Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Terminologie 5
3. Muttersprache und Übersetzung im Fremdsprachenunterricht:
Ein historischer Überblick ab dem Ende des 19. Jahrhunderts 7
3.1. Die Grammatik-Übersetzungsmethode 8
3.2. Die einsprachigen Methoden 8
3.3. Die Kommunikative Didaktik 10
4. Die unterschiedlichen Standpunkte der Wissenschaftler 11
4.1. Die Muttersprache bei der Bedeutungserschließung 12
4.2. Die Muttersprache bei der Lernerfolgs- und Textverständnis-
kontrolle 14
4.3. Die Muttersprache beim Sprachvergleich 16
4.4. Die Muttersprache als Mittel der Zeitersparnis 17
4.5. Das Sprachmitteln und der Lernzielkatalog 18
4.6. Die Übersetzung als Fertigkeit und als Übungsform 21
4.6.1. Die Übersetzung als Fertigkeit 21
4.6.2. Die Übersetzung als Übungsform 22
4.6.3. Zur Übertragbarkeit der Erkenntnisse Bauschs auf
die anderen Formen des Sprachmittelns 23
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5. Die Stellung der Muttersprache im Lehrplan und Lehrbuch 24
5.1. Die Muttersprache im sächsischen Lehrplan 24
5.2. Die Muttersprache in den Lehrbüchern Learning English:
Green Line und English G2000 26
6. Ein Plädoyer für die Muttersprache 29
6.1. Die stete Präsenz der Muttersprache im Fremdsprachen-
unterricht 30
6.2. Der bewusste Einsatz der Muttersprache im Fremdsprachen-
unterricht 31
6.2.1. Die Abwendung von der Einsprachigkeit 32
6.2.2. Die Entwicklung sprachmittlerischer Fertigkeiten 34
6.2.2.1. Das sinngemäße Übertragen 37
6.2.2.2. Das Dolmetschen 41
6.2.2.3. Das Übersetzen 44
7. Fazit 48
8. Bibliografie 51
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1. Einleitung
In der Geschichte des Fremdsprachenunterrichts gab - und gibt es noch immer - sehr unterschiedliche Ansichten über die Rolle der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht. So wird sowohl darüber diskutiert, ob und mit welcher Wirkung die Muttersprache den Erwerb einer Fremdsprache beeinflusst, als auch über die Möglichkeiten und Grenzen, die dieser Einfluss mit sich bringt. Mein Interesse für dieses Thema wurde besonders durch den Widerspruch geweckt, dass einerseits der Muttersprache und insbesondere dem sogenannten ‚Übersetzen’ in der Fachliteratur ein eigener Platz eingeräumt wird, dies aber andererseits in vielen Didaktikwerken nicht thematisiert wird (vgl. Bach/Timm 2003, Borgwart et al. 1993, Gehring 2004, Weskamp 2001). Allein in Heuer/Klippel (2002) gibt es konkrete, wenn auch knappe, Empfehlungen zum Übersetzen und Dolmetschen. Als Studentin der englischen Didaktik erachte ich die Nichtbehandlung dieses Themas in Didaktikbüchern als unbefriedigend. Einerseits gilt im heutigen Englischunterricht weitestgehend das Prinzip der Einsprachigkeit und das primäre Lernziel ist die Kommunikationsfähigkeit. Andererseits bin ich jedoch der Ansicht, dass heutzutage im Zuge der zunehmenden Globalisierung immer öfter auch von Fremdsprachen-kundigen ohne philologische Ausbildung verlangt wird, Texte (oder Textteile, Sätze und Wörter) von einer Sprache in eine andere zu übertragen. Eine gewisse Grundkenntnis dieser Fertigkeit scheint also in vielen Bereichen vorausgesetzt zu werden.
Im Mittelpunkt dieser Examensarbeit sollen die Fragen stehen, welche Möglichkeiten der bewusste Einsatz der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht eröffnet und auf welche Weise er zum Erreichen von Lernzielen beitragen kann. Damit soll nicht untersucht werden, ob eine Fremdsprache gelehrt und gelernt werden kann, indem als Unterrichtssprache die Muttersprache verwendet wird. Vielmehr soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern Unterricht, der neben der Fremdsprache die gelegentliche und überlegte Zuhilfenahme der Muttersprache zulässt, erfolgreicher sein kann als der häufig geforderte, konsequent einsprachige Fremdsprachenunterricht.
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Am Beginn dieser Arbeit wird eine Klärung der verwendeten Terminologie stehen, da einige Begriffe meiner Ansicht nach in der Literatur zu undifferenziert verwendet werden. Das dritte Kapitel gibt einen historischen Überblick über den Fremdsprachenunterricht in Deutschland, vor dessen Hintergrund die Diskussion innerhalb der Wissenschaft verständlicher wird. Dabei soll die Frage beantwortet werden, welche Rolle der Muttersprache - und damit verbunden dem Sprachmitteln - in den jeweiligen Methoden zugesprochen wurde. Im Anschluss daran folgt eine Zusammenfassung der verschiedenen Auffassungen der Wissenschaftler und Didaktiker zu verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht. Im fünften Kapitel erfolgt eine Untersuchung des sächsischen Lehrplans und zweier Lehrwerke in Hinsicht auf die Muttersprache im Englischunterricht. Schließlich folgen eigene Überlegungen, zu welchen Zwecken und unter welchen Bedingungen man die Muttersprache im Fremdsprachenunterricht bewusst einsetzen kann und wann davon abzuraten ist. Dabei soll auch dargestellt werden, welchen Einfluss die Muttersprache beim Erwerb einer Fremdsprache von Natur aus hat, denn diese Erkenntnisse helfen bei der Entscheidung, inwiefern der Unterricht konsequent einsprachig sein sollte und sein kann.
2. Terminologie
Als eine wichtige Voraussetzung für die Untersuchung erachte ich eine Konkretisierung der im Folgenden verwendeten Termini, da dies in der vorliegenden Literatur teilweise uneinheitlich ist.
Als Muttersprache wird die Sprache bezeichnet, welche man zuerst erwirbt beziehungsweise welche in einer Person am stärksten ausgeprägt ist. Die Bezeichnung bewusster Einsatz ist hier im Sinne eines gezielten Einsatzes in Abgrenzung zu dem unbewussten, natürlichen Einfluss der Muttersprache zu verstehen, worauf im 6. Kapitel näher eingegangen wird (siehe Abschnitt 6.1.). Unter einer Fremdsprache ist eine Sprache zu verstehen, die nach Abschluss des Mutterspracherwerbs (etwa mit Schuleintritt) im Herkunftsland unter formellen
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Bedingungen erlernt wird. Der Fremdsprachenerwerb unterscheidet sich damit durch das Verbleiben im Herkunftsland vom Zweitsprachenerwerb, der im Zielsprachen-land stattfindet, und durch seine Nachzeitigkeit vom primären Bilingualismus, der den Erwerb (mindestens) einer weiteren Sprache neben der Muttersprache bezeichnet (vgl. Apeltauer 1997: 10ff. und 146ff.). Eine strenge Unterscheidung zwischen Erwerb und Lernen, wie sie Krashen vornimmt, soll es hier nicht geben (vgl. Weskamp 2001: 27ff.).
Auf Grund meines angestrebten Studienabschlusses und obiger Abgrenzungen gilt für die komplette Arbeit, dass ich mich auf den Englischunterricht in der Sekundarstufe am Gymnasium beziehe, obwohl viele Ergebnisse sicherlich auch auf den Unterricht anderer Fremdsprachen, in anderen Schularten und -stufen bezogen werden können. Als Muttersprache (der Mehrheit) der Schüler und des Lehrers wird Deutsch angenommen.
Die Begriffe Übersetzen und Übersetzung werden in der Literatur oft mehrdeutig und als Oberbegriff für nahezu alle Vorgänge benutzt, bei der neben der Fremd- auch die Muttersprache involviert ist. In der vorliegenden Arbeit ist es jedoch von Bedeutung, diese Vorgänge differenziert zu betrachten. Im Folgenden wird stattdessen die Bezeichnung Übertragung als Oberbegriff dienen.
Übersetzen und Übersetzung ist hier als die Übertragung eines schriftlich fixierten ausgangssprachlichen Textes in einen wirkungsäquivalenten zielsprachlichen Text zu verstehen, wobei sich Übersetzung auch auf das Produkt des Prozesses beziehen kann. Unter einer Herübersetzung ist die Übersetzung aus dem Englischen in das Deutsche zu verstehen, unter einer Hinübersetzung die Übersetzung in das Englische. Durch die schriftliche Form wird die Übersetzung vom Dolmetschen, dem mündlichen Übertragen eines Textes in einen wirkungsäquivalenten zielsprachlichen Text, abgegrenzt. Text bezeichnet hier mehrere Sätze, die inhaltlich miteinander in Verbindung stehen. Aus diesem Grund wird das Übertragen einzelner Wörter oder zusammenhangloser Phrasen und Sätze mit den genannten Begriffen nicht abgedeckt. Für diesen Bereich sollen allgemeinere Bezeichnungen wie zweisprachige Semantisierung verwendet werden.
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Eine weitere Form ist das sinngemäße Übertragen. Dabei wird ein (meist mündlich) vorgegebener Sachverhalt in der Fremdsprache ausgedrückt, ohne dass das muttersprachliche Material wie beim Übersetzen oder Dolmetschen vorformuliert wurde. Obwohl sich das Ausgangsmaterial deutlich von dem einer Übersetzungs- oder Dolmetschaufgabe unterscheidet, stellt es durch den situativen und inhaltlichen Rahmen einen Text im obigen Sinne dar. Das sinngemäße Übertragen wird hier neben der Übersetzung und dem Dolmetschen als dritte Form der Sprachmittlung betrachtet. Die hier zu Grunde gelegte Unterscheidung nach Mündlichkeit (Dolmetschen, sinngemäßes Übertragen) und Schriftlichkeit (Übersetzen, selten: sinngemäßes Übertragen) stellt eine Idealisierung dar und schließt strenggenommen verschiedene mögliche Mischformen aus. Dennoch wird auf sie in vorliegender Arbeit am Rande eingegangen.
Häufig wird in der Literatur der Begriff Übersetzung nicht so eng gefasst wie in dieser Arbeit. Beziehe ich mich im Folgenden indirekt auf eine Quelle, in der Übersetzung offensichtlich anders verwendet wird, werde ich dies mit einfachen Anführungszeichen kennzeichnen (‚Übersetzung’).
3. Muttersprache und Übersetzung im Fremdsprachenunterricht:
Ein historischer Überblick ab dem Ende des 19. Jahrhunderts
In der Geschichte des Fremdsprachenunterrichts haben sich die Einstellungen gegenüber dem Gebrauch der Muttersprache stark verändert. Folgende methodische Konzeptionen existierten - und existieren teilweise noch immer. Die Rolle der Muttersprache und insbesondere der Übersetzung soll bei der nachfolgenden Beschreibung, die sich als Auswahl der wichtigsten Methoden versteht, im Zentrum stehen.
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3.1. Die Grammatik-Übersetzungsmethode
Diese deduktive Methode für den neusprachlichen Unterricht verbreitete sich besonders während des 18. und 19. Jahrhunderts und basierte auf den Praktiken zur Vermittlung klassischer Sprachen. Das Herübersetzen längerer Texte in die Muttersprache stand dabei im Mittelpunkt und sollte der Erarbeitung grammatischer und lexikalischer Strukturen dienen. Erst durch Johann Meidingers Grammatik von 1783 wurden Hinübersetzungen stärker im Unterricht praktiziert. Die Unterrichtssprache war die Muttersprache. Nicht angestrebt wurde dabei eine derartige Sprachbeherrschung, dass man sich spontan in der Fremdsprache äußern kann. Auch Aussprache und Hörverstehen wurden nicht geschult. Folglich stand vielmehr die Aneignung von Sprachwissen im Vordergrund und „die Bildung korrekter Sätze durch Anwendung von Regeln unter Zuhilfenahme der lateinischen Schulgrammatik“ (Weskamp 2001: 26).
3.2. Die einsprachigen Methoden
Mit Viëtors Der Sprachunterricht muß umkehren! von 1882 kam es zu einer entscheidenden Wende im Fremdsprachenunterricht. Er forderte, dass statt Grammatik- und Übersetzungsübungen sprachpraktische Übungen im Zentrum des Unterrichts stehen, denn „[d]as Übersetzen in fremde Sprachen ist eine Kunst, welche die Schule nichts angeht“ (Viëtor 1882; zitiert nach Schröder 1984: 75). Dass Viëtor sich bei dieser Aussage lediglich auf die Hinübersetzung bezog - „Eine Übersetzung in die eigene [Sprache] lasse ich [...] ausdrücklich zu“ (dass.: 84)wurde häufig nicht beachtet und so wollte man fortan
den Unterricht in der Fremdsprache unter Verzicht auf den Umweg über die Muttersprache durchführen [...] und den ‚natürlichen’ Spracherwerb analog zum Erlernen der Muttersprache propagieren (Neuner 2003: 228; Hervorhebung i. Orig.).
Aus diesem Grund wurde die Muttersprache und damit das Übersetzen rigoros aus dem Fremdsprachenunterricht verbannt, denn
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[d]ie Übersetzung wurde als das wichtigste der traditionellen (d.h. rückständigen) Methodik gekennzeichnet, und als solches wollte es die moderne Methodik für alle Zeiten kategorisch ausgeschlossen wissen (Grucza 1970: 33).
Die Direkte Methode, das heißt die konsequent einsprachige Vermittlung der Sprache, fand Einzug in die Didaktik und wurde bald von den Lehrplänen gefordert. Man nahm an, eine Fremdsprache ließe sich auf gleichem Wege wie die Muttersprache erwerben. Daher lag der Schwerpunkt dieser Methode auf der mündlichen Kommunikation in nahezu realen Situationen sowie auf der Schulung der Aussprache, demzufolge auf der praktischen Sprachbeherrschung. Dabei wurde die Ausbildung der anderen Sprachtätigkeiten (Schreiben und Lesen) aber nicht vernachlässigt. Statt auf die Muttersprache zurückzugreifen, wurden Realien, Bilder etc. verwendet, um neuen Wortschatz zu vermitteln. Als Ziele dieser Methode galten die Kommunikation und das Denken in der Fremdsprache (vgl. insbesondere Borgwardt et al. 1993: 13f.).
In Deutschland wurde vor allem in den 60er und 70er Jahren die Audiolinguale Methode praktiziert (vgl. Weskamp 2001: 27). Bei dieser Methode werden Satzmuster durch Imitation und Wiederholen kontinuierlich eingeübt, wobei der pattern drill, eine Form des sprachlichen Konditionierens, die wichtigste Übungs-form darstellt. Im Unterricht ist hier - wie auch bei der Direkten Methode - das Prinzip der Einsprachigkeit zu befolgen, was die verschiedenen Formen des Sprachmittelns ausschließt. Auch bei dieser Methode hat die gesprochene Sprache eine Vorrangstellung im Unterricht. Grammatische Regularitäten werden nicht deduktiv gelehrt, sondern sollen induktiv erschlossen werden. Im Unterschied zur Direkten Methode, die davon ausgeht, dass das Lernen einer Fremdsprache mit dem Mutterspracherwerb nahezu identisch ist, basiert die Audiolinguale Methode auf der Erkenntnis, dass das Erlernen einer Fremdsprache von bereits erworbenen Sprachen (z.B. der Muttersprache) beeinflusst wird.
Die Audiovisuelle Methode stellt seit der Mitte der 1960er Jahre eine Weiterentwicklung der Audiolingualen Methode dar. Hier galt besonders das Prinzip der Anschaulichkeit, was durch die Weiterentwicklung technischer Medien (Sprachlabor, Overheadprojektor etc.) unterstützt wurde. Die Muttersprache und explizite Grammatikerläuterungen sollten bei dieser Methode ausgeschlossen werden. Später
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wurde an dieser Methode besonders kritisiert, dass das kognitive Potenzial der Schüler ausgeschlossen wird (vgl. Neuner 2003: 230).
In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zeigten empirische Untersuchungen, u.a. die Studie Zum Stellenwert der Übersetzung im Fremdsprachenunterricht von Grotjahn/Klevinghaus (1975), dass in den Lehrplänen seit der Abwendung von der Grammatik-Übersetzungsmethode zwar die konsequente Einsprachigkeit gefordert, diese aber von vielen Lehrkräften nicht umgesetzt wurde. Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Obwohl sich die Mehrheit der Lehrer für die Einsprachigkeit ausspricht, wird die Übersetzung im Unterricht eingesetzt (vgl. Grotjahn/Klevinghaus 1975: 99ff.). Später fasst Butzkamm zusammen:
Die dogmatische, absolute Einsprachigkeit war einfach nicht praktikabel [...] Der erfolgreiche Lehrer hatte schon immer praktische Vernunft walten lassen und den Grundsatz der Einsprachigkeit undogmatisch-unverkrampft angewendet (Butzkamm 1989: 177).
Einen bedeutenden Beitrag leistete Butzkamm bereits mit seiner 1973 erschienenen Schrift Aufgeklärte Einsprachigkeit. Zur Entdogmatisierung der Methode im Fremdsprachenunterricht. Durch die Propagierung dieser sogenannten ‚aufgeklärten Einsprachigkeit’ - später von ihm selbst durch die Bezeichnung ‚funktionale Fremdsprachigkeit’ ersetzt (vgl. Butzkamm 2003: 183) - wurde der Stellenwert der Muttersprache im Unterricht neu bestimmt. In der Folge kam es wieder zu Diskussionen um die Einsatzmöglichkeiten des Sprachmittelns im Unterricht. Der erste Teil des Bandes Übersetzen und Fremdsprachenunterricht, herausgegeben von Bausch/Weller (1981), zeigt die Diskussion um dieses Thema in den 1970er Jahren deutlich. Auf einige dieser Beiträge soll im vierten Kapitel eingegangen werden.
3.3. Die Kommunikative Didaktik
Die am weitesten verbreitete Methode seit dieser Wende ist die Kommunikative Didaktik (Communicative Approach) mit dem Hauptvertreter Hans-Eberhard Piepho. Ziel dieser Methode ist der Erwerb einer kommunikativen Kompetenz durch implizites Lernen. Dabei werden unter Zuhilfenahme authentischer Materialien
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kommunikative Situationen im Unterricht aufgebaut, in denen die Schüler aktiv in die Bedeutungserschließung eingebunden sind. In methodisch begründeten Fällen wird die Muttersprache eingesetzt. In Lehrbüchern finden sich seither wieder Sprachmittlungsübungen, häufig in Form von Dolmetschaufträgen (vgl. Borgwardt et al. 1993: 19; Ettinger 1989: 202).
4. Die unterschiedlichen Standpunkte der Wissenschaftler
Wie bereits dargestellt, war das Resultat der methodischen Wende am Ende des 19. Jahrhunderts zunächst eine Verbannung der Muttersprache aus dem Fremdsprachenunterricht. Einige Jahrzehnte später wurde erneut über die möglichen Funktionen der Muttersprache, insbesondere der Übersetzung, im Unterricht nachgedacht. Diesbezüglich finden sich in den wissenschaftlichen Texten seit der Mitte des 20. Jahrhunderts die unterschiedlichsten Ansichten. Einige Wissenschaftler räumen zweisprachigen Unterrichtsmethoden einen großen Stellenwert im Unterricht ein: So lässt Palmer die Übersetzung als Mittel der Semantisierung uneingeschränkt zu (vgl. Grucza 1970: 35). Andere hingegen lehnen die Übersetzung rigoros ab: Girard stellt die Übersetzung als regelrechte Bedrohung dar: „[T]ranslation in itself is dangerous“ (Girard; zitiert nach Grucza 1970: 40). Auch Freudensteins Urteil ist vernichtend:
Wer gar übersetzt (von der Fremdsprache in die Muttersprache oder umgekehrt), könnte ebenso gut seinen Garten umgraben oder im Wald spazieren gehen - die Fremdsprache lernt er auf diesem Wege nicht! (Freudenstein 1972; zitiert nach Weller 1981: 235)
Weniger drastisch formuliert Catford seine Einwände: “It is not translation in itself which is dangerous, but the misuse of translation, or the use of bad translation” (Catford 1967: 14).
Auf der Grundlage der bei Krings (1995: 327ff.) und Königs (2000: 8f. und 2001: 96f.) zusammengefassten Argumente sollen im Folgenden die verschiedenen Standpunkte zu einzelnen Aspekten wiedergegeben werden. Oftmals beziehen sich die Wissenschaftler dabei auf eine jeweils mehr oder weniger klar definierte
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Arbeit zitieren:
Peggy Meier, 2006, Der bewusste Einsatz der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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