Frieden und Menschenrechte - Die Päpste und die Vereinten Nationen 1
Inhalt
:DVVLVWW)ULHGHQ"" (QWZLFNOXQJJ XPQHX HLWOLFKHQQ
)ULHGHQVEHJULIIV
1.1. Das Verständnis von Frieden in der Antike 3
1.2. Der moderne Friedensbegriff 4
'LHHNDWKROLVFKHH.LUFKHHXQGGGLH)ULHGHQVERWVFKDIWWGHU3lSVWHH
VHLWW0LWWHHGHVV-DKUKXQGHUWV
2.1. Pius XII. (1939-1958) 6
2.2. Johannes XXIII. (1958-1963) 7
2.3. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) 9
2.4. Paul VI. (1963-1978) 10
2.5. Johannes Paul II. (1978-2005) 11
2.6. Benedikt XVI. (seit 2005) 12
'LHH9HUHLQWHQQ1DWLRQHQQXQGLKU(LQVDW]]I U)ULHGHQ
3.1. Organisation der UNO. 13
3.2. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in ihrer
Bedeutung für die weltweiten Bemühungen um Frieden. 15
'LHH3lSVWHHXQGGGLH9HUHLQWHQ1DWLRQHQQHLQQJHPHLQVDPHVV
LHO )ULHGHQQLQGHU:HOW
4.1. Friedensfunktion und moralische Sendung der Katholischen
Kirche am Beispiel päpstlicher Ansprachen vor der Vollversammlung
der Vereinten Nationen. 17
3DXO9 ,YRUUGHUU9ROOYHUVDPPOXQJJGHUU9HUHLQWHQQ1DWLRQHQQLQQ
1HZ RUNDP2NWREHU
-RKDQQHVV3DXO,,YRUUGHUU9ROOYHUVDPPOXQJGHUU9HUHLQWHQQ
1DWLRQHQQLQQ1HZ RUNNXQG
HQHGLNW 9,YRUUGHUU9ROOYHUVDPPOXQJJGHUU9HUHLQWHQQ1DWLRQHQ
LQ1HZ RUNDP SULO
4.2. Entwicklung: Ein anderes Wort für Frieden. 20
Quellen - und Literaturverzeichnis 21
Frieden und Menschenrechte - Die Päpste und die Vereinten Nationen 2
(LQOHLWXQJJ
Die unterschiedlichsten Stellungnahmen zu Krieg und Frieden unterliegen im Lauf des Geschichte einem starken Wandel. Erst in der Neuzeit werden Gedanken über eine Staatengemeinschaft relevant für Friedensdiskussionen. Man könnte sagen, dass die Kirche in ihrem Bemühungen um Frieden und damit in ihren Bemühungen um das Wohl jedes Einzelnen, eines ihrer wesentlichsten Merkmale zum Ausdruck bringt. Im Blick auf vorliegende Quellen wird deutlich, dass mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen auch in kirchlichen Stellungnahmen diese neu statuierten Grundsätze überdacht und gedanklich aufgenommen wurden und schließlich auch in der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" verbindlich festgehalten wurden.
In dieser Arbeit soll erarbeitet werden, inwiefern die Erklärung der Menschenrechte in der Friedensbotschaft der Katholischen Kirche rezipiert und weitergetragen wurde und wie sich das Friedensverständnis weiterentwickelt hat.
Frieden und Menschenrechte - Die Päpste und die Vereinten Nationen 3
Was ist Frieden? - Entwicklung zum neuzeitlichen Friedensbegriffs
Um im zweiten Teil der Arbeit auf das Verhältnis von päpstlichen Friedensbotschaften und den Vereinten Nationen näher eingehen zu können, halte ich es zunächst für notwendig, zu klären, wie Frieden in früheren Zeiten verstanden wurde und heute verstanden wird.
Das Verständnis von Frieden in der Antike
Ein Blick in die griechische Antike zeigt, dass damals keineswegs Frieden, sondern Krieg als Normalzustand gilt. Frieden (GKTJ PJ) wird als Zustand oder Zeit gesehen, wodurch der ewige Kriegszustand unterbrochen wird. 1 Dennoch wird der Krieg als Übel empfunden und seit Plato begegnet die These immer wieder, dass "nur durch das Ziel des Friedens, ein Krieg gerechtfertigt werden kann."
Auch der römische Begriff „pax“, unterstreicht das Verständnis des Friedens als Rechtszustand, der dem Streit ein Ende setzt. 2 Mit dieser Vorstellung erwachsen Hoffnungen auf einen dauerhaften Frieden, als deren Erfüllung die pax Augusta gilt.
Vor der Konstantinische Wende, einer Zeit von Verfolgung und Minderheit, lehnen die Christen den Kriegsdienst ab, da die Beteiligung an einem Krieg und das damit verbundene Töten anderer Menschen mit dem christlichen Gebot der Nächsten- und Feindesliebe unvereinbar seien. 3 Erst als das Christentum zur Staatsreligion wird, setzt sich die Überzeugung durch, dass der Schutz der wahren Religion den Bestand und den Frieden des Reiches gewährleiste; eben darum sei es den Christen nicht nur erlaubt, sondern geboten, sich an den Aufgaben zu beteiligen, die sich in diesem politischen Rahmen stellen. 4
Augustinus schließlich prägt in seiner Reflexion zum Thema "Krieg und Frieden" einen positiven Friedensbegriff, der charakteristisch für das kirchliche Friedensverständnis wurde 5 , welches weit über gegenwärtige Abwesenheit von Krieg
1 Vgl.: TRE 11: Frieden
2 TRE 11: Frieden
3 Vgl.:TRE 11: Frieden
4 TRE 11: Frieden
5 Mader, Hubert (Hrsg.): Quellen zum Friedensverständnis der Katholischen Kirche seit Pius IX., Wien - München 1985, S. 12
Frieden und Menschenrechte - Die Päpste und die Vereinten Nationen 4
hinaus reicht: "So besteht denn (...) der Friede aller Dinge in der Ruhe der Ordnung. Ordnung aber ist die Verteilung gleicher und ungleicher Dinge, die jedem den gebührenden Platz anweist. (...) Gott ist der weiseste Schöpfer und gerechteste Ordner aller Naturen. 6
Für einen gerechten Krieg (bellum iustum) müssen nach Augustinus mehrere Voraussetzungen gegeben sein: Zum einen muss der Krieg dem Frieden dienen und darf sich nur gegen ein begangenes Unrecht richten, das weiterhin besteht. Außerdem muss der Krieg und dessen Anordnung einer Autorität obliegen, wobei diese nicht gegen das Gebot Gottes verstoßen darf. 7
Nochmals präzisiert werden diese Bedingungen bei Thomas von Aquin. Zu einem gerechten Krieg sind erforderlich: die Vollmacht des Regierenden, auf dessen Befehl hin der Krieg geführt werden muss; ein gerechter Grund (causa iusta); die rechte Absicht der Kriegführenden (intentio recta). 8 Ein Krieg kommt also nur in Frage, wenn er der Wiederherstellung einer ungerecht gestörten Ordnung oder deren Schutz dient. 9
Der moderne Friedensbegriff
Völkerrechtstheologen der so genannten Schule von Salamanca, Vertreter der spanischen Spätscholastik wie Francisco de Vitoria (gest. 1546) und Francisco Suárez (1548-1617) führen die bellum-iustum-Lehre Aquins fort und begründen diese auf der Basis menschlicher Vernunft, wodurch sie für alle Menschen, auch die dem christlichen Glauben nicht angehörenden, unter dem Gesichtspunkt des Weltgemeinwohls, nachvollziehbar wird. Damit einher geht, dass die im Krieg eingesetzten Mittel, das erforderliche Maß nicht überschreiten sollen und die
6 Augustinus, Vom Gottestaat. Übersetzt von W. Thimme, Zürich/München, 19.13.
7 Rief, Josef, Die bellum-iustum Theorie historisch. In: Glatzel./Nagel, Frieden in Sicherheit. Zur Weiterentwicklung der Katholischen Friedensethik, Freiburg 1981, 22
8 Mader, Hubert (Hrsg.): Quellen zum Friedensverständnis der Katholischen Kirche seit Pius IX., Wien - München 1985, S. 13
9 Vgl. Mader, Hubert (Hrsg.): Quellen zum Friedensverständnis der Katholischen Kirche seit Pius IX., Wien - München 1985, S. 14
Frieden und Menschenrechte - Die Päpste und die Vereinten Nationen 5
Kriegsführung ohnehin nur gerechtfertigt ist, wenn eine Aussicht auf erfolgreiche Beendigung besteht. 10
Auch Kant stellt den Frieden als Produkt menschlicher Vernunft dar. „Kants Grundüberlegung lautet einfach zusammengefasst, dass Demokratien (...) sich nach außen friedfertiger verhalten als Nichtdemokratien.“ 11 Dem Friedensentwurf in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ folgend, ist für das Erreichen eines wirklichen Friedens nicht nur eine republikanische Staatsform entscheidend, in welcher die Bürgerinnen und Bürger über die Außenpolitik mitentscheiden. 12 Viel bedeutender erscheint die Schaffung eines Rechtzustands zwischen den Staaten, die Institutionalisierung des Weltbürgerrechts, um die Interaktionen zwischen Staaten zu steuern und ebenso die Abschaffung der stehenden Heere, „denn sie bedrohen andere Staaten unaufhörlich mit Krieg durch die Bereitschaft, immer dazu gerüstet zu erscheinen.“ 13 Der Friede ist für Kant denkmöglich, objektiv möglich und real notwendig: „Wenn es Pflicht, wenn zugleich begründete Hoffnung da ist, den Zustand eines öffentlichen Rechts, obgleich nur einer in’s Unendliche fortschreitenden Annäherung, wirklich zu machen, so ist der ewige Friede, der auf die bisher fälschlich so genannten Friedensschlüsse (eigentlich Waffenstillstände) folgt, keine leere Idee, sondern eine Aufgabe, die, nach und nach aufgelöst, ihrem Ziele (weil die Zeiten, in denen gleiche Fortschritte geschehen, hoffentlich immer kürzer werden) beständig näher kommt.“ 14
10 Vgl. Heinrich, Axel: Die Kirche und das Völkerrecht, in: Sekretariat der DBK (Hrsg.): Das Völkerrecht: Ein Weg zum Frieden. Welttag des Friedens 2004 (Arbeitshilfen 173), Bonn 2004, S. 26-27.
11 Imbusch, P.; Zoll, R. (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung: Eine Einführung, Wiesbaden 4 2006, S. 127.
12 Vgl. dazu und im Folgenden: Imbusch, P.; Zoll, R. (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung: Eine 4 Einführung, Wiesbaden 2006, S. 127-128.
13 Kant, Immanuel: Zum ewigen Frieden, in: ders., Kleinere Schriften zur Geschichtsphilosophie, Ethik und Politik, Hamburg 1973, S. 125, Vgl.: Imbusch,/Zoll: Friedens- und Konfliktforschung, S. 128.
14 Kant, Immanuel: Zum ewigen Frieden - nebst Auszügen aus andern Kant'schen Schriften, betreffend den nämlichen Gegenstand, Bern 1867, S. 49.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Theol. Nicole Kaiser, 2008, Frieden und Menschenrechte, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Die Reform der Vereinten Nationen - Bilanz und Perspektiven
Johannes Varwick, Andreas Zimmermann
Die Regierung von Konfliktgebieten durch die Vereinten Nationen
Simon Friedrich Wilhelm Wollenberg
0 Kommentare