Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Unterschiede im Religionsbekenntnis als Determinanten der aktuellen Situation 3
II.1 Religionsunterricht und Pluralität 4
II.2 Unterschiede im Ethos 5
II.3 Gegenseitige Vorurteile 5
III. Interkulturalität im Religionsunterricht leben. Ausführungen zum Thema Islam auf Grundlage von
Thesen zur Interkulturalität. 6
IV. Aus Fremdheit lernen 14
V. Fazit 17
Bibliographische Angaben 19
2
I. Einleitung
Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos. 1 Dies ist der Titel eines Seminares, welches ich in der vergangenen Woche im Rahmen meines Studiums der katholischen Religionslehre besuchte. Einen ganzen Abend lang erläuterte Walter Lange - Referent der Stiftung Weltethos und selbst erfahrener Gesamtschullehrer - im Kreise junger angehender Religionslehrer, wie es möglich ist, das Thema der Weltreligionen im katholischen Religionsunterricht 2 umzusetzen und dabei einen Beitrag dazu zu leisten, den oftmals religiös heterogenen Schülergruppen mit der erforderlichen Sensibilität zu begegnen.
Im Rahmen seiner Präsentation über die Wirksamkeit von Bildern als gelungener Ansatzpunkt für Diskussionen mit den SchülerInnen kam Langer dabei auch auf das Thema Islam. In diesem Kontext präsentierte er den Teilnehmern das Bild einer jungen Muslima, die - ausgepeitscht,blutend und der Rücken mit Suren des Koran beschmiert - am Boden liegt. Dieser provokante Ansatz, so Langer, mache es möglich, in eine differenzierte Diskussion über den Islam einzusteigen, bei der mit Vorurteilen aufzuräumen sei. Zunächst schockiert über die Direktheit Langers Vorgehen, möchte ich mich im Rahmen dieser Arbeit damit beschäftigen, ob sich adäquater Umgang mit einer heterogenen 3 Schülerschaft im katholischen RU derartig gestalten kann oder ob das Vorgehen Langers hinsichtlich der besonderen Voraussetzungen einiger Modifikationen bedarf. Dazu gilt es zunächst, grundlegende Unterschiede zwischen den SchülerInnen zu erarbeiten, die auf dem divergierenden Religionsbekenntnis basieren (II). Im Anschluss daran soll auf Grundlage von Thesen zur Interkulturalität erörtert werden, ob es im RU Möglichkeiten gibt, gerade hinsichtlich der Thematik Islam interkulturell zu lernen (III). Diese Ausführungen dienen als Grundlage für daran anschließende Konkretisierungen im Kontext der Aussage Aus Fremdheit lernen (IV). Letztlich soll - basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen - im Fazit ein Rückbezug auf die Vorgehensweise Langers erfolgen (V).
II. Unterschiede im Religionsbekenntnis als Determinanten der aktuellen Situation
Rupert von Stülpnagel, Schulrat im Kirchendienst und Kirchenpädagoge des Erzbistums Berlin führt im Rahmen eines Interviews an, was in verschiedensten Fachbüchern als auch
1 Das Seminar für Laientheologen (SefueLa) in Münster bietet eine Reihe solch praxisbezogener Seminare für
angehende Religionslehrer an.
2 Künftig abgekürzt mit RU
3 Aus formalen Gründen soll sich Heterogenität hier aus der Zugehörigkeit zu einem vom christlichen
abweichenden Glaubensbekenntnis Glaubensbekenntnis (Islam) und dessen weitreichenden Auswirkungen
etablieren
3
Zeitungen zur Thematik katholischer RU und Islam nur allzu oft verlautbart wird. Der Islam werde in der katholischen Religionslehre laut Rahmenplan ausführlich behandelt, was daran liege, dass es viele Muslime gäbe und viele von ihnen auch am Unterricht teilnähmen (vgl. Lüpke-Narberhaus 2009). Sicherlich ist die thematische Abhandlung der Grundzüge des Islam - gerade auch hinsichtlich einer religiös heterogenen Schülerschaft - notwendig und wichtig. Die Aussage jedoch wirft fundamentale Leitfragen dieser Arbeit auf:
Reicht es in diesem Fall, den Islam vor den Schülern schlicht darzulegen? Wie sollte sich die Vermittlung von Kenntnissen über dieses sensible Thema gerade hinsichtlich heterogener Schülerschaften gestalten?
Wie ist der Einfluss der Kultur jener muslimischen Mitschüler auf den RU und wie muss sich folglich interkulturelles/ interreligiöses Lernen im RU gestalten?
Aus formalen Gründen kann im Rahmen dieser Hausarbeit nicht differenziert auf die theologischen Unterschiede eingegangen werden, welche zwischen SchülerInnen christlichen und islamischen Religionsbekenntnisses vorliegen. Vielmehr soll der Schwerpunkt der Erörterungen - nach einer prägnanten Bestandsaufnahme der Bedeutung des RU hinsichtlich der Pluralität im Schulalltag (II.1.), nach einer grundlegenden Beschreibung des weitreichenden Charakters dieser Pluralität (II.2), und der sich daraus ergebenden gegenseitigen Vorurteile (II.3) - auf Problemlösestrategien für den Unterricht im Fach katholische Religionslehre basieren.
II.1 Religionsunterricht und Pluralität
Besonders der RU nimmt im Kontext der Diskussion vom Umgang mit Pluralität in der Schule eine nicht zu unterschätzende Position ein. So ist darauf zu verweisen, dass plurale „Gesellschaften [sind] in wesentlicher Weise dadurch gekennzeichnet [sind], daß sie eine Vielfalt unterschiedlicher und zum Teil konkurrierender religiöser“ (Scheilke 1999, S. 11) Orientierungen mit sich bringen. Wie auch an späterer Stelle deutlich werden soll, handelt es sich bei Religion um einen Lebensbereich, der - jeweils mehr oder weniger extensiv ausgeprägt - auch Auswirkungen auf die anderen Lebensbereiche hat (vgl. II.2). Dementsprechend hat gerade auch der RU nicht bloß scheuklappenartig und theologisch- hermeneutischauf dogmatische Fragestellungen, sondern „mehr denn je auf offene Fragen
4
von Politik und Recht, von Pädagogik und Theologie“ (Scheilke 1999, S. 11) einzugehen. Angesichts seiner gesellschaftlichen Bedeutung ist es jedoch erschreckend, dass dieser - falschgehandhabt - auch als „ausgrenzendes Lehrfach“ (Pfisterer 2000, S. 3) auftreten kann. Dass dies eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellt, welche es anzugehen gilt, zeigt sich nicht zuletzt im Rahmen der innerchristlichen ökumenischen Bewegung, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit gegenseitigen Vorbehalten aufzuräumen und „den christlich-islamischen Dialog [wollen wir] auf allen Ebenen“ (Charta Oecumenica) zu intensivieren.
II.2 Unterschiede im Ethos
Auch wenn beide denselben Stammesvater haben, so haben sich Christentum 4 und Islam im Laufe der Jahrhunderte zu zwei sehr unterschiedlichen Weltreligionen entwickelt, was sich auf praktischer, weltanschaulicher Ebene bei den Gläubigen fundamental auswirkt. In diesem Kontext soll grundlegend auf das lebensweltliche Ethos der SchülerInnen dieser Bekenntnisse eingegangen werden, als dieses - ganz abgesehen von dogmatischen Glaubensunterschieden - massiveAuswirkungen auf den Alltag der SchülerInnen hat und deren Verhalten entscheidend prägt. So macht Altenberger darauf aufmerksam, dass ein „noch immer beachtlicher Anteil von muslimischen Mitschülern [ist] um einiges stärker in seinem Glauben verwurzelt“ (Altenberger 2007, S.1) ist als die SchülerInnen christlichen Bekenntnisses. Während der Glaube für letztere oftmals out sei, stelle er für die Muslime einen elementaren Bestandteil in multiplen Lebensbereichen, sei es Familie oder Erziehung, dar (vgl. Altenberger 2007, S. 1). Das auf den verschiedenen Glaubensbekenntnissen aufbauende divergierende Ethos verdeutlicht die Notwendigkeit einer Beschäftigung mit heterogenen Lerngruppen im katholischen RU. Schon an dieser Stelle wird ersichtlich, dass die Unterschiede zwischen den SchülerInnen weitreichend sind und es fatal ist, von lediglich religiöser Heterogenität zu sprechen.
II.3 Gegenseitige Vorurteile
Mit diesen Unterschieden geht oftmals eine gegenseitige Fremdheit einher. Dieser Aspekt ist Grundlage für gegenseitige Vorurteile zwischen SchülerInnen christlichen und muslimischen
4 Da es sich nicht um eine Differenzierung mit theologischem Schwerpunkt handelt, reicht es an dieser Stelle,
synonym für das römisch-katholische Glaubensbekenntnis die übergeordnete Weltreligion, das Christentum, zu
nennen, und lediglich jene in Vergleich zum Islam zu setzen
5
Religionsbekenntnisses. Dies wiederum ist ein Umstand von nicht zu verachtender Relevanz. Nicht umsonst bezeichnet Kollmann gegenseitige Zurückhaltung und Vorurteile als „Steine auf dem Weg zum Dialog“ (Kollmann 2007, S. 4). In diesem Kontext geht es weniger um fachlich-theologische Unwissenheit, vielmehr sind es alltäglich-praktische Vorurteile, welche sich auf den schulischen Alltag auswirken können. Hier ist erneut auf die hohe Dominanz des Glaubens im Alltag der muslimischen SchülerInnen hinzuweisen. Gerade die Trennung von Religiösem und Weltlichem im Alltag der christlichen SchülerInnen sei für jene oftmals nicht nachvollziehbar. Dies wiederum führe zur Kritik eines vermeintlich vorherrschenden Materialismus oder unsittlichen Verhaltens christlicher SchülerInnen. Auf der anderen Seite trage die aktuelle Entwicklung von Terror und Gewalt im Namen des Islam zur Vorurteilsbildung bei christlichen SchülerInnen bei. (vgl. Kollmann 2007, S. 4f.) Dass bei der Konstruktion solcher Vorurteile oftmals die Medien eine besondere Verantwortung trügen (Ruhrmann 2002, S. 18), zeigt erneut, dass divergierende Glaubensbekenntnisse als Grundlage von Pluralität zwangsläufig auch Auswirkungen auf verschiedenste, nicht-religiöse Lebensbereiche haben.
III. Interkulturalität im Religionsunterricht leben. Ausführungen zum Thema Islam auf Grundlage von Thesen zur Interkulturalität.
Eine elementare Erkenntnis über die Unterschiede zwischen SchülerInnen divergierenden Glaubensbekenntnisses - hier in Bezug auf Christentum und Islam - ist das Faktum, dass ein ursprünglich im Lebensbereich Religion zu verortendes Unterscheidungsmoment zwangsläufig Auswirkungen auf sämtliche anderen Lebensbereiche eines Menschen hat. Dies hat Auswirkungen auf die notwendige Beschaffenheit möglicher Bewältigungsstrategien. Folglich sollten diese nicht erst bei solchen gesellschaftlichen - multiple Lebensbereiche umfassenden - Auswirkungen ansetzen, die auf religiöser Heterogenität aufbauen. Vielmehr sollte eine adäquate Bewältigungsstrategie auf dem Ursprung der Probleme aufbauen. Im Fall eines divergierenden Glaubensbekenntnisses als Basis unterschiedlicher Weltanschauungen bestätigt sich nun vor allem die Relevanz des RU als passender Ort zur Überwindung kultureller Differenzen und Vorurteile.
Mit der Feststellung der Relevanz des RU für interkulturelles Lernen bleibt die Frage nach der Art des Vorgehens. Bevor jedoch auf interkulturelles Lernen als Möglichkeit der Bewältigung
6
Arbeit zitieren:
B.A. Mark Valentin, 2009, Zum Umgang mit Interkulturalität im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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