Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung 4
II. Hauptteil
2. Rap und HipHop in Frankreich
2.1 Entstehung und Differenzierung von Rap und HipHop 5
2.2. Geschichte und Arten des französischen HipHop 5
2.3. Thematiken des französischen Rap 8
2.4. Räumliche Differenzierungen der französischen 10
HipHop -Szene
2.5. Sprachliche Differenzierungen in den Banlieues 11
2.6. Die Räume der HipHop-Szene in den Banlieues
13
3. Die émeutes im November 2005 und die Rolle des Rap
3.1. Die émeutes im Jahre 2005
14
3.2. Die Rolle der Rap-Texte bei den Ausschreitungen 16
3.3 Émeutes als Selbstinszenierungen der Jugendlichen
21
2
4. Soziales Engagement und Soziale Institutionen in den Banlieues: Die Rolle der HipHop-Community
4.1. Soziale Prävention in den Banlieues 22
4.2. Das soziale und politische Engagement und die 24
Zusammenschlüsse der HipHop-Community
Schlussbemerkung 26
Literaturverzeichnis 27
3
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit möchte ich die Entwicklung der HipHop-Szene in den französischen Banlieues von ihren Anfängen bis heute unter sozialpädagogischen Gesichtspunkten beleuchten. Um den Bogen etwas weiter zu spannen, werde ich zunächst kurz auf die Geschichte der HipHop-Kultur im Allgemeinen eingehen und dann die des französischen Hip-Hops darstellen. Danach möchte ich die Thematiken des französischen Rap und die verschiedenen Rapstile, die sich in Frankreich ausmachen lassen, unterscheiden. Des weiteren möchte ich auf die lokalen und sprachlichen Abgrenzungen innerhalb dieser Szene eingehen. Es soll zudem untersucht werden, welche Rolle die Hip-Hop-Szene im Kontext der Unruhen in den französischen Vorstädten, die im Jahr 2005 kulminierten, gespielt hat. Welche Ansichten und Botschaften werden in französischen Rapliedern transportiert und wie wirkte sich dies im Konflikt zwischen den Jugendlichen und dem Staatsapparat aus?
Anhand der Analyse einiger Raplieder möchte ich den Einfluss der Musik auf das Verhalten der Jugendlichen während den Ausschreitungen näher beschrieben. Es soll des weiteren auf die Identitätsprobleme der Jugendlichen aus den Banlieues eingegangen werden und die hauptsächlichen sozialen und milieubedingten Ursachen beschrieben werden. Im Mittelpunkt dieser Arbeit sollen die Subjekte der Szene, ihre Räume und Selbstinszenierungen, sowie ihre Ausdrucksformen stehen. Zudem möchte ich in einem breiteren Kontext, der nicht nur die HipHop-Szene betrifft, einen Blick auf die Effizienz staatlich geförderter Integrations- und Sozialprogramme werfen, die der sozialen Misere in den Vorstädten gegen wirken sollen und nach den émeutes ins Leben gerufen worden. Es soll dabei auch um das soziale, politische und selbstmotivierte Engagement der französischen Jugendlichen und der HipHop-Kultur allgemein gehen.
4
II. Hauptteil
2. Rap und HipHop in Frankreich
2.1. Entstehung und Differenzierung von Rap und HipHop
Rap (aus dem Englischen to rap = schwatzen, sich etwas erzählen) bezeichnet einen schnellen Sprechgesang, der von „funkigen“ Rhythmen getragen wird. Der Rapper skandiert einen Text, der meist sozialkritisch ist. Die Musik wird elektronisch hergestellt, zum größten Teil von alten, bereits bestehenden Aufnahmen gesampelt, das heißt zu einer Collage zusammengeschnitten und dann durch „scratching“ verändert. Mit „scratching“ bezeichnet man rhythmisches Hin-und Herbewegen der Schallplatte auf einem mit einer Filzscheibe präparierten Plattenteller. Den „Sampler“ könnte man umschreiben als eine Art digitales Tonbandgerät. Der Rap lebt vom Rhythmus, der melodische Aspekt tritt dagegen in den Hintergrund. Der Begriff HipHop wird zum Teil synonym zu Rap verwendet. Mit HipHop wird aber generell die ganze Szene umschrieben, die sich aus Breakdance, Rap, Graffiti, Djing und der speziellen Mode zusammensetzt. Die Fachwelt ist sich über die genaue Abgrenzung beider Begriffe nicht ganz einig. Der Rap ist in den Ghettos von New York entstanden. Gegen 1975 rief Afrika Bambaata, ein ehemaliges Gang Mitglied der Bronx, die Zulu Nation ins Leben. Er wurde DJ und gegen Ende der siebziger Jahre vereinigten Rapper, DJs, Breaker und Sprayer ihre musikalischen, künstlerischen, körperlichen und graphischen Ausdrucksformen in der Hip-Hop-Bewegung. 1
2.2. Geschichte und Arten des französischen Rap:
Der französische Rap ist ein Musikstil, der durch die Assimilierung des amerikanischen Rap seitens der französischen Jugendlichen ab 1984 entstand. 2 In Frankreich rappen in französischer Sprache zunächst Afrikaner und Maghrebiner. Die französische Sprache eignet sich wegen ihres Rhythmus besonders für den Rap. Die Texte zeichnen sich durch viele Wortspiele und eine Fülle an rhetorischen Mitteln aus. Der Rap ist Teil einer Subkultur, einer culture des rues, die die Jugend
1 Siehe: http://euskadigraff.free.fr/zulunation.htm
2 Ich beziehe bei der Geschichte des französischen HipHop vor allem auf die Webseite:
http://www.artmakersfactory.com/spip.php?article38
5
der Vorstädte geschaffen hat. 3 Der Rap ist Ausdruck einer erlebten Erfahrung der Kinder von Immigranten (noire oder beur) und von français de souche (dt. Ursprungsfranzosen), die im „ghetto“ leben, wie sie es selbst bezeichnen, in den Sozialwohnungen der Banlieues (vgl. Götz 1998: 17). Der Rap stellt ein Podium für ihre Gefühle, Resignationen, Aggressionen und Probleme dar. Aufgrund von gesellschaftlichen Missständen wie beispielsweise Jugendarbeitslosigkeit, Ausgrenzung, Diskriminierung schafft sich die junge Generation eine neue Gesellschaft mit ihrer eigenen Sprache und ihren eigenen Regeln und Anführern. In dieser Gesellschaft im Kleinen kann man zu Ansehen kommen, wenn man als Rapper oder Breakdancer Erfolg hat. Einige Rapper wie MC Solaar haben es geschafft, "d’en sortir du ghetto" und werden zu Idolen der Jugend (vgl. Götz 1998: 20). Die Sprache des Rap entspricht der authentischen Sprache der jeweiligen banlieue, aus dem der Rapper stammt. Der französische Rap charakterisiert sich besonders durch seine message, das heißt durch seine kritische Botschaft an den menschenunwürdigen Zuständen in den Banlieues. Die meisten Rapper verstehen sich als Chronisten, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten und über ihre Lebenswelt, die geprägt ist von Arbeitslosigkeit, schulischem Misserfolg, Gewalt und Kriminalität, berichten (vgl. Götz 1998: 21). Der Rap reiht sich durch diesen "retour au texte" in die Tradition des französischen chanson engagée ein. MC Solaar sagt in einem Interview mit der Zeitschrift Juice: "En France, il {le rap} garde une conscience, il est ancré dans la réalité, construit, humaniste. (vgl. Götz, 1998: 22). 4 In Frankreich ist die Popularität des Rap so hoch, dass es schon als "zweites Vaterland" dieser Musikrichtung verstanden wird. Insgesamt rappen oder "tchatchen", wie die französischen Rapper auch sagen, circa 2000 Gruppen in Frankreich. (vgl. Götz 1998, 23).
In Frankreich wurde Rap in den achtziger Jahren durch freie Radiosender und später durch das Fernsehen verbreitet, vor allem die Sendung H.I.P.H.O.P auf TF1 spielte dabei eine wichtige Rolle. 5 Die HipHop-Szene mit ihren Rappern, Breakdancern, Sprayern und Djs wurde schnell sehr populär in Frankreich. Die ersten richtigen berühmten Freestyles wurden gegen Ende der achtziger Jahre von Gruppen wie
Siehe Werner Götz: „Rap spricht französisch“ , in : Juice 1998, 2.2, S.16-24. 3
4 dt. „In Frankreich bewahrt der Rap ein Bewusstsein, er ist in der Realität verankert, konstruiert und
humanistisch.“
5 Im Folgenden beziehe ich mich auf die Seite:. http://www.artmakersfactory.com/spip.php?article38
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NTM, Assassin oder Mc Solaar in verschiedenen Radiosendungen live vorgetragen. Thematisch gesehen inspirierten sich diese Gruppen am amerikanischen Hard-Core-Rap, wie zum Beispiel an den Texten von Public Enemy, die vor allem für ihre Texte über Rassismus, Arbeitslosigkeit, Gewalt und die prekäre Situation in den amerikanischen Ghettos bekannt waren. Schon zu dieser Zeit wurde sehr deutlich, dass sich die französischen Rapper eher sozialen Problemen zuwenden und den in den USA parallel existierenden Fest- und Spaß-HipHop zunächst eher außer Acht ließen. Zu Beginn der neunziger Jahre stieg der Erfolg der provokativen und soziale Gerechtigkeit fordernden Gruppen mit Banlieue-Hintergrund noch weiter an. Gruppen wie NTM, MC Solaar und IAM veröffentlichten ihrer ersten erfolgreichen Platten, auf denen Soziales im Vordergrund steht, aber nun auch lustige und festliche Tracks zu finden sind. Die sozialkritischen Texte stießen zudem eine öffentliche Debatte über die Lebensumstände in den Banlieues an. Mit dem Erwachen des öffentlichen Interesses, interessierte sich auch die Politik zunehmend für die Probleme der Banlieues, durchschlagende Reformen oder ein produktiver Dialog blieben jedoch aus. Festzuhalten bleibt, dass die Hip-Hop-Bewegung fest im sozialen Milieu der Banlieues verankert ist und der Rap ihre musikalische Ausdrucksform findet. Der Erfolg der Rap-Kultur schwor ein wahres soziales Phänomen herauf, da die Jugendlichen begannen mit den Worten, Tönen und dem Sinn der Wörter zu spielen und so anfingen ihre eigene soziale Situation spielerisch zu reflektieren. Zudem wurde der Hip Hop dank stärker Kommerzialisierung und höherer Medienpräsenz für viele Jugendliche ein mögliches Sprungbrett für eine bessere Zukunft.
Im Zuge der Kommerzialisierung in den neunziger Jahren verlor der HipHop immer mehr seine sozialkritische Komponente und splittete sich in eine kommerzielle und eine Hard-Core-Bewegung auf. Zu Ende der neunziger Jahre wird Rap einer der hauptsächlichen Musikrichtungen in Frankreich, vor allem dank Radiosender wie Skyrock, die ihr Programm nur noch auf Rap ausrichteten. Es kam immer mehr Geld ins Spiel und so entstand ein Rap-Business, wie es schon aus den USA bekannt ist. Trotzdem entwickelte sich in Frankreich ein eigener Style, der sich vom amerikanischen Modell abhebt und bis heute auf thematischer Ebene zwischen Gewaltverheerlichung, sozialpolitischen Forderungen, positiven oder festlichen Botschaften und kommerzieller Versuchung oszilliert. Ich möchte im nächsten Abschnitt noch genauer auf die Thematiken und Aufgliederungen des französischen
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Arbeit zitieren:
Sebastian Braun, 2008, Entwicklung und Rolle der HipHop-Kultur in den französischen Banlieues, München, GRIN Verlag GmbH
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