Inhaltsangabe
I. Einleitung 1
II. Analyse und Interpretation des Gedichtes 3
III. Bezug zur Kausallyrikverständnis auf der Grundlage
von Drux 10
IV.
Darlegung des Frauenbildes im Gedicht 11
V. Schlussbemerkung 13
VI. Literaturverzeichnis 14
I. Einleitung
Opitz, Gryphius, Hallmann und Grimmelshausen sind die uns heute bekanntesten Schriftsteller des 17. Jahrhunderts. Doch waren sie auch die bekanntesten Schriftsteller in ihrer Zeit? Lange hat die heutige Literaturforschung Christian Weise unbeachtet gelassen, obwohl er bei weitem „größeren Erfolg bei seiner Leserschaft gehabt“ 1 hatte, als die oben genannten Herren.
Geboren 1642 als Sohn eines Lehrers am Zittauer Gymnasium, wurde er von seinem Vater früh an die deutsche Sprache und Literatur herangeführt. Sein Weg führte über ein Studium der Theologie, der Poetik, Rhetorik und Moralphilosophie zurück an das Zittauer Gymnasium, wo er Rektor wurde. Sein Bestreben war es, die Jugend an literarisches Schaffen heranzuführen, welches er besonders durch Schuldramen zu erreichten suchte. Heute ist er, wenn überhaupt wegen seiner Dramen bekannt, und kaum einer wird wie er kritisiert und hoch gelobt. 2 Vor allem scheint sich keiner sicher zu sein, ob man ihn partiell in die Frühaufklärung oder in die Tradition des Barock einordnen soll.
Warum wurde er so begeisternd gelesen? Traf er vielleicht den Geist seiner Zeit? Was unterschied ihn von den anderen Dichtern? Warum streiten sich die Gelehrten über seine Einordnung?
Da sich die Gelegenheitslyrik hervorragend eignet um einen historischen Einblick in eine Epoche zu erhalten, habe ich Christians Weises Gedicht „Mein Freund ich wünsch ihm Glück“ ausgewählt.
Seine Biographie dürfte ein besseres Verständnis seines Gedichtes ermöglichen, weshalb ich sie teilweise in meine Interpretation einfließen lassen werde. Anlass der Entstehung war die Hochzeit am 18. Februar 1698 von M. Gottfried Hoffmanns mit der Tochter des Zittauer Predigers, Christine Schönfeld. Es handelt sich dabei um die zweite Ehe des Rektors, welcher der Nachfolger von Christian Weise war.
1 S. , aus: Irmscher, Johannes: Christian Weise als Wegbegleiter der Zeitgeschichte
2 Besonders Gottsched hat ihn später „verächtlich“ kritisiert
1
Weise war sowohl mit Hoffmann als auch mit dem Vater seiner Braut befreundet. Bei der Braut handelt es sich zudem um die älteste jungfräuliche Tochter des Predigers. Hinzuzufügen wäre, dass Hoffmann aus der ersten Ehe zwei Söhne mitbrachte. Im 17. Jahrhundert herrschte eine bestimmte Vorstellung von Kausallyrik. Da die Leserschaft von Christian Weise besonders groß war, müsste sein Werk dieser Vorstellung entsprechen. Wenn nicht, wäre die Frage warum das so wäre und welche Bedeutung dies für die historische Entwicklung bzw. Sicht wäre. Als Grundlage dieses Vergleiches dient der Text von Rudolf Drux.
Nach einer kurzen Beschäftigung mit diesem Gedicht finde ich es passend, genauer auf das Frauenbild von Christian Weise einzugehen, da anzunehmen ist, dass seine Auffassung die gängige Sicht seiner Zeit widerspiegelt 3 . Sollte das Gegenteil der Fall sein, könnte diese Betrachtung helfen, die Frage, ob er eher der Frühaufklärung zugeschrieben werden sollte, zu beantworten.
II. Analyse und Interpretation des Gedichtes
Das Epithalamium „Mein Freund ich wünsch ihm Glück“ wird zur Kausallyrik gezählt und handelt von den Glückwünschen Weises an das Ehepaar sowie von der möglichen Zukunft des Ehelebens.
Der Titel des Gedichtes bzw. die Einleitung, ist das Verkünden des Anlasses, der Betroffenen mit ihrer Herkunft sowie die Nennung des Dichters. Das Gedicht besteht aus einer Strophe mit 121 Versen. Diese äußere Form deutet auf eine Rede hin. 4 Ein sechshebige Jambus, der typische Versmaß des 17. Jahrhunderts, zieht sich durch das gesamte Werk. In einigen Versen ist eine Zäsur nach der dritten Hebung gesetzt. 5 Der Jambus verleiht dem Gedicht einen erzählenden Unterton sowie eine gewisse Leichtigkeit. Obwohl das Gedicht als Fließtext geschrieben ist, wird es durch die Zeichensetzung oft unterbrochen und zwingt den Leser sich zu konzentrieren. Ein Ausgleich findet durch die Verwendung kurzer Sätze statt, die dem Leser bzw. Zuhörer das Verstehen erleichtert. Die Zäsur unterbricht diesen Ausgleich wieder. Dieses Spiel der Gegensätze erweckt das Gedicht zum Leben. Das Auftauchen von Bildern in den Versen sowie die Verwendung von überwiegend dynamischeren Verben, verstärken diesen Eindruck.
Der durchgängige Paarreim 6 wirkt schlicht und zeugt dennoch von Kunstfertigkeit. Die überwiegend festlichen und schweren Vokale versetzen das Gedicht in eine feierliche Stimmung, die durch die dominierenden weiblichen Kadenzen unterstützt. Die durch den fast regelmäßigen Wechsel der Silbenanzahl der aufeinander folgenden Paarverse vorkommenden fließenden und männlichen Kadenzen sorgen für Abwechslung, wodurch die Lebhaftigkeit des Gedichtes zusätzlich hervorgehoben wird. Die überwiegend harten Konsonanten unterstützen die festlich klingenden Vokale. Bemerkenswert ist der Zusammenhang zwischen dem Klang und der Wortbedeutung, da die Wörter, welche im
nicht lange in diesem Amt geblieben wäre
4 Angesichts der Tatsache, dass dieses Gedicht aller Wahrscheinlichkeit den Hochzeitsgästen vorgetragen
wurde, ist die Bezeichnung einer Rede treffend bzw. es klingt wie in Verse gesetzte Prosa
5 Der sechshebige Jambus wird zu einem Alexandriner umgewandelt, u.a. Z. 5, 10, 19, 20, 21, 23
3
Arbeit zitieren:
Nicole Lenz, 2006, Interpretation des Epithalamium „Mein Freund ich wünsch ihm Glück“ von Christian Weise , München, GRIN Verlag GmbH
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