Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Über die mediale Konstruktion von Realität 5
3. Die Darstellung von Migranten in den deutschen Mehrheitsmedien 6
3.1. Das mediale Bild vom Ausländer 6
3.2. Analyse der möglichen Gründe für eine negative Berichterstattung über
Migranten S. 9
3.3. Analyse der möglichen Auswirkungen der negativen Berichterstattung
auf den Integrationsprozess 9
4. Externe Einflussmöglichkeiten auf das mediale Migrantenbild 10
4.1. Der Pressekodex 10
4.2. Der nationale Integrationsplan 11
5. Eine Frage der Ethik. Mediale Integration zwischen
Aufkl ärungsverantwortung und journalistischer Freiheit 13
6. Literaturverzeichnis 14
6.1. Quellen 14
6.2. Darstellungen 14
1. Einleitung
Die deutsche Gesellschaft schrumpfe und verdumme, weil bildungsferne Deutsche sowie bildungsferne muslimische Migranten mehr Kinder bekämen als autochthone Bundesbürger. Das ist die Kernthese in dem neu erschienenen Sachbuch „Deutschland schafft sich ab“ 1 , in dem Thilo Sarrazin, zum Veröffentlichungstermin noch Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, erneut aufs schärfste gegen Zuwanderung und vor allem gegen die Zuwanderung von Muslimen argumentiert. Das passiert 49 Jahre nach dem ersten Gastarbeiter-Anwerbeabkommen der Bundesrepublik mit der Türkei, fünf Jahre nach Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes, nach zwei Integrationsgipfeln und in einer Zeit, in der sich langsam die Erkenntnis in der Gesellschaft durchzusetzen scheint, dass der Staat sogar Migration braucht, um den demographischen Wandel wenigstens im Ansatz auszugleichen. Dennoch wird den Thesen Sarrazins in den Mehrheitsmedien Plattform geboten: mit Vorabveröffentlichungen, Zusammenfassungen und Interviews und für eine Debatte, die auch drei Wochen nach Publizierung der ersten Passagen noch nicht verstummen will. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung stieg Sarrazins provokantes Werk bereits auf Platz 2 der Spiegel Bestseller-Liste für Sachbücher ein, nach wenigen Tagen war die gesamte serste Auflage vergriffen und kurz darauf ergab eine Emnid-Umfrage für die Bildzeitung, dass 18 Prozent der Deutschen eine von Sarrazin neu gegründete Partei wählen würden 2 . Wie lässt sich diese breite Medienaufmerksamkeit für derartig kulturalistisch wirkende Aussagen interpretieren? Wie reagiert die Bevölkerung auf diese Thesen? Ist die Akzeptanz der Zuwanderung überhaupt im öffentlichen Diskurs angekommen? Welche Auswirkungen haben solche Diskurse auf die Integration von Ausländern im alltäglichen Leben?
In den letzten zehn Jahren erregte das Thema, wie Medien Integration beeinflussen, verstärkt die Aufmerksamkeit der kommunikations-, politik- und sozialwissenschaftlichen Forschung. Es stellte sich die Frage nach der Rolle, die Zeitungen, Radio, Internet und Fernsehen im Identitätsfindungsprozess der Einwanderer einnehmen. Inwieweit sind Massenmedien aktiv an der Eingliederung von Migrantinnen und Migranten beteiligt oder behindern diesen Vorgang eventuell sogar? Welche Nachrichtenfaktoren sind für eine Berichterstattung über Einwanderer
1 SARRAZIN, Thilo: Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen. München 2010.
2 FUNK, Albert: Protestpotenzial. Die Nichtpartei der Grummeldeutschen, der Tagesspiegel, 05.09.2010. Unter:
http://www.tagesspiegel.de/politik/die-nichtpartei-der-grummeldeutschen/1919102.html (Letzter Zugriff:
12.09.2010).
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entscheidend und warum? Wieso sind es auch heute noch vor allem negative Themen, die es in Bezug auf diese Bevölkerungsgruppe auf die Agenda der Mainstream-Medien schaffen? Und, nicht zuletzt, wie können Medien einen positiven Einfluss auf die Eingliederung von Migranten in die deutsche Gesellschaft bewirken?
Dies sind nur einige der Fragestellungen, mit denen sich auch eine Forschergruppe unter der Leitung von Horst Pöttker und Rainer Geißler im Rahmen des Projektes „Mediale Integration ethnischer Minderheiten“ beschäftigte. Drei Sammelbände 3 , die in den vergangenen Jahren von der Forschungsgruppe zu dieser Thematik publiziert wurden, sollen nun auch Grundlage der vorliegenden Seminararbeit sein.
In dieser soll zusammenfassend erörtert werden, welches Bild in den vergangene Jahren von Migranten in den deutschen Massenmedien entworfen wurde, welche möglichen Gründe es für die Darstellung geben könnte, inwiefern das Medienbild in Veränderung begriffen ist und welchen nachweisbaren Einfluss dies auf eine Akzeptanz der Einwanderungssituation im öffentlichen Diskurs ausübt. Außerdem gilt es zu klären, welche politischen Einflussmöglichkeiten bei gleichzeitiger Respektierung der journalistischen Freiheit in Bezug auf die gesetzten Medienrealitäten bestehen können.
Das Hauptaugenmerk der Seminararbeit liegt hierbei auf den deutschsprachigen Massenmedien und ihrem Einfluss auf die Einstellungen der Mehrheitsbevölkerung.
3 GEISSLER, Rainer; PÖTTKER, Horst (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in
Deutschland. Problemaufriss, Forschungsstand, Bibliographie. Bielefeld 2005 (Medienumbrüche 9). GEISSLER, Rainer; PÖTTKER, Horst (Hrsg.): Integration durch Massenmedien. Mass Media Integration. Medien
und Migration im Internationalen Vergleich. Media and Migration: A Comparative Perspective. Bielefeld 2006
(Medienumbrüche 17).
GEISSLER, Rainer; PÖTTKER, Horst (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in
Deutschland. Forschungsbefunde. Bielefeld 2009 (Medienumbrüche 30).
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2. Über die mediale Konstruktion von Realität
Medien werden oft metaphorisch als „Fenster zur Welt“ bezeichnet, denn in der unübersichtlichen, globalisierten und sich ständig verändernden Realität eröffnen sie den Blick auf Zustände, Vorgänge und Menschen, die dem Rezipienten sonst verborgen blieben. Doch eigentlich ist diese Metapher missverständlich. Im Gegensatz zum Wohnzimmerfenster präsentieren Medien einen in seiner Komplexität reduzierten Ausschnitt auf das Dargestellte, also eine durch die vorgenommene Auswahl vorgefärbte Version, eine bereits gefilterte Wirklichkeit.
Da sich aber nun im heutigen Informationszeitalter die Vorstellung einzelner Menschen von der Welt vor allem durch die Medienrezeption konstruiert, hat die Auswahl der Massenmedien letztendlich entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung des Einzelnen vom Weltgeschehen. Dies wiederum wirkt sich in der Konsequenz auf Entscheidungen, Meinungen und Erwartungen der Rezipienten aus.
Kriterien zur Einschätzung des Wertes bestimmter Themen für die mediale Betrachtung werden in der Kommunikationswissenschaft als Nachrichtenfaktoren bezeichnet. In ihrem 1965 veröffentlichten Grundlagenmodell untersuchten Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge die Struktur ausländischer Nachrichten. In jenem Aufsatz stellen die Wissenschaftler „Negativity”, „Unexpectedness”, „Unambiguity” und „Personalization” als wesentliche Merkmale von Ereignissen mit einem hohen Nachrichtenwert heraus. Wenn das Thema bereits im öffentlichen Diskurs etabliert wurde und es sich außerdem von den weiteren im Medium präsentierten Nachrichten abhebt, wird es nochmals wahrscheinlicher, dass das Ereignis in einem journalistischen Beitrag verarbeitet wird. Außerdem verstärkten der Bezug zu sogenannten „elite nations“ und „elite persons“ das Identifikationspotenzial des Rezipienten mit dem Thema sowie die Konsonanz mit gängigen Erwartungen der Konsumenten die Möglichkeit medialer Beachtung. 4
Im Folgenden soll dieses nur grundlegend erklärte Modell zu einem besseren Verständnis bei der Analyse der Entstehung des Bildes von Ausländern in den deutschen Medien dienen.
4 FRERICHS, Stefan: Grundlagen der Nachrichtenforschung. Eine allgemein verständliche Einführung für
Laien. Unter: http://www.stefre.de/Grundlagen_der_Nachrichtenforschung.pdf (Letzter Zugriff: 29.08.2010).
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Arbeit zitieren:
Elisabeth Woldt, 2010, Eine Frage der Ethik - Mediale Integration zwischen Aufklärungsverantwortung und journalistischer Freiheit, München, GRIN Verlag GmbH
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