Das Wort Medium wird als ein “vermittelndes Element von Kommunikation oder Informationsübertragung [und] Funktionsträger der Informationsübermittlung in der Gesellschaft (z.B. Rundfunk, Fernsehen, Zeitung, Zeitschrift)” definiert (Langenscheidt Fremdwörterlexikon). Als einigermaßen medienerfahrener und reflektierender Rezipient unserer Massenmedieninhalte ist man sich jedoch zumindest schemenhaft um die vielfältigere Komplexität ihrer Ziele und Funktionen bewusst. Medien konstituieren in wesentlichem Maße unsere Meinungsbildungsprozesse und konstruieren unsere erlebte Wirklichkeit mit. Sie vermögen auf der einen Seite gesellschaftliche Konstruktionen und deren Diskurse zu verstärken und auf der anderen eine Problematik im öffentlichen Diskurs sogar gänzlich auszublenden (vgl. Yildiz 2006: 38). Medien reproduzieren eigenständig Bilder, die sich in den Köpfen der Menschen manifestieren. Und dabei selektieren sie bevorzugt solche Themen, die Konfliktpotential haben, schockieren und emotional aufwühlen und dabei immer auf die Erregung des Publikums erzielen. Man kann festhalten, dass sie “ein Monopol auf die Fokussierung der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit haben (Weingart 2003: 120)” und so unter anderem Einfluss auf die politische Agenda ausüben. Diese Faktoren lassen sich selbstverständlich auch auf den Migrationsdiskurs in Deutschland übertragen. Dieser ist in großen Teilen auf Problematik und Negativbeschreibung fokussiert. Reißerische Überschriften wie “ ´Die Wurzeln des Hasses. Mohammeds zornige Erben` (Stern, 2001) [...] oder ´Der religiöse Wahn. Die Rückkehr des Mittelalters` (Spiegel, 2001) (Becker 2008: 444)” hinterlassen ein eindeutig islamfeindliches Bild. Die BILD-Zeitung berichtet 2009: “Erschreckend. Gewalt gegen Polizei-Beamte schon wieder gestiegen. Bei den Störern handelt es sich meist um männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund. Innerhalb weniger Minuten rotten die sich zusammen [...].” Spätestens seit dem 11. September zielt die Medienberichterstattung regelmäßig mit erschreckenden, angstschürenden Neuigkeiten auf unsere ausländischen, im Speziellen meist islamischen Mitbürger ab. Zu den Folgen dieser Tatsache möchte ich später ausführende Erläuterungen schildern. Zunächst soll an dieser Stelle ein Fallbeispiel herangezogen werden, das Ende des Jahres 2007 die Öffentlichkeit in Aufruhr versetzte und auch unmittelbare Auswirkungen auf politisches Handeln nach sich zog. Am 20.12.2007 schlugen zwei junge Männer mit Migrationshintergrund einen Rentner, der sie in einer Münchner U-Bahnstation aufgefordert hatte, ihre Zigaretten auszumachen, lebensgefährlich nieder. Am Beispiel der BILD-Zeitung, der Zeitung mit dem höchsten Absatz in Deutschland, lassen sich nun interessante Aspekte der Berichterstattung feststellen. Dort heißt es:
“Diese Wahnsinns-Tat macht Deutschland wütend! Mit seinem Kumpel prügelte Serkan A. (20) einen Rentner nieder. Dabei hätte der Türke längst hinter Gitter gehört! […] Warum hat die Justiz diese Typen nicht längst weggesperrt? Warum wurden sie nicht längst abgeschoben?“ (http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2007/12/27/u-bahnschlaeger/polizeiakte-taeter.html) Zunächst fällt bei dieser Art der Berichterstattung die Tatsache ins Auge, dass offenbar die Nationälität derartiger jugendlicher Täter eine große Rolle spielt. Außerdem gerät der gewünschte Handlungsbedarf seitens der Justiz und somit der Gesellschaft in den Fokus. Delinquent gewordene Jugendliche mit Migrationshintergrund haben, folgt man diesem Wortlaut, keine Berechtigung, in Deutschland zu leben und müssten zumindest härtere Strafen erwarten, wenn nicht gar ausgewiesen werden. Diesen durch die Tat angekurbelten Öffentlichkeitsdiskurs über den Umgang mit genannten ausländischen Jugendlichen machte sich in direktem Anschluss Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kurz vor seinem Wahlkampf um die Wiederwahl zunutze. Er warnt, laut Spiegel, vor kriminellen Jugendlichen und macht die Thematik kurzer Hand zum Mittelpunkt seiner Wahlkampfstrategie. Im Zuge der Debatte fielen Aussagen wie:
(http://www.stern.de/politik/deutschland/nach-u-bahn-ueberfall-in-muenchen-koch-warnt-vor-kriminellen-auslaendern-606448.html)
Trotz kritischer und auch negativer Reaktionen auf diese Strategie - Koch behielt sein Amt inne. Medien und Politik standen hier in einem gegenseitigen Wechselspiel zueinander. Die mit einem Risiko-Frame besetzte Thematik konnte medienwirksam vermarktet und politisch genutzt werden (vgl. Voltmer 2007: 22). Am Beispiel des sozialen Problems Kriminalität, hier im Speziellen “Ausländerkriminalität”, ist eine eindeutige Themenselektion durch die Medien feststellbar. Wie bereits erwähnt funktionieren derartig schockierende Themen als typische Nachrichtenwerte sehr gut (vgl. Voltmer 2007: 26f). Was in den Köpfen der Mehrheitsgesellschaft bleibt, ist das Bild eines kriminellen ausländischen Jugendlichen, der nichts als ein an der Integration gescheiterter Gefahrenherd für die deutsche Gesellschaft darstellt. Diese Art des öffentlichen Migrationsdiskurses lässt sich auf etliche weitere Aspekte ausweiten. Man liest von männerdominierten und vollkommen von der Mehrheitsgesellschaft isolierten
Arbeit zitieren:
Verena Mühlenbeck, 2010, Die Rolle und Folgen der Medienberichterstattung im Migrationsdiskurs, München, GRIN Verlag GmbH
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