Carnitinsynthese ein. Die L-Carnitinsynthese findet zum größten Teil in der Skelettmuskulatur und in der Leber statt und ist an den Proteinumsatz gekoppelt. Wird von der Muskulatur mehr Energie benötigt und umgesetzt, wird auch mehr L-Carnitin benötigt und von der Muskulatur produziert. Es sind keine anderen Regulationsmechanismen der L-Carnitinsynthese bekannt, und auch bei erhöhten Verlusten wird die L-Carnitin Biosynthese nicht gesteigert. Bei längerfristig erhöhten L-Carnitinverlusten kann dies zu einer Unterversorgung an L-Carnitin führen.
L-Carnitin und D-Carnitin
Von Carnitin existieren 2 verschiedene Formen: L-Carnitin und D-Carnitin, von denen lediglich das L-Carnitin in der Natur vorkommt. Nur L-Carnitin ist biologisch aktiv und kann im menschlichen Körper mit den Enzymen der Zellen reagieren. D-Carnitin ist unnatürlich und kommt nur in chemisch hergestellten, synthetischen Carnitinprodukten vor. Ein erhöhter Konsum von D-Carnitin verursacht Nebenwirkungen wie Herz-Rhythmusstörungen, Muskelkrämpfe, starke Müdigkeit und Myastenia-Gravis-ähnliche Symptome. L-Carnitin ist in Deutschland und in der EU ein anerkannter Nährstoff. L-Carnitin wird nach dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) den Lebensmittelzutaten zugerechnet, nicht den Lebensmittelzusatzstoffen. Die Zufuhr von L-Carnitin über entsprechende Präparate kann als unbedenklich eingestuft werden. L-Carnitin ist ein wasserlöslicher Stoff und überschüssige Mengen werden vom Körper über die Niere mit dem Urin ausscheiden. L-Carnitin ist ungiftig.
Biochemische Funktionen des L-Carnitins
Die Hauptaufgabe des L-Carnitins liegt im Transport von Fetten zur Energiegewinnung. Dieser Vorgang findet in fast allen Zellen des Organismus statt. Um aus Fetten Energie gewinnen zu können, muss der Körper sie zunächst in seine Bestandteile Glycerin und Fettsäuren zerlegen. Die Fettsäuren müssen dann in die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, transportiert werden, wo sie verbrannt werden. Diese Verbrennung der Fettsäuren liefert dann einen Großteil der Energie, die wir zum täglichen Leben brauchen. Für die Fettverbrennung ist L-Carnitin absolut notwendig, d.h. essenziell, da die Fettsäuren, vor allem die langkettigen ohne L-Carnitin nicht in die Mitochondrien gelangen und somit auch nicht verbrannt werden können. Ein carnitinabhängiger Fettsäure-Transporter befindet sich in der Zellwand der Mitochondrien und hilft bei der Einschleusung von langkettigen Fettsäuren. Somit ist L-Carnitin für die Energiegewinnung des gesamten Organismus unerlässlich. Daneben erfüllt L-Carnitin auch noch viele andere Aufgaben. Es hilft die Funktion von Zellmembranen aufrecht zu erhalten und zu verbessern und ist wichtig für die Entgiftung der Mitochondrien und der Zellen. L-Carnitin ist vor allem aber auch ein Puffer um in Notsituationen Coenzym A freizuhalten. Coenzym A ist ein Schlüsselenzym unseres Körpers und katalysiert sehr viele biochemische Reaktionen unseres Körpers. L-Carnitingaben können über eine Beeinflussung des Coenzym A-Stoffwechsels alle diese Reaktionen, also z.B. auch
die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und Eiweißen oder die Durchblutung beeinflussen.
L-Carnitin: Vorkommen im menschlichen Körper
Der menschliche Körper enthält unter normalen Umständen ungefähr 16-20 Gramm L-Carnitin. Die größten Mengen an L-Carnitin befinden sich in Muskulatur und Herz (95%). L-Carnitin kommt im Menschen aber praktisch in jeder Zelle vor, so auch in der Leber, der Niere, den Immunzellen, den roten Blutkörperchen, dem Gehirn, den Augen, der Haut und den Spermien. In all diesen Zellen erfüllt L-Carnitin bestimmte genau definierte Funktionen. Durch die orale Gabe von L-Carnitin können alle diese Organe mehr L-Carnitin aufnehmen und profitieren davon.
Tägliche L-Carnitin Versorgung / Ursachen für Unterversorgung
Einen weitaus größeren Anteil an Carnitin bezieht der Körper aus der Nahrung. Bei einer ausgewogenen Mischkost nimmt der Mensch täglich 200 bis 300 Milligramm L-Carnitin auf. Bis heute existieren noch keine genauen Angaben über einen Mindestbedarf an Carnitin. Bekannt ist nur, dass der Bedarf individuell sehr verschieden sein kann. Dies ist teilweise darauf zurückzuführen, dass der Körper begrenzt in der Lage ist, sich auf unterschiedlich hohe Zufuhrmengen einzustellen. Wird nur sehr wenig Carnitin mit der Nahrung zugeführt, wird weniger Carnitin ausgeschieden und umgekehrt. Allerdings gibt es Risikogruppen, auf deren Befinden sich eine schlechte L-Carnitin-Versorgung besonders nachteilig auswirkt. Bei lang anhaltenden hohen Verlusten, erhöhtem Bedarf oder eingeschränkter Synthese kann es zu einer Unterversorgung an L-Carnitin kommen. Viele Menschen haben aufgrund ihrer Ernährungsweise, ihrer Lebensumstände und dem Bestehen von Krankheiten ein besonderes Risiko in eine L-Carnitin-Unterversorgung zu geraten. Zahlreiche Medikamente können den L-Carnitinspiegel verringern und zu einer Unterversorgung oder sogar zu einem L-Carnitinmangel führen.
Symptome einer Unterversorgung an L-Carnitin
Symptome, die auf eine Unterversorgung mit L-Carnitin hinweisen sind unspezifisch. Häufige starke Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Muskelschwäche, Antriebslosigkeit, Leistungsschwäche, verlängerte Erholung der Muskeln nach Belastungen, Blutarmut, erhöhte Triglyzeride im Blut, Herzprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten u.a. können eine Unter- und Mangelversorgung mit L-Carnitin andeuten. Um Gewissheit darüber zu erlangen, ob diese unspezifischen Symptome auf einen L-Carnitinmangel hinweisen empfiehlt sich eine Rücksprache mit einem Arzt.
Vorkommen in Lebensmitteln
Lebensmittel mit einem hohen Carnitingehalt sind in erster Linie tierischer Natur.
Tabelle 1: L-Carnitingehalt von Nahrungsmitteln, Angaben pro kg ungekochter Ware, nach Gustavsen, 2000
Arbeit zitieren:
M.Sc. Sven-David Müller, 2006, L-Carnitin in der Ernährung des Menschen und in der Ernährungstherapie sowie Sportmedizin, München, GRIN Verlag GmbH
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