2
1)
In dem Gedicht „Vergänglichkeit der Schönheit“ von Christian Hofmann von Hofmannswaldau, welches nach dem 30-jährigen Krieg geschrieben und gegen Ende des 17. Jahrhunderts veröffentlicht wurde, beschreibt dieser durch ein lyrisches Ich die Vergänglichkeit der körperlichen Reize einer Frau und betont, dass statt des körperlichen Scheins die inneren Werte der Seele zählen.
In diesem Sonett lässt von Hofmannswaldau ein lyrisches Ich sprechen. In den beiden Quartetten beschreibt dieses lyrische Ich unter Verwendung von Bildern wie etwa vom „lieblichen Korall der Lippen“ hin zu „bleichem Tod“ oder „kalter Hand“, die Vergänglichkeit der körperlichen Reize, die eine Frau schön erscheinen lassen, wie etwa die schönen Lippen, die zarten Schultern, die „süßen“ Augen oder das „goldene“ Haar.
Die Vergänglichkeit wird besonders hervor gehoben durch die antithetische Gestaltung der Verse. „Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand“ (Vers 4).
Dies weist darauf hin, dass die vormals glatte, weiche Haut im Alter spröde und faltig wird, als bestünde sie aus Sand. Das lyrische Ich bedient sich jedoch in diesem Vers eines weiteren Stilmittels zur Ausschmückung seiner Aussage. Es beschreibt das Aussehen der Schultern als „warmer schnee“. Dies ist eine Metapher.
Solche bildlichen Vergleiche sind auch an anderen Stellen des Gedichtes zu finden, wie etwa „kalter sand“, welcher den Bezug auf die Schultern im vierten Vers des ersten Quartetts darstellt, oder „Der augen süsser blitz“, welcher sich auf das Augenzwinkern der Frau im ersten Vers des zweiten Quartetts bezieht. Durch die anaphorischen Versanfänge im ersten Quartett wird eine enge Verbindung der bildlichen Vergleiche hergestellt. Der dritte Vers des ersten Quartetts weist außerdem die Besonderheit auf, dass er sehr viele helle Vokalel enthält. Der helle Vokal i fokussiert den Klang des Verses hier direkt auf die „lieblichen Lippen“
Die beiden Wörter „werden“ und „weichen“ im zweiten Vers des zweiten Quartetts bilden eine Alliteration. Dieses sprachliche Mittel möchte von
3
Hofmannswaldau an dieser Stelle nutzen um klarzustellen, dass „die Kräffte deiner hand“ auf jeden Fall weichen werden. Das Verb „werden“ stellt hier eine Unausweichlichkeit dar. Nicht so wie etwa das Modalverb „können“. Das Reimschema der beiden Quartette ist durch reine umarmende Reime gekennzeichnet. Hierdurch kann jedes Quartett für sich alleine stehen und hat einen eigenen kleinen Auftakt und einen kleinen Abschluss. Die Feststellung der Vergänglichkeit weiblicher Schönheit (Vers 1-2) wird durch ein Enjambement verbunden, wodurch sich die erste Strophe schnell und flüssig lesen lässt. Dadurch, dass keine Pause entsteht, wird der angesprochene Leser förmlich durch die Zeichen der Vergänglichkeit „erdrückt“. Im Gegensatz dazu wirkt das zweite Quartett durch Nutzung von Zäsuren und Zeilenstil eindringlicher. So wird die Vergänglichkeit weiter und ausführlicher veranschaulicht.
Das Metrum, welches durch das ganze Gedicht hindurch aufrecht erhalten wird, ist ein sechshebiger Jambus. Er betont die vom lyrischen Ich angesprochenen Bilder, Beispiele und Metaphern und steigert so die „schockierende“ Wirkung für den Leser indem die sinntragenden Nomen wie „tod“ betont werden.
Ebenso werden durchgehend Elipsen und Assonanzen auf der Satzebene verwendet.
Das erste Terzett erweitert die Aussagen der Quartette auf die Vergänglichkeit der „geschauspielerten“ Gestik und Mimik, die das lyrische Ich der angesprochenen Frau im Gedicht unterstellt.
Auch hier werden als Stilmittel wieder Anapher, Bilder und Alliterationen usw. verwendet, welche eine vergleichbare Wirkung erzielen wie in den Quartetten. Hinzu kommt im dritten Vers des ersten Terzetts eine abschließende Feststellung, welche das erste Terzett und die beiden Quartette (in ihren Aussagen) auf den Punkt bringt: „Dass die Frau, so schön sie sich auch vorher dargestellt hat, doch am Ende ihres Lebens für keinen Mann mehr „begehrenswert“ ist.“ Hier ist sehr deutlich ein Grundgedanke des Barock, neben der Verwendung der Antithetik und des Themas der Vergänglichkeit, festzustellen. Im Barock wird ein „schöner Schein“ erzeugt. Diesen „Schein“ hat auch die im Gedicht erwähnte Frau in jungen Jahren versucht zu erzeugen.
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Das zweite Terzett „schließt nun letztendlich den Kreis“. Es sagt aus, dass nur das Herz der Frau als Synonym für ihre inneren Werte und ihre unsterbliche Seele in Ewigkeit ( „[...]aller Zeit[...]“ ) bei Gott erhalten bleiben wird. Es werden auch hier zur Verdeutlichung und Verschönerung die vorher genannten Stilmittel genutzt.
2)
Das Gedicht „Vergänglichkeit der Schönheit“ hat als Thema die Vergänglichkeit (einer Frau) in der Epoche des Barocks.
Es wird die Behauptung aufgestellt, dass die (natürliche, irdische) Schönheit letzten Endes „untergehen“ muss.
Belegt wird dies ausführlich durch die authentisch gesetzten Metaphern, etwa, dass aus „der weichen Haut“ „kalter Sand wird oder dass der „bleiche Tod“ mit kalter Hand um die Brüste der Frau streichen wird.
Hieraus lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass nur das Herz, als Synonym für die unsterbliche Seele, das Irdische, Vergängliche überstehen kann und alle Zeit bestehen bleibt. Unterstrichen wird dies im Gedicht durch einen Vergleich des Herzens mit einem Diamanten, da dieser als härtester und reinster Edelstein gilt.
Im Gedicht: „Lied einer Liebenden wird ebenfalls das Altern zum Thema gemacht.
Jedoch wird hier behauptet, dass die Schönheit nicht vollständig vergänglich ist, sondern dass es auch etwas damit zu tun hat, wie jung man sich selbst fühlt und wie der Mensch demgegenüber dies ebenfalls noch sieht. Es zielt vor allem auf die bleibende innere Schönheit ab.
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Das lyrische Ich, in diesem Gedicht eine Frau, will verdeutlichen, dass der Mann sie zum Lachen bringt und glücklich macht. Ihre „innere Schönheit“ ist echt und nicht gestellt, wie die äußerliche Schönheit der Frau aus dem Barockgedicht. Belegt wird dies hier etwa durch die Aussagen im ersten Vers der ersten Strophe, dem vierten Vers der ersten Strophe und dem dritten Vers der zweiten Strophe.
Nimmt man die ersten drei Verse allein, beschreiben sie schon die Entwicklung, die die Frau sich vorstellt. 1. Der Mann bringt sie zum Lachen. 2. Dieses Glück würde bleiben
3. Später wäre sie dann im Alter noch wie an dem Tag, wo sie zum Lachen gebracht wurde.
Die Folgerung die nun gezogen wird, ist, dass die Schönheit und weiter gesehen, der Wert eines Menschen nichts mit körperlicher Schönheit zu tun haben muss.
Gegenübergestellt kann festgehalten werden, dass lediglich das Thema der beiden Gedichte sich ähnelt.
Die Gegensätze sind jedoch viel gravierender. Das zweite Gedicht zielt im Gegensatz zum Ersten auf innere Schönheit und den Wert des irdischen Lebens ab.
Auch von der Form her werden andere Stilmittel genutzt. Die Verse im zweiten Gedicht sind kürzer und es wurde ohne Reime geschrieben, so dass es sich als Ganzes fortlaufend durchlesen lässt.
Auch spricht als lyrisches Ich eine Frau, was in Zeiten des Barock in einer Männerdomäne wie der Dichtkunst wahrscheinlich nicht üblich war. Dementsprechend sind auch die Aussagen der Gedichte nicht vergleichbar, wie oben bereits beschrieben.
Schluss, mit Wertung und Bezug zur Gegenwart:
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Ich bin der Ansicht, dass das moderne Gedicht auf den Leser einen wesentlich positiveren Eindruck macht. Es entspricht zwar auch der Wahrheit, dass ein Mensch körperlich altert, aber dies sollte nicht zum Anlass genommen werden, dass man ihn schon Zeit seines Lebens als ein Geschöpf ansieht, welches auf Erden „doch nichts bewirken kann“ und nur im Tod, in Form der weiter bestehenden Seele, glücklich und schön sein kann. Demgegenüber denke ich aber, dass das Barockgedicht vom Stil her künstlerisch hochwertiger gehalten ist.
In Bezug auf die heutige Zeit bin ich der Meinung, dass beide Gedichte noch einen gleichwertig aktuellen Bezug haben.
Es sollte das Ziel eines Menschen sein, so glücklich zu leben wie die Frau im Gedicht von Berthold Brecht. Dieses Ziel versuchen auch heute viele Menschen zu erreichen.
Aber es gibt auch heutzutage Menschen die durch Drogenprobleme, Schicksalsschläge oder andere Dinge verzweifeln und dann Zeit ihres Lebens nicht von dem Gedanken der Vergänglichkeit, wie er im ersten Gedicht beschrieben wird, los kommen und letztlich nur noch als „leere Hülle“ ihr Dasein fristen.
Aufgabenstellung:
1. Analysiere Sie das Gedicht „Vergänglichkeit der Schönheit“ von Christian Hofmann von Hofmannswaldau unter Beachtung seiner Epochenzugehörigkeit.
2. Vergleichen Sie anschließend die Thematik des Gedichts und ihre Ge- staltung mit Brechts Gedicht „Lied einer Liebenden“.
Arbeit zitieren:
Christian Johannes von Rüden, 2007, Analyse des Barock-Gedichtes "Vergänglichkeit der Schönheit" von Christian Hofmann von Hofmannswaldau, mit anschließendem Gedichtsvergleich zu Bertolt Brechts "Lied einer Liebenden", München, GRIN Verlag GmbH
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