Inhalt:
Seite :
1. Einleitung
1
2. Rolle der Medien
3
3. Auswirkungen der Demoskopie auf den Wähler
4
3.1 Bandwagon Effekt
4
3.2 Underdog Effekt
6
3.3 Leihstimmeneffekt
7
3.4 Fallbeileffekt
9
4. Prognosen zur Landtagswahl in Bayern
10
5. Fazit
12
1. Einleitung
Das Thema Demoskopie im Wahlkampf wird seit jeher kritisch gesehen. Sehen die einen darin eher ein „Frühwarnsystem “1 dass Politikern die Möglichkeit gibt ihre Politik, besonders in Zeiten des Wahlkampfes, auf die Wünsche des Volkes abzustimmen, so sehen andere in Demoskopen eher „Datenhexer“, „moderne Orakel“ und „Auguren der Neuzeit“ 2 .
Und dennoch stieg die Quantität der Meinungsumfragen und auch deren Wahrnehmung in der Bevölkerung über die Jahre hinweg. Während sich der Nutzen für Politiker durchaus erklären lässt, beispielsweise um den Zeitpunkt der Durchsetzung einer bestimmten Politik oder Wettbewerbsvorteile die „maßgeblich die personelle, stilistische und inhaltliche Gestaltung der Kampagnen“ 3 prägen, ist der Nutzen und der Einfluss auf die Bevölkerung zwar schon häufiger beschrieben worden, jedoch fehlen empirische Analysen. Unterscheiden werden muss hier zwischen dem Einfluss auf den Wähler bezüglich seiner Wahlpräferenz, also seine Absicht eine bestimmte Partei zu wählen, und dem Anreiz für den Wähler überhaupt wählen zu gehen. In dieser Arbeit soll das Hauptaugenmerk auf den Einfluss auf den Wahlausgang liegen. Der Einfluss auf die Wahlbeteiligung mit den damit verbundenen Effekten wird erst im Versuchsteil, den Wahlprognosen für die kommende Bundestagswahl und die möglichen Ergebnisse, erläutert. Zuerst will ich jedoch noch einige Worte über die Demoskopie im Allgemeinen verlieren und die damit verbundenen Methoden, Grundvorraussetzungen und die vehemente Kritik.
Als Methoden der Demoskopie beschreibt Kruke telefonische, persönliche, schriftliche oder neuerdings auch online Befragungen von Wahlberechtigten 4 als Hauptgegenstand. Weiter wird von qualitativen Methoden wie Fokusinterviews, Berechnungen nach diversen Modellen und Hochrechnungen gesprochen. 5 Eine
1 Gallus, 2002
2 Brettschneider, 2000
3 So Volker Hetterich über die Vorteile der Christdemokraten und Adenauer in den Fünfziger Jahren in Gallus, 2002 S. 32. Doch die Sozialdemokraten zogen ab 1961 nach und es herrschte eine Gleichheit in der Datenverfügbarkeit. Heute spricht Diana von Nebel gar von der Kampa (für die Wahlen von 1998 und 2002), in welcher „keine Strategie und kein Instrument dem Zufall überlassen, sondern alles durch Meinungsforschung abgesichert“ wird. (Gallus, 2002; S. 32)
4 Wobei bei Wahlberechtigten oft auch Jugendliche ab 16 Jahren gemeint sind, welche laut deutschem Wahlrecht kein Stimmrecht bei Bundestagswahlen haben.
5 Kruke, 2007
genauere Analyse der Methoden spare ich an dieser Stelle aus Platzgründen aus. Genauso will ich auch nur in wenigen Worten auf die Kritik an der Demoskopie eingehen, da auch diese nicht direktes Objekt dieser Arbeit sein soll. Jedoch sollte erwähnt sein, dass durch eine gezielte Fragestellung auch eine gewünschte Antwort häufiger ist als durch eine andere Wortwahl. Wenn beispielsweise ein Thema in der Fragestellung bereits negativ behaftet ist, so sind positive Meinungen selten. Dies gilt insbesondere um eine gewünschte Bestätigung zu erhalten. Auch werden Ergebnisse oft erfunden, da die Interviewer meist nach ausgefüllten Fragebogen bezahlt werden.
Kritisch zu betrachten ist auch die Telefonumfrage, als häufiges Mittel repräsentativer Umfragen. So wird in vielen Fällen nicht nach der Geburtenmethode vorgegangen, sondern das Familienoberhaupt zur Befragungen gebeten. Häufig werden junge Leute durch die Umfragen nicht erreicht, da sie selbst keinen Festnetzanschluss besitzen und selbst mit home-zone Funktion meist nicht im Telefonbuch zu finden sind.
Als wichtige Kritikpunkte sind noch ein zu klein gewählter Befragtenkreis zu nennen und das Nichterfassen sozial ungewünschter Meinungen. So werden in Prognosen meist radikale Parteien unterschätzt, da die Befragten im vorraus sich nicht getraut haben ihre Meinung preis zu geben.
Um diesen Kritikpunkten entgegen zu wirken ist es ratsam sich an die Richtlinien der American Association of Public Opinion Research (kurz AAPOR) zu halten. 6 Gallus wirft der Demoskopie illegitime Beeinflussung auf den politischen Meinungs-und Willensbildungsprozess vor und behauptet, Umfragezahlen können manipuliert sein.
Er nennt Demoskopie ein gefährliches Herrschaftswissen, welches als Macht- und Propagandamittel verwendet werde und sieht Probleme in der Amerikanisierung der deutschen Politik, durch das ständige Wechselspiel zwischen politischem Handeln und dem Wahlvolk. Damit wäre keine klare Agenda mehr verfolgbar. 7 Andere Länder sehen in Umfragedaten eine solch starke Beeinflussung auf den Wähler, dass das Veröffentlichen direkt vor Wahlen gesetzlich verboten ist. So geschehen zum Beispiel Frankreich, Portugal, Spanien, Schweiz und Ungarn. Jedoch werden diese Verbote umgangen durch die Veröffentlichung in Nachbarländern und sich darauf beziehende Zeitungen im Inland.
6 Sämtliche Kritikpunkte sind unter „Informationen“ - „Häufige Fragen“ auf politbarometer.zdf.de zu finden
7 Gallus, 2002
2. Die Rolle der Medien
Donsbach/Weisbach gehen davon aus, dass soziale Wahrnehmung die Grundlage für den menschlichen Entscheidungsprozess ist. Die Verhaltensweisen und Ansichten unseres sozialen Umfeldes prägen unser eigenes Willensbildung. Dazu stellen sie drei Quellen für die soziale Wahrnehmung da:
1. eigene Beobachtungen in der sozialen Umgebung und in der Öffentlichkeit
2. Übermittlung in der personalen Kommunikation
3. Übermittlung in den Medien
Wir erfahren also was andere Denken durch Beabachten, Erzählungen und den Medien. Diese drei Punkte vermischen sich natürlich und es ist wahrscheinlich, dass sowohl die Beobachtungen, was andere Denken, als auch unserer Erfahrung aus Gesprächen auf den Medien beruhen. Damit nimmt die Bedeutung der Medien zu und eine Abbildung des Meinungsbildes der Bevölkerung durch die Medien hat einen Einfluss auf das Meinungsbild selbst. Auch durch gezielte Abbildung bestimmter „Man-in-the-street“ Interviews, bei welchem nur die Meinung eines Individuums, häufig die eines Prominenten, wiedergegeben wird kann einen Einfluss auf das öffentliche Meinungsbild haben. 8
Wir sehen hier bereits die wichtige Rolle der Medien, die in den letzten Jahren immer häufiger Umfragedaten publizieren 9 . Dies ergibt sich aus dem hohen Nachrichtenwert, da Zahlen konkret sind und sich anschaulich darstellen lassen. So kann man komplexe politische Debatten auf ein einfaches Kopf-an-Kopf Rennen (Horse-Race journalism) minimieren. Jedoch stehen Journalisten den Demoskopen nicht immer positiv gegenüber. „Zwischen beiden gibt es eine traditionelle Rivalität. Durch das Aufkommen repräsentativer Umfragen hat der Journalismus ein jahrhundertealtes Monopol verloren: zu behaupten, was die öffentliche Meinung ist.“ 10 Wir haben es hier also mit zwei ganz verschiedenen Quellen zu tun, die für sich behaupten das Meinungsklima wiedergeben zu können. Die Demoskopen auf der einen Seite und Journalisten und Politiker mit Aussagen und Behauptungen, welche meist auf Subjektivität ruhen, auf der anderen. Leider sind gerade die Aussagen bezüglich des Wahlausgangs meist von der zweiten Gruppe und die Demoskopen
8 Donsbach/Weisbach, 2005. S. 106-108
9 Siehe auch Brettschneider, 2000 und Donsbach/Weisbach, 2005
10 Donsbach/Weisbach, 2005 S. 108 in Bezug auf Lang & Lang 1984
Arbeit zitieren:
Johannes Schiefer, 2008, Demoskopie in der Wahlforschung , München, GRIN Verlag GmbH
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