Die Messe, Inhalt und Form Grundsätzliches, Begriffe 2
Inhaltsverzeichnis
1. GRUNDSÄTZLICHES, BEGRIFFE 3
1.1 Messe (kirchlich) 3
1.2 Messe (musikalisch) 3
1.3 Motette 3
1.4 Messordnung, Ordo Missae. 3
1.5 Ordinarium missae (gleichbleibende Messteile) 3
1.6 Proprium missae (veränderliche Messteile) 4
1.7 Riten 4
1.8 Liturgiereform 5
1.9 Messkategorien. 5
Deutsche Messe (evangelisch) 5
1.9.1
1.10 Weitere Begriffe 6
Tropus 6
1.10.1
Sequenz. 6
1.10.2
Organum 6
1.10.3
Doxologie 6
1.10.4
Conductus 6
1.10.5
Responsorium 6
1.10.6
2. KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS 6
3. DIE MESSE 9
3.1 Aufbau der Messe, Inhalt der Teile, musikalische Gestalten (Tabelle) 9
3.2 Die wichtigsten Messgesänge 10
3.3 Schemata von Responsorien. 10
3.4 Ordinarium-Texte und ihre musikalische Gestaltung 11
Kyrie 11
3.4.1
Gloria 11
3.4.2
Credo 12
3.4.3
Sanctus. 12
3.4.4
Agnus Dei 13
3.4.5
3.5 Musikalische Messformen. 13
inhaltlich 13
3.5.1
strukturell. 13
3.5.2
3.6 Ténormessen. 14
3.7 Zyklusbildung und Parodiemesse. 14
3.8 Konzertierende Messe, messa concertata. 14
3.9 Pastoralmessen 15
3.10 Symphonische Messe 15
3.11 Evangelisch-lutherische Messe (ab 1526) 15
3.12 Messen zu bestimmten (außerkirchlichen) Anlässen 16
3.13 Berühmte Messen 16
4. ANHANG 17
4.1 Ordinarium Missae Texte (vollständig, synoptisch) 17
4.2 Machaut, La Messe de Nostre Dame (1364) 19
4.3 Palestrina, Missa Papae Marcelli (1562/63?) 21
4.4 Strawinsky, Messe für gem. Chor und doppeltes Bläserquintett (1948) 23
5. LITERATURVERZEICHNIS 25
Die Messe, Inhalt und Form Grundsätzliches, Begriffe| 3
1. Grundsätzliches, Begriffe
1.1 Messe (kirchlich)
Messe im kirchlichen Sinn beschreibt keine Gattung sondern ein in Jahrhunderten gewachsenes Ganzes überlieferter religiöser Texte, die im Gottesdienst die Verkündigung des Wortes Gottes, das Lob Gottes, Bitten und Fürbitten um Erbarmen und Erlösung, sowie Segnungen zum Inhalt haben. Die damit verbundenen Zeremonien liefern den ordentlichen Ablauf der Messe mit Propriums- und Ordinariums-Teilen (s. Kap. 1.4 bis 1.6). Die Messe bedarf nicht der Musik. Diese dient nur dem Ziel der Ausschmückung der Texte und Steigerung der Feierlichkeit des Gottesdienstes. Diese Zielsetzung gilt bis heute: »Das Zweite Vatikanische Konzil [...] formuliert: 'So wird denn die Kirchenmusik umso heiliger sein, je enger sie mit der liturgischen Handlungen verbunden ist, sei es, daß sie das Gebet inniger zum Ausdruck bringt oder die Einmütigkeit fördert, sei es, daß sie die heiligen Riten mit größerer Feierlichkeit umgibt. Daher billigt die Kirche alle Formen wahrer Kunst, welche die erforderlichen Eigenschaften besitzen, und läßt sie zur Liturgie zu.'« 1
1.2 Messe (musikalisch)
Messe (Missa) ist eine Gattung musikalischer Kompositionen, denen die Texte der Messe, des katholischen Gottesdienstes, zugrunde liegen. Sie umfassen i.d. Regel die Ordinariummissae-Teile der Messe: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus (Sanctus, Hosanna; Benedictus) und Agnus Die, selten auch Ite missa est.
1.3 Motette
Die Motette ist eine mehrstimmige Gattung der Vokalmusik. die im 15. Jhd. ihren Höhepunkt hat. Sie hat in ihrer Geschichte zahlreiche Wandlungen durchgemacht. 2 »Die Motette hatte im Zeitraum von etwa 1400 bis gegen 1650 ihren Platz also in einem fortwährenden Spannungsfeld zwischen liturgischer und weltlicher Funktion.« 3
1.4 Messordnung, Ordo Missae
Den Ablauf der [kath.] Heiligen Messe beschreibt die Messordnung, Ordo Missae genannt. Die Messtexte werden allgemein eingeteilt in gleichbleibende Teile - das sogenannte Ordinarium Missae - sowie die an den einzelnen Tagen unterschiedlichen Teile, darunter vor allem die biblischen Lesungen - das sogenannte Proprium Missae. 4 (vgl. Kap. 2).
1.5 Ordinarium missae (gleichbleibende Messteile)
Das Ordinarium Missae (ordinarium lat.= regelmäßig) bezeichnet feststehende Messtexte der römisch-katholischen Kirche, wie sie bis zum zweiten Vatikanischen Konzil in lateinischer Sprache in Gebrauch waren, insgesamt fünf Teile: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei.
Auch heute noch ist das Ordinarium Bestandteil einer jeden Messe nach röm.-kath. Ritus. Die Teile Gloria und Credo gehören jedoch nicht immer dazu. Das Gloria wird an Sonn- und
1 zitiert nach Leuchtmann 2006, S. 337
2 Michels 1983, S. 131
3 Leuchtmann 2006, S. 95
4 Messe - Wikipedia, 11.01.07
Die Messe, Inhalt und Form Grundsätzliches, Begriffe| 4
Festtagen außerhalb der Advents- und Fastenzeit gesungen. Das Credo wird nur an Sonntagen und Hochfesten gesungen.
Die gleichbleibenden Texte des Evangelischen Gottesdienstes sind das Vaterunser, das Ehre sei dem Vater (Gloria patri), die Einsetzungsworte in der Abendmahlsliturgie und die fünf liturgischen Gesänge: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei.
Auf die fünf Ordinarium-Teile wird in Kap. 3.4 näher eingegangen.
1.6 Proprium missae (veränderliche Messteile)
Als Proprium (lat.: das Eigene; das Wesentliche) werden die, im Unterschied zum Ordinarium, jeden Sonntag bzw. nach dem Kirchenjahr (de tempore) wechselnden Elemente des Gottesdienstes bezeichnet.
Das Proprium Missae in der Liturgie der römisch- katholischen Kirche bezeichnet im Gegensatz zum Ordinarium Missae die nach Kirchenjahr und/oder Anlass wechselnden Teile der Messe.
Introitus, Graduale, Sequenz, Halleluja, Offertorium und Communio sind die Teile, die traditionell von einer Schola, einem Sängerchor oder auch der Gemeinde gesungen werden können. Sie können auch durch Kirchenlieder ersetzt werden. Diese fünf (bzw., wenn es eine Sequenz gibt, sechs) Teile sind das Proprium Missae im kirchenmusikalischen Sinne. Die meisten großen klassischen Vertonungen (Orchestermessen) der Messe betreffen nur das Ordinarium. Eine Ausnahme bildet die Totenmesse, das Requiem, mit der Vertonung sowohl des Ordinariums als auch des Propriums. In neuerer Zeit gibt es auch einige Propriumsvertonungen.
Das Proprium im protestantischen Gottesdienst [Bearbeiten]In der evangelischlutherischen Liturgie umfasst das Proprium in der Regel:
Wochenspruch
Introitus (Eingangspsalm) Kollektengebet (Tagesgebet) Lesungen: Altes Testament, Epistel, Evangelium Haupt- oder Wochenlied Halleluja-(Vers) Predigttext
bei Abendmahlsgottesdiensten: Präfation, Schlusskollekte (Dankgebet nach dem Abendmahl) die jeweils geltende Liturgische Farbe
1.7 Riten
ritus (lat.) = religiöse Vorschrift, Brauch
Römischer Ritus (röm. kath. Kirche, Latein / Landessprache)
Byzantinischer Ritus (Konstantinopel seit 4. Jhd.): griechische und slawische Sprachbasis; im wesentlichen Grundlage aller orthodoxen Riten mit intensiver Ikonenverehrung, Abtren- nung von Altar- und Gemeinderaum
Die Messe, Inhalt und Form Grundsätzliches, Begriffe| 5
Altorientalischer Ritus: Abspaltung von Rom im 5. Jhd.; Varianten: koptisch, äthiopisch, eritreisch, syrisch , armenisch.
In der römisch-katholischen Kirche ist besonders der Römische Ritus verbreitet, der seit der Liturgiereform (1948-63) nicht nur in lateinischer, sondern gewöhnlich in der jeweiligen Landessprache gefeiert wird. Er geht zurück auf die frühchristliche Liturgie in der Stadt Rom. Daneben entwickelten sich im Altertum bis ins Mittelalter regional unterschiedlich auch andere gottesdienstliche Ordnungen, die mit der römischen in Wechselbeziehung standen, so der altgallische („gallikanische“) Ritus in Frankreich und der Ambrosianische Ritus in Mailand. Der altspanische oder mozarabische Ritus entwickelte sich unter nordafrikanischem Einfluss auf der iberischen Halbinsel im Laufe des 6. Jahrhunderts und blieb dort dominierend während der islamischen Herrschaft. Lokal begrenzt lebt der Ritus weiter, insbesondere in Toledo, wo er zeitweise verbindliche Liturgie in der Sakramentskapelle der Kathedrale war. Daneben gab es noch andere sehr lokal begrenzte Riten, so in Braga, zeitweise auch einen „Kölner Ritus“. Auch die Orden entwickelten in ihrer Geschichte eigene Varianten („Ordensliturgien“), so gab es beispielsweise bis zum 2. Vatikanischen Konzil einen besonderen Dominikanerritus. Der Karthäuserritus existiert heute noch. Die mit dem Papst von Rom unierten Katholischen Ostkirchen kennen naturgemäß ihre je eigenen Gottesdienstordnungen, wie zum Beispiel den Byzantinischen Ritus. Dort wird die Heilige Messe auch Göttliche Liturgie genannt.
1.8 Liturgiereform
Liturgiereform ist die Erneuerung (lateinisch: restauratio) gottesdienstlicher Ordnungen, Texte, Handlungen und Zeichen sowie von Geist und Kraft kirchlicher Liturgie. Heute ist mit diesem Wort in der Regel die - nach Vorarbeiten (ab 1948) besonders unter Papst Pius XII. - , vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1963) beschlossene und von den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. durchgeführte Erneuerung und Pflege der katholischen Liturgie gemeint. Diese letzte Liturgiereform hat musikalisch weitreichende Folgen, die z. Zt. noch nicht absehbar sind: Komposition landeseigener Messgesänge (z.B. Ramirez: Missa creolla)(vgl. Kap. 2).
1.9 Messkategorien
Papstmesse (gefeiert vom Papst in Rom mit Abschluß päpstl. Segen /Urbi et Orbi zu Weihnachten und Ostern)
Pontifikalamt (Bischofs- und Abt-Messen, Pontifex = Brückenbauer) Hochamt (im röm. Ritus u. lateinisch; feierlich > Missa solemnis) Mette (Gebetsgottesdienst in den Nachtstunden, zu Weihnachten als Hochamt) Messe (allgem.) Wortverkündigung und Eucharistiefeier Deutsche Messe (Lutherische Messe)
1.9.1 Deutsche Messe (evangelisch)
Die Deutsche Messe, auch Lutherische Messe genannt, wurde von Martin Luther 1526 herausgegeben. Seine erste Überarbeitung der römischen Messe fand 1523 statt und war lateinisch verfasst. Das Messformular trägt den lateinischen Namen "Formula Missae". In dieser sehr liturgischen Form der Gottesdienstfeier mit Abendmahlsfeier wurde die Lateinische Messe in die deutsche Sprache übertragen und dem Lutherischen Bekenntnis angepasst. Die Messe in ihrer deutschen lutherischen Fassung entspricht in ihrem Ablauf und ihren Inhalten weitestgehend der röm. kath. Messe.
Die Messe, Inhalt und Form Kurzer geschichtlicher Abriss| 6
Von daher kann es nicht wundern, dass der Protestant Bach eine Lateinische Messen schreibt. Dennoch ist seine h-moll-Messe extraordinär in Länge, Kunstfertigkeit und geistiger Anlage sowie persönlicher eschatologischer Durchdringung des Textes.
1.10 Weitere Begriffe
1.10.1 Tropus
Der Tropus ist eine eingeschobene oder angehängte Ergänzung zum Choral, die einem Melisma einen neuen Text unterlegt, oder als Text mit neuer Melodie oder rein melodisch eingeschoben wird.
1.10.2 Sequenz
Die Sequenz ist der dem Alleluja als sogenanntes Jubilus-Melisma angehängter Tropus.
1.10.3 Organum
Bezeichnet die Art, zum Cantus firmus eine vertikal im Oktav-, dann auch im Unter-quint-, später auch im Quartabstand stehende "Note gegen Note" zu singen. Ab 1100 tritt eine verstärkte Gegenbewegung der Stimmen und ihre Kreuzung hinzu. »Jedem Organum zugrunde liegt, als Unterstimme, ein der Liturie entnommener Gregorianischer Gesang. Aus der Liturgie wurden aber nur jene Gesänge herangezogen, die responsorial, im Wechsel von Chor und Solo, auszuführen sind, und deren solistische Teile wurden mehrstimmig komponiert« 5
1.10.4 Doxologie
Doxologie ("Herrlichkeits-Rede") meint all jene Text-/Gesangs-Endpassagen in der Liturgie, die Gott preisen (u.a. Gloria: "Ehre sei dem Vater und dem Sohn") oder seine Ewigkeit ansprechen ("...in Ewigkeit. Amen").
1.10.5 Conductus
Lose mit der Ordo missae gekoppelter polyphoner Gesang vor oder nach der Epistel (Lesung aus den Apostelbriefen)
1.10.6 Responsorium
(Schemata vg. Kap. 3.3)
2. Kurzer geschichtlicher Abriss
»Zwei Grundvoraussetzungen gelten für die Geschichte der Messe: einerseits haben die Messe und ihr Text liturgische Funktion, andererseits definiert sich die Messe über den Text, da sie keine eigene musikalische Form oder Satzweise hat.
Dennoch wird die Messe als musikalisch geschlossener Zyklus zur Kunstform von hohem Anspruch. [Fragestellung:] inwieweit ist es möglich, die Messe als musikalisches Kunstwerk zu verwirklichen, ohne die liturgischen Bedürfnisse zu stören? Sodann stellt sich [...] die Frage nach der Art der Verwirklichung eines musikalisch geschlossenen Zyklus. Unter diesen Aspekten ist das Mittelalter für die Messe als Vorgeschichte zu betrachten. [...] Im 14. Jahrhundert scheint zwar die Idee des musikalischen Zyklus existent [...] , aber es fehlt ihr doch die zyklische Evidenz. Dies blieb dem 15. Jahrhundert vorbehalten, wo denn auch die Geschichte der Messe im heutigen Verständnis beginnt.« 6 (Dufay, Ockeghem, Josquin)
5 Kühn 2004, S. 47
6 Leuchtmann 2006, S. 9-10
Die Messe, Inhalt und Form Kurzer geschichtlicher Abriss| 7
»[Die Messe] war von Anfang an eine liturgische Gattung, und zwar ausschließlich. Hier zählen auch kaum stilistische Merkmale, sondern nur der Text. Dennoch muß gefragt werden, weshalb die Komponisten einer Folge von Texten (die noch dazu in Gottesdienst ständig unterbrochen wird) zu einer musikalischen Gattung machten, so daß es nach 1400 zur zweiten Genese der Gattung (dies hinsichtlich der ersten Versuche im 14. Jahrhundert, einschließlich Machaut) kommen konnte.« 7
Während zunächst in der Gregorianik und der Zeit der frühen Mehrstimmigkeit die Propriumsteile wegen der kirchlichen Erlaubnis zur Ausschmückung im Kompositionsschaffen breiten Raum einnehmen, dominieren die Ordinariumsteile ab dem 16. Jahrhundert, u. a. weil der unveränderliche Text Zyklusbildung erst möglich machte (Ausnahme Requiem, bei dem Proprium und Ordinarium untrennbar zusammengehören). Im Sinne der Zyklusbildung gilt heute als erste, alle fünf Ordinariumsteile umgreifende Messe die "Messe De Nostre Dame" von Guillaume de Machaut (ca. 1300-1377), die er mutmaßlich schrieb für die Krönung Karls V. 1364 in der Kathedrale von Reims, der Krönungskirche der frz. Könige (1. Hörbeispiel: Gloria).(vgl auch Kap. 4.2).
Im 16. Jhd. wurden die Messen im stile antico (Clemenz non Papa, Palestrina, de Victoria) geschrieben: polyphon, sanglich, mit ausgewogener Harmonik, jeder Textabschnitt mit einem Soggetto, das imitatorisch durch alle Stimmen geführt wird. Die römische Schule stützt das Tridentiner Konzil (1545-1563): Textverständlichkeit durch einstimmige Syllabik, Begrenzung der Affekte, Ausschluß von weltlichem c.f. und Parodie.
Das 17. Jahrhundert bereichert die Gattung mit selbständigen Instrumental-Partien in konzertierendem Stil. Das 18. Jahrhundert zeigt eine Blüte in Qualität und Breite. » [Es] zeigt sich ein diffizil strukturiertes Erscheinungsbild kirchenmusikalischer Gattungen: einesteils unterliegen sie nach wie vor drei "Prinzipien" des "stylus ecclesiasticus": dem a-capella-Satz, dem konzertierenden Moment und der Mehrchörigkeit; anderenteils nehmen sie durch Aufgreifen des "stylus theatralis" Züge weltlicher musikalischer Gattungen auf [...] .« 8 »[Im 19. Jahrhundert] vergrößert und verfestigt sich die Kluft, die sich schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts angedeutet hatte, zwischen liturgisch brauchbarer, funktionaler Musik und künstlerisch wertvollen, autonomen Kunstwerken. [...] Eine neuartige Entwicklung zeigt sich für groß angelegte Werke indem sie den angestammten Aufführungsort von Messe und Requiem, den Kirchenraum, verlassen und überwiegend im Konzertsaal rezipiert werden. [...] Vor allem in die groß besetzten, festlichen Messen werden zudem verschiedene Elemente aus anderen Gattungen aufgenommen, so z. B. aus der Symphonie [...], der symphonischen Dichtung und der Oper.« 9
»Tendenzen der Gattungsauflösung und des Stilpluralismus - für die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts typische Phänomene - machen auch vor den "kirchenmusikalischen" Gattungen Messe und Requiem nicht halt.« 10
Strawinskys "Messe für gemischten Chor und doppeltes Holzbläser-Orchester" (1948) steht hier als Protagonist für diese Tendenzen: stilistische Reminiszenzen an die altrussische wie die mittelalterliche Kirchenmusik in Melodik und Rhythmik können nicht über "den eigentlichen Bruch zur Gattungsgeschichte der Messe" 11 hinwegtäuschen.(Hörbeispiel 2: Gloria)
»Die tiefgreifende Erneuerung der Liturgie [1903 bis 1963, 2. Vatikanum] [...] brachte [...] eine relative Freiheit für die Gestaltung der Kirchenmusik mit sich.« 12 Allerdings ist mit der
7 ebda, S. 11-12
8 ebda, S. 12
9 Leuchtmann 2006, S. 13
10 ebda, S. 14
11 ebda, S. 348
12 ebda, S. 14
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