2
1)
Die Szene ist Teil des tragischen Dramas „Emilia Galotti“ von Gotthold Ephraim Lessing.
Dieses Drama handelt von der Bürgerlichen Emilia Galotti, welche durch das Ränkespiel der höfischen Welt, insbesondere durch das gefühlsgelenkte Handeln des Prinzen Hettore Gonzaga zu ihr, in Verzweiflung gerät, was letztlich in einer Katastrophe (ihrem Tod) endet. Denn Emilias Leben wird eigentlich von bürgerlichen Moralvorstellungen bestimmt und sie fühlt sich durch ihre Taten am Ende schuldig.
Die Szene befasst sich mit der Ankunft der Emilia Galotti, nach dem Tode Graf Apianis, ihres eigentlich vorbestimmten Gemahls, auf dem Lustschlosse des Prinzen.
Emilia flieht nach dem Überfall, der vom Kammerherrn des Prinzen, Marinelli und dessen Handlangern eingefädelt wurde, dorthin. Dort kommt es zum, für den Fortgang der Handlung wichtigen, Zusammentreffen zwischen Emilia und dem Prinzen.
Ein Zusammentreffen der beiden Hauptfiguren ist unausweichlich, um dem Zuschauer die Gefühlsreaktionen des jeweils anderen aufzuzeigen, welche nach dem Zusammentreffen ausgelöst werden. Die Reaktionen führen im weiteren Verlauf der Handlung zur inneren Zerrissenheit Emilias. Das Gespräch lässt sich in zwei Sinnabschnitte teilen. Zunächst wendet sich das Interesse Emilias dem Verbleib ihrer Mutter und des Grafen zu. In diesem Teil (bis Zeile 23) übernimmt Emilia die Gesprächsführung. Sie stellt gezielte Fragen und fordert den Prinzen auf, ihr Rede und Antwort zu stehen. ( „wo sind sie? Wo ist meine Mutter?“ (Seite 41, Zeile 11) „denn Sie verhehlen mir, [...] ich sehe es, Sie verhehlen mir“ (Seite 41, Zeile 15) ) Sie verwendet in ihrer Unterhaltung die dem Prinzen gebührenden höfischen Umgangsformen „gnädigster Herr“. (Seite 41, Zeile 11)
3
Ihre Gefühlslage drückt ausschließlich Verwirrung und vor allem Unbehagen aus. ( „Gott, in welchem Zustande werde ich die eine, oder den anderen vielleicht treffen!“ (Zeile 13, f.) )
Der Prinz auf der anderen Seite versucht die Gelassenheit und Unschuld in Person vorzugeben.
Seine Gefühlslage ist vom ersten Moment an ausschließlich auf Emilia bezogen. Ihren Fragen nach dem Verbleib ihrer Mutter weicht er geschickt aus und tut sie ab, als sei alles in Ordnung und als müsse sie sich nicht sorgen. „Nicht weit; hier ganz in der Nähe“ (S. 41, Z. 12) „Nicht doch, [...] Geben Sie mir Ihren Arm, und folgen Sie mir getrost.“
Die emotionale, verliebte Hingezogenheit des Prinzen zu Emilia wird im ersten Teil bereits an der Nutzung schmeichelnder Superlative deutlich, mit denen er sie beschreibt. ( „schönstes Fräulein“ , „bestes Fräulein“ S. 41, Z. 8 und 16) Der Dialog erreicht mit Emilias Ausruf „Was soll ich tun!“ (S. 41, Z. 24) einen Wendepunkt. Dass Emilia nicht weiter weiß und „händeringend“ einen Ausweg sucht, kommt hier besonders zum Vorschein.
Hier wird deutlich, dass Emilia ihre tugendhafte bürgerliche Erziehung, in der Lage in der sie sich befindet, nichts nützt und ihr Wissen um höfische Gepflogenheiten nicht ausreicht, um die Lage zu überschauen. Sie ist verzweifelt und unselbstständig und spielt nun dem Prinzen in die Hände, da dieser seine Karten ausspielen kann.
Im zweiten Teil des Dialogs übernimmt der Prinz die Gesprächsführung von Emilia.
Der zweite Teil ist geprägt von einer sehr langen „Tirade“ des Prinzen an Emilia, in welcher der Prinz Emilia mit den in langen Jahren erlernten höfischen Überredungskünsten zu umgarnen versucht. „Verzeihen Sie meiner Schwachheit“ (S.41, Z. 31) „der mir nochmals, ehe alle meine Hoffnung auf ewig verschwindet, -mir nochmals das Glück Sie zu sehen und zu sprechen verschafft“ (S.42, Z. 1-3) „diesen Zufall für den Wink eines günstigen Glückes erklären, -für den wunder- barsten Aufschub meiner endlichen Verurteilung erklären“ (S.42, Zeile 3-5)
4
„so will ich [...] einzig und allein von Ihrem Blick abhangen. Kein Wort, kein Seufzer, soll Sie beleidigen.“ (S.42, Zeile 6-8)
„Nur zweifeln Sie keinen Augenblick an der unumschränkten Gewalt, die Sie über mich haben.“ (S.42, Zeile 9-11)
Eine Gesprächsbeteiligung Emilias während der zweiten Hälfte des Dialogs ist so gut wie gar nicht vorhanden.
Der Prinz führt fast schon einen träumerischen Monolog und redet ohne Pause schmeichelnd auf Emilia ein. Diese kann nur zuhören und hat dem nichts zu erwidern.
Es wird jedoch am Ende des Dialogs verdeutlicht, als der Prinz sie wegführen will, dass die Situation ihr immer noch nicht behagt und sie ihm noch immer nicht recht vertraut. („Er führt sie, nicht ohne Sträuben ab.“ , S. 42, Zeile 14) Es wird somit deutlich, dass der Prinz mit seinem höfischen Charme keinen vollen Erfolg bei Emilia hat. Die bürgerliche, tugendhafte Erziehung zwingt Emilia dazu und warnt sie gleichzeitig, dass sie dem Prinzen gegenüber einen gewissen Abstand halten muss.
Der Monolog wird vom Prinzen abgebrochen, indem er sich an Marinelli wendet und diesen auffordert ihnen zu folgen.
Der Auftritt ist damit jedoch noch nicht ganz vorüber. Es folgt noch ein kurzer Monolog von Marinelli.
Hier wird noch einmal auf die Verblendetheit des Prinzen aufmerksam gemacht. Da Marinelli, wie so oft in dem Trauerspiel, mehr bei der Sache ist als der Prinz, stellt er fest, dass der Prinz mit dem eben geführten Gespräch keinen richtigen Eindruck bei Emilia gemacht hat. ( „Er mag sehen, wie weit er es unter vier Augen mit ihr bringt.“ S.42, Zeile 17-18)
Auch wird Marinelli klar, welche Folgen der Überfall nun haben wird, nämlich, dass die Mutter von Emilia erscheinen wird und ihre Tochter sehen wollen wird.
( „ von der Mutter! Es sollte mich sehr wundern, wenn die so ruhig abgezogen wäre“ , S.42, Zeile 21-22)
Arbeit zitieren:
Christian Johannes von Rüden, 2007, Analyse eines Dramenausschnitts des Dramas Emilia Galotti, mit weiterführendem Schreibauftrag, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen: neuer Titel erschienen: Analyse eines Dramenausschnitts des Dramas Emilia Galotti, mit weiterführendem Schreibauftrag
Christian Johannes von Rüden hat einen neuen Text hochgeladen
Lessing. Emilia Galotti. Analysen und Reflexionen
Interpretationen und Materiali...
Gotthold Ephraim Lessing
Gotthold Ephraim Lessing, Emilia Galotti
Zur Didaktik des klassischen D...
Gotthold Ephraim Lessing, Klaus Goebel, Klaus-Michael Bogdal, Clemens Kammler
Emilia Galotti. Interpretationshilfe Deutsch
Personen. Thematische Schwerpu...
Gotthold Ephraim Lessing, Martin Brück
0 Kommentare