Inhaltsverzeichnis
Punkt Inhalt Seite
1 Einleitung 1
2 Kurzbiographie: Johann Heinrich Pestalozzi 2
3 Bedeutung der Mutter und des Vaters bei Pestalozzi und ihr 4
Einfluss auf sein Erziehungskonzept und Weltbild
4 Rousseaus Einfluss auf Pestalozzi 16
5 Schluß 22
6 Literaturverzeichnis 25
1. Einleitung
Im Rahmen des Hauptseminars „Die Erziehungskonzeption von Locke und Rousseau“ haben wir das Werk von Locke „Gedanken über Erziehung“ und das Werk von Rousseau „Emil oder Über die Erziehung“ besprochen. Dabei lag unser Augenmerk hauptsächlich darauf, die beiden Werke der Pädagogen miteinander zu vergleichen und zu überlegen, inwieweit ihre für damalige Verhältnisse revolutionären Vorstellungen und Ansprüche an die Erziehung auf die Gegenwart übertragbar sind. Danach beschäftigten wir uns sowohl mit der gesellschaftlichen Situation zur Zeit Rousseaus als auch mit der entsprechenden Sekundärliteratur über ihn, um uns zuletzt die Frage zu stellen, welche Pädagogen maßgeblich von Rousseau beeinflußt wurden. Im Rahmen dieser Fragestellung beschäftige ich mich im Folgenden mit der Person des Johann Heinrich Pestalozzis, einem Pädagogen, dem ich in vorausgegangenen Seminaren schon häufiger begegnet bin, und mit dessen Erziehungskonzept ich mich schon intensiv auseinandergesetzt habe.
Inhaltlich habe ich mich dafür entschieden, in einem ersten Schritt Johann Heinrich Pestalozzi als Persönlichkeit vorzustellen, also eine kurze Biographie zu leisten. In einem zweiten Schritt befasse ich mich mit seinen Eltern und deren Einfluß auf sein gesamtes Erziehungskonzept. Hier werde ich zugleich seine Elementarmethode, sein Weltbild und seine Anthropologie, die die Hintergrundtheorie für seine Vorstellung von Bildung und Erziehung bildet, vorstellen und erläutern.
Anschließend analysiere ich Rousseaus Einfluß auf Pestalozzis Leben, insbesondere den Einfluß auf die Entwicklung seiner Elementarmethode. Dabei werde ich außerdem versuchen, besondere Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Biographie, Werk und Weltbild herauszuarbeiten.
Die von mir verwendeten Quellen beschränken sich auf lediglich zwei Werke und ein Skript, das ich im Rahmen des Seminars „Johann Heinrich Pestalozzi“ erworben habe.. Zum einen gebrauche ich das Buch „Pestalozzis Welt, Eine Einladung zur Erziehung“ von Bijan Adl- Amini und zum anderen das Buch aus der
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Schriftenreihe Erziehung und Unterricht „Pestalozzi und Rousseau“ von Fritz-Peter Hager.
Das Skript wurde von Bijan Adl- Amini verfasst und trägt den Titel „Klassiker der Pädagogik (Folge 3): Guten Tag, Herr Pestalozzi!“. 2. Kurzbiographie: Johann Heinrich Pestalozzi
Johann Heinrich Pestalozzi wurde am 12. Januar 1746 in Zürich geboren. Seine Mutter, Susanne Pestalozzi, geb. Hotz (1720-1796) gebar ihrem Mann, Johann Baptist Pestalozzi (1718-1751), insgesamt 7 Kinder, von denen drei am Leben blieben, nämlich Johann Heinrich, seine jüngere Schwester Anna Barbara und sein älterer Bruder Johann Baptist.
Sein Vater war Chirurg. Dies bedeutete jedoch nicht, daß er angesehen und reich war, sondern er war eine Art „Mädchen für alles“. Unter anderem zog er Zähne, schnitt Haare oder rasierte Bärte. Seine Einnahmen, die er durch diese Tätigkeiten erwirtschaftete, deckten oftmals nicht einmal die Kosten für den Lebensunterhalt seiner Familie. Zu dieser gehörte zudem noch eine Magd namens Babara Schmid, genannt Babeli (1720-1788). Sie unterstützte die Familie insgesamt 41 Jahre lang und war für Susanne Pestalozzi nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1751 eine sehr große Hilfe. Johann Heinrich Pestalozzi war zu diesem Zeitpunkt erst 5 Jahre alt und wurde in demselben Jahr auch eingeschult. Somit wuchs der Junge fast ohne jegliche männliche Bezugsperson auf. Die einzige nennenswerte Bezugsperson war sein Großvater väterlicherseits, Andreas Pestalozzi, der versuchte, den Vater zu ersetzen. Er lebte auf dem Lande, in einem Dorf namens Höngg und arbeitete dort als Pfarrer. Johann Heinrich verbrachte bei seinem Großvater oft die Ferien, so daß zwischen den beiden eine besonders innige Beziehung entstand.
Der Eintritt in die Schule im Jahre 1751 bietet dem Jungen eine gelungene Abwechslung zu den beengten Wohnverhältnissen seiner Familie. Ihm fehlen jegliche Alternativen und somit besucht er alle Schulen und studiert sogar schließlich am Collegium Carolinum Philologie und Philosophie mit dem Ziel,
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Geistlicher zu werden.
Doch im Alter von 16 Jahren liest Pestalozzi Rousseau. Er ist begeistert, bricht sein Studium ab und will zurück zur Natur, aufs Land und Bauer werden. Somit geht Pestalozzi 1767 nach Burgdorf zu einem Landwirt namens Johann Rudolf Tschiffeli und beginnt dort eine Lehre zum Landwirt. Doch auch diese bricht er frühzeitig ab.
1768 lernt er seine zukünftige Frau Anne Schulthess auf der Beerdigung seines Freundes kennen. Ein Jahr später, am 30. September 1769, heiraten sie. Zehn Monate später, am 13. August 1770, bekommen sie einen Sohn, der den Namen Hans Jakob Pestalozzi bekommt.
1770 kauft Pestalozzi in der Nähe der Stadt Brugg Land und baut darauf seinen eigenen Bauernhof, genannt „Neuhof“. Im Frühjahr 1771 zieht die gesamte Familie in den Bauernhof ein. Ende 1773 verwandelt er diesen Bauernhof in eine „pädagogische Fabrik“, indem er verwahrloste, arme Straßenkinder aufnimmt, ihnen ein Zuhause und Erziehung gibt und im Gegenzug geben sie ihm ihre kostenlose Arbeitskraft als Baumwoll- Fabrikarbeiter. Doch schon sieben Jahre später, im Jahr 1780, scheitert seine pädagogische Fabrik und somit wird die Neuhofanstalt geschlossen.
Neben seinen zahlreichen Werken, die Johann Heinrich Pestalozzi geschrieben hat, schreibt er seit 1774 zudem ein Tagebuch über die Erziehung seines Sohnes. Pestalozzis Verhältnis zu seinem Sohn ist durch Widersprüche gekennzeichnet. Einerseits wird das Kind gemäß Rousseau sich selbst überlassen, damit die Natur ihr Werk tun kann, andererseits aber wird er streng gemaßregelt, erzogen und zurechtgeformt. Heute würde man sagen, daß sich der Vater gegenüber seinem Sohn nach dem Phänomen der Doppelbindung verhält. Es besteht also immer ein Widerspruch zwischen dem, was er sagt und was er dann tut. Dieses Verhalten ist eine sichere Methode, um aus Kindern Neurotiker zu machen. Hans Jakob ist von Geburt an schwach und gebrechlich und ist, als er älter wird, auch häufig sehr krank.
1780 wird der Sohn nach Basel zu einer Familie in die Lehre gegeben, weil sowohl Anne als auch Johann Heinrich Pestalozzi sich in einem psychisch desolaten Zustand befinden und sie nicht mehr für die Pflege und Sorge für ihren Sohn
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aufkommen können.
1792, also drei Jahre nach der Französischen Revolution, wird Pestalozzi zum französischen Ehrenbürger ernannt. 1796 verstirbt Susanne Pestalozzi, Johann Heinrichs Mutter. Im September 1798, also 18 Jahre nach dem Zugrundegehen der pädagogischen Fabrik auf dem Neuhof, wird in der Stadt Stans eine Armenschule gegründet. Pestalozzi möchte sein pädagogisches Konzept erneut verwirklichen und wird am 5.12.1798 zum Direktor dieser Schule ernannt. 1800 wird Pestalozzi Lehrer in Burgdorf und gründet zugleich ein neues Erziehungsinstitut.
1801 im Alter von nur 31 Jahren stirbt Johann Heinrich Pestalozzis Sohn. 1805 wird das Institut nach Yverdon in der französischen Schweiz verlegt. 13 Jahre später, 1818, gründet er noch einmal ein Institut in Clindy. 1825 wir das Erziehungsinstitut in Yverdon aufgelöst und so kehrt Pestalozzi zurück auf den Neuhof. Dort verbringt er die letzten beiden Jahre bis zu seinem Tod am 17. Februar 1827.
3. Bedeutung der Mutter und des Vaters bei Pestalozzi und ihr Einfluß auf sein Erziehungskonzept und Weltbild
Als Johann Heinrichs Vater stirbt, ist er 5 Jahre alt und seine Mutter, Susanne Pestalozzi, 30 Jahre alt. Aus finanzieller Sicht ist die Lage für die Familie sehr schlecht, denn der verstorbene Vater konnte nie gut mit Geld umgehen und hatte daher keinen „Notgroschen“ zurückgelegt. So muß die Familie Pestalozzi mit 5 Personen (einschließlich der Magd Babeli) in einer Wohnstube d.h. in einem einzigen Raum von ca. 15 Quadratmetern, der zum Wohnen und Schlafen zugleich dient, leben. „Die drei Kinder standen im Weg und störten die Mutter und Babeli bei der Verrichtung der täglichen Hausarbeit. Ihnen bot die beengte Stube weder einen besonderen Reiz noch die minimale Bewegungsmöglichkeit“ (Adl-Amini, Pestalozzis Welt Seite 146). Johann Heinrichs Mutter achtet auf äußerste Sparsamkeit und ist zugleich darum bemüht, daß Außenstehende ihre missliche
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Lage nicht bemerken. Zudem möchte sie ihre Kinder vor jeglichen negativen Einflüssen schützen. Dies sind zwei Gründe dafür, warum der junge Pestalozzi selten draußen auf der Straße zusammen mit anderen Kindern spielt, denn zum einen darf er seine gute Kleidung nicht schmutzig machen und zum anderen möchte seine Mutter auch nicht, daß er mit den verwahrlosten Straßenkindern in Kontakt kommt. Somit wächst Johann Heinrich wohl behütet im Schoße seiner Mutter und der Magd in einer beengten Wohnstube mit sehr wenig Spielzeug oder anderen Angeboten, die den Interessen eines Kindes in seinem Alter entsprechen, auf.
„Seine Kindheit ist geprägt von gutgemeintem und übertriebenem Schutz (overprotection). Die Geborgenheit in der Wohnstube bleibt ein tiefes Kindheitserlebnis und hinterlässt bleibende Spuren, die eher als defizitäre Narben zu bezeichnen sind. Das Kind wird sozial isoliert und der Welt seiner Gleichaltrigen kommunikativ entfremdet“ (Adl- Amini: Skript, Klassiker der Pädagogik: Guten Tag, Herr Pestalozzi! Seite 16).
Mit dem Eintritt in die Schule wird der kleine Pestalozzi wenigstens für ein paar Stunden aus seinem „Leben im Kokon“ befreit, ist unter seinesgleichen und, viel wichtiger noch, er wird endlich geistig sowie körperlich gefördert. „Er war nicht länger der auf die Mutter Fixierte, nicht mehr der von der Mutter Fixierte“ (Adl-Amini: Skript, Klassiker der Pädagogik: Guten Tag, Herr Pestalozzi! Seite 21).
Diese nur in kurzen Zügen dargestellten Umstände, unter denen Pestalozzi aufwuchs, haben entscheidend zu der Entwicklung seiner Bildungs- und Erziehungsmethode beigetragen. Er hat erkannt, daß er von seiner eigenen Mutter in der frühen Kindheit, also vor Beginn der Schulzeit, nicht optimal gefördert worden ist und erhebt nun an sich selbst den Anspruch zu vermeiden, daß andere Kinder dasselbe Schicksal erleiden müssen wie er einst. Zum Beispiel hatte er in der Schule immer mit der Rolle des Außenseiters zu kämpfen und wurde jahrelang aufgrund seines Entwicklungsrückschrittes gehänselt. „ Das Fehlen eines Bildungsangebots in der mütterlichen Wohnstube hat entscheidend zur Geburt einer Bildungs- und Erziehungsmethode beigetragen“ (Adl- Amini, Pestalozzis Welt Seite 141).
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Arbeit zitieren:
Simone Smit, 2002, Jean-Jaques Rousseaus Einfluss auf Johann Heinrich Pestalozzis Denken und Handeln, München, GRIN Verlag GmbH
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