Budapester Wirtschaftshochschule, Fakultät für Handel, Gastronomie und Tourismus
THM /N
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einführung in das Thema. 3
2 Die Kur 5
2.1 Kur und Kurverkehr 5
2.1.1 Geschichtliches 5
2.1.2 Moderne Defi nition. 6
2.2 Heilbäder und Kurorte. 7
2.3 Das kurörtliche Angebot 9
2.4 Traditionelle Therapieformen. 9
2.4.1 Definition. 9
2.4.2 Erholen und Entspannen 10
2.4.3 Beauty und Style 13
2.4.4 Schlank und Gesund. 15
2.4.5 Sanft und Seele 17
3 Der Gesundheitstourismus 19
3.1 Einführung 19
3.2 Der Gesundheitsurlaub 19
3.2.1 Allgemein 19
3.2.2 Abgrenzung des Gesundheitsurlaubes 20
3.3 Abgrenzung der Sozialversicherungskur vom modernen Gesundheitstourismus 21
4 Kurzer Überblick: Tourismus in Baden-Württemberg 23
4.1 Politische Struktur 23
4.1.1 Allgemein 23
4.1.2 Die Organisation des Tourismus in Baden-Württemberg 23
4.2 Tourismusentwicklung und Marketing 23
4.2.1 Tourismusentwicklung, Auslastung und Übernachtungszahlen 23
4.2.2 Marketingmaßnahmen 24
5 Finanzierung des Heilbadeaufenthaltes. 27
5.1 Staatliche Kurfinanzierung 27
5.2 Die gesetzliche Krankenversicherung 27
5.2.1 Rechtliche Strukturierung 27
5.2.2 Leistungen zur medizinischen Rehabilitation 28
5.2.3 Finanzielle Unterstützung bei Kuren und Rehabilitationen durch die AOK. 29
5.3 Die gesetzliche Rentenversicherung. 31
5.3.1 Rechtliche Strukturierung 31
5.3.2 Leistungen zur medizinischen Rehabilitation 31
5.4 Die Kurtaxe 32
5.4.1 Geschichtliches 32
5.4.2 Erhebungsberechtigung 33
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5.5 Die Gäste- Card 34
5.5.1 Einführung 34
5.5.2 Leistungsträger. 35
5.6 Private Finanzierung. 35
6 Beispiel für Heilbaden: Bad Wildbad. 36
6.1 Allgemein. 36
6.2 Die geschichtliche Seite der Stadt 39
6.3 Die Kurmöglichkeiten. 41
6.3.1 Übersicht 41
6.3.2 Indikationen - welche Erkrankungen kuriert werden können. 41
6.3.3 Therapiestrukturen, ortsspezifische- und ergänzende Therapieformen und spezielle
Behandlungsm öglichkeiten 42
6.3.4 Kurörtliche Einrichtungen 43
6.4 Heil- und Kurmittel 43
6.4.1 Das Heilwasser 43
6.4.2 Bäder, Fango und Massagen. 45
6.5 Die staatliche Kurklinik Bad Wildbads 46
6.5.1 Haus- und Lagebeschreibung 46
6.5.2 Das Thermalbewegungsbad der Kurklinik. 47
6.5.3 Indikationsspektrum: Heilanzeigen und behandelbare Leiden. 47
6.5.4 Diagnostik - Ärzte und Untersuchungsverfahren 48
6.5.5 Untersuchungseinrichtungen 48
6.5.6 Bewegungstherapie im hauseigenen Thermal-Bewegungsbad 48
6.5.7 Ernährungsformen. 49
6.5.8 Preise und Kurtaxe 49
6.6 Marketing. 51
6.7 Die Bedeutung des Kurtourismus für die Stadt 52
7 Blick in die Zukunft 55
7.1 Faktoren für die Entwicklung von Angebot und Nachfrage 55
7.1.1 Übersicht 55
7.1.2 Änderungen im gesetzlichen Sozialsystem. 55
7.1.3 Demographischer Wandel 56
7.1.4 Zivilisationskrankheiten 56
7.2 Der Kurort der Zukunft 57
8 Schlußbetrachtung. 70
Anhang
Tabellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
B ücher
Brosch üren
Internetlinks
Ehrenw örtliche Erklärung
2
1 Einführung in das Thema
Das Wort Heilbaden soll zwei Begriffe zusammenführen: Die Kur und den Gesundheitstourismus. Beide umschreiben das Thema „gesunder Mensch“, in der Vorsorge und der Rehabilitation, im physischen und psychischen Sinne, gerade heute, wo Streß, Überlastung und Zeitdruck den Alltag bestimmen. Kur und Gesundheitstourismus unterscheiden sich aber wesentlich in ihrem Charakter: Während die Kur langweilig und für „alt“ und „krank“ steht, finden sich im Gesundheitstourismus die Jüngeren und sogar die Jugend immer mehr wieder. Es geht um die gegensätzlichen Extreme: Sportliche Auslastung und reine Entspannung und Erholung. Neben der Suche nach einem Ausgleich zu Belastung und Anspannung, ist eine Zunahme des Gesundheitsbewußtseins ausschlaggebend.
Das Wort Heilbaden soll Kur und Gesundheitstourismus aber noch weiter spezifizieren: Alle Therapien und Anwendungen sind gemeint, die die heilende Kraft des Wassers nutzen. Schon die Römer wußten: In Balneis Salus - Im Bade ist Heil!
Sie waren es auch, die Spuren ihrer Badekultur vor 2000 Jahren im Schwarzwald hinterließen. Der Schwarzwald liegt in der südwestlichen Ecke des Bundeslandes Baden-Württemberg. Seine Süd- und Westhänge sowie der Rhein bilden eine natürliche Grenze zu der Schweiz und zu Frankreich. Zahlreiche Flüsse, Bäche und Quellen entspringen im ganzen Gebiet.
Bad Wildbad ist einer von 11 Kurorten im Schwarzwald, der die Kraft des Wassers in sämtlichen Formen nutzt. Seine Lage, das Klima, die infrastrukturellen Einrichtungen, das nostalgische Image der Kur und der moderne Gesundheitstourismus machen ihn zu einem anschaulichen Beispiel für „Heilbaden“.
Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die Kur, den Gesundheitstourismus und deren Finanzierung geben. Zur besseren Übersicht ist der Tourismus in Baden-Württemberg kurz in seiner Struktur und Entwicklung dargestellt. Im Fokus steht der
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Kurort Bad Wildbad, der das Thema Heilbaden repräsentiert. Mit dem „Blick in die Zukunft“ wird aufgezeigt, welche Faktoren die Veränderunge n im Kur- und Tourismusbereich beeinflussen und wie mit gezielten Methoden diese Veränderungen positiv gesteuert werden können.
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2 Die Kur
2.1 Kur und Kurverkehr
2.1.1 Geschichtliches
Die Kur hat eine lange Geschichte und schon seit ihrem Bestehen eine wichtige Bedeutung für die Gesundheit des Menschen. Heute ist sie immer noch ein aktueller Bestandteil im Gesundheitswesen Deutschlands.
Der Ausdruck „Kur“ läßt sich aus dem lateinischen Wort „cura“ für Sorge ableiten. Ursprünge für die Kur finden sich im alten Griechenland, wo die Götter Apollon, sein Sohn Asklepsios (abgebildet mit einem von Schlangen umschlungenen Arzneikelch, heute das Symbol von Apotheken) und dessen Frau Hygiea (angeblich) Krankheiten schicken und wieder fortnehmen konnten. 465 v. Chr. wurde Hippokrates, der „Vater der Heilkunde“ geboren, der in seiner Heimat Kos eine medizinische Akademie gründete um dort Krankheiten zu analysieren und zu erkunden. Er war wahrscheinlich der erste Ganzheitsmediziner überhaupt, verordnete feuchtheiße Umschläge, kalte (frigidarium)-, lauwarme (tepidarium)- und heiße (caldarium) Bäder und Schlammpackungen.
Nach den Griechen entwickelten etwa um 200 v. Chr. auch die Römer Gefallen am Baden, da sie im südlichen Italien auf kultivierte Badeeinrichtungen griechischer Kolonien gestoßen waren.
Die neue Luftheizungstechnik löste ab 80 v. Chr. die Kaltwasserbehandlungen (z.B. gegen Magenkrankheiten, Fieber oder Epilepsie) ab und leitete eine neue Badeepoche ein: Die Thermen. Prunkvolle Badeanlagen entstanden, zu denen später auch der Genuß von Heißluft in Mode kam. Natürlich gab es auch Umkleideräume (apodyterium) in denen man sich ungestört und fern von fremden Blicken umkleiden konnte.
5
Auch in den Provinzen der Römer entstanden Badeorte; von den warmen Quellen der vulkanischen Gebiete bei Neapel verbreitete sich die Tradition des Badens innerhalb ganz Europas.
2.1.2 Moderne Definition
Der Begriff „Kur“ wurde 1973 durch FITEC (Federation Internationale du Thermalisme et du Climatisme = Internationale Vereinigung für Balneologie und Klimatologie) aufgrund der Arbeiten des Deutschen Bäderverbandes e.V. neu definiert, um die Mindestbestimmungen für die Anerkennung von Bade- und Kurorten festzulegen.
Diesen Bestimmungen nach bestehen die Aufgaben der Kur in der
• Prävention (Prophylaxe von Krankheiten)
• Rehabilitation (Nachsorge) und
• Therapie (Behandlung von chronischen Krankheiten).
Eine Kur in Heilbädern und Kurorten basiert auf der (wiederholten) Anwendung von Therapien und Behandlungen, die wissenschaftlich anerkannt sind, sich in der Erfahrung bewährt haben und zum Kurmittel bestimmt wurden. Zusätzlich unterstützen therapeutische Maßnahmen den Erfolg einer Kur. Eine Kur erfolgt unter medizinischer Betreuung, meist auf Anordnung oder zumindest auf Anraten eines Arztes, bei aktiver Mitwirkung des Kurgastes, unter Einbeziehung der zur Verfügung stehenden, ortsgebundenen und zusätzlichen Kurmittel. Unter Kurmitteln versteht man -neben den körperlichen Behandlungen zur Verbesserung der Mobilität- medikamentöse Behandlungen, Diätik (Ernährungsumstellung), kleine Psychotherapien (Gruppen und Einzelbehandlungen zur Verhaltensänderung) und Gesundheitsbildung (Information, Motivation und Gesundheitstraining).
Die Gesamtzahl der Kurgäste wird in Privatkurgäste und Sozialkurgäste differenziert. Sozialkurgäste nutzen Kuren im medizinischen Sinn entweder mit vollständiger oder zumindest teilweiser Unterstützung der gesetzlichen Sozialversicherungen (s. Kapitel 5 Finanzierung des Heilbadaufenthaltes), wozu sowohl ambulante, als auc h stationäre
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Behandlungen (Kuren) gehören. Diese (nicht freiwillig durchgeführten) Aufenthalte können zeitlich sowohl in der Arbeits- als auch in der Freizeit liegen. Privatgäste kuren ebenfalls auf ärztliche Anordnung, rechnen aber nicht über die Leistungsträger (Sozial-und Krankenversicherungen) ab, sondern tragen die Kosten selber.
Die Länge der Kur (=Aufenthaltsdauer) liegt in der Regel bei mindestens 3 Wochen, optimal nach ärztlicher Erfahrung sind allerdings 4 Wochen oder mehr, abhängig von der Schwere der Krankheit/Verletzung und den Behandlungsmethoden.
In der Literatur lassen sich keine klaren Abgrenzungen der Begriffe Kurverkehr und Kurtourismus finden (vgl. Stehle, Anja, 1995, S.11).
Definition des „Kurverkehrs“: Aufenthalt in einem Kurort, auf ärztliche Anordnung unter Kostenübernahme durch Sozialversicherungen; meist keine freie Wahl des Kurortes 1 . Der Kurverkehr ist eine besondere Art des Fremdenverkehrs, da auch ein Kurgast Tourist ist, der Freizeiteinrichtungen-, wie der Erholungssuchende Kuranlagen beansprucht.
Definition „Kurtourismus“: Die Gesamtheit der Beziehungen und Erschienungen, die sich aus dem Aufenthalt von Personen zu Zwecke der Erholung des menschlichen Organismus aufgrund einer Kur und aus dem damit in Zusammenhang stehenden Reisen vom und zurück zum Herkunftsorte ergeben 2 .
2.2 Heilbäder und Kurorte
Der Begriff „Kurort“ definiert diejenigen Fremdenverkehrsorte, die auf Vorbeugung, Behandlung und Nachbehandlung von Gesundheitsschäden eingerichtet und in der Regel als solche anerkannt sind. Durch den Zusatz „Bad“ vor dem Namen werden in Deutschland Orte/Städte offiziell zum Kurort ausgezeichnet.
1 Diese Definition bezieht Privatkurgäste nicht mit ein.
2 Definition übernommen aus Kaspar/Fehrlin, Bern/Stuttgart, 1984
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Kurorte sind Orte oder Ortsteile, die besondere natürliche Gegebenheiten -natürliche Heilmittel des Bodens, des Meeres und des Klimas-, zweckentsprechende Kur- und Erholungseinrichtungen und einen artgemäßen Kurortcharakter für Kuren aufweisen.
Mit der Bezeichnung Heilbad wird ein Kurort oder ein Teil des Kurortes kategorisiert, der über folgende Voraussetzungen verfügt:
• Vorhandensein v on natürlichen Heilmitteln des Bodens, die sich nach
wissenschaftlichen Erfahrungen und/oder dem jeweiligen wissenschaftlichen Erkenntnisstand kurmäßig bewährt haben (natürliche Heilwässer aus Quellen; natürliche Heilgase wie Radon, Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid; natürliche Peloide, also Moore und Schlamme).
• Lage- und Witterungsklima, Bioklima und lufthygienische Verhältnisse müssen
überprüft worden sein und den Bestimmungen entsprechen (überprüft wird in Luftgütegrad in Abständen von 5 Jahren, das Bioklima nach spätestens 10 Jahren).
• Vorhandensein artgemäßer Kureinrichtungen (Trink- und Wandelhalle mit Kurpark
und Waldanlagen, Sport- Spiel- und Liegewiese; Kurmittelhaus zur Abgabe von Bädern mit Heilwassern, Peloiden, Gasbädern und sonstigen Behandlungen; Inhalatorien; Räumlichkeiten für Bewegungstherapien).
• Vorhandensein artgemäßen Kurortcharakters (wesentliche Bedeutung des
Kurbetriebes für die Wirtschaft; entsprechendes Verhalten von Verwaltung, Gastgebern und Gästen zum Umweltschutz und zur Förderung der Gesundheit).
• alle Hauptheilanzeigen (Anwendungsgebiete) und Gegenanzeichen müssen durch
wissenschaftliche Gutachten festgestellt werden.
Kurorte können sich -abgesehen vom Heilbad- noch in Heilquellen oder Peloid-Kurbetrieb, Seeheilbad, Seebad, Kneippheilbad, Kneippkurort, Heilklimatischer Kurort und Luftkurort kategorisieren, die hier aber nicht weiter beschrieben werden sollen, da sie den Rahmen des Themas sprengen würden.
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2.3 Das kurörtliche Angebot
Was dem Kurgast an Leistungen angeboten wird, läßt sich in drei Hauptbereiche (und deren Einzelleistungen) untergliedern:
• Kurmittelbereich: Einzelbäder, Bewegungsbäder, Inhalationen, Hydro- und
Elektrotherapie, Sauna, Massagen, Gymnastik, Packungen, Kneippanwendungen sowie sonstige Leistungen, die mit Hilfe der Kurtaxe bereitgestellt werden.
• Bereich der Kurtaxe: Trinkkuranlagen, Kurpark, Kurmusik und Veranstaltungen
(alles eintrittsfrei), Kurhaus und Gesellschaftsräume, Liegewiesen und Liegehallen, sowie sonstige Leistungen, die über die Kurtaxe finanziert bereit gestellt werden) 3
• Sonderveranstaltungen: Unterhaltung (Oper, Theater, Konzerte), Vorträge und
Kurse, Sportveranstaltungen, Kongresse und Tagungen, eben alles Veranstaltungen, die nicht mit Hilfe der Kurtaxe finanziert werden.
Privatwirtschaftlich organisierte Betriebe wie z. B. Kurkliniken, Sanatorien, Versandbetriebe, Hotels, Restaurants und Cafés, Forschungsinstitute, Spielbanken oder Reisebüros erweitern und ergänzen das Angebot der Kurorte.
2.4 Traditionelle Therapieformen
2.4.1 Definition
Die Therapieformen, die heute in Gesundheitszentren, in Kliniken, bei der Kur und in Wellnesseinrichtungen angewendet werden, um heilend bei Verletzungen, Krankheiten und zur Regenerierung von Körper und Geist bei Streßsituationen zu wirken, lassen sich in vier Kategorien einteilen 4 . Die Methoden entstanden in sämtlichen Teilen der Welt, besonders in Asien sind Entspannungstherapien schon seit Jahrhunderten bekannt.
3 Heilbäder (und auch alle anderen Kurorte) sind berechtigt, für die Herstellung und Unterhaltung der zu
Kurzwecken abgehaltenen Veranstaltungen und zu Kurzwecken erbauten Einrichtungen eine Steuer
(Kurabgabe, Kurbeitrag) zu erheben, die Kurtaxe.
4 Kategorisierung erfolgte im Rahmen des „Gesundheits- und Wellnesslexikons“, veröffentlicht unter der
Internetseite www.heilbaeder-bw.de
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2.4.2 Erholen und Entspannen
„Erholen und Entspannen“ beinhaltet Therapien, die durch Veränderung von Bewegungsabläufen-, Druckmassagen-, Anwendungen mit Heil- und Meerwasser-, Meditationstraining- und Akupunktur Verspannungen der Gelenke löst und das Körperbewußtsein stärkt.
Die Kneipp-Kur
Der von Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 - 1897) entwickelten Kur liegt als Haupt-bestandteil die Hydrotherapie (Wasserbehandlung) zugrunde. Wechselwarme, heiße und kalte, Anwendungen, insbesondere die sogenannten Kneipp’schen Güsse wirken als Temperaturreiz auf die Haut und mobilisieren und trainieren über den Wärmeausgleich den gesamten Blutkreislauf. Ergänzende Kurmaßnahmen sind die Bewegungs-, die Diätetik (Ernährungs-) und die Phytotherapie (Anwendungen von Arzneipflanzen). Bewegung in frischer Luft, Wandern und Schwimmen stärken die Leistungsfähigkeit. Eine gesunde Ernährung mit Schwerpunkt auf der Vollwertkost führt dem Körper alle wichtigen Stoffe in der richtigen Zusammensetzung und im richtigen Umfang zu. Eine Kneipp-Kur ist besonders angezeigt bei Störungen des Blutkreislaufs, bei Erschöpfungszuständen, Streßbelastungen, nervösen Störungen, Stoffwechselerkrankungen und Fehlfunktionen des Bewegungsapparates.
Zu den Kneipp’schen Anwendungen gehören: Güsse, Packungen, Bäder, Wickel, Wassertreten, Massagen, Unterwassermassagen, Fango-Paraffin-Packungen, H eißluft, Krankengymnastik, Atemgymnastik, Hydrogymnastik (Bewegungsbäder), Stangerbäder, Viezellenbad, Elektrotherapie, Chirotherapie, Inhalationen, Schlingentisch, Kaltlufttherapie, Lymphdrainage, Vojta-Therapie, Reflexzonenbehandlung, Meridian-Therapie, Sauna, Autogenes Training und Yoga.
Feldenkrais
Eingefahrene, falsche Bewegungsabläufe führen zu Verspannungen und Überlastungen der Gelenke. Durch diese sanfte Bewegungslehre werden sie gelöst und Schmerzen
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gelindert. Abläufe wie Gehen, Stehen, Balancieren und Sitzen, die geübt und spielerisch variiert werden, lösen Verspannungen in Rücken und Unterleib.
Craniosacrale Therapie
Das Craniosacrale System ist das Pulssystem der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, die über das Bindegewebe durch den ganzen Körper geleitet wird. Der Therapeut spürt den craniosacralen Rhythmus auf und gleicht Disharmonien mit feinen Berührungen an Füßen, Knien, Kreuzbein, Kopf und Nacken aus. Diese Methode hat sich besonders bei Migräne, Schwindel und Schlafstörungen bewährt.
Thalasso-Therapie
Bei dieser jahrhundertealten Therapie werden die Heilkräfte des Meerwassers genutzt. So beinhaltet die Behandlung Algen-Fußbäder, Algenöl-Massagen, Ganzkörper-Algenpackungen, sowie spezielle Algengelee-Gesichtsmasken. Gekrönt wird diese Be handlung, die bei Akne, Rheuma, Erschöpfung und Haarausfall hilfreich ist, durch einen aus elf verschiedenen Algen gemixten Drink.
Terra-Sel-Körperwickel
Das Tote Meer ist bekannt für seine Heilwirkungen. Um Giftstoffe im Körper schneller in die Lymphen zu transportieren, wo sie verarbeitet werden können, wird man mit warmen Bandagen umwickelt, die mit Heilerde und Salzen aus dem Toten Meer getränkt sind. Zusätzlich reinigt und strafft der Wickel die Haut.
Autogenes Training
Hierbei handelt es sich um eine Tiefenentspannung, die die Muskeln lockert und gegen Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen und Schlafstörungen hilft. Zusätzlich werden Stress, Unruhe und Nervosität abgebaut. Im Sitzen oder Liegen werden bei gleichmäßiger Atmung Sätze wie "Ich bin ganz ruhig", "Mein Arm wird schwer" etc. mehrmals wiederholt. Die erzielten Erfolge können durch die Fortsetzung der Therapie zu Hause aufrecht erhalten werden.
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Tai Chi
Die ruhigen, fließenden Bewegungen des Tai Chi sind die Grundformen des chinesischen Schattenboxens. Diese Bewegungen -scheinbar in Zeitlupe ausgeführtüberzeugen als sehr effektive, umfassende Heilgymnastik, die darüber hinaus auch für innere Ausgeglichenheit und Vitalität sorgt. Durch die Übungen werden Blockaden auf den Energieleitbahnen des Körpers aufgelöst. Die Lebenskraft, das Qi, kann dadurch ungehindert und frei fließen, und die Funktionen der inneren Organe werden reguliert. Auf sanfte Weise trainiert man Muskeln und Sehnen, Bänder und Gelenke, und stabilisiert die Wirbelsäule.
Shiatsu
Das ist die Kunst, die auf der Theorie und Philosophie der chinesischen Akupunktur beruht. Der Name bedeutet Shi für Finger und Atsu für Druck. Diese Art der Massage beruht auf der Kenntnis der Meridianverläufe im Körper. Krankheiten und seelisches Ungleichgewicht sind auf Schwachstellen und Blockaden in diesen Bahnen zurückzuführen. Durch sanften Druck werden ungleiche Energieströme korrigiert, die Lebenskräfte erneuert und Streß abgebaut. Schon nach der ersten Massage fühlt der Patient sich leicht, ist locker und viel beweglicher.
Atemtherapie
Die richtige Atemtechnik, die Zwerchfellatmung, führt zu einer besseren Haltung, einem entspannten Rücken, einem gut funktionierenden Zell-Stoffwechsel und Schlackenabbau. Die Atemtherapie beinhaltet Atemschulung, Atemgymnastik und Atemmassage und fördert körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden.
Bewegungstherapie
Auf sanfte Weise wird gezielt Ausdauertraining eingesetzt um die Beweglichkeit, Koordination und die Kräftigung bestimmter Muskelgruppen zu erreic hen. Die Bewegungstherapie beinhaltet jedoch nicht das Erreichen von "Spitzenleistungen" durch Kraftsport oder Bodybuilding.
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Fußreflexzonentherapie
Die entspannende Druckpunkt-Massage der Fußsohlen baut auf, wenn man sich gestreßt fühlt. Massiert werden dabei Punkte, von denen man annimmt, daß sie über die Nervenbahnen mit einzelnen Organen des Körpers verbunden sind. Die Füße gelten somit als Spiegelbild des Körpers. Organe, Lymph- und Nervensystem können an ihnen stimuliert und positiv beeinflußt werden. Durch Massage der Reflexzonen/ Nervenendpunkte kommt es zu einer besseren Durchblutung, Körper, Geist und Seele werden verwöhnt, Schmerzen beseitigt.
Rückenschule
Falsches Sitzen, Heben, Tragen und Gehen, sowie eine falsche Haltung führen zu bleibenden Schädigungen an der Wirbelsäule und den Strukturen der Rückenmuskulatur /Bänder. Abhilfe schafft das spezielle Training der Haltungsschule, bei dem alltägliche Bewegungsabläufe mit Therapeuten auf verschiedenste Art und Weise einstudiert werden und die Rückenmuskulatur durch Dehnung und Kräftigung gestärkt wird.
Lymphdrainage
Das Lymphatische System gilt als "Müllabfuhr" des Körpers. Durch sanfte, kreisende Streichungen der Haut und einer speziellen Grifftechnik werden Ansammlungen von Lymphflüssigkeit entstaut und der Lymphfluß in Gang gesetzt, so daß Giftstoffe und Schlacken aus dem Gewebe abtransportiert werden können. Durch den besseren Lymphfluß wird die Haut klar und rosig.
2.4.3 Beauty und Style
Bei den Behandlungen zu „Beauty und Style“ handelt es sich um Therapien zur Straffung und Verjüngung der Haut. Hier sollen nur ein paar der Wichtigsten als Beispiele aufgeführt werden.
Cellulite
Bei Cellulite handelt es sich um eine Bindegewebsschwäche, die im Volksmund "Orangenhaut" genannt wird. Entgegenwirkend werden Körperwickel mit speziellen
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Wirkstoffen angewandt, die zu einer besseren Durchblutung des Gewebes und der Lymphzirkulation führen. Ideal ist die Verbindung mit sportlichen Aktivitäten und Muskeltraining um den Erfolg, eine straffere Haut, langfristig aufrecht zu erhalten.
Gesichtsgrundbehandlung
Basierend auf einer gründlichen Hautdiagnose wird eine individuelle Behandlung für den persönlichen Hauttyp erstellt. Nach einem klärenden Peeling werden spezielle Ampullen in die gereinigte Haut einmassiert, die sie mit wertvollen Nährstoffen versorgen. Durch eine glättende und belebende Gesichtsmaske wird die Behandlung abgerundet.
Modellage
Hierbei handelt es sich um Thermomasken für Gesicht und Körper, die bei großen Poren oder Spezialproblemen wie Cellulite helfen. Nach dem Einmassieren von Kur oder Creme wird eine Gipsmaske dick aufgetragen. Während sie antrocknet, steigt die Hauttemperatur an. Die Poren öffnen sich, die Durchblutung wird angeregt und Wirkstoffe können jetzt viel besser aufgenommen werden. Nach dem Abnehmen der Gipsmaske ist die Haut geglättet und tiefgehend gereinigt.
Peeling
Diese intensive Art der Tiefenreinigung trägt locker sitzende Hornschüppchen ab. Die Haut ist danach von Grund auf sauber und viel aufnahmefähiger für Wirkstoffe. Normale Haut massiert die Kosmetikerin mit einer Creme, die feinste Schleifpartikel enthält, für empfindliche oder entzündete Haut ist ein selbsttätig wirkendes Ferment-Peeling empfehlenswert. Durch eine weiche Bürste (Frimator) kann die Wirkung intensiviert werden.
Rasul-Bad
Das orientalische Pflegezeremoniell beginnt mit dem Auftragen verschiedener Schlammarten. Körper und Geist kommen im Rasul- Raum, der sich langsam durch mehrere mit Kräutern angereicherte Dampfschübe erwärmt, zur Ruhe. Dann beginnt
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man, sich den Schlamm abzureiben und damit die abgestorbenen Zellen der oberen Hornschicht zu entfernen. Anschließend wird die entschlackte Haut gereinigt und eingeölt.
Vapazon
Wie ein Gesichtsdampfbad wirkt die feine Düse, die den Dampf auf dem Gesicht verteilt um die Tiefenreinigung zu intensivieren, die Hornschicht wird weich gemacht um die Poren zu öffnen. Unreinheiten lassen sich anschließend wesentlich leichter und schmerzloser entfernen. Anstatt den Dampf mit Ozon anzureichern, kann die Kosmetikerin Kräutersäckchen verwenden, die einen für Haut und Seele entspannenden oder beruhigenden Duft verbreiten, etwa den von Lindenblüten oder Kamille.
2.4.4 Schlank und Gesund
„Schlank und Gesund“ definiert gesunde Methoden zur Reinigung und Entschlackung des Körpers durch verschiedene Formen des Fastens und Ernährungsumstellung unter ärztlicher Aufsicht.
Heilfasten
Durch den bewußten, zeitweilig vollständigen Verzicht auf Essen und Trinken, ausgenommen reines Wasser und Tee wird der Körper gereinigt und gehe ilt. Fasten wirkt erneuernd auf das Immunsystem, Abwehrkräfte und Lebensfähigkeit des Organismus erhöhen sich, und akute Infektionen entfernen sch rasch. Unter ärztlicher Begleitung kann man damit eine Woche lang eine neue Selbsterfahrung machen.
Früchtefasten
Das Fasten mit Früchten ist die sanfte Art des Heilfastens. Durch totalen Verzicht auf jegliche andere Nahrung und unter Mitwirkung der in den Früchten reichlich vorhandenen Flüssigkeit wird das Körpergewebe auf schonende Weise gründlich gereinigt. E in erwünschter Nebeneffekt der Entschlackung ist die Beseitigung von Vitalstoffmängeln durch den hohen Anteil an organischen Mineralstoffen, Vitaminen,
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Spurenelementen und Enzymen in den Früchten. Zusätzlich wird das Immunsystem gestärkt und der Selbstheilungsprozeß aktiviert.
Ayurveda-Fasten
Durch Ayurveda-Kost, natürliche Heilmittel aus Kräutern und ayurvedische Behandlungen wie Synchronmassagen, Stirnölgüsse oder Dampfbäder wird der Körper entgiftet und das seelische Gleichgewicht gestärkt. Erfolge werden bei Magen-Darm-Störungen, Gewichtsproblemen, chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Streß, Unruhezuständen, Kreislaufbeschwerden und Erschöpfungszuständen erzielt. Die einzelnen Anwendungen werden aufgrund der ärztlichen Diagnose auf den einzelnen Menschen individuell abgestimmt.
Schrothkur
Die Schrothkur ist ein beliebtes Naturheilverfahren, mit dem man den gesamten Organismus entschlacken, den Stoffwechsel regulieren und zudem überflüssiges Fett reduzieren kann. Durch die spezielle Schrothkurdiät (fe tt-, salz-, und eiweißarm), Trink-und Trockentage, sowie feuchtwarme Packungen wird die Durchblutung angeregt und die optimalen Blutfett- und Blutzuckerwerte wieder hergestellt. Die Wärmeproduktion und Entschlackung des Körpers werden ebenfalls gefördert.
Vollwertkost
Die Versorgung mit Vitaminen und Mineralien ist bei dieser Ernährung optimal. Das Prinzip basiert möglichst auf naturbelassener Kost mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln. Wenig Fleisch, mehr Fisch, Milchprodukte und Eier zusammen mit Gemüse, Salat und Getreide.
Trennkost
Die Versorgung mit Vitaminen und Mineralien ist bei dieser Ernährung optimal. Das Prinzip basiert möglichst auf naturbelassener Kost mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln. Wenig Fleisch, mehr Fisch, Milchprodukte und Eier zusammen mit Gemüse, Salat und Getreide.
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Britta Benczúr-Ürmössy, 2003, Heilbaden in Deutschland am Beispiel von Bad Wildbad in Baden Württemberg, München, GRIN Verlag GmbH
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