Inhaltsverzeichnis:
Seite
Der Restklassenring Ζ n
I 1
II Die Einheitengruppe 4
Die Einheiten von Ζ n
III 7
Die Eulersche ϕ-Funktion
IV 9
IV 1 Eigenschaften der Eulerschen ϕ-Funktion
9
IV 2 Berechnung der Eulerschen ϕ-Funktion
12
IV 3 Die Struktur der Einheitengruppe E(Ζ n ) 17
V Zusammenfassung 22
I. Der Restklassenring Z n
Definition I.1:
Ein Ring-mit-1 besteht aus einer Menge R von Elementen zusammen mit zwei Verknüpfungen + und *, die je zwei Elementen x, y aus R wieder ein Element x + y bzw. x * y von R zuordnen. Damit eine solche Struktur Ring genannt wird, müssen die folgenden drei Gruppen von Gesetzen für alle Elemente x, y, z ` R erfüllt sein:
1. Gesetze der Addition
• Existenz und Eindeutigkeit des neutralen Elementes: Es gibt genau ein Element
0 von R, für das gilt:
0 + x = x
• Existenz und Eindeutigkeit inverser Elemente: Zu jedem Element x aus R gibt es genau ein Element –x aus R, für das gilt: x + (-x) = 0
• Kommutativität:
x + y = y + x
2. Gesetze der Multiplikation
• Existenz und Eindeutigkeit des neutralen Elementes: Es gibt genau ein Element
1 von R, für das gilt:
1 * x = x = x * 1
3. Distributivgesetze
Die Menge Ζ der ganzen Zahlen ist zusammen mit der gewöhnlichen Addition und Multiplikation ein kommutativer Ring-mit-1. Ausgehend von den ganzen Zahlen kann man nun zu einer natürlichen Zahl n die Restklassen in Ζ bilden.
Dazu sei x ` Ζ, dann ist
x = {x + m * n m ` Ζ}
die zugehörige Restklasse modulo n.
Die Menge aller Restklassen {x x ` Ζ} bezeichnet man mit Ζ n .
Auf dieser Menge ist nun eine Addition und Multiplikation erklärt durch: ⊕: Ζ n % Ζ n → Ζ n x ⊕ y := z, falls x + y ` z, wenn x ` x und y ` y für x, y ` Ζ. •: Ζ n % Ζ n → Ζ n x • y := z, falls x * y ` z, wenn x ` x und y ` y für x, y ` Ζ.
3
Beweis:
Es seien x und y Elemente aus Ζ n . Außerdem seien x, x‘ ` x und y, y‘ ` y und Repräsentanten aus den jeweiligen Restklassen.
Da x, x‘ ` x bzw. y, y‘ ` y sind, existiert ein m ` Ζ bzw. ein k ` Ζ mit
a) Es sei x‘ + y‘ = z’. Dann ist x‘ ⊕ y‘ = z’.
Es folgt somit: x ⊕ y = x + y = (x‘ + m * n) + (y‘ + k * n) = x‘ + y‘ + n * (m + k)
Damit ist die Addition in Ζ n wohldefiniert.
b) Es sei x‘ * y‘ = z’. Dann ist x‘ • y‘ = z’.
Es folgt somit: x • y = x * y = (x‘ + m * n) * (y‘ + k * n)
Damit ist auch die Multiplikation in Ζ n wohldefiniert.
•
Beweis:
Es seien x, y und z Elemente aus Ζ n .
a) Assoziativgesetz der Addition:
Da das Assoziativgesetz der Addition in Ζ gilt, folgt im Restklassenring Ζ n : x ⊕ (y ⊕ z) = x + (y + z) = (x + y) + z = (x ⊕ y) ⊕ z.
b) Kommutativgesetz der Addition:
Da das Kommutativgesetz der Addition in Ζ gilt, folgt im Restklassenring Ζ n : x ⊕ y = x + y = y + x = y ⊕ x
c) Neutrales Element der Addition:
Da x + 0 = x für alle x ` Ζ ist, so ist auch x ⊕ 0 = x + 0 = x. Also ist 0 das neutrale Element der Addition in Ζ n .
Beweis der Eindeutigkeit:
Es sei 0 = e das nach (*) existierende neutrale Element der Addition. Es sei nun e’
ein Element, für das ebenfalls e’ ⊕ x = x für alle x ∈ Ζ n gilt. Dann ist insbesondere: e’ ⊕ e = e. Aus (*) folgt nun aber auch: e ⊕ e’ = e’. Aus b) folgt dann: e = e’ ⊕ e = e ⊕ e’ = e’, also e = e’. Damit ist die Eindeutigkeit des neutralen Elementes der Addition bewiesen.
4
d) Inverse Elemente der Addition: Da zu jedem x ` Ζ ein Element (-x) ` Ζ existiert mit x + (-x) = 0, so ist auch x ⊕ (-x) = x + (-x) = 0.
Also ist (-x) das inverse Element zu x ` Ζ n .
Beweis der Eindeutigkeit:
Es sei (-x) das nach (**) existierende inverse Element der Addition zu x ∈ Ζ n . Es sei nun (-x)’ ein Element, für das ebenfalls x ⊕ (-x)’ = 0 gilt. Mit a), b), c) und (**) folgt:
(-x)’ = (-x)’ ⊕ 0 = (-x)’ ⊕ (x ⊕ (-x)) = ((-x)’ ⊕ x) ⊕ (-x) = 0 ⊕ (-x) = (-x). Damit ist die Eindeutigkeit inverser Elemente der Addition bewiesen.
e) Assoziativgesetz der Multiplikation:
Da das Assoziativgesetz der Multiplikation in Ζ gilt, folgt im Restklassenring Ζ n : x • (y • z) = x * (y * z) = (x * y) * z = (x • y) • z
f) Kommutativgesetz der Multiplikation:
Da das Kommutativgesetz der Multiplikation in Ζ gilt, folgt im Restklassenring Ζ n : x • y = x * y = y * x = y • x
g) Neutrales Element der Multiplikation:
Da 1 * x = x für alle x ` Ζ, so ist auch 1 • x = 1 * x = x. Also ist 1 das neutrale Element der Multiplikation in Ζ n . Beweis der Eindeutigkeit:
Es sei 1 das nach (***) existierende neutrale Element der Multiplikation.
Es sei nun 1’ ein Element, für das ebenfalls 1’ • x = x gilt für alle x ∈ Ζ. Mit f) und (***) folgt:
Damit ist die Eindeutigkeit des neutralen Elementes der Multiplikation gezeigt.
•
Um diesen Satz zu beweisen, benötige ich im voraus noch eine Definition, die aus der Vorlesung „Algebra I“ bekannt ist.
Beweis zu Satz I.5:
Es sei p eine Primzahl, und es sei a eine natürliche Zahl mit 1 [ a < p. Es ist zu zeigen, daß es eine natürliche Zahl a‘ < p gibt mit a • a‘ = 1.
Dazu betrachte ich die Produkte
Behauptung: Diese Elemente sind paarweise verschieden. Angenommen, es wäre h • a = k • a mit h ! k. Das bedeutet, daß h * a und k * a den gleichen Rest bei Division durch p haben. Also ist h * a – k * a = (h – k) * a durch p teilbar. Da p das Produkt (h – k) * a teilt, folgt, daß p einen der Faktoren teilt. Da jedoch a < p laut Voraussetzung ist, teilt p die Zahl h – k. Ferner gilt aber auch, daß diese Zahl zwischen – (p – 1) und + (p – 1) liegt, denn es gilt h [ p – 1 und k [ p – 1.
Die einzige Zahl in diesem Intervall, die durch p teilbar ist, ist aber die Zahl 0. Daher ist h – k = 0, also h = k. Dies ist aber ein Widerspruch zur Annahme. Also sind die Elemente von (*), die von 0 (= 0 • a) verschieden sind, verschiedene
Elemente von Ζ p \ {0}. Da dies aber p – 1 Elemente sind und da Ζ p \ {0} nur p – 1 Elemente hat, sind das alle Elemente von Ζ p \ {0}.
Daraus folgt, daß jedes Element von Ζ p \ {0} eine Darstellung der Form (*) hat. Insbesondere hat die Zahl 1 eine solche Darstellung. Daher gibt es eine Zahl h ` {1, ..., p – 1} mit
1 = h • a.
Dann ist aber dieses Element h ` Ζ p \ {0} invers zu a.
•
II. Die Einheitengruppe
Um nun auf die Einheitengruppe eines Ringes zu sprechen zu kommen, stelle ich vorweg die benötigten Definitionen zusammen.
Definition II.1:
Eine Gruppe besteht aus einer Menge G zusammen mit einer Verknüpfung Û, die je zwei Elementen aus G wieder ein Element aus G zuordnet, so daß folgende Axiome erfüllt sind:
(G1) Assoziativgesetz
Die Verknüpfung Û ist assoziativ:
(g Û h) Û k = g Û (h Û k) für alle g, h, k ` G.
(G2) Existenz eines linksneutralen Elementes: Es gibt ein Element e aus G, für das gilt:
e Û g = g
für alle g ` G.
(G3) Existenz linksinverser Elemente: Für jedes g ` G gibt es ein Element g -1 aus G, für das gilt:
g -1 Û g = e, wobei e das in b) geforderte neutrale Element ist.
In diesem Fall ist g -1 ein zu g linksinverses Element. Es läßt sich jedoch zeigen, daß g -1 auch rechtsinvers ist, indem man die Eindeutigkeit des neutralen Elements und der inversen Elemente nachweist, wie es im Beweis von Satz II.2. noch folgen wird.
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Wenn zusätzlich das folgende Axiom (G4) gilt, nennt man die Gruppe G kommutativ oder abelsch:
(G4) Für je zwei Elemente g, h ` G gilt:
g Û h = h Û g.
Beweis:
Es sei e das nach (G2) existierende linksneutrale Element.
1. Behauptung: Es gilt g Û g -1 = e, d. h., jedes zu g linksinverse Element ist auch zu g
rechtsinvers.
Dazu sei h = g -1 . Dann ist:
g Û g -1 = e Û (g Û g -1 ) = (h -1 Û h) Û (g Û g -1 ) = h -1 Û ((h Û g) Û g -1 ) = h -1 Û ((g -1 Û g) Û h) = h -1 Û (e Û h) = h -1 Û h = e.
2. Behauptung: Es gilt g Û e = g für alle g ` G, d. h., e ist auch rechtsneutral.
Es ist:
g Û e = g Û (g -1 Û g) = (g Û g -1 ) Û g = e Û g = g.
3. Behauptung: Es gibt nur ein neutrales Element in G.
Es sei e‘ ein Element, für das ebenfalls e‘ Û g = g für alle g ` G gilt. Dann ist insbesondere e‘ Û e = e. Aus 2. folgt e‘ Û e = e‘. Also ist e‘ = e‘ Û e = e.
4. Behauptung: Für jedes g ` G gibt es nur ein zu g inverses Element.
Es sei h ein weiteres zu g inverses Element. Dann gilt h Û g = e. Mit 2. und 1. folgt also h = h Û e = h Û (g Û g -1 ) = (h Û g) Û g -1 = e Û g -1 = g -1 .
•
Quote paper:
Daniela Dossing, 2000, Die Einheitengruppe im Restklassering Z_n, Munich, GRIN Publishing GmbH
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