Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. SPD und Katholizismus - Tendenzen einer Annäherung 3
3. Von „Publik“ zu „Publik-Forum“ 6
4. Die innenpolitischen Debatten in den Anfangsjahren von Publik-Forum
(1972/1973) 11
4.1. Publik-Forum im Jahr 1972 - Das Wahljahr. 11
4.1.1. Der Blick auf die SPD durch „Publik-Forum“ 11
4.1.2. Die CDU in „Publik-Forum“ 15
4.1.3. Illustrationen und Werbung in „Publik-Forum“ 19
4.2. Das Jahr 1973 - die innenpolitischen Diskussionen nach dem
Wahljahr 1972 21
4.2.1. Die SPD im Jahr 1973 21
4.2.2. Die CDU im zweiten Jahrgang von „Publik-Forum“ 23
4.2.3. Allgemeine Veränderungen in dem zweiten Jahr von
„Publik-Forum“ 29
5. Fazit 30
6. Quellenverzeichnis 31
7. Sekundärliteratur 33
1. Einleitung
In der vorliegenden Bachelor-Arbeit werden die innenpolitischen Debatten in den Anfangsjahren von „Publik-Forum“ (1972/1973), mit besonderem Bezug auf die Beiträger über die SPD und CDU, erarbeitet. Hierfür wird zunächst ein Blick auf die 70er Jahre geworfen. Es ist notwendig, die „Öffnung“ der Katholiken zur SPD hin in dieser Zeit zu beleuchten, damit die Veränderungen der Beziehungen zu den verschiedenen Parteien in dieser Zeit deutlich werden. Hierbei wird ein besonderer Schwerpunkt bei der Beziehung zwischen Kirche und SPD gelegt.
Im nächsten Schritt wird die Entstehungsgeschichte der katholischen Zeitung „Publik“ beschrieben. Hier wird dann ein direkter Übergang zur Entstehungsgeschichte des Nachfolgeorgans „Publik-Forum“ gemacht. Über diese Zeitung werden die wichtigsten Details festgehalten. Nun beginnt der Hauptteil der Arbeit: die Untersuchung der innenpolitischen Debatten in den Anfangsjahren von „Publik-Forum“. Dieser Teil der Arbeit hat eine grobe zeitliche Unterteilung, da zunächst das Jahr 1972 untersucht wird, um danach einen Vergleich mit dem Jahr 1973 ziehen zu können.
In beiden Jahren wir zwischen den beiden Parteien CDU und SPD unterschieden, damit diese gegenüber gestellt werden können. Auch wird auf verschiedenste Auffälligkeiten innerhalb „Publik-Forum“ aufmerksam gemacht. Hierzu gehören beispielsweise besonders auffällige Illustrationen, welche den Beiträgen und Artikeln beigefügt worden sind.
Später wird den allgemeinen Unterschieden zwischen den beiden Jahren noch ein weiterer Punkt innerhalb der Arbeit gewidmet, damit Veränderungen deutlich gemacht werden können. Die Materialien, welche für diese Arbeit herangezogen worden sind, bestehen, neben der Sekundärliteratur, größtenteils aus Artikeln und Beiträgen aus der Wochenzeitung „Publik-Forum“. Diese Artikel werden genauer auf ihren Inhalt hin untersucht. Mit besonderem Interesse werden hier allerdings diese Artikel behandelt, welche sich mit der CDU und der SPD auseinandersetzen. Durch die Untersuchung dieser Artikel können
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Unterschiede in der Auseinandersetzung der Autoren von „Publik-Forum“ mit den beiden Parteien festgestellt werden. Deshalb wird die These aufgestellt, dass es unterschiedliche Stimmungen bei der Behandlung der beiden Parteien gab. Weiter kann vermutet werden, dass die Stimmung in „Publik-Forum“ parallel zu der Stimmung katholischer Wähler gegenüber den beiden Parteien verläuft. Hierbei erscheint es als wichtig, auch ältere Zeitungsaufsätze der Zeitschrift „Spiegel“ heranzuziehen, da diese den damaligen „Geist“ dieser Zeit besser widerspiegeln können.
Nach diesen einleitenden Worten, die die Struktur dieser Arbeit transparent machen sollten, beginnt nun der eigentliche Teil der Arbeit.
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2. SPD und Katholizismus - Tendenzen einer Annäherung
Bei einer genauen Untersuchung der innenpolitischen Debatten in den Anfangsjahren von „Publik-Forum“, muss auch die Frage nach der innenpolitischen Situation in dieser Zeit gestellt werden. Die SPD wird in folgendem Abschnitt genauer beleuchtet, da in den Anfangsjahren von „Publik-Forum“ eine Öffnung des Katholizismus hin zu der SPD zu beobachten ist.
Durch eine moderne Politik und ein durchdachtes Nutzen der Medien, gelang es der SPD viele Gruppen der Gesellschaft in Deutschland für sich zu mobilisieren. 1 So konnte die Partei im Wahljahr 1969 ca. 100 000, im Jahr 1972 sogar etwa 150 000 neue Mitglieder für sich gewinnen. 2 Die CDU/CSU wurde in der Folge in die Opposition gegen die sozialliberale Regierung gedrängt. 3
Auch auf kirchlicher Seite kommt es in diesen Jahren zu einer Veränderung im Wahlverhalten. 4 Hier ist deutlich zu erkennen, dass die katholischen Wähler ab dem Jahr 1969, mit steigender Tendenz, immer mehr die SPD wählen. Erst nach 1972 geht dieses Wahlverhalten - zum Nachteil der SPD - wieder zurück. Für diese Umorientierung der katholischen Wählerschaft können verschiedene Gründe gefunden werden: Eine Umorientierung im Wahlverhalten kann beispielsweise damit begründet werden, dass die Katholiken Konflikte mit der Kirche haben. Mit den Konflikten sind hier Anschauungs- und Orientierungskonflikte zwischen Kirche und Katholik gemeint, wie beispielsweise die Frage nach der Kongruenz zwischen kirchlichen und gesellschaftlichen Wertesystemen. Hiermit sind nicht nur diejenigen Christen gemeint, welche ohnehin keine enge Bindung zur römisch-katholischen Kirche hatten, sondern auch diejenigen, welche gegenüber der Kirche treu waren. 5 . Je stärker diese Konflikte nun ausgeprägt sind, desto leichter fällt es dem katholischen
1 Axel Schildt u.a.: Deutsche Kulturgeschichte. Die Bundesrepublik - 1945 bis zur
Gegenwart, München 2009, S. 288.
2 Ebenda.
3 Axel Schildt u.a.: Deutsche Kulturgeschichte, S. 289-290.
4 Karl Schmitt: Konfession und Wahlverhalten in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin
1989, S. 138-139.
5 Gerhard Schmidtchen: Religiöse Legitimation im politischen Verhalten, in: Anton
Rauscher (Hg.): Kirche - Politik - Parteien, Köln 1974, S. 75.
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Wähler, sich politisch neu-, bzw. umzuorientieren. 6 Der Katholik richtete sich nun nicht mehr nach den politischen Vorstellungen der Kirche, sondern nach den Vorstellung der immer mehr säkularisierten Welt und den Medien, deren Einfluss immer größer wurde. Aufgrund der Konflikte mit der Kirche steigt nun die Tendenz bei den Katholiken statt christlicher und damit kirchennaher Parteien, eher die SPD, aber auch die FDP zu wählen. Doch auch aus rein sachlichen Fragen wendeten sich die Katholiken in dieser Zeit der SPD zu. 7 Beispiele hierfür könnten Fragen nach dem Bundeskanzler - Barzel oder Brandt? - sein oder auch die Frage nach der persönlichen Meinung über einzelne Mitglieder der Partei. Bei einer genauen Untersuchung dieser Fragen, kann herausgestellt werden, was genau die Katholiken an der SPD interessant fanden. Deutlich wird, dass die katholische Wählerschaft wenig Wert auf Marktwirtschaftssysteme und wirtschaftlichen Wachstum gelegt hat. 8 Auch bestand keine Angst darin, dass die politische Richtung in der Bundesrepublik immer mehr nach links ging, aber auch Sorgen um die Wirtschaftspolitik standen im Hintergrund. 9 Für die Katholiken war es viel interessanter, dass die Entspannungspolitik im Osten weitergeführt wurde. Auch bestand der starke Wunsch nach Reformen. Eindeutig ist ebenfalls, dass sich die katholischen Wähler ganz deutlich gegen Franz Josef Strauß als Bundeskanzler aussprachen. Sie wollten die Person Willy Brandt als Bundeskanzler. 10 Dies führt zu einem weiteren Grund für eine Umorientierung.
Ganz klar stellten sich die katholischen Wähler gegen Strauß und Rainer Barzel, wie die allgemeine Unbeliebtheit beider Politiker der CDU/CSU im Jahr 1972 beweisen. 11 Aufgrund dieser Unbeliebtheit der politischen Führung der CDU/CSU, mussten sich die Katholiken gegen Christdemokraten stellen.
6 Gerhard Schmidtchen: Religiöse Legitimation im politischen Verhalten, S. 75.
7 Gerhard Schmidtchen: Religiöse Legitimation im politischen Verhalten, S. 87.
8 Gerhard Schmidtchen: Religiöse Legitimation im politischen Verhalten, S. 91-92.
9 Ebenda.
10 Gerhard Schmidtchen: Religiöse Legitimation im politischen Verhalten, S. 92.
11 Werner Kaltefleiter: Zwischen Konsens und Krise. Eine Analyse der Bundestagswahlen
1972, in: Ferdinand A. Hermens u.a. (Hg.): Verfassung und Verfassungswirklichkeit Bd. 7,
Köln 1973, S. 47.
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Der SPD gelang mit Willy Brandt das genaue Gegenteil: sie hatten mit Brandt einen „weltgewandte[n], charismatische[n] Führer“. 12 Die Popularität Brandts wurde durch eine äußerst durchdachte Wahlkampagne gestützt. 13 So konnte sich der Wahlkampf 1972 zu dem Höhepunkt der Popularität Brandts entwickeln. Brandt wurde hierbei zu einer Symbolfigur für all das, wofür die SPD und ihre Politik stehen wollten. Hierzu gehörten unter anderem innere Reformen und eine Außenpolitik, die ausschließlich von der Ostpolitik dominiert wurde. Er entwickelte sich zu einem Hoffnungsträger, Reformer und Staatsmann. 14 Brandt wurde hier zu einer Ikone dieser Zeit und stand für ein neues und besseres Deutschland. Die Werbestrategen der SPD hatten nun die Aufgabe, dieses in der Öffentlichkeit dominierende Image Brandts aufzunehmen und dieses in ihrer Werbung weiter umzusetzen. Deutlich wird hierbei, dass die Medien nun eine große Rolle bei der Meinungsfindung der Wählerschaft spielten. Die SPD nutzte nun intensiver und gezielter die Medien als eine Plattform für ihre Werbung aus - auch deshalb scheint eine Untersuchung einer Zeitschrift in dieser Zeit interessant.
Brandt war weiter für die deutschen Sozialdemokraten schließlich nicht zuletzt deshalb interessant, da er die Arbeit an dem Godesberger Programm intensivierte. Letzteres konnte im November 1959 auf dem Parteitag von Bad Godesberg vorgelegt werden. 15 Durch das Bestreben nach einem neuen Programm wird deutlich, dass nicht nur extern, sondern auch intern, innerhalb der SPD, eine Neuorientierung vonstatten ging - die erwähnten neuen Wählergruppen sollten gewonnen werden. 16 Besondere Beachtung verdient hier das veränderte Verhältnis zur Kirche. In dem Godesberger Programm wurde nämlich bekannt gegeben, dass die SPD bereit zu einer „Zusammenarbeit […] im Sinne einer freien Partnerschaft“ wäre. 17 Die Partei versuchte demnach die katholische Bevölkerung anzusprechen und versuchte weiterhin eine anti-kirchliche Haltung innerhalb der Partei zu
12 Axel Schildt u.a.: Deutsche Kulturgeschichte, S. 288.
13 Daniela Münkel: Willy Brandt und die „Vierte Gewalt“. Politik und Massenmedien in
den 50er und 70er Jahren, Frankfurt 2005, S. 273.
14 Daniela Münkel: Willy Brandt und die „Vierte Gewalt“, S. 281.
15 Wilhelm Damberg: Konzil und politischer Wandel. Johannes XXIII., John F. Kennedy
und das Godesberger Programm, in: Orientierung 61, S. 256.
16 Ebenda.
17 Ebenda.
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Arbeit zitieren:
Claudia Löb, 2010, Die innenpolitischen Debatten in den Anfangsjahren von „Publik-Forum“ (1972/1973), München, GRIN Verlag GmbH
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