Biosphärenreservate- neue erfolgreiche Konzepte ?
1. Das Konzept der Biosphärenreservate 2. Rechtliche Grundlagen 3. Strukturelle Kriterien 3.1. Repräsentativität 3.2. Flächengröße 3.3. Zonierung 3.3.1. Kernzone 3.3.2. Pflegezone 3.3.3. Entwicklungszone 4. Funktionale Kriterien 4.1. Nachhaltige Nutzung und Entwicklung 4.2. Naturhaushalt und Landschaftspflege 4.3. Biodiversität 4.4. Forschung
4.5. Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit 5. Status der Biosphärenreservate 6. Die Biosphärenreservate Deutschlands - Eine Übersicht 6.1. Bayrischer Wald 6.2. Berchtesgaden
6.3. Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe - Brandenburg 6.4. Hamburgisches Wattenmeer 6.5. Flusslandschaft Elbe- Mecklenburg- Vorpommern 6.6. Niedersächsische Elbtalaue 6.7. Niedersächsisches Wattenmeer 6.8. Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft 6.9. Rhön 6.10. Schaalsee
6.11. Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen 6.12. Schorfheide- Chorin 6.13. Spreewald 6.14. Südost- Rügen 7. Das Beispiel des Biosphärenreservats Südost- Rügen 8. Biosphärenreservate- Kritische Anmerkungen 9. Zusammenfassung 10. Literatur
1.Das Konzept der Biosphärenreservate
Biosphärenreservate (biosphere reserve) sind großflächige, repräsentative Ausschnitte von Natur- und Kulturlandschaften, die aufgrund reicher Naturausstattung und einer landschaftsverträglichen Landnutzung überregionale Bedeutung besitzen und in Deutschland eine Schutzkategorie nach dem Bundes-Naturschutzgesetz darstellen. Biosphärenreservate sollen sämtliche Landschaftstypen der Welt innerhalb eines weltumspannenden Gebietsystems repräsentieren. Die Auswahl der Landschaftsräume richtet sich deshalb nicht primär nach Kriterien wie Schutzwürdigkeit oder Einmaligkeit.
„Zweck des internationalen Biosphärenreservatnetzes ist die systematische Erfassung aller biographischen Räume der Erde. Einbezogen werden sollen repräsentative Gebiete aller biographischen Regionen der Erde- einschließlich Tide- und Meeresbiotopen in Küstenregionen-, einmal in ihrem ursprünglichen Zustand und zum anderen mit den von Menschen ausgelösten Veränderungen unterschiedlichen Ausmaßes“. (UNESCO 1984, S. 12 f.)
War in den früheren Konzepten der 70er Jahre der Fokus auf dem Schutz bedeutender Naturlandschaften hat sich die Zielstellung auf den Schutz, Pflege und die Entwicklung von Kulturlandschaften gewandelt. In Biosphärenreservaten sollen die Grundlagen für den Erhalt der Funktionsfähigkeit der Ökosysteme und der Schutz der biologischen Vielfalt erfüllt werden. Biosphärenreservate sind deshalb das Instrument für die nachhaltige Entwicklung repräsentativer Landschaften.
2. Administrative und rechtliche Grundlagen
Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization-Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation) weist weltweit Biosphärenreservate im Rahmen des Programms Mensch und Biosphäre (Man and Biosphere - MAB) zum Schutz typischer Landschaften aus. Es handelt sich um ein wissenschaftliches Programm mit Zielvorgaben. Der Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen der Biosphäre, der Konzeption von Bewirtschaftungsmodellen auf Grundlage der Nachhaltigkeit. Die beispielhafte Entwicklung, Erprobung und Umsetzung dieser Modelle in repräsentativen Landschaften erfolgt in Biosphärenreservaten.
Dieses Programm wurde am 23. Oktober 1970 durch die 16. Generalkonferenz der UNESCO ins Leben gerufen. Für die internationale Organisation, Planung und Koordination des MAB-Programms ist ein "Internationaler Koordinierungsrat" zuständig, welcher sich aus Vertretern von 30 UNESCO-Mitgliedsländern zusammensetzt. Die Deutsche Beteiligung an MAB besteht seit 1972. Die UNESCO Generalversammlung legte 1995 in Sevilla, Spanien die „Internationalen Leitlinien für das Weltnetz der Biosphärenreservate“ fest. Für die internationale Organisation, Planung und Koordination des MAB- Programms ist ein "Internationaler Koordinierungsrat" zuständig, welcher sich aus Vertretern von 30 UNESCO-Mitgliedsländern zusammensetzt. Die Verwaltung von Biosphärenreservaten in Deutschland sind der Höheren bzw. Oberen oder der Obersten Naturschutzbehörde zuzuordnen.
Im Bereich der bundesdeutschen Gesetzgebung sind "Biosphärenreservate nach § 25 BNatSchG "einheitlich zu schützende und zu entwickelnde Gebiete, die
• großräumig und für bestimmte Landschaftstypen charakteristisch sind,
• in wesentlichen Teilen ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets, im Übrigen überwiegend eines Landschaftsschutzgebiets erfüllen,
• vornehmlich der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch hergebrachte vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und der darin historisch gewachsenen Arten- und Biotopvielfalt, einschließlich Wild- und früherer Kulturformen wirtschaftlich genutzter oder nutzbarer Tier- und Pflanzenarten, dienen und
• beispielhaft der Entwicklung und Erprobung von die Naturgüter besonders schonenden Wirtschaftsweisen dienen."
Diese nationale rechtliche Regelung eröffnet den Ländern die Möglichkeit, Biosphärenreservate auszuweisen, die zunächst noch nicht mit den internationalen Vorgaben der UNESCO übereinstimmen. Viele Bundesländer haben bereits vor der rahmenrechtlichen Regelung die Biosphärenreservate, z.T. mit Erwähnung der UNESCO-Anerkennung, in ihre Landesnaturschutzgesetze aufgenommen. Gemäß den Leitlinien des internationalen Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) werden seit 1976 Biosphärenreservate von der UNESCO anerkannt. Das internationale Prädikat "Biosphärenreservat" wird auf der Grundlage des "Statutory Framework of the World Network of Biosphere Reserves" (UNESCO 1995, 1996) verliehen. Weitere Organe des Übereinkommens/ Programms ist der internationale Koordinationsrat (ICC) des MAB- Programms, der internationale Beratungsausschuss für Biosphärenreservate und die Zusammenarbeit des europäischen MAB- Nationalkomitees.
Schutzzweck und Ziele für Pflege- und Entwicklung des Biosphärenreservats als Ganzes und in den einzelnen Zonen werden durch Rechtsverordnungen, Programme und Pläne der Landes- und Regionalplanung sowie die Bauleitplanung- und Landschaftsplanung gesichert. Der Großteil der Biosphärenreservatsflächen muss rechtlich geschützt, so ist die Kernzone als Nationalpark oder Naturschutzgebiet zu sichern, schutzwürdige Bereiche in der Entwicklungszone sind durch Instrumente der Bauleit- und Landschaftsplanung rechtlich zu sichern.
3. Strukturelle Kriterien (Deutschland)
Die Kriterien richten sich nach dem Katalog des Deutschen Nationalkomitees für das UNESCO- Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) / Bundesamt für Naturschutz (1996): 3.1. Repräsentativität
Das Biosphärenreservat muss Ökosystemkomplexe aufweisen, die von Biosphärenreservaten in Deutschland bislang nicht ausreichend repräsentiert sind.
3.2. Flächengröße
Das Biosphärenreservat soll in der Regel mindestens 30.000 ha umfassen und nicht größer als 150. 000 ha haben. Länderübergreifende Biosphärenreservate dürfen diese Gesamtfläche bei entsprechender Betreuung überschreiten. 3.3. Zonierung
Das Biosphärenreservat muss in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen gegliedert sein. Die Kernzone muss mindestens 3% der Gesamtfläche, die Pflegezone soll mindestens 10% der Gesamtfläche einnehmen. Dabei muss die Kernzone von der Pflegezone umgeben sein. Die Entwicklungszone soll mindestens 50% der Gesamtfläche betragen.
3.3.1. Kernzone Ausschluss menschlicher Nutzung Zulassen der Dynamik ökosystemarer Prozesse
Der Schutz natürlicher bzw. naturnaher Ökosysteme genießt höchste Priorität
3.3.2. Pflegezone
Erhalt und Pflege von Ökosystemen, die durch menschliche Nutzung entstanden oder beeinflusst sind
Abschirmung der Kernzone vor Beeinträchtigungen durch menschliche Nutzung Landschaftspflege als Instrument des Kulturlandschaftserhalts Erholung und Maßnahmen zur Umweltbildung sind am Schutzzweck auszurichten Umweltbeobachtung und Erforschung von Struktur und Funktion von Ökosystemen
3.3.3. Entwicklungszone
Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der Bevölkerung Entwicklung einer nachhaltigen Nutzung umwelt- und sozialverträglicher Tourismus möglich Erforschung der Mensch-Umwelt-Beziehungen sowie der Funktionen von Ökosystemen und Naturhaushalt Umweltbeobachtung
Aufnahme schwerwiegend beeinträchtigter Gebiete als Regenerationszone innerhalb der Entwicklungszone mit dem Ziel der Behebung von Landschaftsschäden rechtliche Sicherung schutzwürdiger Bereiche durch Schutzgebietsausweisungen und ergänzend durch die Instrumente der Bauleit- und Landschaftsplanung
4. Funktionale Kriterien
Funktionale Kriterien versuchen zu erfassen, inwieweit ein Biosphärenreservat seinen umfassenden Aufgaben nachkommt, und ob es durch sinnvolle Ergänzung, Schwerpunktbildung oder Vertiefung einen spezifischen Beitrag zu den Aufgaben der Biosphärenreservate in Deutschland und weltweit leistet. Die ständige Arbeitsgruppe der Biosphärenreservate in Deutschland definiert in Übereinstimmung mit dem Deutschen MAB-Nationalkomitee und der LANA Biosphärenreservate als Modellgebiete, die bestimmte Funktionen zu erfüllen haben.
4.1. Nachhaltige Nutzung und Entwicklung (Entwicklungs- und Modellfunktion) Der Erhalt und die Weiterentwicklung von bestehenden Landnutzungsformen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist als Schlüsselfunktion der Biosphärenreservate in Deutschland anzusehen. Menschliche Tätigkeit bildet die Grundlage für den langfristigen Erhalt von Kulturlandschaften. Daher sollen, in Zusammenarbeit mit der ansässigen Bevölkerung, wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Nutzungsformen modellhaft entwickelt und erprobt werden. Ziel ist es hierbei, Konzepte zu finden, die auch auf Regionen außerhalb der Biosphärenreservate übertragbar sind. Formen einer dauerhaft- umweltgerechten Entwicklung sind:
• Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und der Produktivität sowie der Entwicklungsfähigkeit der Ökosysteme
• Standort- und umweltgerechte Nutzung
• Bewahrung des Landschaftsbildes
• Verringerung der Umweltbelastung und Beeinträchtigung des Naturhaushaltes
• Möglichst geschlossene (betriebliche) Stoffkreisläufe und ihre Anbindung an natürliche Kreisläufe
Arbeit zitieren:
Dipl.-Ing. Oliver Thaßler, 2006, Biosphärenreservate - neue erfolgreiche Konzepte?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Landschaftsnutzung und Naturschutz: Biosphärenreservate - neue erfolgreiche Konzepte? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Landschaftsnutzung und Naturschutz: neuer Titel erschienen: Biosphärenreservate - neue erfolgreiche Konzepte?
Oliver Thaßler hat einen neuen Text hochgeladen
Boomwhackers im Kreis Das DrumCircle-Konzept mit Boomwhackers
Das DrumCircle-Konzept mit Boo...
Andreas von Hoff
Herzogtum Lauenburg, Biosphärenreservat Schaalsee sowie das nördliche ...
Reise- und Ausflugsführer
Michael Schnelle
Mein Grundwissen. 9./10. Schuljahr. Schülerbuch. Gymnasium. Neue Recht...
Nachschlagen, Tests, Lösungen
Neue Lebenslaufregimes - neue Konzepte der Bildung Erwachsener?
Axel Bolder, Rudolf Epping, Rosemarie Klein, Gerhard Reutter, Andreas Seiverth
Neues Bauen in den Alpen / Architettura alpina contemporanea / New Alp...
Architekturpreis 2006 / Premio...
Christoph Mayr Fingerle
0 Kommentare