerweise findet also neben der Beschleunigung, eine Entschleunigung und die Her‐ stellung von Stillstand statt (vgl. Degele, Dries 2005, S. 160ff). 2.2 Globalisierung
Auch von Globalisierung gibt es keine einheitliche Definition 3 . Verschiedene Autoren haben unter‐ schiedliche Auffassungen. U. Beck siedelt Globalisierung auf drei Ebenen an. Zusätzlich können „Glo‐ balität“ und „Globalismus“ zur Beschreibung und zum Verständnis globaler Geschehnisse herangezo‐ gen werden (vgl. Beck 2007, S. 26). Er spricht vom Verlust nationalstaatlicher Souveränität: Die mul‐ tinationale Vernetzung bietet transnationalen Unternehmen eine besondere Machtstellung und er‐ hebliche Einflussmöglichkeiten auf Nationalstaaten. Sie können teure Leistungen durch günstigere in anderen Ländern ersetzen. Produkte können an beliebigen Orten der Welt hergestellt werden. Ar‐ beitsplätze können unproblematisch in andere Länder verlagert werden. Transnationale Unterneh‐ men können wählen, wo sie ihre Steuern zahlen. Die Entwicklung dieser exemplarisch aufgezeigten Möglichkeiten für die einen, entzieht den anderen, nämlich den Nationalstaaten, jegliche Möglichkei‐ ten auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Hieraus entstehen Ungerechtigkeiten. Man spricht von „Globalisierungsgewinnern“ und „Globalisierungsverlierern“ 4 . Der gemeinsame Rahmen in Ge‐ sellschaften fällt weg und die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander (vgl. Beck 2007, S.14ff, S. 21ff). Die örtliche Beschränktheit entfällt nicht nur in Bezug auf Produkte oder Kapital, sondern auch für Gemeinschaften und für das Alltagsleben. Es bilden sich dichte, weltweite Netzwerke. Es kommt zu transkulturellen Begegnungen: Menschen mit jeweils eigenständigen Ein‐ stellungen und Erwartungen treffen aufeinander (vgl. Beck 2007, S. 31). Im Zuge der Migration bilden sich Identitäten mit unklarer bzw. mehrfacher Hingezogenheit. Das Phänomen der Gestaltbarkeit des Lebens auf dem ganzen Globus wird auch “Ortspolygamie“ genannt: Es kann an anderen zusätzli‐ chen Orten gelebt werden, als gearbeitet wird. Eine feste Verbindung zu einem speziellen Ort wird aufgehoben, damit lösen sich auch Verbindungen zu Gesellschaften (vgl. Beck 2007, S. 127ff, 182). Der Begriff der Globalität suggeriert eine durch Vielfalt gekennzeichnete Weltgesellschaft, welche örtliche Begrenztheit ausschließt. Er besagt, dass alles was im Leben geschieht immer eine globale Bedeutung hat und eine Anpassung seitens globaler Akteure fordert. Weltgesellschaft bezieht sich auf alle, von nationalstaatlicher Politik unabhängige, soziale Beziehungen (vgl. Beck 2007, S. 27f). Zur Bezeichnung der kulturellen Globalisierung 5 verbindet R. Robertson die Globalisierung mit dem Lokalen und nennt dies „Glokalisierung“. Im Gegenzug zur Vereinheitlichung von Lebensstilen und Kulturen (McDonaldisierung) verweist er darauf, dass gleichzeitig immer eine Lokalisierung stattfin‐ det. Die Wahrnehmung der Welt als ein Ort ist stark verbreitet, aber auch das Lokale bedarf einer globalen Wahrnehmung. Es wird z.B. stets lokal entschieden, ob globale Produkte konsumiert wer‐
3 Die Autoren N. Degele und C. Dries beschreiben Globalisierung mit Begriffen wie „multidimensional“, „komplex“ oder „ambivalent“: Ein „Transformationsprozess mit historisch offenem Ende, der sowohl zu internationaler Verflechtung und Verdichtung (politisch, ökonomisch, gesellschaftlich‐kulturell und raum‐zeitlich) führt,…, als auch … Fragmentierung, Lokalisierung und De‐Globalisierung hervorruft“ (Degele, Dries 2005, S. 195). Das homogene Ganze und das Fragmentierte, das Lokale wie das Globale schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich gegenseitig (vgl. Degele, Dries 2005, S. 199).
4 Globalisierung bestimmt das Schicksal einiger Gesellschaften. Nur eine kleine Minderheit, erhält neue Chancen und profitiert von dieser mächtigen Ungleichverteilung globaler „Schätze“ (vgl. Degele, Dries 2005, S. 188f).
5 Das Zusammentreffen verschiedener Kulturen (vgl. Beck 2007, S. 90). ‐ 4 ‐
Arbeit zitieren:
Kevser Ekin, 2010, Zeitknappheit in Zeiten globaler Beschleunigung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft: Zeitknappheit in Zeiten globaler Beschleunigung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft: neuer Titel erschienen: Zeitknappheit in Zeiten globaler Beschleunigung
Kevser Ekin hat einen neuen Text hochgeladen
Soziale Arbeit nach dem Sozialpädagogischen Jahrhundert
Positionsbestimmungen Sozialer...
Birgit Bütow, Karl August Chassé, Rainer Hirt
Sozialer Ausschluss und Soziale Arbeit
Positionsbestimmungen einer kr...
Roland Anhorn, Frank Bettinger, Johannes Stehr
Basiswissen Soziale Arbeit. Lebensalter und Soziale Arbeit. 6 Bände
Bd.1:Eine Einführung. 2:Kindhe...
Hans Günther Homfeld, Jörgen Schulze-Krüdener, Thomas Swiderek, Michael Galuske, Sven Stiehler, Ute Karl
Soziale Arbeit im Dialog gestalten
Theoretische Grundlagen und me...
Hans Ullrich Krause, Regina Rätz-Heinisch
0 Kommentare