Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Die Raumkonzeptionen in Bad Wimpfen und Basel 2
1.1 Das Museum im Steinhaus Bad Wimpfen 2
1.2 Das Museum Kleines Klingental in Basel 4
2 Ein Vergleich verschiedener Ausstellungskataloge 6
2.1 Der Katalog „Baukunst der Romanik in Sachsen-Anhalt“ von 1994 6
2.2 Der Katalog „Canossa 1077. Erschütterung der Welt“ von 2006 7
2.3 Der Katalog „Abglanz des Himmels. Romanik in Hildesheim“ von 2001 8
Fazit 10
Literaturverzeichnis
Abbildungsnachweis
Abbildungen
Einleitung
Die Ausstellung romanischer Bauskulptur ist zunächst nicht einfach zu gestalten, da die Bauskulpturen meist zur Ausschmückung dienend an Gebäudefassaden angebracht sind oder als Innen- bzw. Binnendekoration so in Räume integriert sind, dass es als nicht richtig erscheint, die Elemente vom Ursprungsort zu entfernen. Doch in vielen Fällen wird dies notwendig, wenn Bauskulptur z. B. vor der Witterung geschützt, durch Beschädigungen erneuert oder durch Kopien ersetzt werden muss und besonders um die einzelnen Elemente, welche für den Betrachter unerreichbar sind, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1 Zur Ausstellung der einzelnen Werke selbst ergibt sich die Problematik, dass die Bauskulpturen nur in erschwerter zeitlicher Rekonstruktion genau datiert werden können und oftmals auch Fehldatierungen geschehen, sodass die zeitliche Eingliederung in Ausstellungen nicht immer erreicht werden kann und deshalb die Objekte undatiert oder in einen temporalen Rahmen ausgezeichnet werden.
Meine Fragestellung lautet: Ist es möglich, romanische Bauskulptur so auszustellen, dass die Beziehung zum Ursprungsort nicht verloren geht und dass der Betrachter bei der Schwierigkeit der wenigen Datierungsmöglichkeiten einen Überblick über die Epoche und deren Werken erhält?
Im Folgenden möchte ich zwei Ausstellungsorte betrachten, um diese im Hinblick auf ihre Raumkonzeptionen für romanische Bauskulptur zu analysieren. Dabei werde ich vor allem die Vor- und Nachteile der Aufstellung und Inszenierung herausarbeiten, um auch mögliche Verbesserungen vornehmen zu können.
Daran anschließend ist es von Bedeutung, auch Ausstellungskataloge zu untersuchen, da sie teilweise zur Ausstellung selbst erforderlich sind, in verschiedenen Formen und Ausführungen vorliegen können und deshalb mit besonderem Bedacht gewählt werden müssen. Aus diesem Grund möchte ich drei unterschiedliche Ausstellungskataloge zur romanischen Bauskulptur vorstellen und analysieren.
Doch zuerst widmen wir uns den beiden Ausstellungskonzeptionen zur romanischen Bauskulptur in Bad Wimpfen und Basel.
1 Die Gründe der Ersetzung der Originalen durch Kopien am Bau werden thematisiert in Gotische Skulpturen des
Basler Münsters. Museum Kleines Klingental. Ausstellungsführer Bd. IV. Basel 2006. S. 7.
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1 Die Raumkonzeptionen in Bad Wimpfen und Basel
1.1 Das Museum im Steinhaus Bad Wimpfen
Das Museum im Steinhaus in Bad Wimpfen beherbergt zwei größere Räume, in denen Bauskulptur ausgestellt wird. Allgemein werden in diesen als Dauerausstellung mit Schwerpunkt auf die Kaiserpfalz und die hohen Staufer auch die Jungsteinzeit, die Römerzeit und verschiedene Steinmetz- und Keramikkünste 2 behandelt, somit unterschiedliche Bereiche in einen Raum vereint.
Im Erdgeschoss des Museums (Abb. 1) befinden sich die Exponate zur Römerzeit, in welchem vor allem die Funde aus Ausgrabungen in und um Bad Wimpfen zugänglich gemacht werden. Obwohl der Raum keine romanischen Werke zeigt, möchte ich ihn trotzdem vorstellen, um einige positive und negative Aspekte einer Ausstellungskonzeption darlegen zu können. Die erste Abbildung (Abb. 2) ist ein gutes Beispiel für eine genau nachgestaltete Präsentation. Hier werden die Proportionen, die Größenverhältnisse und das ursprüngliche Aussehen der Figuren dargestellt, und zwar verdeutlicht durch die Höhe der Anbringung der Fragmente und durch die Nachzeichnung der fehlenden Teile und Abschnitte. Die Beschriftung befindet sich am Boden und dient der genaueren Information über die Figurengruppe, welche auf einem Podest erhöht steht und durch diese Einrahmung als Gesamtkomplex ausgezeichnet wird. Die Komposition ist von hinten nach vorne ausgebreitet, um alles in einem einzigen Blick vereinen zu können. Durch die Beleuchtung der wenigen Spotlights an den Ecken der Raumdecke wird zusätzlich die Oberflächenbehandlung der Fragmente ersichtlich. Doch werden insgesamt keine Werke im Besonderen ausgeleuchtet oder explizit dadurch ausgezeichnet, wie wir es in Basel im Kapitel 1.2 sehen werden.
Im zweiten Abbildungsbeispiel (Abb. 3) ist die Plastik frei stehend, d. h. es ist möglich, dass man um sie herum gehen kann. Aufgrund der Verbindung von natürlicher und künstlicher Lichtquellen, also kleiner Fenster und den Deckenlampen, wird ein hell erstrahlter Raum geschaffen, der allerdings, abgesehen von den eigens beleuchteten Vitrinen, unbedeutend und die wie eine einheitliche, nicht in Szene gestellte Präsentation wirkt. Deshalb erscheinen die Vitrinen wie besonders vorgestellt und etwas mehr hervorgehoben, d. h. sie wirken wichtiger oder wertvoller als die frei im Raum positionierten Säulen oder Skulpturen. Besonders interessant ist hier die Kombination unterschiedlicher Innenwände, demnach alter und unbehandelter sowie neuer und verputzter Mauern, das etwas Schönes und Besonderes an sich hat. Denn nur durch die
2 Die Informationen zum Ausstellungsinhalt sind entnommen von der Homepage von Bad Wimpfen:
http://www.badwimpfen.de/showpage.php?SiteID=119&sn=1&lang=1. Stand: 19.09.2010.
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Erhaltung der Wand aufgrund der Fenster kann man auch allgemein die ehemalige Mauer besser betrachten, sodass sie eine Beziehung zum Rest der Ausstellung herstellt. Die dritte Präsentation (Abb. 4) ist ein tolles Beispiel, ähnlich wie im ersten Bild, für eine getreue Nachahmung des Originalaussehens der Skulpturen. Allerdings werden hier die fehlenden Teile nicht nachgezeichnet, sondern die Fragmente so gerahmt, dass die Originalproportionen im direkten Vergleich miteinander veranschaulicht werden können. Bei dieser (Abb. 5) und bei der nächsten Präsentation stellt sich jeder sofort die Frage, weshalb das Werk genau an dieser Stelle positioniert wird. Es scheint wohl unwichtig zu sein, weil es, zwar passend, aber dennoch in der Ecke und etwas im Dunkeln steht. Und da hier keinerlei Beschriftung zu finden ist, bleibt diese Frage ungeklärt. Auch bei diesem Beispiel (Abb. 6), wie bereits angekündigt, weiß man nicht genau, was man damit anzufangen hat. Allgemein gibt es die Annahme, dass man auf die Vollständigkeit bei Stückesammlungen verzichtet, wenn sie hochwertig sind, 3 deshalb bleibt die Säule hier im angebrochenen Zustand, um sie so zur Betrachtung frei zu geben. Der Aufstellungsort an der Wand, isoliert von anderen Säulen, lässt vermuten, dass die Zugehörigkeit zu anderen Säulen demnach nicht gegeben sei. So bleibt man auch in diesem Fall unaufgeklärt, weil auch hier keine Beschriftung angesetzt wurde.
Kommen wir nun schon zum letzten Beispiel (Abb. 7) für das Erdgeschoss in Bad Wimpfen. Es ist eines der wenigen Werke, die in der Mitte eines Raumes platziert wurde. Da das Werk dreidimensional ansichtig ist, bietet es sich an, dieses auch IN den Raum zu stellen, damit es auch heute wie damals von allen Seiten betrachtet werden kann. Die Beschriftung ist auf dem Boden angebracht, sodass eine Hauptansicht vorbestimmt ist. Da es etwas erhöht steht, kann man sich das Werk auch genauer ansehen, ohne in gebückter Haltung verharren zu müssen, was für die Betrachtung ein großer Vorteil ist.
Im Obergeschoss des Museums werden Objekte aus der Stauferzeit präsentiert und, was sehr bedeutsam ist, die originalen Arkadensäulen (Abb. 8), welche durch ihre poröse und damit schlechte Beschaffenheit durch Kopien ersetzt wurden. Diese sind im Museum in Originalhöhe und Originalabstand angebracht. In den Glasvitrinen davor (Abb. 9) sind Fotos und Aufzeichnungen mit Informationsmaterial über diese Säulen untergebracht. Besonders die sich
3 Diese Formulierung bezieht sich auf die Aussage in Vieregg, Hildegard: Museumswissenschaften. Paderborn
2006. S. 27. Dort heißt es: „Es geht also letztendlich nicht um die Anzahl gesammelter Objekte, sondern
wesentlich um ihren ideellen Wert, Erhaltungszustand, wissenschaftliche Bedeutung, museologische Bezüge und
ihre gesellschaftliche Relevanz.“
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darin befindenden Fotos sind wichtig für den Betrachter, da der Ursprungsort für die Besucher zum Teil leider nicht zugänglich ist, sodass die Proportionen und die Wirkung lediglich durch Farbaufnahmen wiederhergestellt werden können, was in diesem Falle ein positiver Aspekt ist. Im letzten Abbildungsbeispiel von Bad Wimpfen (Abb. 10) sieht man eine gut erhaltene Säule, welche durch eine seitlich platzierte Beschriftung und Erklärung auf Kunststoff etwas hervorgehoben wird. Genau so etwas hätte man sich auch für die gesamte Ausstellung gewünscht, um weniger verwirrt, sondern mehr informiert werden zu können. In Bad Wimpfen gibt es folglich kein wirkliches oder ersichtliches Raumkonzept. Die Ausstellung dient lediglich der Gruppierung ähnlicher Werke, die thematisch zusammen gehören, welche dadurch eine Einordnung oder Orientierung innerhalb der Ausstellung bieten. Dennoch ist alles sehr unübersichtlich und es kommt schnell die Frage auf, weshalb eine Säule hier und eine Vitrine dort steht, sodass ein Roter Faden schwer zu finden ist. Deshalb ist es wünschenswert, entweder mehr Informationstafeln vorzufinden, oder wenigstens, falls die Infos zu gering sind, ein Handbuch zum Rundgang zu erhalten, um die einzelnen Zusammenhänge besser verstehen zu können.
Um zu zeigen, wie romanische Bauskulptur auch anders präsentiert werden kann, möchte ich im Folgenden das Museum Kleines Klingental in Basel vorstellen und genauer betrachten.
1.2 Das Museum Kleines Klingental in Basel
Das Museum beherbergt zwei große Säle, die dem Publikum zugänglich gemacht sind: das große Refektorium und die Küche des einstigen, 1274 gegründeten Dominikanerinnen-Klosters 4 . In diesen werden romanische und gotische Werke präsentiert.
Im Erdgeschoss, dem Refektorium, (Abb. 11) ist der Raum ganz anders aufgebaut als es in Bad Wimpfen der Fall ist. Der Raum ist klar strukturiert und auch durch die Beleuchtung effektvoll in Szene gesetzt. Doch braucht man einen Katalog, um den Rundgang der Ausstellung beginnen zu können, da es keinerlei Beschriftung gibt und man so nicht wüsste, was sich vor einem befindet. Der Katalog selbst ist handlich in kleinem Format, der Text ist gut zu lesen und sehr verständlich. Die Scheinwerfer, die nach oben leuchten, stehen jeweils zwischen den einzelnen Werken und erhellen den Raum, vor allem aber den Bereich der Skulpturen. Diese stehen allesamt, abgesehen von einem Reiter ganz hinten, auf ein hohes senkrecht platziertes
4 Teilzitiert nach Gotische Skulpturen des Basler Münsters, S. 7.
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Podest und werden ohne Bezug zu ihrem Ursprungsort präsentiert, also isoliert und zusammenhangslos.
Der Raum selbst ist sehr groß, hat eine niedrige Decke und wird von zwei senkrecht stehenden Balken gestützt, welche den Raum optisch minimieren und vor allem in zwei Bereiche trennt. Der Ausstellungsraum ist dadurch auch strukturiert, doch werden nur die Wände ausgenutzt und nicht der mittlere Bereich. Besonders dort hätte man aufklärende Info-Tafeln platzieren können. Die Klosterküche (Abb. 12) im Erdgeschoss ist genauso aufgebaut wie der vorige Raum, nur befinden sich die Leuchter dieses Mal an der Decke, sodass nicht der Raum z w i s c h e n den Werken, sondern die Werke s e l b s t besser beleuchtet werden. Die Lichtquellen von oben erzielen damit eine deutlichere Erhellung als im Refektorium, da hier die Objekte nicht im Dunkeln verbleiben, was das genaue betrachten um Einiges erleichtert. Im Obergeschoss des Museums befindet sich ein bemerkenswert gestalteter Ort (Abb. 13), in welchem die Gegenstände richtig in Szene gesetzt werden. Es wirkt, als seien sie Teil eines Bühnenerlebnisses, welches auch besonders durch die ausgewählte punktuelle Ausleuchtung oder besser Beleuchtung verstärkt wird. Was irgendwie zusammengehört wird auch zusammen beleuchtet. Alles ist auf Tischen präsentiert und an der Wand entlang gereiht. Der Rest verschwindet im Dunkeln. Es wirkt wie Powerpoint-Präsentation, welche einen schwarzen Hintergrund hat, in dem schließlich das zu behandelnde Werk aufleuchtet. Das Scheinwerferlicht, welches sehr hell ist, ermöglicht ein genaues und detailliertes Betrachten der Oberfläche der Stücke, was für eine Skulptur-Ausstellung von großer Bedeutung ist. Im Vordergrund erstreckt sich das Basler Stadtmodell. Rechts sieht man das Basler Münster, „dessen Skulpturen hier ausgestellt“ 5 werden. Links hinten sieht man das Museum, dessen Räume für die Ausstellung hergerichtet wurden. Diese beiden wichtigen Orte werden noch einmal explizit hervorgehoben, indem sie extra beleuchtet werden. Die Figuren im nächsten Raum (Abb. 14) dienten ursprünglich als Säulenträger und werden deshalb nebeneinander aufgereiht präsentiert. Auch diese sind erhöht positioniert, um sie besser zu sehen und auch diese werden extra beschienen, damit die Oberflächen genau untersucht werden können.
5 Zitiert nach Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental. Ausstellungsführer Bd. I., Basel
1998. S. 15.
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Das Konzept von Basel erweist sich als besonders gelungen, da die Idee „die originalen Kunstwerke möglichst ungestört wirken zu lassen“ aufgeht und das Gefühl zurücklässt, alles Wichtige der Ausstellung mitgenommen zu haben, was ja das Ziel eines jeden Ausstellungsbesuchs ist. In Basel zeigt sich, dass ein Konzept eine große Wirkung erzielen kann und besonders durch klar strukturierte Räume einen Eindruck verschafft, der eine optimistische und positive Zukunft von Bauskulptur-Ausstellungen erwarten lässt. Doch gerade bei Ausstellungen o h n e Info-Tafeln sind die Katalogtexte in Museums- und Ausstellungsführer von großer Bedeutung, welche ich im Folgenden behandeln möchte.
2 Ein Vergleich verschiedener Ausstellungskataloge
2.1 Der Katalog „Baukunst der Romanik in Sachsen-Anhalt“ von 1994
Dieser Katalog behandelt die romanische Baukunst in Sachsen-Anhalt. Er dient als Touristenführer entlang der sogenannten „Straße der Romanik“ 6 durch Sachsen-Anhalt, anhand dessen man die verschiedenen Stationen der regional gestalteten Ausstellung besuchen kann. Der Katalog bietet keinen umfassenden, aber dennoch guten Einblick in die romanische Baukunst der Region. Als Einführung gedacht, spaltet er sich mit den weiteren Kapiteln immer mehr in genauere und detailliertere Wesensmerkmale der Epoche, was die Überschriften verdeutlichen: Reichs- und Kirchenpolitik; Die Romanik; Pfalzen und Burgen; Der Kirchenbau in ottonischer Zeit; früher romanischer Kirchenbau; Klöster usw.
Der Band ist somit gut strukturiert und sehr leicht zu lesen. Da er als Touristenführer gedacht ist, muss er auch leicht zu lesen sein, damit jeder etwas mit den Texten (Abb. 15) anfangen kann; doch sind natürlich auch Fachbegriffe wichtig. Diese werden verständlich erklärt, damit man nicht nur als Kunsthistoriker weiß, wovon genau die Rede ist, was das folgende Beispiel verdeutlichen soll:
„Der Begriff „Romanik“ bezeichnet den ersten sich in ganz Europa ausbreitenden Epochenstil. In Deutschland umfasst er die Zeitspanne von der Mitte des 11. Jahrhunderts bis zum angehenden 13. Jahrhundert, wobei die Grenzen fließend sind. […] Zwar betont die im 19. Jahrhundert geprägte Bezeichnung „Romanik“ die formale Übernahme altrömischer Elemente: des Rundbogens, der Säule oder der Arkadenfolge, […]“ 7
Mit dem Verlauf des Buches gehen die Texte immer mehr in die Materie der Ausstellung hinein, mit jedem Kapitel vertieft man seine Kenntnisse in jener Region, was für den interessierten Leser
6 Diese Bezeichnung ist allgemein gültig und entnommen aus Lademann, Jördis: Baukunst der Romanik in
Sachsen-Anhalt. Straße der Romanik. Ausstellung im Altmärkischen Museum Stendal vom 30.04. bis
07.08.1994., Braunschweig 1994. S. 5.
7 Zitiert nach Jördis Lademann: Baukunst der Romanik in Sachsen-Anhalt, S. 18.
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vorerst einiges an Bücher-Wälzen erspart. Gewiss dient das Werk nur der Einführung, doch sind die wesentlichen Informationen vorhanden und dazu leicht verständlich. Die Bilder sind in dem jeweiligen Kapitel untergebracht, in dem es passt und auch nummeriert, doch leider nicht im Text erkennbar gemacht, was die Bilderzuordnung beim Lesen etwas erschwert. Besser wäre demnach die bestimmten Bildverweise in den Text einzugliedern. Da der Band nicht besonders dick ist und ein sehr weit gestecktes Gebiet behandelt werden muss, ist es verständlich, dass der Katalog nicht besonders umfangreich sein kann, trotzdem wird der Führer den gewünschten Anforderungen gerecht.
2.2 Der Katalog „Canossa 1077. Erschütterung der Welt“ von 2006
Dieser Katalog erscheint im ersten Moment etwas unhandlich und schwer; und das ist er auch. Allerdings sieht er nur so trocken und langweilig aus, denn wenn man hinein schaut, freut man sich über die kurzen und knapp informierenden Texte. Der Katalog erinnert vom Aufbau an ein Lexikon, da, wie gerade erwähnt, die einzelnen Werke in halbseitigen Spalten, also kurzen Abschnitten, erklärt werden. Jeder Abschnitt oder „Lexikon-Eintrag“ behandelt fast immer die gleichen Kategorien: Allgemeine Infos (wie Datierung, Herkunftsort, Maße, Standort etc.); eine kurze detaillierte Beschreibung des zu behandelndes Werkes; die mögliche Zugehörigkeit (wie die Zeit oder der Baumeister); dann Vergleichsmöglichkeiten; eine aktuelle Einordnung/Forschungslage; wenn möglich, die Provenienz; schließlich Literaturhinweise. Dies soll anhand eines Beispiels verdeutlicht werden: (Abb. 16)
„Die Basis mit einem Teil des Säulenschaftes kam unter dem Abbruchschutt der Pfalz aus der Zeit Bischof Meinwerks (1009-1036) zutage. Die kleinen Dimensionen lassen annehmen, dass sie in einem anderen Gebäude eingesetzt war, das in Verbindung mit der königlichen Anlage mit Aula und Kapellen stand. Auf einer niedrigen quadratischen Plinthe befindet sich eine attische Basis, die aus einem unteren, bandartig abgeflachten Wulst, einer tiefen, nach oben eingezogenen Kehle und einem oberen Wulst gebildet ist, der etwa halb so hoch ist wie der untere und einen geringeren Durchmesser als jener hat. […]“ 8
Insgesamt sind die einzelnen „Lexikon-Einträge“ auch in übergeordneten Themenbereichen gegliedert. Zu fast jedem Eintrag gibt es auch ein hochwertiges Bild, um der Beschreibung folgen zu können.
Insgesamt ist dieser Katalog sehr gut zur schnellen Kenntnisnahme der wichtigsten Informationen über eine Bauskulptur geeignet und besonders durch die Literaturhinweise sehr zu empfehlen, um einen sofortigen Einstieg in die Materie zu gewähren. Aber trotz allem gibt es
8 Zitiert nach Canossa 1077. Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik.
Bd. II. Hrsg. von Christoph Stiegemann und Matthias Wemhoff. München 2006. S. 228.
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keine einleitenden Worte zu diesem Katalog, auch wenn es der zweite von zwei Bänden ist, und man erkennt auch nicht, an wen sich dieser richtet oder welches Ziel dieser hat, was ein großes Manko dieses Bandes ist. Doch wie gesagt, ist dieser ansonsten recht gut für einen schnellen Zugang zu den Objekten geeignet, da man innerhalb eines knappen Textes alle Informationen erhält, die für den ersten Einstieg wichtig sind.
2.3 Der Katalog „Abglanz des Himmels. Romanik in Hildesheim“ von 2001
Dieser sehr umfangreiche Katalog ist genau so wie er im ersten Moment erscheint, wenn man ihn in die Hand nimmt: sehr tiefgründig, detailliert und mit wenigen Farb- und vielen sehr guten Schwarz-Weiß-Fotos versehen, was an diesem Band besonders schätzenswert ist. Allerdings eignet sich dieser nicht als Einführung in einen Themenbereich, da er sehr fundiertes Fachwissen voraussetzt und eine Ansammlung von Forschungsbeiträgen enthält.
Die Texte sind sehr wissenschaftlich und sehr lang. Wenn man also zu einem bestimmten Thema eine Hausarbeit schreiben möchte, ist diese Art von Katalog dazu auf jeden Fall hilfreich, was ein anschließender Auszug veranschaulichen soll: (Abb. 17)
„Die bronzenen Türflügel und die Säule aus der Zeit Bischof Bernwards (993-1022) sind als herausragende Leistungen der mittelalterlichen Kunst Hildesheims weltweit berühmt. Denn sie trugen maßgeblich dazu bei, dass der Dom wie auch die Michaeliskirche von der UNESCO 1985 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.
Die künstlerischen Leistungen im 12. Jahrhundert wurden indes bislang weniger stark wahrgenommen. Beschäftigt man sich genauer mit dem Thema, erkennt man, dass es in Hildesheim gerade zu dieser Zeit eine rege Bautätigkeit gegeben hat, die ebenfalls reichen und hochbedeutenden bildnerischen Schmuck hervorgebracht hat. Vieles ist allerdings heute verloren: So macht man sich selten bewusst, wie stark manche mittelalterliche Kirche seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts umgestaltet wurde (vgl. Beitrag Schädler-Staub). […]“ 9
Die abgebildeten Fotos, welche nummeriert sind, werden auch im Text erwähnt und sind durch die Verweise mit Abbildungsnummern sehr leicht zu verfolgen. Im Anhang an jeden Text werden noch zusätzliche Bilder gezeigt, die thematisch dazu passen und werden in einem extra Textteil kurz erläutert.
Der Katalog behandelt die romanischen Werke in Hildesheim. Er hat also genügend Platz um ausreichend und sehr tief in die Themen einzusteigen, sodass daraus solch wissenschaftliches Material entsteht. Er ist somit kein Museumsführer, sondern ein Werk für alles in Hildesheim
9 Zitiert nach Lutz, Gerhard: Zur Skulptur des 12. Jahrhunderts in Hildesheim. In: Abglanz des Himmels.
Romanik in Hildesheim. Katalog zur Ausstellung des Dom-Museums in Hildesheim. Hrsg. von Michael Brandt,
Hildesheim 2001. S. 261.
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Bedeutende. Deshalb ist er für Ausstellungsbesucher im Allgemeinen nicht besonders geeignet, jedoch für diejenigen, die eine Neigung oder Vorliebe für wissenschaftliche und fundierte Beiträge haben, gedacht.
Die Ausführung hat gezeigt, dass es sehr unterschiedliche Arten und Aufmachungen von Ausstellungskatalogen gibt, die je nach Bedarf für einen gedacht sind oder nicht. Es gibt Ausstellungsführer, Sammelbände für Ausstellungen und Bände mit wissenschaftlichen Beiträgen. Je nach Bedürfnis eignen sie sich zur schnellen Information, Vertiefung oder Fundierung bestimmter Informationen.
Aus diesem Grund muss immer vor Verwirklichung eines Kataloges die Frage gestellt werden, an w e n sich die vorzubereitende Ausstellung richtet und welches Z i e l man mit dieser verfolgt.
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Fazit
Die Ausführungen zu den Raumkonzepten in Bad Wimpfen und Basel haben gezeigt, dass es noch immer nicht leicht ist, Bauskulpturen in Ausstellungen so zu integrieren, dass es weitgehend einheitlich wird, diese zu inszenieren oder wenigstens interessant zu verarbeiten. Deshalb bleibt die Tendenz, wie sie in Basel ersichtlich ist, eine moderne und damit gegenwartsorientierte Inszenierung der Objekte zu garantieren, unberührt. Oftmals fehlen die finanziellen Mittel oder es wird erst gar nicht daran gedacht, etwas zu verändern und die Ausstellungsstücke mehr in den Vordergrund rücken zu lassen.
Aus diesem Grund wird es immer wichtiger, Ausstellungskataloge zu erstellen, besonders wenn die ausgestellten Elemente nicht datiert oder in irgendeiner Weise ausgezeichnet werden können. Der heutige Besucher möchte sich an irgendetwas orientieren können, was nur dann geschieht, wenn handfeste Materialien zur Verfügung stehen. Im Falle von Bad Wimpfen bleibt der Betrachter uninformiert, weil weder ein Katalog noch wichtige Beschriftungen zur Verfügung stehen, abgesehen von den wenigen Ausnahmen, die ich erwähnt habe. Da es kein schwerer Band mit langen wissenschaftlichen Aufsätzen sein müsste, also ein kleiner handlicher Touristenführer für die Ausstellungen in Bad Wimpfen völlig ausreichen würde 10 , würde ich mir wünschen, dass dies in Kürze doch verwirklicht werden könnte. Denn die Vorbereitungen zum Stauferjahr laufen auch bereits in Bad Wimpfen an, die man nutzen könnte, um ein kleines Handbuch herauszugeben.
Um meine zu Beginn gestellte Frage zu beantworten, ist es erkennbar geworden, dass es zwar einen groben Überblick über die Epochen und Werke in allen Ausstellungen mit romanischer Bauskulptur gibt, aber der Bezug zum Ursprungsort und damit der Herkunft doch immer noch selten ist und er nur mit viel Mühe durch die langjährigen Forschungen hergestellt werden kann und folglich in die Ausstellungen selbst integriert werden muss. Deshalb bleibt es wünschenswert, dass Forschungsbeiträge in Ausstellungen selbst inhaltlich aufgenommen und veröffentlicht werden, um den Besucher bzw. Betrachter nicht uninformiert oder schlimmer noch verwirrt zurücklassen zu müssen. Denn Mittelpunkt der Ausstellungen sind und bleiben noch immer die Objekte selbst.
10 Ein doppelt gefaltetes Papier als Broschüre reicht in Bad Wimpfen nicht aus, wie es leider gängig ist. Und
auch der Internetauftritt lässt zumindest inhaltlich sehr zu wünschen übrig.
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Literaturverzeichnis
Abglanz des Himmels. Romanik in Hildesheim. Katalog zur Ausstellung des Dom-Museums in Hildesheim. Hrsg. von Michael Brandt, Hildesheim 2001.
Canossa 1077. Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik, Bd. II. Hrsg. von Christoph Stiegemann und Matthias Wemhoff, München 2006. Gotische Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental, Ausstellungsführer Bd. IV., Basel 2006.
Lademann, Jördis: Baukunst der Romanik in Sachsen-Anhalt. Straße der Romanik, Ausstellung im Altmärkischen Museum Stendal vom 30.04. bis 07.08. 1994, Braunschweig 1994. Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental, Ausstellungsführer Bd. I., Basel 1998.
Vieregg, Hildegard: Museumswissenschaften, Paderborn 2006.
Abbildungsnachweis
Abb. 1: privat
Abb. 2:privat
Abb. 3:privat
Abb. 4: privat
Abb. 5: privat
Abb. 6: privat
Abb. 7: privat
Abb. 8: privat
Abb. 9: privat
Abb. 10: privat
Abb. 11: Gotische Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental.
Ausstellungsf ührer Bd. IV. Basel 2006. S. 10.
Abb. 12: Gotische Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental.
Ausstellungsf ührer Bd. IV. Basel 2006. S. 52.
Abb. 13: Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental. Ausstellungsführer Bd. I.
Basel 1998. S. 14.
Abb. 14: Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental. Ausstellungsführer Bd. I.
Basel 1998 S
Abb. 15: Lademann, Jördis: Baukunst der Romanik in Sachsen-Anhalt. Straße der Romanik.
Ausstellung im Altmärkischen Museum Stendal vom 30.04. bis 07.08. 1994. Braunschweig 1994. S. 18.
Abb. 16: Canossa 1077. Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik. Bd. II. Hrsg. von Christoph Stiegemann und Matthias Wemhoff. München 2006. S. 228.
Abb. 17: Abglanz des Himmels. Romanik in Hildesheim. Katalog zur Ausstellung des Dom- Museums in Hildesheim. Hrsg. von Michael Brandt. Hildesheim 2001. S. 261.
Abb. 3: Bad Wimpfen, EG
Abb 4: Bad Wimpfen, Museum im Steinhaus, EG
Abb. 5: Bad Wimpfen, Museum im Steinhaus, EG
Abb 6: Bad Wimpfen, EG
Abb. 7: Bad Wimpfen, EG
Abb 8: Bad Wimpfen, Museum im Steinhaus, OG
Abb. 9: Bad Wimpfen, OG
Abb 10: Bad Wimpfen, Museum im Steinhaus, OG
Abb. 11: Basel, Museum Kleines Klingental, Refektorium
Abb 12: Basel, Museum Kleines Klingental, Klosterküche
Abb. 13: Basel, Museum Kleines Klingental, OG
Abb 14: Basel, Museum Kleines Klingental, OG
Abb 15: Katalog „Baukunst der Romanik in Sachsen-Anhalt“, Detail
Abb 17: Katalog „Romanik in Hildesheim“, Detail
Arbeit zitieren:
Nicole Hilbig, 2010, Die Ausstellung romanischer Bauskulptur, München, GRIN Verlag GmbH
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