Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Entnazifizierung in der amerikanischen Besatzungszone 2
2.1. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus 2
2.2. Die Grundphasen der Entnazifizierung 3
2.3. Die amerikanische Besatzungszone 5
2.4. 2.4 Die deutschen Spruchkammern. 7
2.5. Musste die Entnazifizierung des Nachkriegsdeutschlands scheitern? 10
3. Die Entnazifizierung von Wissenschaftler und Techniker am Beispiel der Kaiser-
Wilhelm -/Max-Planck-Gesellschaft. 13
3.1. Die Entnazifizierung in der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft 13
3.2. Die KWG/MPG als „scientic community“ 14
3.3. Die Entnazifizierung in der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft 15
3.4. Der Rechtfertigungskurs der Wissenschaft 16
3.4.1. Der Beklagte widmete sich ausschließlich der Forschung. 17
3.4.2. Der Beklagte war kein politischer Aktivist 17
3.4.3. Der Beklagte trat rein aus Interesse an seiner eigenen Karriere in die Partei ein
18
3.4.4. Der beklagte Wissenschaftler trat aus reinem Pflichtgefühl gegenüber der
Wissenschaft in die NSDAP ein. 18
3.4.5. Der Beklagte habe aus kollegialer Solidarität gehandelt 18
3.4.6. Der Betroffene leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus 19
3.5. Die institutionelle Rechtfertigungsstrategie - Die Zugehörigkeit zur Kaiser-
Wilhelm -/Max-Planck-Gesellschaft. 19
4. Fazit. 20
5. Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Entnazifizierung von Technikern und Wissenschaftlern in der frühen Nachkriegszeit. Zunächst wird ein Blick auf die Entnazifizierungsprozesse in der amerikanischen Besatzungszone geworfen, um ein Vorverständnis über die politische Säuberung zu erlangen.
Danach wird als konkretes Beispiel für die Entnazifizierungsmaßnahmen bei Wissenschaftlern und Technikern das Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Institut herangezogen. Hierbei wird auch die Frage nach Rechtfertigungsstrategien der Wissenschaftler gestellt. In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, die Frage zu klären, ob die verschiedenen Besatzungszonen (am Beispiel der amerikanischen Besatzungszone) früher oder später zwischen ihren politischen Säuberungszielen und dem Bedarf an Wissenschaftlern und Technikern für den Wiederaufbau entscheiden mussten.
1
2. Die Entnazifizierung in der amerikanischen Besatzungszone
2.1. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
Für einen demokratischen Aufbau der deutschen Gesellschaft war eine produktive Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus unabdingbar. 1 In der Realität allerdings hatte diese Auseinandersetzung nur partiell stattgefunden. Die Besatzungsmächte ordneten jeweils an, wie nationalsozialistische Verbrecher bestraft werden sollten und wie es gelingen könne, den Nationalsozialismus aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Leben zu entfernen. Die Besatzungsmächte entschieden, dass Nationalsozialisten aus ihren jeweiligen Ämtern entlassen werden sollten, brachen diese Vorgehensweise jedoch schnell. 2 Nationalsozialisten, welche in einer NS-Organisation auf mittlerer, bzw. höhere Ebene tätig waren, wurden verhaftet. Direkt an Kriegsverbrechen Beteiligte wurden sogar in Internierungslagern festgehalten. Nach und nach entwickelte sich hierbei ein ordentliches Überprüfungsverfahren, durch welches das Ziel angestrebt wurde, die Wirtschaft und das öffentliche Leben personell zu säubern. Eine Ambivalenz zwischen entstehenden Wirtschafts-und
Versorgungsproblemen und den angestrebten Zielen schränkte die Säuberungs-Politik der Alliierten jedoch schnell ein. 3 Der wirtschaftliche Aufbau wurde hierbei vor die Entnazifizierung gestellt. Wie genau die Säuberungs-Politik der West-Alliierten, genauer der Amerikaner, aussah, wird nun im Folgenden erläutert.
1 Gerhard Brunn: Die Zeit der Krise 1914-1955, in: Detlef Briesen u.a. (Hg.): Gesellschafts-
und Wirtschaftsgeschichte Rheinlands und Westfalens, Köln 1995,S.191.
2 Ebenda.
3 Ebenda.
2
2.2. Die Grundphasen der Entnazifizierung
Den Alliierten ging es in ihrer Politik nicht zentral um die Wissenschaften. Dies wird dadurch bewiesen, dass wissenschaftliche Belange nur indirekt durch bestimmte Maßnahmen tangiert wurden. 4 Klar ist, dass die Entnazifizierung im Hochschulbereich nicht durch den Wunsch nach einer umfassenden Kontrolle über die wissenschaftlichen und technischen Ressourcen vorangetrieben wurde, sondern eher aus dem Bestreben nach Sicherheit. Diese jedoch hing gleichsam mit einer großrahmigen politischen Säuberung zusammen. Nur durch eine groß angelegte Säuberung des öffentlichen Lebens konnte eine Demokratisierung der deutschen Gesellschaft erreicht werden. 5
Die Feststellung, dass die Wissenschaft kein zentraler Gegenstand der alliierten Politik war, steht allerdings im Widerspruch mit den Ausbeutungs-und Rekrutierungsprogrammen der Alliierten. Auf amerikanischer Seite kann hier beispielsweise die „Operation Paperclip“ genannt werden. Hier wurde noch im Sommer 1945 die erste Gruppe von Wissenschaftlern in die USA rekrutiert.
In dem Zusammenhang einer umfassenden Säuberung, verbunden mit zahlreichen Ausbeutungsprogrammen können vier verschiedene Phasen ausgemacht werden.
Die erste Phase verlief vom Anfang der Besatzung durch die Alliierten bis zum Sommer 1945. Diese Phase war gekennzeichnet durch spontane Plünderungen aus den Bereichen der Universitäten und Kaiser-Wilhelm-Institute, sowie einer Demontage und dem Transfer von Instrumenten und sonstigen Gerätschaften, kombiniert mit Festnahmen und Evakuierungen ausgewählter Wissenschaftlern und Technikern. 6 So nahmen die Amerikaner beispielsweise im Sommer 1945 mehr als 100 Chemiker und andere Naturwissenschaftler aus den Universitäten in Halle und Leipzig heraus.
4 Mitchel G. Ash: Verordnete Umbrüche - Konstruierte Kontinuitäten: Zur
Entnazifizierung von Wissenschaftlern und Wissenschaften nach 1945, in: ZfG 7 (1995),
S.906.
5 Ebenda.
6 Ebenda.
3
Die zweite Phase umfasste die Zeit von Herbst 1945 bis Frühjahr 1946 und stellt den Anfang der eigentlichen Entnazifizierung dar. 7 Diese Phase war gekennzeichnet von einem ständigen Hin und Her zwischen den alliierten Kontrolloffizieren und den deutschen Wissenschaftlern und
Verwaltungsangehörigen. Hier wurde die Eigenständigkeit der Universitäten gestützt und ehemaliger NSDAP-Mitglieder wurden entlassen. Hierbei kam es zu Massenentlassung seitens der Alliierten, allerdings auch zu freiwilligen Maßnahmen auf der deutschen Seite. 8
Die dritte Phase leitete die größte Ausbeutungs-und
Evakuierungsoperationen der Alliierten ein. Sie beginnt im März 1946 in der amerikanischen Besatzungszone mit der Propagierung des „Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“. 9 Später begann diese Phase dann auch in der britischen Zone. Die Transferleistungen der Wissenschaft an die Alliierten wurden gewährleistet durch das Abschlussprotokoll der Potsdamer Konferenz, da dieses die Entnahme von Reparationen in der jeweiligen Besatzungszone erlaubte. 10
Die letzte Phase entstand durch die Komplikationen, welche aus den vorhergegangen Phasen resultierten. Hier kam es zu einer formalen Beendigung der Entnazifizierung. Nach und nach kehrten viele so genannte nominelle NSDAP-Mitglieder oder als Mitläufer eingestufte
Wissenschaftler in ihr akademisches und wissenschaftliches Leben zurück. 11
7 Ash: Verordnete Umbrüche - Konstruierte Kontinuitäten, S.907.
8 Ebenda.
9 Ebenda.
10 Ebenda.
11 Ebenda.
4
Arbeit zitieren:
Claudia Löb, 2010, Entnazifizierung von Wissenschaftlern und Technikern in der frühern Nachkriegszeit am Beispiel der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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