Vorwort
Wer von Hausarbeit spricht, meint Frauenarbeit. Ausgehend von der These, dass der Großteil von Tätigkeiten im Haushalt auch 2007 noch von Frauen erledigt wird, wurde ein Jahrgang des land- und forstwirtschaftlichen Schulwesens ausgewählt und sowohl die SchülerInnen als auch deren Eltern mittels Fragebogen zu Einstellungen, Einschätzungen und Beiträgen zu haushaltlichen Tätigkeiten befragt und die Fragebögen ausgewertet. In der HLA für Land-und Ernährungswirtschaft des Schulvereins der Grazer Schulschwestern wurden 66 Personen befragt. Nach Berichten von SchülerInnen lösten die Fragebögen bei den Eltern/Erziehungsberechtigten und auch innerhalb der restlichen Familie oftmals heftige Diskussionen über Mithilfe, Anteil, Gleichbeteiligung aus.
Auch die Zuordnung von Tätigkeiten als frauen- bzw. männertypisch und der Vergleich der Ergebnisse mit exemplarischen Veröffentlichungen zum Thema seit 1993 stellen einen Teil der Arbeit dar. Selbstverständlich lassen sich die Aussagen einer kleinen und zudem homogenen Gruppe von Befragten nur im Rahmen der Beschreibenden Statistik auswerten und die Ergebnisse erheben keinen Anspruch auf Schlüsse auf eine der Befragten übergeordneten Grundgesamtheit. Dennoch erscheint (unter dieser Einschränkung) der Vergleich mit anderen Ergebnissen interessant und dient auch der näheren Beleuchtung der These, dass nämlich Hausarbeit nach wie vor Frauenarbeit ist.
Ursprünglich war geplant, diese Erhebungen auch an einer zweiten Schule des land- und forstwirtschaftlichen Schulwesens, nämlich dem Francisco-Josephinum in Wieselburg (ebenfalls ein 4. Jahrgang), durchzuführen und die Ergebnisse zu vergleichen, jedoch ist nun mit Juni 2008 von Seiten des Kollegen in Wieselburg klar, dass diese vergleichende Auswertung und Ausarbeitung der Ergebnisse nicht zustande kommt. So muss die vorliegende Arbeit nun ohne Vergleichsgruppe fertig gestellt werden. Möglicherweise hat der ursprüngliche Plan dieses Vergleiches noch in der vorliegenden Arbeit, die im August 2007 bereits beendet und für den Kollegen als Vergleichsbasis verfügbar gemacht war, Spuren hinterlassen, zum Beispiel in einem größeren Seitenumfang als für eine Seminararbeit von einer Person geplant.
2
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 3
1 Geschichte der Hauswirtschaft. 4
1.1 „Das ganze Haus“ - Agrargesellschaft 4
1.2 Vorindustrielle Zeit 4
1.3 Industriegesellschaft. 5
1.3.1 Neue Haushaltsformen im 19. Jahrhundert 5
1.3.2 Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. 6
1.3.3 Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg 6
1.4 Postindustrielle Gesellschaft 7
2 Rollenbilder und Gleichbeteiligung 8
2.1 Die Konstruktion des Hausfrauenbildes. 8
2.2 Gleichbeteiligung an der Hausarbeit 11
2.2.1 Gleichbeteiligung als Studienobjekt. 11
2.2.2 Forschungsergebnisse zu Gleichbeteiligung 12
3 Befragung und Ergebnisse 15
3.1 Design. 15
3.2 Datenanalyse und Ergebnisse. 16
3.2.1 Grunddaten der Befragten 17
3.2.2 Frauensache - Männersache. 19
3.2.3 Beteiligung am Haushalt 20
3.2.4 Geschlechtertypische Tätigkeiten 22
3.2.5 Einstellungen zu Hausarbeit. 29
4 Zusammenfassung. 33
Literaturverzeichnis. 36
Quellenverzeichnis 39
Abbildungsverzeichnis 39
Anhang 40
3
1 Geschichte der Hauswirtschaft
Dass Arbeit im Haushalt schon immer Angelegenheit von Frauen gewesen sei, wird gerne historisch begründet - einfach dadurch, dass es immer so gewesen wäre. Betrachtet man jedoch die geschichtliche Entwicklung von Haushalten, so kann man feststellen, dass Hausarbeit in dem Sinne, wie sie heute verstanden wird, noch gar nicht lange existiert.
1.1 „Das ganze Haus“ - Agrargesellschaft
Zum Großteil bis zum 18. Jh. gab es im so genannten „ganzen Haus“ 1 noch keine Trennung zwischen Produktions- und Reproduktionsarbeit, jedoch sehr wohl auch eine Rollenverteilung, allerdings innerhalb des Hauses. Dieser Haushaltsform entspricht der bäuerliche Haushalt, aber auch der Haushalt des städtischen Handwerkers, der patriarchalisch geleitet wurde, in dem die Frau aber einen klar umgrenzten Macht-/Aufgabenbereich innerhalb des Hauses hatte. Gemeinsam wurde produziert, bäuerliche bzw. handwerkliche Erzeugnisse ebenso wie Produkte zur Versorgung der Mitglieder des Haushaltes (Familie und nicht zur Familie gehörige im gemeinsamen Haus lebende Personen). Nach außen hin vertrat der Hausvater „sein ‚Haus’ mit all seinen Bewohnern auch rechtlich als eine Wirtschaftseinheit […] Die Organisation des inneren Lebens und Funktionieren dieses ganzen Hauses lag in der Hand der Hausmutter“ (Weber-Kellermann, I. 1992, S. 30).
1.2 Vorindustrielle Zeit
Vom 16. bis zum 18. Jh. vollzog sich aufgrund von Entdeckungen, des Frühkapitalismus und der Ausbildung des Handels als wichtige Form des Wirtschaftens im Merkantilismus ein Wandel in der Bedeutungszumessung von Hauswirtschaft:
„Es wurde die bisher einseitig in den Vordergrund geschobene Seite der Wirtschaft, nämlich
die Hauswirtschaft, aus dem Bewusstsein der Menschen […] verdrängt, um ebenso einseitig
ihre andere Seite, nämlich die Marktwirtschaft als Verkörperung von Wirtschaft überhaupt
erscheinen zu lassen.“ (Egner, E. 1967, S.16).
Dieser Wandel charakterisiert die Zeit bis zum 18. Jh. deutlich, es existierten traditionelle Haushaltstypen neben den durch das Verlagssystem bedingten Formen wie dem Heimarbeiterhaushalt, in dem vor allem von Frauen als Teil der Versorgung der Familie erzeugte Waren aus Spinnerei und Weberei zu Produkten zum Verkauf an Verleger wurden. Dieser Teil der haushaltlichen Tätigkeit bekam nun gegenüber der restlichen Hausarbeit einen
1 Die Bezeichnung stammt von Wilhelm Heinrich Riehl 1855 (Egner, E. 1985, S. 139).
4
höheren Stellenwert, vor allem auch durch die Einbindung der Männer in die ursprünglich weiblichen Produktionstätigkeiten.
1.3 Industriegesellschaft
Der Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft vollzog sich endgültig im Laufe des 19. Jahrhunderts auch dadurch, dass neue Formen des Haushaltes entstanden. Parallel dazu existier(t)en noch immer agrarische Haushaltsstrukturen, aber auch diese veränder(te)n sich, vor allem im 20. Jh.
1.3.1 Neue Haushaltsformen im 19. Jahrhundert
Durch den wirtschaftlichen Wandel im Zuge der industriellen Revolution und ihrer Folgen im 19. Jh. veränderten sich nicht nur Haushaltsformen, sondern auch die Bedeutung der Hausarbeit.
1.3.1.1 Großbürgerlicher Haushalt
Bereits im Zuge der Entwicklung des Verlagswesens und des Merkantilismus entstand der großbürgerliche Haushalt, der den Lebensstil des Adels nachahmte. Im 18. Jh. „begannen Haushalt und Betrieb, besonders wo es sich um Unternehmer handelte, auseinanderzutreten“ (Egner, E. 1976, S. 288). Zwar versuchte sich der Bürgerhaushalt im 18. Jh. wie in der vorindustriellen Zeit großteils selbst zu versorgen, dazu kam aber bereits der Kauf verschiedener Produkte, jedoch „spielt der Kauf nur eine geringe Rolle, während Eigenproduktion und Eigenverarbeitung im Haushalt im Vordergrund stehen“ (Freudenthal, M. 1992, S. 28.).
Im Zuge der Industrialisierung und dem damit verbundenen Aufstieg des Bürgertums entstand der großbürgerliche Haushalt, dessen Kennzeichen die endgültige Trennung von außerhäuslicher Produktions- und innerhäuslicher Reproduktionsarbeit war. „Dienstboten übernahmen die manuelle Arbeit im Haushalt, während es nun Aufgabe der Hausfrau war, ein gutes Familienklima zu schaffen“ (Ecker, A. 1995, S. 46).
1.3.1.2 ArbeiterInnen-Haushalt
Im Rahmen der Industrialisierung entstand auch eine neue, große Schicht, die Arbeiterschaft, deren Herkunft meist bäuerlich geprägt war, die jedoch - weil Eigenversorgung nicht möglich
5
war (vgl. Ecker, E. 1995, S. 46) - ihre Vorbilder bei den großbürgerlichen Haushalten 2 der Stadt nahm, allerdings mussten die schweren Arbeiten in den Arbeiterhaushalten von den Frauen selbst verrichtet werden. Männer und Frauen arbeiteten außer Haus, für die Frau kam die Zusatzbelastung der Haushaltsführung dazu.
„Es ist leicht zu erkennen, in welche Zwangslage der Haushalt einer Arbeiterfamilie unter
solchen Arbeitsbedingungen versetzt wurde. So wird über die anhaltende Zeitnot geklagt, in
welcher sich Vater und Mutter, besonders aber die letztere, laufend befanden“ (Egner, E.
1985, S. 147) „Das Familienleben ist nicht, wie beim Bürgertum, Zentrum des Lebensinhalts
des Menschen, sondern jener Bereich, der außerhalb der Arbeit im wesentlichen zur
Reproduktion der Arbeitskraft ‚übrig’ bleibt.“ (Ecker, A. 1986, S. 63).
1.3.2 Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
Mit dem Ersten Weltkrieg setzte eine Entwicklung ein, durch die Hausarbeit zur Arbeit für alle Frauen jeder Schicht wird: „Die Reproduktionsarbeit wird ausschließlich in die Verantwortung der Ehefrauen, Hausfrauen und Mütter gelegt.“ (Wirthenson, B. 1990, S. 83). Durch den Arbeitskräftemangel durch den Krieg suchten viele Dienstboten Arbeit in Fabriken und wurden damit zu ArbeiterInnen: die Frauen verrichteten nun Fabriksarbeit außer Haus und Hausarbeit im Haus, wie im Arbeiterhaushalt des 19. Jahrhunderts. Für die bürgerliche Frau bedeutete diese Entwicklung, dass sie nun auch die manuellen Tätigkeiten selbst verrichten musste und damit von der Organisatorin des Haushalts zur Hausfrau wurde. Einen Ausgleich versuchte man einerseits durch die Einführung von Haushaltstechnik zu schaffen, die jedoch bis in die 50er Jahre des 20. Jh. nur in wenigen Haushalten zu finden war. So gab es ab 1910 erste elektrische Haushaltsgeräte, 1925 die ersten Elektroherde und frühe Waschmaschinen (vgl. Meyer, S. und Schulze, E. 1992, S. 120). Andererseits entstanden vor allem in der Zwischenkriegszeit Rationalisierungskonzepte für bürgerliche, aber vor allem Arbeiterhaushalte wie zB die Frankfurter Küche (vgl. Krausse; J. 1992, S. 96ff) oder die Einküchenhausbewegung (vgl. Herndl, A 1991, S. 60ff). In den bäuerlichen Haushalten waren noch vorindustrielle Strukturen vorhanden, die technische Ausstattung gering.
1.3.3 Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
In der Nachkriegszeit, vor allem der Zeit des Wiederaufbaus wurden Haushalte durch den Boom an Haushaltsgeräten für die Gesamtbevölkerung ab den 1950er Jahren verändert. Vieles von dem, was früher die Dienstboten geleistet hatten, übernahm nun Haushaltstechnik, was einerseits zur Entlastung der Hausfrau bei manueller Tätigkeit, andererseits aber auch zu
2 Anleitungen für die Arbeiterfrauen aus dem Jahr 1882: „Alle Arbeiten werden ihr leicht […] wenn sie die
folgenden Regeln befolgt: Die erste Regel ist früh aufstehen und nicht eher zu Bett gehen, als bis alle am Tage
gebrauchten Sachen wieder an ihrer Stelle stehen.“ (Blank, R. 1975, S. 46).
6
steigenden Ansprüchen (vgl. Ecker, A. 1995, S. 47) führte. Mit der zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen steigt die Doppelbelastung der Frau durch Beruf und Haushalt noch stärker an, wenngleich seit den 1970er Jahren die Forderung nach Gleichbeteiligung an haushaltlichen Tätigkeiten besteht. Die Schaffung neuer Sicherheitsformen durch den Staatnach dem Wandel der Familienstrukturen - wie die Sozialversicherung, „knüpft noch immer an das Arbeitsverhältnis, die versicherungspflichtige Tätigkeit an […] Ehefrau und Kinder sind nur abgeleitet gesichert.“ (Visotschnig, R. 1994, S. 85).
Deutlich ist, dass Hausarbeit noch immer dadurch gekennzeichnet ist, dass sie als unbezahlte, private Reproduktionsarbeit mit nur geringem wirtschaftlichen Wert gesehen wird, was sich für die im Haushalt Tätigen auch darin widerspiegelt, dass „es auch Ende des 20. Jhs. keine klare Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit [gibt], der Wohnraum, für die anderen Familienmitglieder Ort der Rekreation, ist ihr [der Hausfrau] Arbeitsplatz.“ (Ecker, A. 1005, S. 47). Dies gilt in zunehmenden Maße auch für die bäuerlichen Haushalte, wo sich zwischen der Modernisierung des Betriebes und des Haushaltes oft eine Kluft erkennen lässt, deren Folge „die Arbeitsüberlastung der Bauersfrau“ (Egner, E. 1976, S. 294) ist - das gilt 30 Jahre nach dieser Aussage noch immer.
1.4 Postindustrielle Gesellschaft
Bereits in den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. zeichnet sich der Übergang von der industriellen zur postindustriellen Gesellschaft ab. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden neue Lebens-und Haushaltsformen, die mit dem traditionellen Familienbegriff des 18. Jh. nicht mehr korrelieren. Interessanterweise findet dadurch auch eine Neubewertung des Haushaltes statt, der im Verhältnis zu sich ständig verändernden Familienstrukturen zu einer „vergleichsweise stabilen Grundeinheit“ (Richarz, I. 1997, S. 120) wird.
Haben sich die Strukturen der Arbeit im Haushalt gewandelt, so hat sich an der Belastung der im Haushalt Tätigen - zumeist ist es noch immer primär die Frau - wenig geändert. Hatte man (im bürgerlichen und bäuerlichen, nicht im ArbeiterInnen-Haushalt) bis zum 20. Jh. Hilfskräfte für Hausarbeiten zur Verfügung, so werden diese ab den 1950er Jahren durch technische Hilfsmittel zunehmend ersetzt, die Fokussierung auf den Arbeitszweck ist einer auf den Zeitbedarf gewichen, die Ansprüche sind parallel zum Lebensstandard gestiegen.
„Im Haushalt findet sich beides, der Versuch größtmöglicher Zeitersparnis als auch
genossene wie auch erlittene Zeitverschwendung. Dies spiegelt letztlich den Konflikt zwischen
zwei Wertsystemen, die beide für unsere Kultur konstitutiv sind. Es gibt einerseits die Logik
der Erwerbsarbeit, die möglichst eigennütziges, kalkulierendes, konkurrenzorientiertes,
effizientes Verhalten fordert, und die Logik der Fürsorge, die auf uneigennützigem,
7
moralischem Verhalten, intimen, warmherzigen Beziehungen aufbaut und […] materielle
Überlegungen tabuisiert.“ (Fleischer, E. 2002, S. 69).
Abbildung 1: Werbekonzept einer Haushaltstechnik-Firma (www.familien-managerin.de)
Zunehmend wird Hausarbeit (und Familienarbeit) als Managementtätigkeit vermarktetallerdings nicht entlohnt - gleichzeitig wird der Haushalt zunehmend als einziges Refugium gesehen, wo es noch möglich ist, die bereits genannte „Logik der Fürsorge“ umzusetzen. Beides steigert heute zunehmend die Erwartungen an die im Haushalt Tätigen, nicht nur zeitlich, sondern auch emotional. Umso wichtiger erscheint daher Gleichbeteiligung, egal in welcher Form am Haushalt des 21. Jahrhunderts.
2 Rollenbilder und Gleichbeteiligung
Rollenzuweisungen finden verschiedene Begründungen, zB biologisch-psychologisch, religiös-anthropologisch oder pragmatisch (Hahn, G. et al. 1982, S. 14-25.) Je nach historischer, geistesgeschichtlicher und wirtschaftlicher Entwicklung werden diese und andere Ansätze zur Begründung von Geschlechterrollen herangezogen - das gilt auch für die Rolle der Frau als Hausfrau. Im Rahmen der Veränderungen des Haushaltes im Laufe der historischen Entwicklung hat sich das Rollenbild geändert. Eines jedoch lässt sich bis heute feststellen: wer von Hausarbeit spricht, meint eigentlich Frauenarbeit.
2.1 Die Konstruktion des Hausfrauenbildes
War die Rolle der Frau im Haushalt in der vorindustriellen Zeit klar definiert als - wenngleich geschlechtsspezifischer so dennoch gleichwertiger - Teil der Beteiligung an Arbeit im ganzen Haus, so verliert die Arbeit der Frau im Haus mit der Entwicklung des bürgerlichen (parallel dazu auch des ArbeiterInnen-Haushaltes an Wert, sie wird ins Private, ins Nebensächliche gedrängt. Als Ausgleich dafür wird die Rolle der Frau als Hausfrau aufgewertet, die „Hausfrau“ erfunden.
8
„Das bürgerliche Ehe- und Familienleitbild ‚versah’ Frauen mit der Rolle der Hausfrau und
Mutter und ‚erschloß’ ihnen den Arbeitsbereich Haushalt und Familie, für die Männer nur
sporadisch (als Gründer) bzw. funktionell (als Ernährer) zuständig sind. Der Haushalt als
‚arbeitsfreier’ Bereich wurde Ort der Reproduktion und Konsumption.“ (Schicker-Ney, I.
1992, S. 173f).
Dieses bürgerliche Idealbild wurde auch von den ArbeiterInnen übernommen und durch zahlreiche Haushaltsratgeber und -literatur auch in der Ausbildung der Frauen verstärkt, so
dass die der Frau zugewiesene Rolle Frauen aller Schichten 3 und Bildungsgrade vermittelt und so manifestiert und perpetuiert wurde:
Abbildung 2: Zum Rollenbild in Haushaltungsbüchern (Neuburger, M. 1910, S. 17).
„Die Frauen selbst werden […] nie als handelnde, wünschende Subjekte sichtbar, sondern
bleiben Ideologieempfängerinnen und Projektionsflächen für bürgerliche
Hausfrauenideologien.“ (Hornung, E. 1990, S. 106).
Nachdem nach dem Ersten Weltkrieg ein Mangel an Dienstboten 4 herrschte und es einen Arbeitskräftebedarf für Frauen vor allem im Angestelltenbereich gab, finden sich in der Zwischenkriegszeit Ansätze zur Entlastung der Frauen von Hausarbeit (Technik, Ideen), die
allerdings in der Realität der Massen und auch für das allgemeine Rollenbild der Hausfrau 5 nicht wirksam waren. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Bild der im Haus wirkenden, aus Liebe und Pflichterfüllung gegenüber dem Staat und dem im Kriegseinsatz befindlichen Ehemann wirtschaftenden Hausfrau, Ehefrau und Mutter propagandistisch verwertet, vor allem in den letzten Kriegsjahren die Rolle der Frau im Bereich der Selbstversorgung forciert. Dieses Bild blieb auch in der direkten Nachkriegszeit erhalten.
3 „Bei dem großen Einflusse, welchen das weibliche Geschlecht auf die Familien- und häuslichen Verhältnisse
ausübt, ist es von höchster Wichtigkeit, in a llen Schic h ten d er Bevö lk erung die weibliche Jugend für
ihren Wirkungskreis vorzubereiten.“ (Prato, K. 1873, S.1).
4 Lebensbild einer Hausgehilfin (vgl. Wagenhofer, G. 1987).
5 „Eine gründliche Vorbildung des Mädchens für diesen seinen ureigensten Beruf ist somit schon aus religiösen
und praktischen, sozialen und vaterländischen Rücksichtigen strenge geboten.“ (Erziehungsanstalt Marienburg.
1921, S. VI.)
9
In der Zeit des Wiederaufbaus wurde das alte bürgerliche Hausfrauenideal wieder belebt: „Es ist doch der Frauen schönste Pflicht, für andere zu leben und dafür zu sorgen, ihnen ein gemütliches Heim zu schaffen“ (Großbies, M. 1950, S. 5). Im Mittelpunkt des Rollenbildes stand die Gestaltung eines schönen Zuhauses stärker als die Arbeit im Haushalt. Die Zunahme
und der Bedarf von Mädchen- und Frauenarbeit 6 und der Anstieg von technischen Geräten ab den 1950er Jahren bewirkte, dass die Rolle der Frau als ausschließlich im Haushalt tätig eine weitere Aufwertung erfuhr, so gibt es durchaus bereits in den 1950er Jahren Ansätze,
Haushaltsführung als eigenen Beruf zu definieren 7 , Einflussmöglichkeiten von Hausfrauen als homogener Gruppe aufzuzeigen 8 , die volkswirtschaftliche Bedeutung der Arbeit der Hausfrauen zu betonen und damit erste Forderungen nach Bezahlung zu postulieren.
Abbildung 3: Ausstattung einer jungen Hausfrau (Oheim, G. 1955, S. 234)
Die Tendenzen, die in den 1950er Jahren begonnen hatten, nämlich der vermehrte Einsatz von Haushaltstechnik auf der einen, die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen auf der anderen Seite, führten in Ansätzen auch zu einem geänderten Rollenbild. So wird die Doppelbelastung der Frau durch Haushalt und Beruf grundsätzlich anerkannt, gesellschaftspolitisch (oft sehr
kontroversiell) diskutiert und auch in Hauswirtschaftsbüchern 9 seit Jahrzehnten eine Rollenzuweisung, Hausarbeit sei Frauenarbeit, ausgespart: „’Und morgen bist du Hausfrau’: Schulbuchtitel dieser Art sollen künftig ebenso vermieden werden wie eine realitätsferne Darstellung der Frau in den Schulbüchern“ (Zeitungsausschnitt von 1980. In: Hahn, G. 1982, S. 77).
6 1951 waren in Österreich 39% der Berufstätigen Frauen (vgl. Bolognese-Leuchtenmüller, B. et al. 1985, S.
220ff.
7 „Hausfrau sein ist also genauso ein Beruf wie jeder andere“ (Oheim, G. 1955, S. 26).
8 „Vorhin sprachen wir von dem allerdings nur vorgestellten Heer der Hausfrauen. Wenn sie geschlossen zum
Einkaufen gingen, könnten sie, ähnlich wie die Gewerkschaften mit den Arbeitsgebern, mit den Herstellern über
Preise verhandeln und sie mit ihnen festsetzen.“ Hofmann, E. 1960, S. 21).
9 Eine Rollenzuweisung wird in Haushaltungsbüchern (speziell Schulbüchern) gemieden, das Thema gar nicht
angesprochen, vielmehr tritt der arbeitstechnische Charakter von Hausarbeit in den Vordergrund. Vgl. dazu zB
Stübler, E. 6 1986 oder Simpfendörfer, D. und Klug, S. 7 2001).
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Arbeit zitieren:
MSc Mag. Dr. Gertraud Wagenhofer, 2008, Hausarbeit ist weiblich, München, GRIN Verlag GmbH
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