Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung: Vom 15. Jahrhundert zum Bild im Zeitalter des Web 2.0 1
2. Etymologische Annäherung an den Begriff des Bildes in seiner Funktion 2
als Medium
3. Augenzeugenillusion und Global Village als Ursache der Macht der Bilder 3
im Zeitalter des World Wide Web
4. Kognitive Verarbeitungsprozesse und deren Implikationen für die 4
subjektive Bildrezeption
5. Divergente Bildeffekte von Corporate Design bis kollektivem Kulturgedächtnis 5
6. Das Bild in multiplen Kontexten 6
6.1 Fotografie als reproduktive Verbilderung von Wirklichkeit 6
6.2 Bilder in Printmedien und deren lebenszyklisch-prägender Einfluss 7
6.3 Die integrative Funktion des Graffiti 7
6.4 Der Verlust der Aura als Folge der technischen Reproduzierbarkeit im 8
Bereich der Bildkunst
6.5 Bildwerbungsboom und PR 2.0 8
6.6 Fernsehen: Stereotyp trifft Schlüsselbild 11
6.7 Das Bild als computergesteuerte Simulation von Wirklichkeit 13
6.8 Web 2.0: Das Bild als kreative Ausdrucksform in Social Communities, 13
Media Sharing Plattformen und Co.
7. Fall Neda Soltan: Via Youtube und Twitter zum Symbol der Oppositionsbewegung 14
Im Iran
8. Fazit: Die Ambivalenz der neuen Macht der Bilder 17
9. Literaturverzeichnis 18
-1- 1.Einleitung:Vom 15. Jahrhundert zum Bild im Zeitalter des Web 2.0
Schon im 15.Jahrhundert, also lange bevor man von einer Entwicklung hin zu einer multimedialen Bildgesellschaft sprechen kann, erkannte Erasmus von Rotterdam, dass ,,je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen‘‘
1
. Fünf Jahrhunderte später, also zu Beginn des 20.Jahrhunderts folgte dann der Übergang von der Bebilderung der
Welt zu Welt der Bilder 2 . Die explosionsartige Verbreitung der Fernsehtechnologie in den 60er Jahren lieferte dabei die technische Basis für die Transformation in Richtung einer Gesellschaft, die von der Omnipräsenz der Bilder geprägt ist. Heute leben wir in jenem visuellen Zeitalter, in dem Bilder die Autorität über unsere Vorstellungskraft besitzen und in dem wir unsere Lebensgewohnheiten nach dem Fernseher richten 3 . Mitchell bezeichnete dieses Phänomen der stark visuell geprägten Rezeption und Interpretationsmodi einst als ,,pictoral turn‘‘ 4 . Sich nicht von den vorgefertigten Informations- und Interpretationsstrukturen beeinflussen, zu lassen ist allerdings kein leichtes Unterfangen in der Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts, in der die digitale Revolution die Möglichkeiten der Bildbearbeitung und Manipulation revolutioniert hat. Dabei macht sich nicht nur die Fernsehindustrie die Gier des menschlichen Bedürfnisses nach Konkretheit und Anschaulichkeit zu Nutze. In der kompletten Medienbranche herrscht ein regelrechter Bilderboom. Youtube ist mit durchschnittlich 65.000 neuen täglich hochgeladenen Videos und 100 Millionen täglich angesehenen Clips Weltmarktführer, und schon jetzt sind mehr Menschen in sozialen (Bild-)Netzwerken wie StudiVZ oder facebook organisiert als in Sportvereinen. Das Bild galt seit Beginn des 20.Jahrhunderts als Schlüsselmedium unserer Zeit. Aber haben nicht
1 von Rotterdam, Erasmus (1952): ,,Handbüchlein eines christlichen Streiters‘‘. In:
http://zitate.net/zitate/suche.html?query=bild&page=3 (2.08.2009)
2 vgl. Faulstich, Werner (2005): ,,Die Entfaltung der Bildkultur in den Medien des 20 Jahrhunderts‘‘. In:
http:// www.bpb.de/ themen/ 9QOKHF,0,0, Die_ Entfaltung_ der_Bildkultur_in_den _Medien_des_20_
Jahrhunderts. html (27.07.2009), S.1
3 vgl. Meinel, Tanja (2003): Die Wirkung visueller Darstellung.Wie beeinflussen Bilder in den Medien?,
Braunschweig: o.V, 2003, S.3f.
4 Mitchell, W.J.T. (1997): ,,Der Pictorial Turn’’. In: Kravagna, Christian (Hg.): Privileg Blick, Berlin: o.V.,S.15-40.
-2-gerade die kontinuierlichen Entwicklungen im Technikbereich und die zunehmende Ablösung des klassischen Bildes durch die Hypertext-Bilder des Internets gezeigt, dass dieser Begriff veraltet ist? Wo liegt heutzutage die Funktion
der Bilder, die anscheinend zwischen Marketingtool und Manipulationsinstrument divergiert? In welchen Kontexten werden Bilder heute primär eingesetzt? Was lässt sich heute, im Zeitalter des Web 2.0, unter dem Begriff Bild verstehen? Diese und andere Fragen rund um das Thema Bild sollen im Verlauf dieser Hausarbeit untersucht werden. Dabei muss zunächst der zentrale Begriff des Bildmediums geklärt werden, der definitorisch den Ausgangspunkt für die Analyse des Leitmediencharakter des Bildes im 21.Jahrhundert darstellt. Es folgt eine umfassende Analyse des Machtanspruches der Bilder , bevor nach einem kurzen Ausflug in die Psychologie, bei dem die Aspekte der Bildrezeption geklärt werden, sowohl Bildcharakteristika als auch sich dadurch generierende Effekte beschrieben werden. Da Bilder heutzutage in den unterschiedlichsten Kontexten verwendet werden ist eine genaue Ausdifferenzierung in die Anwendungsbereiche Fotografie, Print, Graffiti, Kunst, Werbung, Fernsehen, Computer und Internet bzw. Web 2.0 unerlässlich. Das Beispiel der iranischen Studentin Neda Soltan soll anschließend empirisch zeigen, welche Macht Bilder in der heutigen Zeit besitzen und wie sie sich innerhalb kürzester Zeit, dank den neuen Plattformen des Web 2.0, ubiquitär verbreiten.
2. Etymologische Annäherung an den Begriff des Bildes in seiner Funktion
als Medium
Im Gegensatz zu Mitchells Begriff des ,,pictoral turn‘‘ bezeichnet Böhms Begriff des ,,Iconic Turn‘‘ mehr die Verlagerung von der sprachlichen auf die visuelle Information, vom Wort auf das Bild, und vom Argument auf das Video 5 . Doch egal ob man die gegenwärtigen Entwicklungen nun als Iconic Turn oder Pictoral Turn bezeichnen mag, das
5 vgl. Hornyik, Sándor (2002):,,On The Pictorial Turn’. In:
http://exindex.hu/index.php?l=en&page=3&id=417 (08.08.09)
-3-Medium Bild steht dabei immer im zentralen Fokus. Bilder sind, aus rein etymologischer Sicht, schlichtweg Mittel zur adäquaten Kommunikation , wobei diese Kommunikation dem Zeichenaustausch zur Verständigung über die Weltwirklichkeit in pragmatischer Absicht dient 6 . Sie bieten uns dadurch eine kollektive Strukturierung von Wahrnehmung zur Beteiligung an der Erfahrung von Welt, und werden dabei zumeist in abbildend-symbolischer Funktion eingesetzt um komplexe Sachverhalte zu vereinfachen und zu strukturieren 7 .
3. Augenzeugenillusion und Global Village als Ursache der Macht der Bilder
im Zeitalter des World Wide Web
Bilder sind das Leitmedium unserer Gesellschaft und beeinflussen in enormem Maße unsere Meinungsbildung und unser Handeln. Doch warum lassen wir uns so sehr von ihnen in den Bann ziehen? Das menschliche Bedürfnis nach Konkretheit und Anschaulichkeit ist sicherlich ein Grund für den enormen Bilderboom der heutzutage
herrscht. Bilder vermitteln dabei einen starken Realitätseindruck und konträr zu sprachlichen Beschreibungen wird dem Zuschauer ein intimes Erlebnis suggeriert, ein Effekt der häufig auch als Augenzeugenillusion bezeichnet wird 8 . Egal ob es sich nun um den Fall der Berliner Mauer am9.November 1989, oder die Anschläge auf das World Trade Center vom 11.September 2001 handelt, durch systematisch ausgewählte Nachrichtenbilder und Videobeiträge soll dem Zuschauer das Gefühl vermittelt werden, zwar nicht physisch aber psychisch , involviert gewesen zu sein. Dabei geht die Tendenz in Richtung einer Komprimierung der Realität, von Marshall Mc Luhan einst als ,,global village‘‘ beschrieben. Er bezieht sich dabei auf die moderne Welt, die durch elektronische Vernetzungen zu einem globalen Dorf zusammenwächst. Dabei spielen vor allem die neuen Technologien des World Wide Web eine entscheidende Rolle, denn sie erlauben es via Social Communities, E-Mails oder Instant Messenger mit Menschen in aller Welt in
6 vgl. Walter, Klaus Peter (2009): ,,Skript- Einführung in die Medientheorie‘‘ In:
studip/index.php?again=yes&userdomain=stud&shortcut=winkle29 (15.07.2009)
7 vgl. Rehkämper, Klaus/ Sachs-Hombach, Klaus: Bild- Bildwahrnehmung- Bildverarbeitung, Wiesbaden:
Deutscher Universitäts Verlag, 1998, S.9
8 vgl. Meinel 2003, S.4
-4-Kontakt zu treten, und dass alles ohne den eigenen Standort ändern zu müssen 9 .Dabei besteht die Möglichkeit des globalen Austausches von Bildern und Videos. Ein weiterer entscheidender Vorteil, mit dem die Allmacht der Bilder zu erklären wäre, dass Bilder kulturübergreifend verständlich sind. In einem Zeitalter, in dem die Globalisierung zu einer weltweiten Verflechtung in allen Bereichen geführt, sind sie somit der der Sprache als Kommunikationsmittel exorbitant überlegen.
4. Kognitive Verarbeitungsprozesse und deren Implikationen für die subjektive Bildrezeption
Die kognitive Verarbeitung von Bildern erfolgt innerhalb des Bruchteils einer Sekunde. Dabei werden die externen optischen Reize strukturiert, kategorisiert und subjektiv interpretiert. Die Identifizierung von Gegenständen ist hierbei der erste spontane Interpretationsakt 10 . Die Vorstellungskraft stellt dann als transzendentales Schema die Beziehung zu einem konkreten Begriff oder Konzept her 11 . Da Wahrnehmung und Interpretation in sehr kurzer Zeit erfolgen, wird im Zuge eines Assimilationsprozesses oftmals auf vorhandene Schemata zurückgegriffen, um eintreffende optisch-sensorische Informationen strukturieren zu können. Je nach Rezeptionssituation werden vorhandene Schemata auch umstrukturiert, um neue Informationen umfassender aufnehmen zu können. Sowohl Assimilation, als auch die soeben beschriebene Akkomodation, sind komplexe kognitive Prozesse und dienen der Reduktion von Komplexität im Bildwahrnehmungsvorgang. Um diesen noch zusätzlich zu vereinfachen, wird bei der Bildauswahl für Nachrichten ,Soaps oder Unterhaltungssendungen deshalb häufig auf Schlüsselbilder und Stereotypen zurückgegriffen. Zudem weiß man heut, dass erzielen bewegte und schnelle Bilder eine größere Aufmerksamkeit erzielen als sprachlich codierte Information und, unabhängig vom Inhalt, länger im Gedächtnis behalten werden. Schon bei der Selektion der Bildelemente und Videos kann somit, in subtiler Art und Weise, ein manipulatorischer Einfluss auf die Wahrnehmung und kognitive Verarbeitung des Rezipienten genommen werden. Ungeordnete optische Sinneseindrücke werden, auf
9 vgl. Mc Luhan, Marshall (1964): ,,Unterstanding Media.The Extensions Of Man‘‘. In:
http://www.chass.utoronto.ca/mcluhan-studies/v1_iss2/1_2art2.htm (16.06.2009)
10 vgl. Meinel 2003, S.5
11 vgl. Plümacher, Martina (1998): ,,Sinn der Bilder‘‘. In: Rehkämper, Klaus/ Sachs-Hombach, Klaus (Hg.):
Bild- Bildwahrnehmung-Bildverarbeitung,Wiesbaden: Deutscher Universitäts Verlag, 1998, S 52.
Arbeit zitieren:
Stephanie Julia Winkler, 2009, Zwischen Marketingtool und Manipulationsinstrument - Das ,,Bild'' im Zeitalter des Web 2.0, München, GRIN Verlag GmbH
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