Frauen in der 3. Welt
Petra Henning, Marion Hetzenauer
Inhalt
1. Einleitung: 3
2. Der Gender-Ansatz. 5
3. Die Rolle der Frau in der 3. Welt. 6
4. Entwicklungsziele und ihre Umsetzung 8
4.1. Bildung für alle Kinder 10
4.2. Mikrofinanzierung als Mittel zur Gleichstellung von Frauen und Männern 17
4.3. Verbesserung der Gesundheit von Müttern 20
5. Fazit 27
6. Verzeichnisse 30
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1. Einleitung:
Die Gleichstellung von Frauen und Männern in der so genannten ersten Welt ist wohl einer der großen Verdienste des 20. Jahrhunderts. Auch wenn in vielen Bereichen noch Unterschiede zu sehen sind, kann man doch sagen, dass Frauen in unserer Gesellschaft weitgehend die gleiche Wertschätzung und die gleichen Chancen genießen wie Männer. Hier sollen die Bemühungen feministischer Gruppierungen nicht als unnötig dargestellt werden, doch ihre Arbeit zielt eher auf die Eliminierung kleiner Unterschiede. Kleine Unterschiede sind es verglichen zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und verglichen zu anderen Kulturen. In vielen Ländern der 3. Welt ist es traurige Realität, dass Frauen in beinahe allen Lebensbereichen benachteiligt werden. Sei es im Rechtswesen, im Mitbestimmungsrecht in Kommune und Haushalt, sei es im wirtschaftlichen Leben. Soziale Restriktionen, wie zum Beispiel, dass Frauen der Umgang mit Geld nicht gestattet ist, erschweren den Weg zur Gleichstellung. In der Entwicklungspolitik sind Frauen seit Anfang der 1970er Jahre ein Thema (1975-1985 Internationale Frauendekade, vier Weltfrauenkonferenzen). Die Weltfrauenkonferenzen und internationalen Abkommen haben dazu geführt, dass die Frauenrechte als integraler Bestandteil der Menschenrechte festgeschrieben wurden. Dies hat einerseits den Vorteil, dass die entwicklungspolitischen NROs, Frauenverbände, Frauengruppen, Abgeordnete aktiv wurden und andererseits den Nachteil, dass viele Regierungen sich nicht an die Versprechen gehalten haben. Diese Entwicklung seit den 1970er Jahren hängt sicher mit den sozialen Bewegungen in den Industrieländern zusammen, aber auch wirtschaftliche Aspekte sind nicht außer Acht zu lassen. Die Ansiedelung von Produktionsstandorten in Entwicklungsländern erforderte viele Arbeitskräfte, und so war es nicht günstig, wenn nur die Hälfte der Bevölkerung, nämlich nur Männer, am Arbeitsleben teilhaben durfte. Frauen als Schlüsselrolle zur Entwicklung
Heutige Entwicklungsprogramme enthalten beinahe immer einen Gender-Aspekt, denn man hat erkannt, dass Frauen die „Motoren der Entwicklung“ sind. Frauen weisen zum Beispiel ein anders Konsumverhalten auf als Männer und geben tendenziell mehr Geld für die Ausbildung und Gesundheit ihrer Kinder aus. Die bessere Situation der nächsten Generation wirkt sich direkt auf die Entwicklung einer Gesellschaft aus.
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Der UN-Generalsekretär Kofi Annan drückt es so aus: „Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist besser als jedes andere Mittel um die Entwicklung eines Landes zu fördern. Durch Gleichstellung könne die Kinder- und Müttersterblichkeit gesenkt sowie die Gesundheit und die Bildung der nächsten Generation verbessert werden“. (VENRO, S. 13) Thesen
Im Folgenden sind mehrere Thesen aufgezählt, die sich als roter Faden durch aktuelle Entwicklungstheorien und -praktiken ziehen.
1. Wirkungsvolle Motoren der Veränderung sollen nicht Leute von außen sein, sondern einheimische Frauen und Männer.
2. Ein höheres Einkommen einer Frau wirkt sich direkt auf das Wohlergehen der ganzen Familie aus.
3. Um Gleichstellung zu erreichen, müssen politische und gesellschaftliche Strukturen geändert werden und Verständnis für die Situation benachteiligter Frauen geschaffen werden.
4. Wenn Frauen bessere Bildungschancen wahrnehmen können, wird der Teufelskreis durchbrochen.
Abbildung 1
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5. Je mehr Frauen eine qualifizierte Berufsausbildung erhalten, umso mehr werden sie sich auch in Führungsebenen etablieren. Frauen sind „Macherinnen“
6. Frauen müssen ihre Zurückhaltung bzw. passive Rolle überwinden um ihren Status zu verbessern.
7. Frauen zeigen einen großen Gemeinsinn wodurch Entwicklungsprozesse nachhaltiger werden.
8. Eine verbesserte Infrastruktur reduziert die Mühen im Haushalt.
2. Der Gender-Ansatz
Bei dem Thema Geschlechtergerechtigkeit werden viele Begriffe benützt, und nicht immer ist es deutlich was sie bedeuten. Viele werden als Synonyme verwendet, jedoch gibt es Unterschiede. Daher wollen wir die häufigsten Begriffe auflisten und kurz erklären.
1. Der Begriff Empowerment umfasst Strategien und Maßnahmen, die Menschen dabei helfen, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen. In der Entwicklungszusammenarbeit versteht man darunter einen Prozess, der das Selbstvertrauen benachteiligter Bevölkerungsgruppen stärkt und sie in die Lage versetzt, ihre Interessen zu artikulieren und sich am politischen Prozess zu beteiligen. Im Mittelpunkt steht dabei die Stärkung der vorhandenen Potenziale der Menschen.
2. Frauenförderung bezeichnet Projekte und Programme, die sich speziell an Frauen richten, ihre Lebenssituation direkt verbessern und ihre wirtschaftliche, soziale und politische Benachteiligung verringern sollen. Dies umfasst beispielsweise Weiterbildung, Einkommen schaffende Maßnahmen, Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen und Verbesserung ihrer rechtlichen Stellung.
3. Gender die gesellschaftlich bedingten Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Unterschiedliches Rollenverhalten und tradierte Stereotype fallen genauso darunter wie das Verhältnis zwischen den beiden Geschlechtern. Gender ist sozial und kulturell konstruiert und damit abhängig von den jeweiligen kulturellen,
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gesellschaftlichen, ökonomischen und historischen Rahmenbedingungen. Da soziale Geschlechterrollen erlernt sind, sind sie auch veränderbar.
4. Bei dem Gender-Ansatz liegt der Fokus auf sozialen Prozessen und Institutionen, die das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern - meist zum Nachteil von Frauen
- verursachen und aufrechterhalten. Zielsetzung des Gender-Ansatzes ist es, durch den Abbau geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Empowerment von Frauen sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklungsprozesse zu sichern.
5. Gender Mainstreaming ist eine prozessorientierte Querschnittsaufgabe - das heißt Geschlechterfragen werden zum integralen Bestandteil des Denkens, Entscheidens und Handelns aller Beteiligten. (vgl. VENRO, S. 21 ff)
3. Die Rolle der Frau in der 3. Welt
Die Rolle der Frau in der Gesellschaft
Überall auf der Welt, aber insbesondere in der 3. Welt herrscht die „Lass-das-die -Frauenmachen-Einstellung.“ „Frauenthemen“ wie Müttersterblichkeit, Hausarbeit, Kindererziehung und Altenpflege betreffen die ganze Gesellschaft, nicht nur Frauen. Daher ist es wichtig, dass auch Männer sich damit auseinandersetzen.
70% der 1,3 Milliarden Armen sind Frauen und 60% aller Frauen sind Analphabeten. Diese Zahlen lassen erkennen, warum Geschlechtergleichstellung eine solch große Präsenz hat. Das ideale Frauenbild, ist das einer frommen, fügsamen, unterwürfigen, nicht selbstbewussten und demütigen Frau. Weil Frauen nach diesem Ideal leben, ob gewollt oder nicht, fristen sie ein Leben, das ihnen viele soziale Benachteiligungen bringt wie:
• Zu wenig soziale Anerkennung
• Häusliche Gewalt
• Wenig Mitspracherecht
• Zu wenig medizinische Versorgung (niedrige Lebenserwartung, hohe weibliche Säuglingssterblichkeitsrate, hohe Müttersterblichkeitsrate)
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• Unterbewertung ihrer Arbeit
• Größere Arbeitslast
• Zu wenig Bildung (kaum weiterführende Bildung, Austritt aus der Schule bei Heirat) Ein anderes Problem mit dem Mädchen und Frauen zu kämpfen haben, ist die Tradition der Mitgift. Diese besagt, dass die Eltern des Mädchens ihren zukünftigen Schwiegereltern einen relativ großen Geldbetrag bezahlen, was für viele Familien einen hohen finanziellen Aufwand bedeutet. Deshalb werden in einigen Regionen der Welt Mädchen abgetrieben, ausgesetzt und ermordet. Die andere Strategie ist die Kinderheirat, weil die Mitgift dann geringer ausfällt.
Die Rolle der Frau in der Wirtschaft
Frauen und Mädchen tragen 67% der gesamten Arbeitslast wobei das Arbeitsverhältnis Männer-Frauen-Kinder folgendermaßen lautet 31%-51%-16%. Die Frauen erhalten dafür ⅟ 10 des Welteinkommens, haben nur an einem Prozent des Weltvermögens Anteil und nur 5% der Entwicklungshilfekredite geht an sie.
Frauen sind oft arbeitsüberlastet, weil sie den Haushalt führen müssen, dazu noch für die Subsistenzwirtschaft und die Warenproduktion für den Markt arbeiten müssen um ihre Familie ernähren zu können. Frauen setzen sich einer solchen Arbeitsüberlastung aus, weil dadurch „schließlich Geld reinkommt“. Wenn junge Mädchen vom Land in die Stadt ziehen, um dort zu arbeiten und sich dort den katastrophalsten Arbeitsbedingungen aussetzen, dann auch nur weil dadurch „schließlich Geld reinkommt“ , ihre Eltern in sie „investiert haben“ als sie wegzogen und sie ihre Eltern nicht enttäuschen wollen. Frauen werden sehr oft unterbezahlt, weil sie dem Familienoberhaupt untergeordnet sind bzw. als „mitarbeitend“ behandelt und entlohnt werden. Deshalb erhalten sie ein geringes Einkommen bzw. haben geringe Chancen auf ein Bareinkommen. Zudem ist ihnen der Zugang zu Krediten und Land wegen den strengen Besitz- und Erbschaftsrechten/-gesetzen erschwert. Wenn sie einen Kredit erhalten, dann wird die Kontrolle des Kredits oft innerhalb des Haushalts an den Mann übertragen und in „männliche“ Tätigkeiten wie z.B. den Kauf eines Mopeds investiert. Frauen haben die völlige oder weitreichende Kontrolle über den Kredit, wenn sie verwitwet, alleinstehend oder geschieden sind - ansonsten nur anteilige Kontrolle. Ebenfalls haben sie
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oft zu wenig Zugang zu einfachen innovativen Technologien. Es gibt einen sehr hohen Frauenanteil im informellen (unregelmäßigen, unsicheren, saisonabhängigen) Sektor. Frauen arbeiten zu sehr in traditionellen Produktionsbereichen, deren Marktchancen besonders gering sind, wie z.B. Brot backen, Nähen, Kleintierhaltung. Eines der größten Probleme ist, dass manche Gesellschaft in der 3. Welt der Ansicht ist, dass Frauen nicht mit Geld umgehen sollten.
4. Entwicklungsziele und ihre Umsetzung
Die Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen sind acht Entwicklungsziele für das Jahr 2015, die im Jahr 2000 von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der UNO, der Weltbank, der OECD und mehreren Nichtregierungsorganisationen formuliert worden sind. Diese wurden im Rahmen des so genannten Millennium-Gipfels von den Vereinten Nationen verabschiedet.
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Abbildung 2
„Mit der Umsetzung des dritten Millenniums-Entwicklungsziels steht und fällt die Erreichung aller weiteren sieben Ziele der Vereinten Nationen. Geschlechtergleichstellung und das Empowerment von Frauen gelten mittlerweile als effektive Mittel zur Minderung von Armut, Hunger und Krankheit.“ (Holzner, S. 14)
Da die Millenniumsziele relativ oberflächlich formuliert wurden, wurde das 3. Ziel 2005 spezifiziert, indem einige minimale Voraussetzungen festgelegt wurden, die zur Erreichung der Geschlechtergleichstellung eingehalten werden sollten: Stärkung der Bildungsmöglichkeiten von Mädchen nach der Grundschule Garantie von sexuellen und reproduktiven Rechten
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Investition in Infrastruktur zur Verringerung der Arbeitsbelastung von Frauen und Mädchen
Garantie von Eigentums- und Erbrechten von Frauen und Mädchen Geschlechtergleichheit auf dem Arbeitsmarkt durch Reduzierung der informellen Beschäftigung von Frauen, Schließen der Einkommensschere und Aufbrechen typisch weiblicher Arbeitsfelder
Erhöhung des Frauenanteils in Parlamenten und Gemeindeverwaltungen Bekämpfung der Gewalt an Mädchen und Frauen (vgl. Holzner, S. 14f)
4.1. Bildung für alle Kinder
Alle Kinder sollten lesen, schreiben und rechnen können um für das weitere Leben gewappnet zu sein. Dennoch sind die Einschulungsraten der Jungen höher als die der Mädchen. Jungen erhalten bessere Ausbildungschancen, z.B. besuchen sie öfter weiterführende Schulen wie Gymnasium oder Universität, und haben so die Chance auf bessere Jobs und höheres Bareinkommen. Warum? Eine Frage, die zu tausenden von Antworten, Meinungen, Einstellungen, Ansichten, Ausreden führt.
Die Gründe für eine niedrige Frauenalphabetisierungsrate gliedern wir in drei Ursachenblöcke:
Mädchen werden als unbezahlte, familienbetreuende Haushälterinnen behandelt und sie werden auch viel öfter zu Kinderarbeit gezwungen als Jungen. Dies führt zu Arbeitsüberlastung und Übermüdung, weshalb Mädchen oft wegen mangelnder physischer Kraft nicht zur Schule gehen können. Die Initiation führt zur verfrühten Beendigung der weiblichen Schullaufbahn, weil die Gesellschaft der Meinung ist, dass verheiratete Mädchen nicht mehr in die Schule gehen müssen. Da die Mädchen in eine andere Familie verheiratet werden, nehmen sich die Schwiegereltern ihrer an. Wenn das Mädchen aber weiter die Schule besuchen möchte, wird das als Aufmüpfigkeit empfunden und die Grundfertigkeiten der Schule als völlig sinnlos kategorisiert, weil diese keine Vorteile für die Erfüllung der Aufgaben der Schwiegertochter bringen. Eine Ausnahme gibt es, wenn der Ehemann durch die Ausbildung, Arbeit bzw.das Geld der Frau zu Wohlstand gelangt.
Religiöse Gründe:
Hierfür möchten wir einige Zitate aus den jeweiligen heiligen Schriften auflisten:
• Ein hinduistisches Gesetzbuch besagt: „ in ihrer Kindheit muss eine Frau ihrem Mann Untertan sein, in ihrer Jugend dem Ehemann und als Witwe ihren Söhnen. Eine Frau darf niemals Unabhängigkeit genießen“
• Konfuzius: „ 100 Mädchen sind nicht so viel wert wie 1 Junge“
• Koran: „ die Männer stehen über den Frauen, weil Allah einem Teil (der Menschen) einen Vorzug vor dem anderen gegeben hat“ (konservative Auslegung)
Die Religion darf aber nicht die Schuldige der Unterdrückung sein. Einstellungen wie diese gilt es zu ändern, wenn die Situation der Frauen verbessert werden soll. Zwar gibt es einige Koranschulen für Mädchen, wo diese darauf getrimmt werden Suren auswendig zu lernen, ein guter Lehrplan und Lehrinhalt ihnen jedoch verwehrt bleiben.
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Hierzu möchten wir auf das Stadt-Land Problem hinweisen. Es ist erwiesen, dass in der Stadt die Frauen gebildeter und erwerbstätiger sind als auf dem Land. Warum ist das so? Auf dem Land sind die Leute ärmer und gläubiger. Sie sprechen häufig nicht die Amtssprache, sondern andere Sprachen und Dialekte. In ländlichen Regionen gibt es eine geringe Schuldichte, die darauf zurückzuführen ist, dass der Schulweg sehr lang und anstrengend ist. Ein weiterer Grund, weshalb die ländliche Bevölkerung ihre Kinder nicht zur Schule schickt sind die Gefahren auf dem Schulweg wie z.B. Angriffe von gefährlichen Tieren, Vergewaltigungen.
Es gibt daher eine Vielzahl von Verbesserungsmöglichkeiten im Schulsystem, die es ermöglichen könnten, beiden Geschlechtern eine Schulbildung zu gewährleisten. Die Bildungspolitik, die Einstellungen der Gesellschaft und die Armut und politische Lage der Länder der 3. Welt werfen einen Schatten auf die Bildungschancen für alle Kinder. Dennoch gibt es Grund zur Freude, weil Problemlösungen sowohl von den Regierungen als auch von NROs, Entwicklungszusammenarbeiten und lokalen Organisationen gefunden wurden.
VERBESSERUNGSMÖGLICHKEITEN (nach Riedl, A., S. 50f)
a. Ausstattung der Schule verbessern
Dazu gehören sanitäre Einrichtungen, Klassenraumvergrößerungen, Ausstattung mit guten Lernmaterialien, Ausstattung mit Kantinen und vor allem die Motivation der Lehrer, die zu einer guten Atmosphäre im Klassenraum führt.
Problem: Die Regierungen sind mit der enormen Anzahl von Kindern im schulfähigen Alter überfordert und daher kommen sie weder mit der Lehrerausbildung noch mit dem Bau von Schulen nach.
Projekte:
Problem:
• Einstellung der Lehrer (Mädchen werden ignoriert, Lehrer erwarten von Mädchen keine herausragenden Leistungen)
• Einstellung der Mädchen ( passiv, leise, zurückhaltend)
• Einstellung der Gesellschaft (Mädchen sind für naturwissenschaftliche Fächer nicht talentiert)
Erfolgreiches Projekt in Argentinien 1986:
• Lehrer sollten durch Reflexion und spezielle Übungseinheiten befähigt werden, Stereotype im Unterrichtsprozess zu erkennen und abzulegen
c. Erhöhung des Anteils an weiblichen Lehrkräften
Die Umsetzung dieser Lösung ist dazu gedacht vorbildhafte Rollenbilder zu vermitteln und die Erwerbsmöglichkeit zu steigern.
Problem:
• zu viele Grundschullehrerinnen
• zu wenige Lehrerinnen für weiterführende Schulen
• aufgrund religiöser und kultureller Überzeugungen können die Eltern nicht akzeptieren, dass die Mädchen von erwachsenen Männern unterrichtet werden
Erfolgreiches Projekt in Pakistan und Nepal 1984:
• es wurden Frauen aus Dörfern gesucht, die zumindest eine Grundschulausbildung vorweisen konnten um Lehrerinnen zu werden
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Problem:
• die Eltern können ein weiteres Schuljahr nicht finanzieren
• nach erzwungenem Abbruch der Schule durch Schwangerschaft wird der Wiedereinstieg verboten, weil Ressentiments gegen Frauen herrschen: „ Frauen sind erwachsen wenn sie ein Kind zur Welt gebracht haben“ und „Schuld an der Schwangerschaft sind sowieso die Frauen“.
Vielen Eltern ist nicht klar, welche positiven Erfahrungen eine Schulausbildung mit sich bringt. Mädchen werden auch sexuell missbraucht bzw. ungewollt schwanger.
Um dem Problem Herr zu werden gibt es Lösungsvorschläge wie:
kostenlose Kinderbetreuungseinrichtungen flexiblere Regelungen bezüglich Abwesenheit von der Schule Aufklärungskampagnen die, die sozialen und religiösen Normen hinterfragen sollten
Weil viele Mädchen zur Prostitution genötigt werden und daher nicht mehr in die Schule gehen können, gibt es erfolgreiche Projekte zur Bekämpfung des Mädchenhandels und Sexsklavenhandels durch Rettung und Rehabilitation von Opfern, Kampagnen zum Schutz vor Frauenhandel und Prostitution, Unterstützung bei der Strafverfolgung sowie Lobbyarbeit zur besseren Unterstützung von Zeuginnen und Opfern, wie z.B. Das Projekt der Frauenorganisation SANLAAP in Indien (vgl. VENRO) Das Projekt von Anuradha Koirala (Maiti Nepal) in Nepal (vgl.
Problem:
• Es gilt die Amtssprache der früheren Kolonialmacht, jedoch sprechen viele
Projekte:
• Senegal: Grundschulunterricht in der Muttersprache
• Vietnam: zweisprachige Schulbücher seit 1997
• Immerwährende und kostengünstige Sprachkurse
g. Lebensnahe Projekte und Programme
Dies beinhaltet z.B. Schulen mit Berufsverknüpfung d.h. allgemeinbildender Unterricht und Ausbildung führen zum Verkauf der Produkte, der Dienstleistungen und dies wiederum führt zu Bareinkommen.
Erfolgreiche Projekte:
BEISPIELE VON PROJEKTEN, DIE DIE GLEICHSTELLUNG VON FRAUEN FÖRDERN
Programm von „medica mondiale“ in Afghanistan mit dem Ziel die psychosoziale,
rechtliche und gesundheitliche Situation von Frauen und ihre Stellung in der Gesellschaft nachhaltig zu verbessern durch psychosoziale Beratung und Begleitung für Frauen und Mädchen, Schulungen von Hebammen, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen aus staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen für die Arbeit mit traumatisierten Frauen. Durch kontinuierliche Trainingsmaßnahmen hat das Projekt „Legal Aid Fund“ erreicht, dass Frauen ein Recht auf Verteidigung haben und das weibliche Gefangene in ihrem Gerichtsverfahren eine Strafverteidigung erhalten, was in den allermeisten Fällen zur Freilassung führt. (vgl. VENRO, S. 64) Projekt in Indien der NRO IDEA (Impact on Development, Empowerment and Actions). Diese Programme bieten den Frauen nicht nur finanzielle Dienstleistungen
an - neben Sparkonten und Krediten auch Versicherungen - sondern sie begleiten die Frauen und befähigen sie, ihr Leben nachhaltig zu verändern und zu gestalten. Die Verbesserungen in der Lebenssituation der Frauen wirken sich auch unmittelbar auf die gesamte Familie aus. Diese haben persönliche, soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Wirkung. (vgl. VENRO, S. 66)
Projekt im Jemen von Shada Nasser, die sich für die Bekämpfung von Kinderheirat und für die Erhöhung des Heiratsalters verstärkt einsetzt. (vgl. www.cnnheroes.com)
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Projekte (Nationalkampagne) in China mit dem Slogan „Liebt eure Töchter” bzw. dem Titel: „ Programm für mehr Aufmerksamkeit und Liebe für Mädchen, damit aus ihnen Genies werden.“ Das Ziel dieser Kampagne für die kommenden Jahre ist, dass die Mädchen größere Chancen in ihrem Leben erhalten. Die chinesische Regierung hat die Kampagne initiiert, damit die Mädchen mehr Anerkennung genießen sollen bzw. um ihr Aussterben zu verhindern wobei sie aber die 1-Kind-Politik weiterführen. Die Eltern von Mädchen erhalten als Geschenk von der Regierung ein 80 qm großes Haus und ein Grundstück. Davon profitieren etwa 100 Familien im Jahr/Kanton. (vgl. http://www.youtube.com/watch?v=n4C6SnH-k0Q)
Projekt im Nordirak: mehrere Organisationen planen die Durchführung von
Trainingskursen für Frauenrechte in Halabja. Frauen sollen in ihrem Bemühen um gleiche Rechte bestärkt, Aktivistinnen aus der Region mit dem Wissen und Rat anderer Frauenrechtlerinnen unterstützt werden. (vgl. www.wadi-online.de) Projekt der GTZ in Kamboscha: das Projekt zur Förderung der Rechte der Frauen will die Rechtssituation und die konkreten Lebensbedingungen benachteiligter Frauen, insbesondere von Opfern von häuslicher Gewalt, verbessern helfen. (vgl. www.gtz.de)
Projekt der Friedrich-Ebert-Stiftung in Thailand: Ziel ist die Unterstützung von Arbeitnehmerinnen- und Gewerkschaftsinteressen durch rechtliche Regelung moderner Arbeitsbeziehungen einschließlich der Gewährleistung elementarer Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte. Das schlechte Arbeitsrecht und das negative Image der Gewerkschaften, die als staatsfeindliche Institutionen wahrgenommen werden, ist Grund dafür, dass nur 3% der Arbeitnehmerinnen des formalen Sektors gewerkschaftlich organisiert sind. (vgl. www.fes.de)
4.2. Mikrofinanzierung als Mittel zur Gleichstellung von Frauen und Männern Was bedeutet finanzielle Stärkung der Frauen?
- Steigerung des „wirtschaftlichen Wertes“ einer Frau - Mehr Respekt in Familie, Ehe weniger Gewalt
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- Stärkere soziale Position Rechte besser verwirklicht
- Frauen geben tendenziell mehr Geld für Gesundheit und Bildung der Kinder aus
- Stärkeres Selbstbewusstsein
Im Zusammenhang mit Mikrofinanzierung wird immer wieder die Grameen Bank und ihr Gründer Muhammad Yunus genannt. Yunus gründete die „Ländliche Bank“ in Bangladesch 1983 mit dem Ziel, auch der armen Bevölkerung Zugang zu kleinen Krediten zu geben, mit denen sie sich selbstständig machen können. Inzwischen ist die Bank in mehr als 70.000 Dörfern Bangladeschs tätig. Das Prinzip der Bank ist es gewinnorientiert zu arbeiten, ohne nach Gewinnmaximierung zu streben. Rund 97% der Bankkunden sind Frauen. „Oberstes Ziel muss sein, Menschen in die Lage zu bringen, für sich selbst zu sorgen“, sagt Yunus in einem Interview mit dem Spiegel. (in Kazim, S.1)
Das Prinzip der Kleinkredite für Arme wurde von vielen Regierungen und Entwicklungshilfeprogrammen aufgegriffen. Frauen sind für solche Programme eine wichtige Zielgruppe, zum einen da sie kaum Kapital besitzen, zum anderen, weil Geld, das Frauen frei zur Verfügung haben, oft in das Wohlergehen der Familie und die Zukunft der Kinder investiert wird. Mikrokredite werden als hilfreiches und effektives Mittel zur Frauenförderung angesehen.
Die Mikrofinanzierung hat sich von einem „wohlgemeinten Instrument der Frauenförderung zu einem neoliberalen Vehikel der Integration von Frauen in die modernen Finanzdienstleistungs- und Marktsysteme“ entwickelt. (Wichterich, S. 1) Aber das System der Mikrofinanzierung hat auch Grenzen. In schwachen Volkswirtschaften mit wenigen Investitionschancen greift dieses Modell nur schlecht. Auch die Erwartungshaltung der Gesellschaft gegenüber einer Frau schränkt die Wirtschaftstätigkeit enorm ein, da sie Kinder und Haushalt zu versorgen hat. Der Sprung auf eine nächsthöhere Betriebsgröße gelingt so nur wenigen.
Auch die unreflektierte Vergabe von Krediten stellt ein großes Problem dar: Mit steigendem Kapital aus dem Ausland wurden die Vergaberichtlinien vernachlässigt - Kreditwürdigkeit wurde nicht geprüft, Verträge nicht ordnungsgemäß erklärt und Geld wurde schließlich auch für Konsumzwecke statt für Investitionen genutzt.
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Beispiel Hoa Son/Vietnam:
Das Berggebiet Materra liegt im Norden Vietnams und gehört zu den ärmsten Regionen des Landes. In der Gemeinde Hoa Son verfügt die Frauenunion über einen
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Fonds für landwirtschaftliche Kleinkredite. Für einen Kredit im Wert von 50-100 US-Dollar wird eine Tierzucht, meist Hühner oder Schweine, aufgebaut oder Obst und Reis angebaut. Nach einem Jahr muss der Kredit mit einem geringen Zinssatz zurückgezahlt werden. Die Zinsüberschüsse werden in gemeinnützige Projekte investiert, wie dem Erhalt eines Kindergartens und einer kleinen Gesundheitsstation. Beinahe jede Familie konnte diese Kreditmöglichkeit nutzen. Initiiert wurde das Projekt von der deutschen NGO Materra - Stiftung Frau und Gesundheit, die den Fonds von 15.000 Dollar anlegten und auch Trainings, Workshops und Expertenberatung für Kreditmanagement in das Dorf brachten. (vgl. VENRO, S. 62) Beispiel Kashf-Stiftung/Pakistan:
Die Kaschf-Stiftung vergibt Kredite fast ausschließlich an Frauen. Das besondere an ihrem Modell ist, dass sie die Darlehn an Gruppen von je 25 Frauen vergibt, die gegenseitig für ihre Schulden bürgen. Alle zwei Wochen treffen sich diese Frauen, um ihre Raten zu bezahlen und sich über ein bestimmtes Thema zu unterhalten, wie zum Beispiel Familienplanung, den Schulbesuch von Mädchen u.a. Die Frauen können im Gespräch mit den anderen Ideen austauschen und helfen sich, den Umgang mit Geld und Kreditmanagement zu lernen.
Eine Analyse von Kashf ergab, dass 34% der Kundinnen bei der Verleihung ihres 3. Kredits die Armutsgrenze überschritten haben. Bei einer Umfrage unter den Kundinnen sagten 54%, ihr Mann habe nun mehr Achtung vor ihnen, 40% gaben an mit dem Ehemann weniger Streit um Geld zu haben. (vgl. Kristof, WuDunn, S. 235ff)
4.3. Verbesserung der Gesundheit von Müttern
Anpassung des Gesundheitssystems: Krankheiten müssen verhütet werden, anstatt nur behandelt, dafür müssen aber die gesundheitspolitischen Voraussetzungen geändert werden.
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Für Frauen ist besonders die medizinische Betreuung vor und während der Geburt ein wichtiger Faktor für die Gesundheit. Die statistische Maßzahl zur Feststellung des Risikos, an einer Geburt zu sterben, ist die Müttersterblichkeitsrate (maternity mortality rate). Die WHO definiert sie als den „Tod einer Frau während der Schwangerschaft oder 42 Tage nach Schwangerschaftsende“.
Schwangerschaft und Geburt stellen für Frauen in vielen Ländern ein großes Risiko dar. Jedes Jahr sterben weltweit über 358.000 Frauen an deren Folgen, ca. zwanzig-mal so viele leiden an Folgeerscheinungen wie Infektionen, Krankheiten und Behinderungen. Dabei könnten die meisten Todesfälle relativ einfach verhindert werden, indem geschulte Geburtshelfer zur Seite stehen. In Gebieten südlich der Sahara und in Südasien werden jedoch nur 43-46% aller Geburten professionell betreut. Das Überleben der Mutter wirkt sich oft auch direkt auf das Überleben und Wohlergehen der Kinder aus. (vgl. UNICEF, 2010a) Ursachen der Müttersterblichkeit
Die Ursachen für hohe Müttersterblichkeit sind vielfältig und miteinander verflochten. Allgemein kann man medizinische Ursachen ausmachen, die jedoch stark vom sozialen Umfeld abhängen.
Abbildung 3
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- Biologie: Aufgrund der Beckenform kann es zu Komplikationen bei der Geburt kommen. Das betrifft vor allem Frauen mit schmalem Becken (anthropodischer Beckentyp), welcher bei afrikanischen Frauen häufig auftritt und die Wahrscheinlichkeit eines Geburtsstillstands erhöht. (vgl. Kristof, WuDunn, S. 148)
- Mangelernährung und schlechte Gesundheitsversorgung: Durch die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen sind viele Frauen unterernährt und in einer schlechten gesundheitlichen Verfassung. Eine Schwangerschaft stellt eine hohe Belastung für den Körper dar, vor allem wenn viele Schwangerschaften in kurzem Abstand hintereinander folgen. Eisenmangel, der in Entwicklungsländern schätzungsweise jede zweite Frau betrifft, und seine Folgeerscheinungen sind für Mutter und Kind oft tödlich.
- Mangelnde medizinische Versorgung: Zu wenig Personal und schlecht ausgerüstete Krankenstationen können die medizinische Versorgung oft nicht garantieren, oft sind sie für die ländliche Bevölkerung auch schwer erreichbar. In Entwicklungsländern erhalten nur 65% der Mütter eine Geburtenvorsorge, Geburtennachsorge knapp 30%.
- Bildungsdefizite: zwischen Bildung und dem Alter bei der ersten Geburt bzw. der Kinderzahl gibt es einen postulierten Zusammenhang. Mädchen mit weniger als 7 Jahren Bildung bekommen vor ihrem 20. Lebensjahr durchschnittlich doppelt so viele Kinder wie Mädchen, die länger als sieben Jahre in die Schule gehen. Bildung heißt in diesem Zusammenhang oft auch Aufklärung über sexuelle Fragen und Familienplanung. Man kann davon ausgehen, dass höher gebildete Frauen eher medizinische Vorsorge in Anspruch nehmen und/oder eher zu Verhütungsmitteln greifen, sofern diese verfügbar sind.
- Schwangerschaft im Teenageralter: Pro Jahr sterben rund 150.000 Mädchen vor dem
20. Lebensjahr an den Folgen einer Schwangerschaft oder bei einer unsachgemäßen Abtreibung. Das Risiko bei der Geburt zu sterben ist für junge Frauen unter 15 Jahren doppelt so hoch als für Frauen zwischen 20 du 24 Jahren, da sie für eine Schwangerschaft körperlich noch nicht die richtigen Voraussetzungen haben. Das
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niedrige Heiratsalter begünstigt dieses Risiko: In Bangladesch liegt das durchschnittliche Heiratsalter bei 14, in Nepal bei 16 Jahren. - Gleichgültigkeit gegenüber Frauen: In großen Teilen der Welt hält man Frauen für entbehrlich, und so ist es nicht verwunderlich, dass Länder, in denen Frauen gering geschätzt werden, eine hohe Müttersterblichkeit aufweisen. Ihre Rechte werden durch Politik und Gesellschaft unterdrückt, daher können sie kaum eine starke Lobby bilden und politisch wirksam werden. Beispiele aus der Geschichte zeigen, dass mit einer gestiegenen gesellschaftlichen Rolle (z.B. durch das Wahlrecht) auch auf die Belange der Frauengesundheit eingegangen wurde. Müttergesundheit wird oftmals auch als Frauenthema eingestuft, womit sich die Verantwortlichen aus der Schlinge zeihen können.
(vgl. VENRO und Kristof, WuDunn, S. 148ff)
Schon vor 25 Jahren forderte Allan Rosenfield, Vorreiter im Kampf gegen die Müttersterblichkeit in den Ländern der 3. Welt, höhere Aufmerksamkeit seitens der Politik für die Gesundheit der Mütter. 1985 schreibt er: „Unfortunately, at least in the near future, such systems [rural maternal and child health centers] are unlikely to be set up in many developing countries, partly because of a lack of financial and human resources but largely because of a lack of political will to face this problem.“ (Rosenfield et al., S. 85) Vergleicht man die Zahlen der Müttersterblichkeitsrate von damals und heute, muss man feststellen, dass die Müttersterblichkeit seit 1980 (526.300 Todesfälle)weltweit um ca. 1/3 gesunken ist.
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Müttersterblichkeit
weltweit
Abbildung 4
Aber die Aussage Rosenfields hat durchaus auch heute noch seine Gültigkeit. Seitens internationaler Organisationen werden ehrenhafte Ziele formuliert und Maßnahmen gestartet, die die Gesundheit der Mütter verbessern sollen. So auch das Millenniumsziel 5, das bis 2015 die Senkung der Müttersterblichkeitsrate um drei Viertel erreichen will. (Heute, 2010, ist jedoch klar, dass dieses Ziel nicht erreicht werden kann.) Doch um die Situation nachhaltig zu verändern, muss an der Basis angesetzt werden, an der Einstellung der Bevölkerung, dass Frauen das Recht auf adäquate gesundheitsvorsorge haben und an der Einstellung der politischen Entscheidungsträger, die die medizinische Versorgung gewährleisten müssen. Dabei spielt z.B. die Ausbildung von Personal im Gesundheitswesen eine besondere Rolle: Dabei spielen weniger Ärzte eine Rolle, da diese in ländlichen Gebieten schwer zu halten und dünn gestreut sind, sondern kompetente Geburtshelfer und medizinisches Personal, die die Patientinnen im Fall von Komplikationen überweisen können.
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Wie Beispiele gezeigt haben, kann diese Maßnahme zur Verbesserung der Müttergesundheit führen. Beispiel Sri Lanka:
Trotz der innerpolitisch schwierigen Situation (immer wieder Bürgerkriege) hat Sri-Lanka es geschafft, die schwangerschaftsbedingten Todesfälle in den letzten 50 Jahren von 550 auf 58 bei 100.000 Lebendgeburten zu senken. Für eine sri-lankische Frau besteht das Risiko, an Komplikationen zu sterben 1 zu 850. Vergleich: In Indien sterben ca. 8-mal so viele Frauen im Wochenbett, obwohl es proportional mehr für sein Gesundheitswesen ausgibt. Dieser Fall zeigt, dass Armut in einem Land nicht zwangsläufig bedeutet, dass eine hohe Müttersterblichkeit herrscht. Mögliche Gründe:
(Kristof, WuDunn, S. 152f)
Aber nicht immer trägt der politische Wille dazu bei, dass Gesundheitseinrichtungen tatsächlich in Anspruch genommen werden. Kulturelle Differenzen und Einschränkungen sowie eine geringe gesellschaftliche Wertschätzung der Frauen können dazu führen, dass Gesundheitsvorsorge für Frauen unerreichbar bleibt.
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Beispiel dafür ist Ägypten, wo es eine hohe Dichte an Versorgungseinrichtungen gibt, die zwar teilweise zur pränatalen Vorsorge, aber für Entbindungen genutzt werden. Ca. ¾ aller Entbindungen geschehen zu Hause. Hier ist sicher ein Zusammenhang mit Tradition/ Religion gegeben.
Eine Studie von P. Govindasamy (2000) zeigt auf, dass Bildung für die pränatale Vorsorge eine entscheidende Rolle spielt. Frauen mit zumindest einem Hauptschulabschluss nehmen Vorsorgeeinrichtungen zwei bis vier-mal eher wahr als Frauen ohne Bildung. Daneben kann auch Lohnarbeit als begünstigende Variable für eine höhere Geburtenvorsorge ausgemacht werden. Auch das Alter macht einen Unterschied in der Nutzung von Versorgungseinrichtungen: ältere Frauen nutzen Vorsorgedienste während der Schwangerschaft weniger, gehen jedoch zur Entbindung häufiger in Kliniken. Dies kann damit zu tun haben, dass ältere Frauen bereits mehr Erfahrung mit Geburten besitzen und manchmal auch mehr Ansehen genießen. (Govindasamy, S. 263ff)
Weitere Maßnahmen, um die Müttergesundheit zu unterstützen:
- Familienplanung (Zugang zu Verhütungsmitteln) z.B. Thailand: Hilfshebammen dürfen Verhütungsmittel verschreiben.
- höheres Heiratsalter
- Verabreichung von Vitamin-A-Präparaten an Schwangere z.B. Nepal, hilft v.a. schlecht ernährten Frauen
- Erleichterter Zugang zu Antibiotika, nach der Entbindung Sepsis bekämpfen (Bangladesch)
- „Prämien“, wenn arme Frauen zur Entbindung in die Klinik kommen (Pilotprojekt in Indien)
- „Letter for a friend“ Kampagne in Indonesien: werdende Mütter erhalten eine Einladung zur pränatalen Vorsorge einer Klinik. Regional konnte so die
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Geburtsvorsorge um 10% gesteigert werden. (+ schriftliche Einladung als Zeichen der Wertschätzung) (vgl. UNICEF 2010b)
4. Fazit
Der einfachste Weg zu einer besseren Geschlechtergleichheit heißt oft Bildung. Das gesamte weitere Leben eines Mädchens wird durch eine höhere Bildung beeinflusst. Mit der Bildung steigt die Chance auf Lohnarbeit und somit auf eigenes, von der Familie unabhängiges Einkommen. Die Industrialisierung, die in Asien weit verbreitet stattfindet, bietet viele Arbeitsplätze für Frauen und somit für viele Mädchen aus bäuerlichen Verhältnissen eine Möglichkeit, ihren wirtschaftlichen Wert zu steigern. Die ausbeuterischen Praktiken in den Produktionsstätten sind sicherlich nicht gutzuheißen, aber für die Stärkung der Position der Frauen stellen Fabriken sicher einen Schritt nach vorne dar. (vgl. Kristof, WuDunn, S. 261f) Durch die Modernisierung werden gesellschaftliche Strukturen teilweise aufgebrochen, was in Bezug auf die Situation der Frau in vielen Bereichen eine Verbesserung darstellt. Mit steigendem Einkommen steigen im Idealfall auch die Entscheidungsgewalt und der Einflussbereich von Frauen. Ein höheres Mitbestimmungsrecht in den Haushalten führt über kurz oder lang dazu, dass auch die Politik für die Bedürfnisse und Anliegen der Frauen eintreten muss.
Bildung hat auch Auswirkungen auf die Gesundheitssituation der Frauen und ihrer Familien. Kenntnisse über gesundheitliche Gefahren und Risiken sind der erste Schritt für die Prävention von Krankheiten und ihrer Ausbreitung. Die Aufklärung über gesundheitliche Fragen kann somit die Lebensqualität vieler Familien nachhaltig verbessern. Das oberste Ziel in der genderorientierten Entwicklung ist die Gleichstellung von Frauen und Männern. Diese kann aber nur gelingen, wenn… …Tradition hinterfragt wird.
… Frauen und ihre Probleme auch in der Politik thematisiert werden.
27
… Frauen es aus eigenem Antrieb schaffen, ihre gesellschaftliche Position zu verbessern.
… patriarchale Gesellschaften erkennen, dass Männer und Frauen ebenbürtig sind.
Diskussion
Viele der hier vorgestellten Projekte, die helfen sollen die Situation der Frauen in der 3. Welt zu verbessern, zielen auf Modernisierung und auf das Aufbrechen traditioneller Strukturen. Nun steht man aber dem Aufbrechen der Tradition und der Verwestlichung von Gesellschaften in der 3. Welt oft kritisch gegenüber - haben Ansätze, die das verfolgen, ihre Berechtigung? Unserer Meinung nach ja, denn oft ist die Unterdrückung von Frauen so stark in der Kultur verankert, dass man ihr von außen entgegenwirken muss, um Wirkung zu erzielen und der heutigen Generation von Frauen helfen zu können. Außerdem findet Modernisierung in der Wirtschaft statt, ohne dass sich das Denken über Frauen ändert. Warum ist es wichtig, die Position der Frauen zu stärken?
- Humanitäre Gründe: Die Benachteiligung von Frauen zieht großes Leid für sie nach. Ihre Rechte werden nicht ausreichend berücksichtigt und sie werden oft menschenunwürdig behandelt, sowohl von Rechtssystemen, als auch von Familienmitgliedern. Entwicklungshilfe für Frauen ist wichtig, um ihnen ein Stück Würde zurückzugeben und ihre Lebensqualität zu verbessern.
- Wirtschaftliche Gründe: Frauen stellen nicht nur die Hälfte des Arbeitskräftepotentials dar, sondern auch die Hälfte der Konsumenten. Eine stärkere wirtschaftliche Position der Frauen, mit der die Verfügung über monetäre Mittel einhergeht, steigert somit den Absatz für Konsumgüter. Frauen haben nachweislich ein anderes Konsumverhalten als Männer und investieren mehr in die Zukunft ihrer Kinder und deren Gesundheit, was wiederum positive Folgen für den Entwicklungsstand einer Gesellschaft hat.
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- Verringerung des Gewaltpotentials: In Kulturen, in denen Frauen eine schwache soziale Position haben und in eine passive Rolle gedrängt werden, wird der männlichen Gewalt gleichsam freie Bahn gelassen. Mit der Benachteiligung von Frauen sinken auch deren Überlebenschancen, siehe Kinder- und Müttersterblichkeit, schlechter gesundheitlicher Zustand etc. Vor allem für junge Männer aus armen Verhältnissen wird es schwieriger, eine Ehefrau zu finden und eine Familie zu gründen. Gekoppelt mit mangelnden wirtschaftlichen Chancen schürt das die Frustration - und Frustration ist die Quelle von Gewalt und Terrorismus. (vgl. Kristof, WuDunn, S. 201ff)
29
5. Verzeichnisse
5.1. Literaturverzeichnis
Busch, A.,Schwerdtfeger, H., Reimann, A, (2010): Mikrofinanzierung entwickelt sich zum Schneeballsystem. IN: wiwo.de - Das Portal der Wirtschaftswoche, 1.12.2010. Internet: http://www.wiwo.de/finanzen/mikrofinanzierung-entwickelt-sich-zum-schneeballsystem-448513/
Deutsches Komitee für UNICEF e.V. (1998): Todesursache Schwangerschaft und Geburt. UNICEF Information zum Thema Müttersterblichkeit. Köln. Internet:
http://www.unicef.de/fileadmin/mediathek/download/i_0087.pdf
Govindasamy, P. (2000): Poverty, Women’s Status, and the Utilization of Health Services in Egypt. IN: García, B (2000): Women, Poverty and Demographic Change. Oxford University Press. Oxford.
Holzner, B. (2010): Gleichberechtigung als Entwicklungsmotor. IN: Weltnachrichten (2010): Information der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Nr. 3. Frauen: Empowerment für Gleichberechtigung. S. 14-15
Kazim, H. (2007): „Menschen sind keinen Geldmaschinen“. Interview mit Muhammad Yunus. IN: Spiegel-Online, 08.05.2007. Internet:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,481659,00.html
Kristof, N, WuDunn, S. (2010): Die Hälfte des Himmels. Wie Frauen für eine bessere Zukunft kämpfen. Verlag C.H. Beck. München.
Obermaier, D. (1990): Strategien zur Förderung von Frauen in Entwicklungsländern. „Integration in die Entwicklung” oder „Wiedergewinnung der Subsistenzfähigkeit”? In: Zeitschrift für Soziologie, Hg.19, Heft 2, April 1990, S. 90-107. F. Enke Verlag Stuttgart Riedl, A. (2003): Educate a woman - and you educate a nation. Eine bevölkerungsgeographische Analyse der Bildungssituation von Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern unter besonderer Berücksichtigung der Möglichkeiten der Institution Schule. Diplomarbeit, Universität Wien. Wien.
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UNICEF (2010a): Millenniumsziel 5: Müttersterblichkeit. Internet:
http://www.unicef.de/projekte/millennium/5-muettersterblichkeit/
30
UNICEF (2010b): 'Letter to a friend' campaign promotes healthy pregnancies in Indonesia. Internet: http://www.unicef.org/infobycountry/indonesia_55220.html
VENRO - Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e. V. (Hrsg.) (2006): Gewusst wie - Gender in der Entwicklungszusammenarbeit. Bonn. Wal, S., Banerji, S.(2007): Women in developing world. Enceclopedia of women as human resource in 21st century, Bd.1. New Dehli.
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Frank Bliss „Frauenförderung in der deutschen EZ. Bilanz und internationaler Vergleich” in: Frauen in erster Linie. Jahrgang 1995
Birgit Dederichs-Bain „Auf dem Weg zur Weltfrauenkonferenz” in: Frauen in erster Linie. Jahrgang 1995
Elke Kasmann „Emanzipation geht über den Markt. Westafrikanische Landfrauen -das Ausbeutungsklischee ist falsch in: Frauen in erster Linie. Jahrgang 1995 Anne Marie Goetz „Behalten Frauen die Kontrolle? Kleinkredite für Landfrauen in Bangladesch in: Frauen in erster Linie. Jahrgang 1995
5.2. Internetquellen:
http://www.berlin.de/imperia/md/content/senatsverwaltungen/senwaf/gm/taz10_07.pdf?s tart&ts=1244898973&file=taz10_07.pdf http://edition.cnn.com/SPECIALS/cnn.heroes/index.html http://www.youtube.com/watch?v=n4C6SnH-k0Q http://www.wadi-online.de/index.php?option=com_content&view=article&id=277&Itemid=2 http://www.gtz.de/de/weltweit/asien-pazifik/kambodscha/8825.htm http://www.fes.de/aktuell/focus/1/focus.htm#bsp18 http://www.deswos.de/projekte/inhalte/asien/148.php http://www.tdh.de/content/themen/schwerpunkte/bildung/projekte/vietnam.htm http://www.tdh.de/content/themen/schwerpunkte/kinderrechte/projekte/indonesien.htm
31
www.ph-heidelberg.de/.../hunger/FrauenInEntwicklungslaendern.PDF
5.3. Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Teufelskreis. Eigene Bearbeitung
Abb. 2: Millenniums-Entwicklungsziele: Holzner 2010, S. 15
Abb. 3: Müttersterblichkeit weltweit. Internet: http://www.nationmaster.com/graph/hea_mat_mor-health-maternal-mortality
Abb. 4: Direkte und indirekte Ursachen von Müttersterblichkeit. Deutsches Komitee für UNICEF e.V., 1998, S. 6
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Arbeit zitieren:
Petra Henning, 2011, Frauen in der 3. Welt - Der lange Weg zur Gleichstellung, München, GRIN Verlag GmbH
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