Einleitung
Mit der Vorliegenden Arbeit „Autismus - Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit in der Behindertenhilfe“ möchte ich Aufzeigen, welche Rolle die Soziale Arbeit in der Behindertenhilfe, Schwerpunkt Autismus einnimmt. Dazu werde ich im Vorfeld eine Begriffsdefinition sowie eine Geschichtliche Einordnung der Störung vornehmen. Auch möchte ich die unterschiedlichen Ursachen des Autismus darstellen, welche bis heute nicht ganz geklärt zu sein scheinen. Folgen sollen die verschiedenen Störungsbilder des Autismus und deren Früherkennung.
Ein Schwerpunkt dieser Arbeit soll die Erläuterung der wesentlichen Therapieformen wie LOVAAS oder TEAACH sein. Aber auch die kritische Auseinandersetzung mit der medikamentösen Intervention soll dargestellt werden.
Wichtig erschein mir weiterhin die Eltern, Angehörigen und Lehrerarbeit 1 , welche meines Erachtens vom Sozialarbeiter koordiniert werden sollte. Hierbei wird im Zentrum die Beratung stehen.
Ein weiterer Schwerpunkt wird der meiner Meinung nach schmale Grad zwischen Autonomie und Betreuung in der Arbeit mit Autisten sein. Welche Möglichkeiten der Betreuung gibt es? Ist es machbar, dass Autisten weitgehend oder völlig selbstständig leben? Welche Art der Betreuung scheint sinnvoll, zuhause, oder eher eine externe Unterbringung?
In den einzelnen Schwerpunkten werde ich Arbeits- und Interventionsbereiche der Sozialarbeit aufzeigen. Schließlich soll dargestellt werden wo die Herausforderung der Sozialarbeit in einem Tätigkeitsfeld liegen, dessen Ursache ungeklärt ist, und in dem infolge dessen die verschiedensten Professionen Tätig sind.
1. Definition
Der Begriff Autismus wurde zum ersten Mal 1911 von dem Schweizer Psychiater Eugen Bleuler verwendet. Er kommt von dem griechischen Wort „autos“ und bedeutet „selbst“. Bleuler beschrieb damit ein Grundsymptom der Schizophrenie, wobei der Begriff „Autistisch“ das auf sich selbstbezogene in sich gekehrte Verhalten schizophren erkrankter Menschen beschreibt.
1 Um den Textfluss nicht zu stören wurde durchgehend die grammatikalisch maskuline Form gewählt.
Selbstverständlich sind in diesen Fällen immer Frauen und Männer gemeint.
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Noch bis in die 1970er Jahre galten Autismus und Schizophrenie als zwei Störungen gleichen Ursprungs. Auch wenn es Fallberichte von Patienten mit autistischen Störungen gibt, die eine Schizophrenie entwickelten, ist es unklar ob die Verbindung beider Symptome überzufällig häufig ist. Im multiaxialen Klassifikationsschema der WHO 2 ist der Autismus mit seinen verschiedenen Formen klar als eigenes Störungsbild dargestellt. 3
2. Was ist Autismus?
Autisten sind Menschen, die sich zunehmend gedanklich in sich selbst zurückgezogen sind und dabei immer weniger in der Lage den Kontakt zur Außenwelt Aufrecht zu erhalten. 4 In den 1940er Jahren haben Leo Kanner (1943) den Frühkindlichen Autismus und Hans Asperger (1944) die Autistische Persönlichkeitsstörung (Asperger - Syndrom) unabhängig voneinander beschrieben.
2 Weltgesundheitsorganisation
3 F.Poustka, S. Bölte, S. Feineis-Matthews, G. Schmötzer - „Autistische Störungen“ S. 1f ( Im Folgenden Zitiert als
Poustka/ Bölte/ Feineis-Matthews/ Schmötzer a.a.O. S.)
4 Helmut Remmschmidt , „Autismus - Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen“ S.9 (Im Folgenden Zitiert als H.
Remschmidt a.a.O. S,)
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Später wurde dann noch der Atypische Autismus, und das Rett - Syndrom sowie einige weitere recht seltene autistische Formen differenziert. Der Begriff autistische Störung wird gebraucht, da es sich um eine tiefgreifende Entwicklungs,- und Verhaltensstörung handelt, die sowohl den Betroffenen als auch deren Interaktionspartner die Kommunikation erheblich erschwert. 5 Laut ICD 10 6 wird die Autistische Störung wie Folgt beschrieben: „ Diese Gruppe von Störungen ist gekennzeichnet durch qualitative Beeinträchtigungen in den wechselseitigen sozialen Interaktionen und Kommunikationsmustern und durch ein eingeschränktesstereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten. Diese Auffälligkeiten sind in allen Situationen ein grundlegendes Funktionsmerkmal des betroffenen Kindes“. 7
Die immer noch verbreitete Einschätzung Autismus sei eine verdeckte Form von Hochbegabung, kann bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht verifiziert werden. Insbesondere hilft sie den Betroffenen wenig, da sie falsche Hoffnungen bei Angehörigen und unbegründet hohen Erwartungen erzeugt, welche zu einer unangemessenen Ausbildung, Schulung, Betreuung und Unterbringung der Betroffenen führen kann. Aber auch die wenigen normalen oder Überdurchschnittlichen Autisten sollten in der Gesamtheit ihrer Selbstständigkeit gesehen werden. Es mag sicher Autisten geben, die in bestimmten Bereichen zu außerordentlichen Leistungen wie Beispielsweise enorme Mathematische Fähigkeiten oder das Auswendiglernen von riesigen Texten in der Lage sind, aber andererseits keine „Sinnvolle“ Tagesstruktur aufbauen können bzw. alleine nicht überlebensfähig sind. Wie aus der Folgenden Statistik zu entnehmen ist befindet sich vielmehr der überwiegende Teil von Menschen mit autistischer Störung im Bereich geistiger Retardierung.
5 Michael Kusch/ Franz Petermann - „Entwicklung Autistischer Störungen“, S.18 (Im Folgenden Zitiert als Kusch
& Petermann a.a.O. S.)
6 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems
7 Zitiert nach Remschmidt u. Schmidt 1994 aus ICD 10 in Andreas Pickartz/ Heinrich Hölzl/ Martin H.
schmidt(Hrsg.) - Autistische Menschen zwischen Jugend - und Behindertenhilfe, S 10 (Im Folgenden Zitiert als
Pickartz/ Hölzl/ Schmidt a.a.O. S.)
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Abbildung 3
3. Ursachen
Es gibt recht unterschiedliche Erklärungsversuche für die Entstehung der autistischen Störung. Doch abschließend geklärt ist die Ursache bis heute nicht. Fest steht allerdings, dass die Ursache nicht im Verhalten der Mutter oder anderen Bezugspersonen liegt. Bis vor einigen Jahrzehnten gab es die Theorie, dass Autismus durch die mangelnde Bindung zur Mutter entstehe, oder sie ihr Kind schon in der pränatalen Phase „abgelehnt“ habe. Fest steht, dass die Störung unabhängig vom Verhalten der Mutter beim Kind entsteht. Durch Zwillingsforschung hat man weiterhin herausgefunden, dass Vererbung ein wesentlicher Faktor für das entstehen der Störung ist. Bei eineiigen Zwillingen sind zu über 95% beide Kinder autistisch. Bei zweieiigen Zwillingen sind immer noch zu gut 20% beide Kinder betroffen. 9
8 Tabelle aus „Entwicklung autistischer Störungen“ von Michael Kusch u. Franz Petermann S. 55
9 Hans E. Kehrer - Geistige Behinderung und Autismus S. 153-156 (Im Folgenden Zitiert als Kehrer a.a.O. S.)
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Arbeit zitieren:
Uwe Kruth, 2008, Autismus - Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit in der Behindertenhilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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