1. Einleitung
Angesprochen auf die Gründe seiner Teilnahme bei der fünften Staffel der Reality-‐Show ,,Ich bin ein Star, holt mich hier raus‘‘ antwortete Rainer Langhans stets »Es handelt sich um eine verschärfte Kommune-‐Erfahrungsmöglichkeit.« Aus individualethischer Sicht muss man
allerdings
deutlich
kritisieren,
dass
eine
Figur
wie
Rainer
Langhans
in
einem
Trash-‐Format
wie
dem
Dschungelcamp
erscheint,
das
ja
ex
definitione
das
Präzedenzformat
der
kapitalistischen
Kulturindustrie
zu
verkörpern
scheint.
Mit
der
Teilnahme
der
legendären
Kommune
I-‐Ikone
pervertiert
RTL
die,
in
den
68er
Jahren
hervorgebrachte,
Idee
der
Wohngemeinschaft
und
präsentiert
Langhans
als
symbolische
Trophäe
die
sich
zugunsten
der
Unterhaltungs-‐Massenindustrie
vor
einem
Millionen
Publikum
zum
Affen
macht.
Dabei
geht
es
mehr
um
ökonomische
Expansion,
um
Quote
und
Zahlen
als
um
die
Grundidee
des
friedlichen
Zusammenlebens
,
der
kulturellen
Zeichen
und
der
Spiritualität.
Ganz
im
Gegenteil,
die
Produzenten
von
RTL
setzen
alles
daran
eine
Atmosphäre
des
Neids,
Hasses
und
der
Antipathie
zu
schaffen
um
den
Zuschauer
mit
den
Abgründen
der
menschlichen
Existenz
bei
Laune
zu
halten.
Der
Zuschauer
<
Pseudopromis die den Begriff des B-‐Promis nicht wirklich verdienen. Doch was bringt einen Teilnehmerin wie Katy Karrenbauer dazu, sich für das Honorar von rund 50.000 Euro zwei Wochen lang dem fokussierten Interesse eines scheinbar anspruchslosen Millionenpublikums auszusetzen und verletzt das Dschungelcamp nicht die Menschenwürde ihrer prominenten Teilnehmer? 2
1 März, Ursula (2011):Spaß muss sein-‐ ,,Dschungelcamp‘‘.20.1.2011.
http://www.zeit.de/2011/04/Dschungelcamp?page=1. Zugriff am 30.01.2011
2 Vgl. Ebd.
2.Hauptteil
Im
Hinblick
auf
den
Vorwurf
der
Verletzung
der
Menschenwürde
sprach
der
Psychiater
Mario
Gmür
von
einer
„regrediert-‐infantilen
Verfassung“
der
Sendung,
die
das
Sadistische
nicht
mehr
sozial
ächtet
sondern
dem
Zuschauer
per
excellence
die
Möglichkeit
biete
„bei
der
Geburt
und
der
Hinrichtung
von
Helden
dabei
[zu]
sein“
3
.
Das
Publikum
kann
als
Voyeur
Angstlust
empfinden
und
sadistische
Bedürfnisse
ausleben.
Die
Medien
<
Psychotherapeut, Dozent an der Universität Zürich und Autor des Buchs "Der öffentliche Mensch", sprach im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bereits 2004 von einer, dem Milgram-‐Experiment ähnlichen Versuchsanordnung, die allerdings konstruiert-‐ artifiziell wirkt und Authentizität nur vortäuscht. In jenem Experiment konnten Versuchspersonen Elektroschocks verabreichen und nahmen dabei fast unisono die Schmerzen des Opfers in Kauf, wenn nur jemand den Befehl zum Quälen gegeben hatte. Übertragen auf das Dschungelcamp übt sich der anrufende Zuschauer als diejenige Versuchsperson, die per telefonischer Abstimmung den bestimmt wer sich bis zum Ende im Camp inszenieren muss. Die Tatsache, dass sich die Teilnehmer in der Medienwelt auskennen, rechtfertigt die Instrumentalisierung dieser Menschen für ein dramaturgisches Konzept in der Öffentlichkeit nicht. Das Dschungelcamp spielt geradezu mit dem desaströsen Status der ehemaligen Prominenten, indem ihnen zunächst die Möglichkeit gegeben wird aus ihrer Mittelmäßigkeit hervorzutreten und temporär eine künstliche Prominenz ohne Exzellenz, Substanz oder Relevanz zu erfahren. Danach folgt mit dem Ende der Show wieder der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Die Beziehung zwischen Öffentlichkeit, Medienmachern und Stars ist dabei von narzisstischer Art: die fungieren als Projektionsfläche und werden im gruppendynamischen Dschungelspiel je nach Typus als hinterhältige Lästerzicke, berechnendes Pseudopärchen, spiritueller Guru oder charmanter Publikumsliebling dargestellt. ,,Sie werden zu Empfängern von Attributen und Anschauungen mittels parasozialer Interaktion: Man kann auf sie losschlagen, ohne daß ein Feedback
3 Kaiser, Alfons(2004): „Bei der Geburt und bei der Hinrichtung von Helden dabeisein“. 14.01.2004.
http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~E92394113F52549CDB09A5E755CD0
5635~ATpl~Ecommon~Scontent.html. Zugriff am 28.01.2011
Arbeit zitieren:
Stephanie Julia Winkler, 2011, Medienethische Diskussion zu ,,Ich bin ein Star, holt mich hier raus‘‘, München, GRIN Verlag GmbH
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