Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Besondere Anlässe zum Ausbruch des Krieges (435-433) 5
II.1 Der Epidamnos Konflikt 434 v. Chr. 6
II.2 Verhandlungen in Athen 8
II.3 Die Epimachie Athens und Kerkyras: Die Schlacht bei den Sybota Inseln 11
II.4 Die Schiffsflotten und die finanzielle Dimension des Kerkyra/ Korinth Konflikts 13
II.5 Konflikte Athens mit eigenen und Peloponnesischen Bündnern 17
II.5.1 Der Aufstand in Poteidaia 432/31 17
II.5.2 Das "Megarische Psephisma" 19
II.5.3 Aegina 21
III. Die Große Versammlung in Sparta (432) 22
III.1 Die Haltung Korinths 22
III.2 Athens herausragende Stellung 25
III.3 Die Position Spartas 26
III.3.1 Sparta und der Druck seiner Bundesgenossen 27
III.3.2 Die Angst vor Athen 28
IV. An der Schwelle des Krieges 29
IV.1 Das Zögern Spartas 29
IV.2 Forderungen Spartas 32
IV.3 Kriegsbeschluss der Athener - Die Rede des Perikles 32
V. FAZIT 34
II
I. Einleitung
Nach der Schlacht bei Salamis 1 gegen die Perser, Ende 480 v. Chr., unter Xerxes I. gewann Athen in den folgenden Jahren zusehends an Einfluss und Macht. Obwohl das alte hellenische
Bündnis 2 gegen die Perser zunächst noch fortbestand, konzentrierten sich die Griechen in der Ägäis zunehmend vor allem auf Athen. Zusätzlich kam es zum Prestigeverlust Spartas. Spartas König Pausanias (*427-†394), der den Oberbefehl über die verbündeten Griechen führte, trat bei der Belagerung von Byzanz und nach dessen Einnahme gegenüber den
Griechen sehr ungeschickt auf. 3 Etliche Städte Ioniens, insbesondere die Inseln Chios, Samos und Lesbos, schlossen daraufhin mit Athen (478/ 77) einen Sonderbund, den Delisch-Attischen Seebund. Dieser Bund war eine Vereinigung von Seestädten, in der Athen die Führung hatte, also nach griechischer Terminologie Hegemon war: der Attische Seebund war
geboren. So ging die Hegemonie zur See an Athen. 4 Zuvor war 479/478 bereits - trotz Einwände Spartas - eine Stadtmauer um Athen errichtet worden. 5 In der folgenden Zeit sollte der Attische Seebund sich verändern und schlussendlich zum Attischen Reich mutieren. 6 Der Peloponnesische Bund 7 unter der Führung Spartas stellte das Gegengewicht zu den Bestrebungen Athens dar. Der Konflikt zwischen Athen und Sparta in den Jahren 457-446/445 v. Chr., der sich unter anderem aus dem Übertritt Megaras zu Athen ergab, wird oft als Vorstufe zum Großen Krieg gesehen. „Das alles, was die Griechen gegeneinander und gegen den Barbaren unternahmen, geschah in ungefähr fünfzig Jahren zwischen dem Rückzug
des Xerxes und dem Beginn dieses Krieges.“ 8
1 Es gelang Athen in der Führungsposition unter Themistokles die Persische Flotte bei der Insel Salamis in einen Hinterhalt zu locken und zu schlagen, vgl. Thukydides Buch I. 75 (4).
2 Der 481 v. Chr. auf einer Konferenz in Korinth gegründeten panhellenischer Kampfbund oder auch Helenen und hatte neben Athen und Sparta 31 Polis als „Mitglieder. Der Bund verlor nach den Perserkriegen an Bedeutung.
3 477 ging dieser auch nach Konspirationsvorwürfen mit den Persern dort ins Exil und herrschte dort bis 471 v. Chr.. 469 richtete man ihn schließlich doch wegen der Konspirationsvorwürfe hin.Vgl. Thuk. I 94-96 und 128-135. Die Bestechungsvorwürfe sollten sich später 455 unter König Pleistoanax wiederholen dieser stand unter Verdacht von Perikles Schmiergeld empfangen zu haben um Attika zu verlassen. Vgl. Thuk. I 144; Thuk.II 21; Thuk.V 16.
4 Vgl. Thuk. I 95-97, zur Organisation vgl. Thuk. I 96 f.
5 Außerdem wurde ebenfalls der Hafen Peiraieus fertiggestellt und befestigt.Vgl. Thuk. I 89-93. Später, zwischen 461 v. Chr. und 456 v. Chr., wurden unter Perikles Die über 7 Kilometer „Langen Mauern“ (Μακρά Τείχη) gebaut, die Peiraieus und Athen verbanden.
6 Ausgangspunkt hierfür war der Kalliasfriede von 449 v. Chr. zwischen Persern und Athen.
7 Vermutlich wurde der Peloponnesische Bund Mitte des 6. Jahrhunderts gegründet. Die Form der Hegemonie ist nicht ganz klar. Weiterführende Literatur und Thematisierung der Kahrstedt-Larsen Debatte vgl. Baltrusch, Ernst: Symmachie und Spondai. Untersuchungen zum griechischen Völkerrecht der archaischen und klassischen Zeit (8.-5. Jahrhundert v.Chr.). Berlin, New York 1994, S. 20f.
8 Thuk. I 118, 2.
1
Genau dieser Zeitraum, zwischen den Perserkriegen und vor Beginn des Peloponnesischen Krieges, genauer gesagt besonders die Dreißiger Jahre des 5. Jahrhunderts, sollen im folgenden betrachtet werden, um die Gründe, die zum Ausbruch des Peloponnesischen Krieges führten, zu beleuchten.
Im Mittelpunkt der folgenden Untersuchungen soll als Quellengrundlage Thukydides „Der Peloponnesische Krieg“ stehen. Der Schreibstiel des Geschichtsschreiber wird gemeinhin als sachlich aufgefasst. Aufgrund seiner sachlichen Beschreibungen wird gemutmaßt, ob
Thukydides ein Atheist war. 9 Die Art und Weise, wie er über die zweite Pestepidemie und den Ausbruch des Etnas 10 und die Erdbeben in Athen, Euboea, Boetia und Orchomenus 11 berichtete, ohne diese als göttliche Interventionen darzustellen, könnten diese Vermutung stützen. Generell werden die beschriebenen Ereignisse von Reden der beteiligten Parteien begleitet.
Die Erzählung wird unterbrochen von Reden, in denen Thukydides die jeweilige historische Situation dadurch analysiert, daß er die Sprecher sagen läßt, was sie seiner Meinung nach damals hätten sagen müssen, wenn sie ihren Standpunkt angemessen hätten vertreten wollen. 12
Zur Entstehungszeitbestimmung lässt sich der Autor, der ein Zeitgenosse der Ereignisse war, selbst heranziehen. Thukydides begann, wenn man seiner eigenen Datierung folgt, die
Arbeiten an seinem Werk über seinen „Peloponnesischen Krieg“ im Jahr 431. 13 Das Wenige, was über das Leben des Autors bekannt ist, erfährt der Leser aus dem Werk selbst. Die
herrschende Meinung geht bei dem Geburtsdatum von einem Zeitpunkt um 454 v. Chr. aus. 14 „Dazu stimmt, dass er von sich sagt (V 26, 5) er sei schon zu Beginn des Krieges, der dann 27
Jahre dauern sollte, in einem urteilsfähigen Alter gewesen.“ 15 Die Familie Thukydides war in Athen wohlbekannt, es bestanden verwandtschaftliche Beziehungen nach Thrakien.
9 Vgl. Cawkwell, George: Thucydides and the Peloponnesian War. London, New York. 1997, S.2-4.
10 Thuk. III 116.
11 Thuk. III 87.
12 Heitsch, Ernst: Geschichte und Situationen bei Thukydides. Stuttgart, Leipzig. 1996, S. 3.
13 Thuk. I 1., vgl. Cawkwell, George: Thucydides and the Peloponnesian War. London, New York. 1997, S. 7.
14 Heitsch geht davon aus, dass er vermutlich nicht später als 454 geboren wurde, da das Amt des Strategen ein Mindestalter von 30 Jahren voraussetzte und außerdem erforderte, dass man männliche Nachkommen hatte, die älter als 10 Jahre alt waren, vgl. Heitsch, Ernst: Geschichte und Situationen bei Thukydides. Stuttgart, Leipzig. 1996, S. 1. Thukydides selbst gab an, dass jede andere Stadt Alcibiades als jung (neos) für das Amt des Generals erachtet hätte, Thuk. V 43, 2. Also wird Alcibiades um die 30 Jahre alt gewesen sein. Cawkwell korrigiert, dass nicht das Mindestalter für die Stelle des Generals, wohl aber das für die Teilnahme am Rat bekannt war, mindestens 30, Cawkwell, George: Thucydides and the Peloponnesian War. London, New York. 1997, S. 1. Dies impliziert laut Cawkwell, dass Thukydides selbst um die 40 Jahre alt gewesen sein musste, als er seine Karriere als General begann. Vermutlich wurde Thukydides eher um 465 geboren. Hierfür spricht laut Cawkwell auch der Fakt, dass wenn Thukydides ungefähr zum Zeitpunkt Cimons Begräbnis 15 gewesen wäre, dieser vermutlich sich nicht seinem ärgsten Konkurrenten Perikles zugewandt hätte. Vgl. Cawkwell, George: Thucydides and the Peloponnesian War. London, New York. 1997, S. 2.
15 Heitsch, Ernst: Geschichte und Situationen bei Thukydides. Stuttgart, Leipzig. 1996, S. 1.
2
Thukydides selbst besaß dort auf dem Festland, gegenüber der Insel Thasos, Nutzungsrechte
an Goldgruben. 16 424/ 23 wurde Thukydides zum militärischen Oberbefehlshaber, bzw. Strategen gewählt. Seine Aufgabe bestand darin, die thrakischen Gebiete des attischen
Seebundes zu beschützen. Doch 424 wurde er als Stratege für den Verlust Amphipolis 17 verantwortlich gemacht. „Als die Lakedaimonier und Athener im Jahre 423 einen einjährigen
Waffenstillstand schlossen, weilte Thukydides wahrscheinlich schon in der Verbannung.“ 18 Vermutlich waren es nicht zuletzt auch die Jahre der Verbannung des Thukydides, die Cawkwell vermuten lassen, dass diesem viele Informanten zur Verfügung standen:
How he went about gathering informtion one can only guess. He knew Athens and Athenians and after his exile in 424 he probably had the epistels of various well-informed persons to guide him, and documents my have been relayed to him.” 19
Thukydides hatte sich auch in Sparta und anderen Orten der Peloponnes aufgehalten, so dass er vermutlich über Kontakte verfügte, die ihm Informationen hatten zukommen lassen. Dabei waren die zwanzig Jahre, die der Autor fernab Athens verbrachte, gewiss zuträglich: „Nach meinem Feldzug gegen Amphipolis musste ich mein Land zwanzig Jahre lang als Verbannter meiden, hielt mich auf beiden Seiten auf, nicht zuletzt bei den Peloponnesiern, sodass ich in
aller Ruhe genauere Erkundigungen einziehen konnte.“ 20 Dies spricht also dafür, dass der Geschichtsschreiber einen guten politischen Überblick hatte.
Erst nach seiner Amnestie 404, nach Kriegsende, kehrte Thukydides aus dem Exil in seine
Heimatstadt Athen zurück. 21 Er erlebte die Politik des Perikles, den er sehr schätzte 22 , den aus seiner Sicht mit ihm verbundenen Aufstieg des Attischen Reiches, die verheerende
Pestepidemie 23 und den Niedergang Athens. Thukydides wollte über die gesamten
16 Heitsch, Ernst: Geschichte und Situationen bei Thukydides. Stuttgart, Leipzig. 1996, S. 1.
17 437 v.Chr. durch Hagnon gegründete Polis, die als Stützpunkt Athens auf thrakischen Gebiet fungierte, Zunächst diente sie der Kontrolle des Silber- und Goldbergbaus des Berges Pangaeus, sowie strategische Vorteile, denn hier konnte der untere Lauf des Strymon kontrolliert werden, vgl. Thuk. IV 108, 1. Vgl. auch Cawkwell, George: Thucydides and the Peloponnesian War. London, New York. 1997, S. 23. Später im Peloponnesischen Krieg als Holzlieferant für den Schiffsbau. 424 ergab sich die Stadt Brasidas, da Thukydides zu spät eintraf um die Stadt noch halten zu können.
18 Meyer, Carl: Die Urkunden im Geschichtswerk des Thukydides. Münch. 1970, S. 1.
19 Cawkwell 8. Vgl. Cawkwells Bemerkungen zum Persisch/Spartanischen vertrag im 8. Buch, Thuk. VIII.
20 Thuk. V 26, 5. So verweist Cawkwell darauf, dass Thukydides. die Information über die Namen der Kerkyraier Befehlshaber auf Sybota in Erfahrung gebracht haben könnte, vgl. Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S. 9.
21 Vgl. Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S. 1, der auch auf das Leben des Marcellinus (§34) Bezug nimmt, wo bei T. Tod von einem Alter von 50 Jahren ausgegangen wird.
22 Thukydides Buch II 65.
23 Es ist nicht gesichert um welche Art Epidemie es sich handelte, es könnte sich auch um Typhus gehandelt haben.
3
Kriegsereignisse von 431-404 24 berichten, gelangte jedoch nur bis zum Sommer 411, da er während der Arbeiten an seinem Werk verstarb. Der Text bricht mitten in einer Erzählung ab. Da das Werk unvollendet ist, liegt die Frage nahe, ob denn jedenfalls das, was wir lesen, eine Form hat, die der Autor selbst als endgültig betrachtet. […] Die Wahrscheinlichkeit spricht in diesem Falle dafür, daß Thukydides manches noch mitgeteilt, manches ausgeführt und manches geändert hätte… 25
Auch Cawkwell geht davon aus, dass eine ursprüngliche Fassung der Ereignisse des ersten
Krieges 26 existiert haben muss. Als Beleg dient ihm unter anderem die Passage in Thukydides V 26, 1, in der sich der Autor erneut vorstellte. 27
But his account of that first war bears evidence of rewriting after his first return to Athens from exile 404 (e.g. 2.65), while there are several passages which must have been written well on in the course of the war (e.g. 2.100.2, 4.81). 28
Auch die späteren Kapitel 29 und besonders das 8. Buch, welches Cawkwell als „Workshop of Thucydides“ 30 bezeichnet, unterstützen die These. In diesem Zusammenhang ist es wohl durchaus legitim zu vermuten, dass eventuell weitere Passagen überarbeitet worden wären 31 , hätte Thukydides länger gelebt.
So tritt für die nun folgenden Untersuchung zu der Frage nach dem wer oder was den Peloponnesischen Krieg nach Thukydides Meinung auslöste zusätzlich die Frage, ob sein Urteil von vornherein feststand, oder ob sich seine Anschauung der Dinge im Laufe der Zeit änderte. Um dies zu untersuchen soll insbesondere das erste Buch untersucht werden. Zunächst soll auf die „Besonderen Anlässe zum Ausbruch des Krieges“ (vgl. II.) eingegangen und danach mit den Ergebnissen der „Großen Versammlung in Sparta“ (vgl. III.) in Beziehung gesetzt werden. Hierbei soll nebenbei auf den erwähnten Meinungswandels des Thukydides eingegangen werden. Schließlich sollen abschließend noch die politischen Manöver nach der Versammlung in Sparta beleuchtet werden, da sie ebenfalls Aufschluss über die Position der Kontrahenten Sparta und Athen geben (vgl. IV).
24 Vgl. Thuk. I 1, 1 und Thuk. V 26, 1, so wie Heitsch: Geschichte und Situationen bei Thukydides, S. 2.
25 Heitsch: Geschichte und Situationen bei Thukydides, S. 2. Heitsch kommentiert ferner: „Damit ist die Annahme ausgeschlossen, Thukydides selbst habe noch zu Lebzeiten den uns vorliegenden Text etwa als Teil des geplanten Gesamtwerkes vorab veröffentlicht.“, Heitsch: Geschichte und Situationen bei Thukydides, S. 2.
26 Von Thukydides auch 10 Jähriger Krieg genannt ,Thuk. V 25, 1 und Thuk. V 26, 3.
27 Vgl. Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S.7.
28 Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S. 7.
29 Vgl. Thuk.VI 15, 3 und 4.
30 Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S.7.
31 Vgl. Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S.8.
4
II. Besondere Anlässe zum Ausbruch des Krieges (435-433)
Es eröffneten den Krieg die Athener und die Lakedaimonier durch den Bruch des dreißigjährigen Vertrages, den sie nach der Einnahme von Euboia geschlossen hatten.[…] Den letzten wahren Grund […]sehe ich im Machtzuwachs der Athener, der den Lakedaimoniern Furcht einflößte und sie zum krieg zwang;“ 32
Dies sind die letzten Sätze Thukydides, bevor der Abschnitt über „Besondere Anlässe zum Ausbruch des Krieges“ beginnt. Es sei an dieser Stelle bemerkt, dass es sich bei den
„Besonderen Anlässen zum Ausbruch des Krieges“ 33 um eine Passage handelt, bei der viel diskutiert wurde und wird, ob sie im Verhältnis zu der Pentekontaëtie 34 einen Gegensatz in der Meinung Thukydides bildet oder nicht. Cawkwell weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Diskussion darüber besteht, ob Thukydides Buch I 23 (6) zu einem weitaus späteren Zeitpunkt hinter Thukydides Buch I 23 (5) angegliedert wurde:
There is however, a prelimnary question. Did Thukydides change his mind? Where there at different times, two Thucydidean views? It has been argued that §6 of 1.23 was written at a considerable later date than §5… 35
Es gilt also, zwei Sachverhalte zu behandeln: Erstens, handelt es sich um einen späteren Zusatz? Und zweitens, weshalb: „Does it represent a change of mind, `or a shift of emphasis’
or a developement of some sort?“ 36
Angenommen, es handelt sich um einen späteren Zusatz, so ist es fraglich, weshalb dieser hinzugefügt wurde. Belegt dieser die These eines Sinneswandels Thukydides? Cawkwell nimmt an, dass es sich um eine Ergänzung handelt:
Nonetheless § 6 does seem to be an addition. In §5 he appears to think that whoever inquires as ‘to the origins of so great a war coming on the Greeks’ will be satisfied by reading the Corcyra and Potidea affairs, but in §6 he thinks anyone who really wishes to know what is most truthfully to be given in explanation must read the Excursus on the Pentekontaetea, a change of some sort. Now the Excursus bears the marks of being written after 404 and so with the ‘late’ addition of §6. 37
32 Thuk.I 23, 4 und 6
33 Thuk. I 67-87.
34 Der wahre Grund des Krieges, Thuk. I 88-118.
35 Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S. 20.
36 Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S. 20.
37 Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S. 20-21.
5
Bezogen auf den unterstellten Meinungswandel Thukydides erklärt Cawkwell: The answer may be proposed that although Thukydides did not, as far as we can see change his mind about the cause of the war, he did make a historiographical change.[…] So the first version of Thukydides’ History contained no more than the Corcyran and Potidaean affairs, ‘the truest explanation’ was not spelled out. 38
Später, so mutmaßt Cawkwell, hielt Thukydides es doch für notwendig, “den letzten wahren
Grund” vor den Kerkyra/Poteoiideia Ausführungen 39 hinzuzufügen:
„In time, he came to see that the first version was inadequate for so great a conflict and that it was necessary to make the implicit explicit.[…] There is no good case to be made for the view that there were two Thucydidean versions of the cause of the war.” 40
Die „Besonderen Anlässe zum Ausbruch des Krieges“ 41 umfassen die Ereignisse der Jahre 435-433 v. Chr. Erfasst werden die Ereignisse um Epidamnos bzw. den Kerkyra-Korinth-Konflikt (vgl. II.1-II.3), und die Ereignisse, um die von Thukydides nur kurz erwähnten Episoden Poteidaias, Megaras und Aeginas (vgl. II.4).
II.1 Der Epidamnos Konflikt 434 v. Chr.
Zunächst sollen in Kürze die Ereignisse des Epidamnos 42 bzw. Korinth-Kerkyra- 43 Konflikts thematisiert werden. Innenpolitische Auseinandersetzungen zwischen „Demokraten“ und
Adligen in Epidamnos führten zur Verbannung der Adelsschicht, die sich mit „Barbaren“ 44 verband und Epidamnos angriff. In dieser Notsituation wurde versucht, Kontakt mit der Mutterstadt Kerkyra aufzunehmen:
Die Epidamnier in der Stadt schickten in ihrer Not Gesandte nach Kerkyra als ihrer Mutterstadt und baten, sie mögen ihrem Untergang nicht tatenlos zusehen, sondern die Verbannten mit ihnen versöhnen und den Krieg mit den Barbaren beenden.“ 45
Die Kerkyraier wurden von Thukydides von der Abstammung her den Korinthern 46 und Phaiaken 47 zugeordnet. Auf dem Ruf Korinths beruhten die nautischen Fähigkeiten Kerkyras.
38 Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S. 22.
39 Vgl. Thuk. I 23, 6
40 Vgl. Cawkwell: Thucydides and the Peloponnesian War, S. 22.
41 Thuk. I 23, 4- 66.
42 Epidamnos wurde um 627 gegründet. Es ist auch unter dem griechischen Namen Dyrhacchion bekannt. Heute Durrës, in Albanien, am Ufer der Adria, ca. 30 Kilometer Luftlinie westlich von Tirana. gelegen.
43 Korfu
44 Thuk. I 24, 4.
45 Thuk. I 24, 6.
6
Die Seestreitmacht soll angeblich 120 Trieren 48 betragen haben, auch ansonsten soll das wohlhabende Kerkyra große Investitionen in die Rüstung getätigt haben. Da das Hilfegesuch
der in der Stadt befindlichen Epidamnier von Kerkyra jedoch abgelehnt wurde 49 , entschlossen sich die Epidamnier, ein Bündnis mit den Korinthern einzugehen, und so wurde die Stadt den
selbigen unterstellt. 50 Dies führte zum Konflikt um die Vorherrschaft im ionischen Meer. Als Motivation Korinths, Epidamnos zu Hilfe zu eilen, zeigte Thukydides zwei Gründe auf:
Die Korinther übernahmen den Schutz einerseits gemäß der Rechtslage - in der Meinung, es handle sich ebenso um ihre Tochterstadt wie um die der Kerkyraier -, andererseits aber auch aus Hass gegen die Kerkyraier, weil sich diese nicht um sie kümmerten, obwohl sie doch ihr Pflanzvolk waren; 51
Korinth, das mit Bündnissystemen seine Hegemonie im Golf von Ambrakia zu erhalten
suchte, entsandte neben eigenen Besatzungstruppen amprakiotische und leukadische Siedler. 52 Die Überlegenheit Kerkyras Flotte ließ Korinth den taktisch günstigeren Landweg bis
Apollonia wählen. 53 Die Reaktion Kerkyras bestand einerseits militärisch in der Mobilisierung von 25 Kriegsschiffen, andererseits wurde auf diplomatischer Ebene den vertriebenen Adligen aus Epidamnos Asyl gewährt, und die Forderung nach der Ausweisung
der Siedler unter Korinthischer Herrschaft gestellt. 54 Es kam zur Belagerung Epidamnos durch 40 kerkyraiesche Schiffe und deren Bundesgenossen, den Illyrern. 55 Die Kerkyraier stellten ein letztes Ultimatum:
Sie belagerten also die Stadt, ließen aber verkünden, jeder Epidamnier, der wolle und alle Fremden könnten unter sicherem Geleit abziehen, widrigenfalls würden sie wie Feinde behandelt. Als sich niemand darum kümmerte, begannen die Kerkyraier die Stadt - der Ort liegt auf einer Landzunge zu belagern. 56
46 Vgl. Thuk. I 25, 3.
47 Vgl. Thuk. I 25, 4.
48 Vgl. Thuk. I 25, 4.
49 Vgl. Thuk. I 24, 7.
50 Vgl. Thuk. I 25,1-2.
51 Thuk. I. 25, 3
52 Vgl. Thukydides I. Buch 26 (1), vgl. hierzu II.3 Die Schiffsflotten und die Finanzielle Dimension des Kerkyra/ Korinth Konflikts.
53 Vgl. Thuk. I 26, 2.
54 Vgl. Thuk. I 26, 3.
55 Vgl. Thuk. I 26, 4.
56 Thuk. I 26, 5.
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Michael König, 2008, Die Ursachen des Peloponnesischen Krieges bei Thukydides, München, GRIN Verlag GmbH
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