0 Einleitung
Nicht zuletzt durch die Globalisierung war die Hoffnung verbunden, dass den Entwicklungsländern neue Chancen eröffnet werden. Bislang hat sich diese Hoffnung eher weniger erfüllt. Die Ungleichheit in der Welt hat in den letzten Jahren sogar noch zugenommen. Faktoren wie das rasche wirtschaftliche Wachstum in den Industrieländern verstärken diesen Prozess zusätzlich (vgl. Leser, 2005, S. 30). Im Laufe der Zeit hat sich die Art und Weise, wie die Entwicklungspolitik agiert, gewandelt.
Vor diesem Hintergrund wird versucht, die einzelnen Entwicklungsbereiche und Ergebnisse von ca. 40 Jahren „Entwicklung“ aufzuzeigen.
Im ersten Kapitel werden demnach ausgewählte Zusammenschlüsse von Entwicklungsländern und Zusammenschlüsse, die in diesem Kontext erwähnenswert sind, vorgestellt. Es wird die Gruppe der 20, die Gruppe der 77 sowie die OPEC hinsichtlich ihrer Gründung, ihren Zielsetzungen und ihren Mitgliedsstaaten näher betrachtet. Vollständigkeitshalber wird ebenfalls die OECD als Zusammenschluss der Industrieländer angesprochen und ihre Bedeutung bezüglich der Entwicklungspolitik vorgestellt.
Der Begriff Entwicklung wird in vielen unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Spricht man von Entwicklungspolitik wird dieser Begriff u. a. durch die zeitliche Situation geprägt. In dem zweiten Kapitel wird der Wandel in der Entwicklungspolitik ab 1960 beschrieben. Es ist zweckmäßig, diesen Wandel in drei Dekaden zu differenzieren und anschließend die einzelnen Entwicklungsleitbilder, die die jeweiligen Zeitabschnitte prägen, zu beschreiben.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit ausgewählten Ergebnissen von 40 Jahren Entwicklungspolitik. Die Literaturlage ist diesbezüglich nicht sehr umfangreich, dennoch stellt Engelhard einige positive Ergebnisse heraus, die in diesem Kapitel vorgestellt werden. Ein Schaubild, wie sich die Lebenserwartung in verschiedenen Teilen der Erde verändert, schließt dieses Kapitel.
Der Begriff Entwicklung beinhaltet vielfältige Dimensionen, die je nach Perspektive variieren können. In dem vierten Kapitel werden unterschiedliche Entwicklungsbereiche vorgestellt und zwei Modelle miteinander verglichen.
Auch wenn es Unterschiede in der Herangehensweise bzw. Erklärungsansätze geben kann, muss es in der Entwicklungspolitik vordergründig um die Verbesserung des menschlichen Daseins, die Beseitigung von Hunger und Krankheit gehen (vgl. ebd., S. 18). Diese Arbeit verfolgt demzufolge die Zielsetzung eine Übersicht über die Entwicklungspolitik und deren Wandel zu geben. Folgende Leitfragen, die diese Arbeit begleiten werden, können demnach formuliert werden:
Welche Organisationen sind für die Entwicklungsländer bedeutsam? Wie hat sich die Entwicklungspolitik seit 1960 verändert? Welche Entwicklungsleitbilder prägten die jeweiligen Abschnitte?
Welche Ergebnisse hat die Entwicklungspolitik in den letzten vierzig Jahren erzielt?
1
Welche Entwicklungsbereiche werden, wenn die Rede von Entwicklungspolitik ist, überhaupt angesprochen?
1 Organisationen
1.1 Die Gruppe der 20
Die Gruppe der 20 wurde am 20. August 2003, bei der fünften ministeriellen Konferenz der Welthandelsorganisation, gegründet und kann als Zusammenschluss von Entwicklungs- bzw. Schwellenländern bezeichnet werden. Die Mitgliederzahl der Organisation hat sich von 20 auf zur Zeit 23 Mitgliedsstaaten erhöht.
Abb. 1 zeigt die Verteilung der Mitgliedsstaaten auf der Weltkarte. Große Teile Südamerikas (zwölf Länder), fünf Länder aus Afrika (Ägypten, Nigeria, Südafrika, Tansania und Simbabwe) und sechs Länder aus Asien (China, Indien, Indonesien, Pakistan, die Philippinen und Thailand) bilden die 23 Mitgliedsstaaten der Gruppe der 20 1 (vgl. www.g-20.mre.gov.br).
Die Ziele der G20 beziehen sich zum größten Teil auf landwirtschaftliche Bereiche und die Stärkung der Mitgliedsstaaten diesbezüglich. So setzt sich die Organisation u. a. für offene Märkte und eine Aufhebung von Importbeschränkungen in z. B. die EU oder in die USA ein. Der Abbau von Agrarsubvention (die die Landwirtschaft in den Industrieländern bevorteilt) ist ebenso ein Anliegen der Organisation.
Das dieser Zusammenschluß sehr stark auf landwirtschaftliche Themen bezogen ist, und durchaus eine Daseinsberichtigung hat, zeigen folgende Zahlen (vgl. http://www.g-20.mre.gov. br):
Die G20 repräsentiert 60% der Weltbevölkerung
70% der ländlichen Bevölkerung (Landwirte) stammt aus den Mitgliedsstaaten 26% der weltweiten Agrarproduktion wird in den Ländern der G20 produziert
1 Die Länder Simbabwe und Pakistan sind auf der Abb. 1 nicht gekennzeichnet
2
1.2 Die Gruppe der 77
Die Gruppe der 77 ist ebenfalls ein Zusammenschluss von Entwicklungsländern. Die Organisation kann als Sprachrohr der Entwicklungsländer bei internationalen Verhandlungen bzw. Kongressen bezeichnet werden (vgl. Leser, 2005, S. 324).
Gegründet wurde die Organisation 1964 von 77 Staaten, zurzeit liegt die Anzahl der Mitgliedsstaaten bei 134 und gilt somit als größte Organisation von Dritte-Welt-Staaten. Die Mitgliedsstaaten werden auf Abb. 2 dargestellt.
Fast alle Länder auf dem afrikanischen Kontinent (mit Ausnahme von Westsahara), große Teile Asiens sowie viele südamerikanische Länder gehören der Vereinigung an. Auffallend sind die zwei Länder auf dem europäischen Kontinent: Rumänien und Bosnien-Herzegowina.
Abbildung 2: Mitgliedsstaaten der G70. Quelle: http://de.wikipedia.org
Das Hauptziel der Organisation ist die Interessenvertretung der Entwicklungsländer gegenüber den Industrieländern, sie streben eine Verbesserung der Position der Mitgliedsstaaten auf dem Weltmarkt (z. B. durch eigene Wirtschafts- und Handelsprogramme) an. (vgl. ebd., S. 324).
1.3 OPEC
Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) wurde 1960 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Wien. Die 13 Mitgliedsstaaten werden auf der Abb. 3 deutlich: Neben den Gründerstaaten Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela gehören die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien, Indonesien, Katar, Lybien und Nigeria zu den Mitgliedsstaaten 2 .
Die Ziele der OPEC beziehen sich zum größten Teil das Erdöl. So ist u. a. die Koordinierung der Erdölpolitik, sowie die (fairen) Erträge für Investoren eines der Hauptziele. Die Stabilisierung der Weltmarktpreise durch Regulierung der Fördermengen geht mit diesen Zielen einher und wird von der OPEC geregelt.
Den großen Einfluss, den die Organisation durch das Erdöl hat, verdeutlichen folgende Zahlen (vgl. Klohn, 2008, Vorlesung): So hat die OPEC 45% Anteil an der Welt-Rohölförderung
2 Das auf der Karte hellgrüne markierte land (Libreville) ist ein ehemaliges Mitglied und gehört nicht mehr
der OPEC an.
3
Abbildung 3: Mitgliedsstaaten der OPEC. Quelle: http://de.wikipedia.org
Die OPEC besitzt 77% der sicheren Erdölreserven
Der Anteil am Welt-Rohölexport der OPEC-Länder liegt bei 54%
1.4 OECD
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurde 1960 als Nachfolgeinstitution der EOOC (Organization for European Economic Cooperation) gegründet (vgl. Leser, 2005, S. 624). Sie vereint, nach eigenen Angaben 30 Mitgliedsländer, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen. Der Hauptsitz der Organisation ist in Paris (vgl. www.oecd.org).
Abb. 4 zeigt die Staaten, die der OECD angehören. Es wird deutlich, dass diese Organisation das Pendant zur Gruppe der 77 (vgl. Kapitel 1.2) ist. Beide Organisationen zusammen, repräsentieren zusammen nahezu alle Staaten der Welt.
Abbildung 4: Mitgliedsstaaten der OECD. Quelle: http://de.wikipedia.org
Die Ziele der OECD sind sehr vielfältig und und berühren viele Bereiche, so können in diesem Zusammenhang nicht alle Zielsetzungen angesprochen werden. Die OECD unterstützen so beispielsweise die Regierungen der Mitgliedsstaaten durch Studien sowie Wirtschaftsprognosen und entwickeln Strategien für wirtschaftliche Stabilität und Wachstum. Die Steigerung des Lebensstandards, sowie ein Beitrag zum Wachstum des Welthandels ist ebenfalls ein Ziel der OECD.
Darüber hinaus setzt die OECD ebenfalls Kooperationsprogramme für Entwicklungsländer um. Die Organisation fördert überdies die Öffnung Märkte und unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung von Drittländern. Das zuletzt genannte Ziel kann als Berechtigung dienen,
4
Arbeit zitieren:
Holger Müller, 2010, Entwicklungsbereiche - Ergebnisse von 40 Jahren „Entwicklung“, München, GRIN Verlag GmbH
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