2. Einleitung
2.1. Definition von Massentourismus
Unter Massentourismus versteht man den „Ausdruck für die in den westlichen Industrieländern zu beobachtende Erscheinung, dass die Reiseintensität der Bevölkerung sehr hohe Werte erreicht, dass also weiteste Bevölkerungskreise regelmäßig am Fremdenverkehr teilnehmen.“
Außerdem bedeutet Massentourismus „Fremdenverkehr, der sich, im Gegensatz zum Individualtourismus, in organisierter Form und größeren Gruppen abspielt und als Ziel stark frequentierte Fremdenverkehrsgebiete aufweist. Der Begriff wird häufig abschätzig im Sinn einer Kritik an Auswüchsen des Tourismus gebraucht.“ 1 Allgemein versteht man unter Massentourismus eine organisierte, z.B. von einem Veranstalter durchgeplante Form, des Tourismus, in die ein bestimmter Lebensstil importiert wird, der wiederum auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet ist. Massentouristische Ziele sind oft einem „allgemeinen Trend unterworfen", d.h. sie werden nur kurze Zeit genutzt, obwohl oft kurzfristige Investitionen getätigt werden, um möglichst schnell möglichst viele Menschen anzuziehen. Oft wird versucht, die Kosten für Unterbringung und Verpflegung gering zu halten, Gäste in massentouristischen Zielorten haben meistens kein oder nur wenig Verlangen nach Luxus. „Möglichst günstige Preise und das Wohlbefinden der Kunden sind primäre Ziele“ 2 , Touristen in Zielorten des Massentourismus verbringen ihren Urlaub oft sehr bequem und passiv, da Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten sowie Restaurants in ausreichender Anzahl in unmittelbarer Nähe gelegen sind. Zudem findet man an Zielorten des Massentourismus meistens besondere Pull-Faktoren wie Strand, Meer, Sehenswürdigkeiten und Attraktionen wie Szenekneipen oder Freizeitparks.
1 Diercke Wörterbuch Allgemeine Geographie
2 Frederik Sonnek, Referat: „Der Massentourismus“, www.fundus.org
2
2.2. Die ostfriesischen Inseln/ Norderney als touristisches Ziel Die ostfriesischen Inseln sind besonders in den 1990er Jahren zu einem der beliebtesten Ferienziele Deutschlands geworden. Man kann hier unberührte Natur, große Strände, Dünenlandschaften sowie das saubere Wasser der Nordsee finden. Zudem trägt das raue, aber gesunde Klima zur Heilung und Vorbeugung von vielen Krankheiten, wie z. B. Atemwegs- oder Hauterkrankungen bei. Auch Urlauber vom Festland besuchen die ostfriesischen Inseln oft per Schiff für einen Tag, um die ursprüngliche Natur, die teilweise autofreien Inseln und das ge-sunde Klima zu genießen.
Die Fahrzeit mit dem Schiff beträgt für fast alle Inseln vom Festland unter einer Stunde, weshalb dieser Tagestourismus sehr einfach und bequem ist. Auch das Inselspringen, also der Besuch von anderen Inseln, ist sehr beliebt und wird in großem Maße und preisgünstig angeboten.
Norderney ist die zweitgrößte der sieben Inseln. Es ist 14 km lang, bis zu 2 km breit 3 und liegt zwischen den kleineren Inseln Juist und Baltrum im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Norderney zählt mehr Gäste als alle anderen ostfriesischen Inseln und weist eine seit Jahren gewachsene touristische Struktur vor, die sich zuerst nur aus dem Kurbetrieb entwickelte. Traditionell wurde den Gästen auf Norderney auch ein umfangreiches Angebot an Kulturereignissen und Veranstaltungen geboten, das ebenfalls im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut wurde.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Insel ist Norderney nicht autofrei. Gerade in den letzten Jahren ist Deutschland als Ferienziel immer beliebter ge-worden, da viele Menschen wieder großes Interesse an innerdeutschen Reisezielen gefunden haben.
Die ostfriesischen Inseln sind eine sowohl mit dem Auto als auch mit Zug gut zu erreichende Alternative zu Flugreisen und erfreuen sich deshalb einer sehr großen Beliebtheit, wenn auch fast ausschließlich bei deutschen Touristen.
3 „Norderney in Zahlen“, www.norderney.de
3
3. Entwicklung des Tourismus auf Norderney
3.1. Historische Entwicklung
Norderney bestand ursprünglich aus einer Fischersiedlung, die sich im Westteil der Insel entwickelte.
1797 wurde das erste deutsche Nordseebad auf der Insel gegründet und es ent-standen ein Konversation- und Badehaus sowie erste Gästeunterkünfte in den Häusern der Insulaner. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Norderney königliche Sommerresidenz und erhielt einige fortschrittliche Einrichtungen wie z.B. ein Krankenhaus, ein Wasserwerk und ein Gaswerk. Heute noch ist Norderneys Vergangenheit an historischen Prachtbauten und einem „mondänen Flair“ 4 zu erkennen. Es gilt immer noch als Treffpunkt der gehobeneren Schicht, was auch an den außergewöhnlich vielen Hotels der gehobeneren Preisklasse und dem Sitz einer Spielbank deutlich wird.
Der Kurtourismus entwickelte sich in den folgenden Jahren immer weiter, hatte allerdings während des 1. Weltkrieges Einbußen zu verzeichnen. Nach Ende des Krieges zeigte sich, dass Norderney trotz Einbußen den anderen ostfriesischen Inseln weit voraus war. Der Fremdenverkehr blühte wieder aufwenn auch nur für kurze Zeit, denn 1939 mussten die Kurgäste die Insel verlassen und der Tourismus brach während des 2. Weltkrieges gänzlich ein. Norderney erholte sich jedoch erstaunlich schnell und wurde bereits 1946 „Niedersächsisches Staatsbad“ und 1948 offiziell eine Stadt.
Seitdem hatte die zweitgrößte ostfriesische Insel eine stetige Weiterentwicklung der Kureinrichtungen, ein immer umfangreicheres Kulturprogramm und in den letzten Jahren verstärkt eine Zunahme von Unterhaltungsmöglichkeiten zu verzeichnen. 5
Jedoch erst seit tiefgreifenden Veränderungen in den 1970er und 1980er Jahren wie z.B. dem Ausbau der Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten und dem Bau von Ferienhotels hat sich der Tourismus auf Norderney von einem reinen Kur- und Gesundheitsurlaub zu der heutigen Form entwickelt, in der sowohl Kururlaub als auch Familien-, Sport- und Kurzreisen eine wichtige Rolle spielen.
4 Jan Schröter, „Norderney - ein illustriertes Reisehandbuch“, Edition Temmen, 1995, S.9
5 Jan Schröter, „Norderney - ein illustriertes Reisehandbuch“, Edition Temmen, 1995, S.25
4
3.2. Entwicklung der Besucherzahlen
Bezogen auf die Jahre von 1960 bis 2000 hat die Insel Norderney eine auffällige Entwicklung vorzuweisen.
Während sich die Anzahl der Anreisen von rund 100.000 im Jahre 1960 auf knapp 300.000 im Jahre 2000 fast verdreifachte, sank die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 18,7 Tagen, also fast drei Wochen, auf 10,7 Tage. Wie man an den unten abgebildeten Diagrammen erkennen kann, verlief diese Entwicklung kontinuierlich und ab 1990 in verstärktem Maße, weshalb Norderney in den 1990er Jahren zu den „Gewinnern“ im Bezug auf die Steigerung der Übernachtungsgäste unter den Reisegebieten in Westdeutschland gehörte, jedoch nicht bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer.
Gründe dieser Entwicklung sind die Abnahme der reinen Kurgäste und die Abstriche im Gesundheitswesen, durch welche die Kurdauer Ende der 1980er Jahre von 4 auf 3 Wochen gesenkt wurde, was eine Abnahme der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer bei den Kurgästen zur Folge hatte.
Die Zahl der Familien, die ihren oft etwa ein bis zwei Wochen dauernden Sommerurlaub auf Norderney verbrachten, stieg an.
Die sinkende Aufenthaltsdauer ab 1990 ist auch damit zu begründen, dass immer mehr Wochenendtouristen auf die Insel kamen und vor allem in den letzten Jahren die Zahl der Clubs und Vereine, die im Schnitt etwa 3- 4 Tage blieben, stark zunahm. Im Durchschnitt gesehen, bewirkt diese Entwicklung einen starken Rückgang der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer bei immer mehr Besuchern.
250.000
200.000
150.000
100.000
50.000
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Arbeit zitieren:
Manuela Ivo, 2004, Norderney - Ein Ziel des Massentourismus?, München, GRIN Verlag GmbH
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