Ist es ethisch vertretbar körperlich behinderte Menschen unter Einfluss von technischen Hilfsmitteln bei den Olympischen Spielen starten zu lassen?
1 Voraussetzung der philosophischen Theorie
2 Grundlage der Fragestellung
3 Diskussion der Fragestellung
3.1 Verbindung des Utilitarismus mit dem Problem der Fragestellung
3.2 Der Nutzen für den behinderten Teilnehmer
3.3 Der Nutzen für den nicht-behinderten Teilnehmer
3.4 Der Nutzen für die Zuschauer
3.5 Der Nutzen für die Allgemeinheit
4 Resümee
Ist es ethisch vertretbar körperlich behinderte Menschen
1. Voraussetzung der philosophischen Theorie
Der Utilitarismus ist eine philosophische Lehre, welche im späten 18. Jahrhundert erstmals durch Jeremy Bentham, einem englischen Juristen, Philosoph und Sozialreformer (1748 -1832), ihre Veröffentlichung in Europa fand. Diese Lehre setzt sich mit der Nützlichkeit des Handelns auseinander und stellt in ihrer Grundform das Nutzen des Handelns, bzw. wie viel Nutzen ein Handeln bringt in den Vordergrund. So ist Handeln, lt. Bentham, immer dann als gut und sinnvoll anzusehen, wenn es den größtmöglichen Nutzen für den Einzelnen und dadurch für die Allgemeinheit bringt. Dies lässt sich durch das Zitat „It is the greatest happiness of the greatest number that is the measure of right and wrong“ 1 von Bentham untermauern und darstellen.
Anfang des 19. Jahrhunderts griff John Stuart Mill, ein englischer Philosoph und Ökonom (1806-1873), den von Bentham entwickelten und von James Mill, seinem Vater, weiter entwickelten Utilitarismus-Begriff wieder auf und wandelte die Lehre etwas ab. So ist das Handeln dann als nützlich anzusehen, wenn es den größtmöglichen Nutzen, Freude oder Lustgewinn nach sich zieht, jedoch ist der kleinste geistige Lustgewinn dem größten körperlichen Lustgewinn vorzuziehen. John Stuart Mill beschreibt dies in dem treffenden Beispiel "It is better to be a human being dissatisfied than a pig satisfied; better to be Socrates dissatisfied than a fool satisfied. And if the fool, or the pig, are of a different opinion, it is because they only know their own side of the question. The other party to the comparison knows both sides“ 2 . Hier sieht man auch, dass sich Mills als Erbe Sokrates` und diesen als Idealtyp des denkenden Menschen sieht. Auch wird im zweiten Teil des Zitats deutlich, dass es zwei Typen Mensch gibt: den klugen, wissenden Mensch und den dummen, einfältigen Mensch. Das Problem der klugen, wissenden Menschen ist es, dass diese niemals zufrieden zu stellen sind, da sie sowohl nach dem geistigen, wie auch nach dem körperlich größten Nutzen einer Sache suchen und dieser Zustand nicht erreichbar ist. Somit bleiben
sie ewig auf der Suche, ohne jemals ans Ziel zu kommen, da das gesteckte Ziel unerreichbar ist. Anders ist es bei den einfältigen Menschen, diese sehen immer nur die eine Seite der Medaille, das heißt sie sehen nur den einen Nutzen einer Sache, meist den körperlichen, da sie meist nicht fähig sind den geistigen Nutzen zu erkennen, und sind hierdurch leicht zufrieden zu stellen, da das Streben nach nur einem Nutzen einer Sache, noch dazu nach dem körperlichen, leichter zu bewerkstelligen ist, als das Streben nach dem optimalen Nutzen, welcher sich aus geistigem und körperlichen Nutzen zusammensetzt. Unter der Voraussetzung der Thesen von John Stuart Mills, also dem Utilitarismus nach Mills, welcher besagt, dass Handeln nach seinem Nutzen zu bewerten ist, aber ein geistiger Nutzen dem körperlichen Nutzen vorgezogen werden soll werde ich nun die ethische Frage „Ist es ethisch vertretbar körperlich behinderte Menschen unter Einfluss von technischen Hilfsmitteln bei den Olympischen Spielen starten zu lassen?“ diskutieren.
2. Grundlage der Fragestellung
Diese Frage stellt sich daher, da es der südafrikanische Leichtathlet Oscar Pistorius mit einer Klage beim Internationalen Sportgerichtshof CAS schaffte an allen Wettbewerben der Leichtathletik der IAAF teilzunehmen 3 . Dies wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn Pi-storius nicht beide Unterschenkel bei einer Amputation, wegen fehlender Unterschenkelknochen, im Säuglingsalter, verloren hätte. Nun will er an internationalen Wettkämpfen der IAAF inkl. der Olympischen Spiele in Laufwettbewerben auf den Kurz- und Mittelstrecken teilnehmen. Dies gelingt ihm nur, weil er unterhalb seiner Knie jeweils eine Karbonprothese hat, welche ihm das Laufen ermöglicht. Diese Prothesen verändern seine Körpergröße, seine Schrittweite, sein Kurven-Laufverhalten auf unnatürliche Weise und greifen somit massiv in die Wettbewerbe ein.
Daher ist die Frage ob behinderte Menschen mit Hilfsmitteln bei den offiziellen Sportveranstaltungen der nicht behinderten Menschen starten dürfen durchaus sehr differenziert zu betrachten. Hieraus ergibt sich dann eine weitreichende Konsequenz, welche eventuell zu enormen Wettbewerbsverzerrungen führen kann oder auch nicht. Dies ist hier mit Hilfe der Theorie des Utilitarismus nach J. S. Mills zu diskutieren.
3 Prof. Martin Hunter; Mr David W. Rivkin; Mr Jean-Philippe Rochat: Arbitration CAS 2008/A/1480
Arbeit zitieren:
Nadine E. Schreiner, 2011, Ist es ethisch vertretbar behinderte Menschen, mit Hilfe technischer Mittel, bei den Olympischen Spielen teilnehmen zu lassen?, München, GRIN Verlag GmbH
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