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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Grundlagen 4
2.1 Klärung wichtiger Begriffe 4
2.2 Zur Auswahl der beiden Philosophen 5
3. Kant’s ethischer Formalismus 7
Pflichtgem äße Handlungen und hypothetische Imperative 7
Handeln aus Pflicht - der kategorische Imperativ 8
Fazit S. 9
4. Konfuzius’ Ethik im Lunyu 10
Li - die Sittlichkeit 10
Ren - die Menschlichkeit 12
Fazit S. 12
5. Trennende und verbindende Momente 13
6. Abschließende Bemerkungen 16
7. Bibliographie 18
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1. Einleitung
Globalisierung bedeutet mehr als bloße Internationalisierung der Wirtschaft. Der Begriff Globalisierung enthält zudem kulturelle, ethische und soziale Aspekte. 1 Wie konstruktiv sich die Beziehungen zwischen den Initiatoren der Globalisierung, den Industriestaaten Westeuropas und Nordamerikas, und den Ländern der sogenannten zweiten und dritten Welt entwickeln werden, kann wohl kaum aus wirtschaftlichem Kosten-Nutzen Kalkül abgeleitet werden. Hemmungsloser Kapitalexport im 19. Jahrhundert hat eher zu Misstrauen als zu politischer und kultureller Verständigung geführt. Durch bloße ökonomische Kooperation können Vorurteile daher nicht abgebaut werden.
Dies kann nur auf kultureller Ebene geschehen. Es kommt zudem darauf an, ob sich neue Denkmuster in der politischen Realität durchsetzen. Voraussetzung einer solchen (politisch-kulturellen) Verständigung ist die Grundlage der Handlungen seines Gegenübers zu verstehen, denn die Bewertung derselben anhand eigener Wertvorstellungen und Kriterien führt eher zu Fehlwahrnehmungen als eine Verständigung zu fördern. . Mit Grundlage meine ich „die sittlichen Anschauungen und Normen, von denen sich die Menschen in ihrem praktischen-sittlichen Verhalten leiten lassen“ 2 , sprich die Moral. Meines Erachtens stellt die (im jeweiligen Gemeinwesen vorherrschende) Moralvorstellung ein Schlüsselmoment zur Erklärung menschlichen Handelns in allen Kontexten dar. Dies gilt insbesondere für die „individuellen politischen Orientierungen und Verhaltensweisen in einem Kollektiv“, also für die „politische Kultur“ 3 eines Gemeinwesens, wie auch für konkrete politische Verhältnisse (bzw. Systeme), die auch moralischen Kriterien genügen müssen
Von dieser Prämisse ausgehend hängt die zukünftige Entwicklung der Beziehung zwischen beiden Seiten nicht zuletzt vom Vorhandensein von Übereinstimmungen in den jeweiligen Moralvorstellungen ab, also von Gemeinsamkeiten die elementarer sind als die wahrnehmbaren habituellen Unterschiede und die Verschiedenheit der politischen Strukturen. Dies gilt es zu überprüfen.
1 Vgl. Bauer-Emmerichs, Michael: Wirtschaft heute. 1. Aufl. Bonn 2000, S.220 f.
2 Klaus, Georg/ Buhr, Manfred (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. Band 2. 1. Aufl. Leibzig 1971. S. 745
3 Niedermeyer, Oskar: Bürger und Politik. 1. Aufl. Wiesbaden 2001. S. 12
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Der Titel des Seminars soll auch den Rahmen dieser Arbeit vorgeben, d.h. ich konzentriere mich auf die Moralvorstellungen Chinas und des Westens. Dies ist immer noch ein weiter Rahmen, den es möglichst weit einzuengen gilt.
Man muss zunächst Kriterien gewinnen, anhand derer man Moralvorstellungen grundlegend von einander unterscheiden kann. Zudem ist es sinnvoll, sich auf die Untersuchung der Ursprünge heutiger Moralvorstellungen zu beschränken, d.h. heißt auf Klassikerwerke der Ethik.
Als Gegenstände dieser Arbeit dienen die Moralphilosophie Immanuel Kant`s, wie er sie in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ entwirft, und die des Konfuzius, 4 wie sie aus dem Kontext des „Lunyu (Konfuzius Gespräche)“ 5 zu erschließen ist. Die leitende Fragestellung lautet folglich:
Sind die konfuzianische und kantsche Ethik so unterschiedlich, das eine politische und kulturelle Verständigung zwischen „China und dem Westen“ schwer bzw. sogar unmöglich ist?
Zunächst sollen grundlegende Begriffe eingeführt werden. Begriffe, die zur anschließenden Beschreibung der beiden Moralphilosophien herangezogen werden. Im Anschluss sollen die grundlegenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten, sofern es sie gibt, angesprochen und mögliche Probleme und Chancen für eine Verständigung dargestellt werden, um abschließend eine Antwort auf die Frage geben zu können.
2. Grundlagen
2.1 Klärung wichtiger Begriffe
Die Definition der Ethik, als „Wissenschaft vom Sittlichen, jener Teil der Philosophie, der das moralische Bewusstsein und Verhalten der Menschen zum Gegenstand hat“ 6 , enthält selbst schon die Unterscheidung, die als Kriterium zur Beschreibung und Unterscheidung verschiedener Moralphilosophien geeignet ist
Hier werden moralisches Bewusstsein und Verhalten als zwei von einander unterschiedene Gegenstände der Ethik dargestellt. Es gilt herauszufinden, welche Seite in der jeweiligen Ethik stärker betont wird, das „gute Verhalten“ oder die „gute Gesinnung“.
4 über die Einstufung des Lunyu als Ethik kann man sicherlich streiten, ich zumindest tue es
5 wenn nicht anders angegeben, beziehen sich alle Zitate aus dem Lunyu auf die Ausgabe nach einer
Übersetzung von Moritz, Ralf (Hrsg.): Konfuzius Gespräche. 1. Aufl. Leipzig 1982
6 Klaus, Georg/ Buhr, Manfred (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. Band.1. 1. Aufl. Leipzig 1971. S. 326
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Begrifflich möchte ich auf eine Unterscheidung zurückgreifen, die Hegel in seinen „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ 7 macht.
Er unterscheidet zwischen dem Sittlichen und der Moralität. Das Sittliche bedeutet für Hegel „die Tugend, (...) die Rechtschaffenheit ist.“(§ 150) „Was der Mensch tun müsse, (...) um tugendhaft zu sein, ist in einem sittlichen Gemeinwesen leicht zu sagen, - es ist nichts anderes von ihm zu tun, als was ihm in seinen Verhältnissen vorgezeichnet, ausgesprochen und bekannt ist“ (ebd.). Moralität hingegen ist für Hegel ein Synonym für das Gewissen. „Gewissen drückt die absolute Berechtigung des subjektiven Selbstbewusstseins aus, nämlich in sich und aus sich selbst zu wissen, was Recht und Pflicht ist, und nichts anzuerkennen, als was es so als das Gute weiß.“ (§ 137) Die Ethik beschäftigt sich mit dem reflektierten subjektiven Bestandteil (Moralität) und dem zunächst vom Subjekt unhinterfragten, durch gesellschaftliche Verhältnisse determinierte, objektiven Ursprung (Sittlichkeit 8 ) von Moralvorstellungen. Sie reflektiert somit einen Subjekt-Objekt-Gegensatz, den von Individuum und Gesellschaft, also auch das Spannungsverhältnis von Autonomie und Anpassung. Deswegen scheint sie mir zur Erklärung politischer und kultureller Phänomene äußerst nutzbar zu sein. Der Gegensatz von Sittlichkeit und Moralität deckt sich in vielem mit dem Gegensatz von der konventionellen und postkonventionellen Ebene des moralischen Bewusstseins, den Kohlberg in seiner „Entwicklungslogik des moralischen Bewusstseins“ konstatiert. 9 Ich möchte daher von konventioneller Sittlichkeit und postkonventioneller Moralität sprechen. 10
2.2. Zur Auswahl der beiden Philosophen
Die Auswahl Kants und Konfuzius’ zur Illustration der Perspektive der internationalen Beziehungen, die es im Gefolge der Globalisierung und des Endes des kalten Krieges zu überdenken und zu gestalten gilt, ist freilich nicht willkürlich. Das Heranziehen der beiden liegt in der Aktualität und des (ethnisch und geographisch) breiten Einflusses der beiden Philosophen begründet.
7 die hier verwendete Ausgabe: Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Grundlinien der Philosophie des Rechts. 6.
Aufl. Frankfurt am Main 2000. (dieses Werk ist paragraphiert, sodass an Stelle einer Fußnote der Paragraph
in Klammern hinter dem Zitat angegeben werden kann)
8 Sittlichkeit wird von Hegel zwar vom Sittlichen unterschieden, der Einfachheit halber verwende ich sie
synonym
9 vgl. Roetz, Heiner: Die chinesische Ethik der Achsenzeit. 1. Aufl. Frankfurt am Main 1992. S. 73
10 vgl. ebd.
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Arbeit zitieren:
Martin Wegner, 2007, Konfuzius und Kant - Über die Grundlage einer Verständigung zwischen China und dem Westen, München, GRIN Verlag GmbH
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