Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 3
2. Der Stuttgarter Schlachtviehmarkt 4
3.Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Stadt Stuttgart und 9
des Oberamts Leonberg
3.1.Januar 9
3.1.1. Gemeinsamkeiten 10
3.1.2. Unterschiede 10
3.2. Juni 13
3.2.1. Gemeinsamkeiten 13
3.2.2. Unterschiede 15
4.Fazit 19
5. Literatur und Quellen 20
2
1 Einleitung
Diese Arbeit befasst sich mit der Nahrungsmittelversorgung der Stadt Stuttgart und des Oberamts Leonberg während des Jahres 1915. Diese beiden Wirtschaftseinheiten sind zwar geographisch nahe zusammen, bilden aber einen Gegensatz, die Stadt, welche durch Industrie und Dienstleistung geprägt ist und dem Land, das von der Landwirtschaft lebt. Die Untersuchung soll zeigen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen zwei Regionen zu erkennen sind.
Zu diesem Zweck werden verschiedene Zeitungen ausgewertet, für das Oberamt Leonberg ist dies die „Glems- und Würmgauzeitung“, für die Stadt Stuttgart ist es das „Stuttgarter Neues Tagblatt“. Die Logik, die hinter diesem Vorgehen steht ist die, dass zu vermuten ist, dass in den verschiedenen Zeitungen die Probleme der Nahrungsmittelversorgung und - erzeugung, wenn es Unterschiede in den untersuchten Gebieten gab, unterschiedlich angesprochen werden. So kann man aus dem Fehlen einer Meldung in einer Zeitung schließen, dass dieses Problem im jeweiligen Gebiet nicht so stark vorhanden oder zumindest als weniger schwerwiegend wahrgenommen wurde. Untersucht werden jeweils der Januar und der Juni 1915. Der Januar, weil in diesem Monat viele Reichsgesetze zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung des Reiches verabschiedet wurden. Zu nennen sind hierbei besonders die ‚Bekanntmachung über das Ausmahlen von Brotgetreide’, ‚über das Verfüttern von Brotgetreide, Mehl und Brot’ und die ‚Bekanntmachung über die Bereitung von Backware’, die reichseinheitliche Richtlinien über den Umgang mit Getreide und Backwaren lieferten. Bis zu diesem Zeitpunkt fehlte eine solche Regelung vollständig auch wurden die Höchstpreise für Nahrungsmittel und Kleie neu geregelt 1 . Der Juni ist deshalb interessant, weil zu diesem Zeitpunkt die neue Ernte an Getreide und Frühkartoffeln beginnt. Wenn es also 1915 Versorgungslücken mit diesen Hauptnahrungsmittel gegeben haben sollte, dann sollten diese am Ende eines landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahres zu vermuten sein. Zu vermuten ist auch, dass die Versorgungslage mit Grundnahrungsmitteln im Oberamt Leonberg tendenziell besser war, als in der Stadt Stuttgart, da viele in den einzelnen Ortschaften Selbstversorger gewesen sein dürften. Untersucht wird auch der Stuttgarter Schlachtviehmarkt in den beiden Monaten, hinsichtlich der angebotenen und umgesetzten Menge an Schlachtvieh, sowie
1 Vgl. Reichsgesetzblatt 1915, S. 25
3
dessen Preise, um zu sehen welche Entwicklung die Preise für Fleisch als einem Grundnahrungsmittel nahmen.
2 Der Stuttgarter Schlachtviehmarkt
Untersucht wird der Schlachtviehmarkt, wie oben beschrieben in den Monaten Januar und Juni des Jahres 1915. Dabei wird darauf eingegangen, wie viel Vieh im jeweiligen Monat angeboten und umgesetzt wurde, dabei muss natürlich auch die Entwicklung der Preise im Auge behalten werden. Falls Teuerungen oder eine quantitative Veränderungen festgestellt werden sollten, wird versucht werden diese zu erklären. Einleitend zu dieser Untersuchung ist festzuhalten, dass im Januar 1915 der Schlachtviehmarkt nur dreimal abgehalten wurde, im Juni hingegen fand dieser elfmal statt. Daher ist eine quantitative Untersuchung sehr Vorsichtig zu interpretieren, so muss man allerdings auch im Hinterkopf behalten, dass auf den drei Märkten des Januars der gesamte Fleischumsatz eines Monats erzielt werden musste, genau wie bei den elf Märkten des Junis, deshalb sollte trotz der stark unterschiedlichen Anzahl an Verkaufstagen ein Vergleich statthaft sein, wenn man sich des Problems bewusst ist. Die untersuchten Preise des Schlachtviehs sind Durchschnittspreise, so finden sich für jede Fleischsorte Abstufungen in der Qualität und der dafür erzielten Preise. Ein Durchschnittspreis, wie er hier errechnet wurde zeigt also nur eine Tendenz, die nur durch einen größeren Sprung nach oben oder unten Relevanz erhält.
Abb. 1
Stuttgarter Schlachtviehmarkt Januar 1915 Preise
Preise in Pfennig pro 1/2 kg
1 4 . 0 1 . 2 0 1 1
Daten aus ‚Glems- und Würmgauzeitung’ Zusammenstellung des Autors
4
Abb. 1 zeigt die Entwicklung der durchschnittlichen Preise für Bullen, Stiere und Jungrinder, Schweine, Kälber und Ochsen auf dem Stuttgarter Schlachtviehmarkt 1915. Die Angaben der Preise sind in Pfennig pro ½ kg Schlachtgewicht der Tiere. Man sieht, dass die Preise für die gehandelten Tiere in diesem Zeitraum nahezu konstant blieben. Abb. 2 zeigt die verkauften Mengen an Schlachttieren im gleichen Zeitraum. Zu erkennen ist, dass die Menge der umgesetzten Tiere stark zu variieren scheint. Um sich diesem Problem zu nähern ist es wichtig nicht nur den Umsatz an Tieren, sondern auch das Angebot zu betrachten. So zeigt sich, dass am 23.01., der Tag mit dem geringsten Umsatz auch das geringste Angebot bestand. So war zwar das Angebot bei Großvieh nahezu mit dem der anderen beiden Tage identisch, was sich auch im gleich bleibenden Verkauf bemerkbar machte, das Angebot bei Kälbern und Schweinen war aber ungleich geringer. An diesem Tag wurden nur 73 Kälber und 376 Schweine auf den Markt getrieben. Das Verhältnis von zugetrieben und verkauften Tieren ist aber an allen drei Tagen konstant. Dieser Unterschied in dem Zutrieb erklärt sich wahrscheinlich durch den Umstand, dass der 23.01.1915 ein Samstag war und an diesem Tag mit einem geringeren Handel zu rechnen ist. Es zeigt sich aber, wenn man das Verhältnis von zugetriebenen und verkauften Schlachttieren betrachtet, dass 80% des Großviehs, 98% der Kälber und 84% der Schweine verkauft werden konnten.
Abb.2
Stuttgarter Schlachtviehmarkt Januar 1915 Verkäufe
1000
800
600 Stück
400
200
1 5 . 0 1 . 2 0 1 1 1 4 . 0 1 . 2 0 1 1
Abb. 3
Preise Stuttgarter Schlachtviehmarkt Juni 1915 Preise in Pfennig pro 1/2 kg
Schlachtgewicht 200
150 Bullen
100 Stiere und Jungrinder
50 Kälber
0 Ochsen
01.06.2011 03.06.2011 05.06.2011 07.06.2011 09.06.2011 11.06.2011 13.06.2011 15.06.2011 17.06.2011 19.06.2011 21.06.2011 23.06.2011 25.06.2011 27.06.2011 29.06.2011
Kühe
Schweine
Daten aus ‚Glems- und Würmgauzeitung’ Zusammenstellung des Autors
Abb. 3 zeigt die durchschnittlich erzielten Preise für Schlachtvieh im Juni 1915 in Pfennig pro ½ kg Schlachtgewicht. Enthalten sind die Daten für Bullen, Stiere und Jungrinder, Kälber, Ochsen, Kühe und Schweine. Kühe wurden in der Abb. 1 nicht berücksichtigt, da im Januar kein Handel mit diesen Tieren stattfand. Die Abbildung zeigt aber, dass die Preise auch im, Juni relativ konstant blieben, allerdings hat sich der Preis für die einzelnen Tierarten stark erhöht, wie Abb.4 zeigt.
Abb. 4
Durchschnittspreise Stuttgarter Schlachtviehmarkt Jan+Juni 1915
Preis in Pfennig pro
1/2 kg
Arbeit zitieren:
Martin Böse, 2011, Die Lebensmittelversorgung im Januar und Juni 1915, München, GRIN Verlag GmbH
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