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EINLEITUNG 2
A. HARTMUT ESSERS THEORIE DER MOBILISIERUNG ETHNISCHER KONFLIKTE 3
1 ETHNIZITÄT UND MERKMALE ETHNISCHER GRUPPEN 3
1.1 ABGRENZENDE MERKMALE ETHNISCHER GRUPPEN 4
1.2 SPEZIFISCHES KAPITAL ALS RESSOURCE ETHNISCHER GRUPPEN. 4
2 DIE STRUKTUR ETHNISCHER KONFLIKTE 5
2.1 STRUKTURELLER HINTERGRUND EINES KONFLIKTS. 6
2.1.1 Primäre Zwischengüter 6
2.1.2 Die Positionsgüter Herrschaft und Definitionsmacht 7
2.2 MOBILISIERUNG EINES KONFLIKTS 7
2.2.1 Bedingungen der Mobilisierung 8
2.2.2 Framing: Die ethnische Definition der Situation. 8
2.3 VERBREITUNG, PFADABHÄNGIGKEIT UND BEENDIGUNG EINES KONFLIKTS. 9
B. DER KONFLIKT IN BOSNIEN-HERZEGOWINA. 10
1 JUGOSLAWIEN VON 1918 BIS ZUM ZERFALL. 10
1.1 KOMMUNISTISCHES JUGOSLAWIEN. 10
1.2 NATIONALISTISCHE BEWEGUNGEN. 11
1.3 UNABHÄNGIGKEITSBESTREBUNGEN 11
2 BOSNIEN-HERZEGOWINA. 11
2.1 GESCHICHTE 11
2.2 BEVÖLKERUNGSGRUPPEN IN BOSNIEN-HERZEGOWINA 12
2.2.1 Konfession. 13
2.2.2 Sprache 13
2. 3 DER KONFLIKT. 14
2.3.1 Strukturelle Probleme. 14
2.3.2 Gebietsansprüche 14
2.3.3 Politische Parteien und Nationalismus. 15
2.3.4 Desintegration Bosnien-Herzegowinas und Ausbruch des Krieges 16
C. LÄSST SICH DER KONFLIKT IN BOSNIEN-HERZEGOWINA DURCH ESSERS
THEORIE ERKLÄREN? 17
1 ETHNISCHE GRUPPEN IN BOSNIEN-HERZEGOWINA 17
1.1 MERKMALE DER ABGRENZUNG 17
1.2 ETHNISCHE RESSOURCEN DER GRUPPEN 18
2 STRUKTURELLER HINTERGRUND DES KONFLIKTES 19
3 ETHNIE VERSUS NATION: ETHNISCHES FRAMING EINES NATIONAL-STAATLICHEN
KONFLIKTES 19
D. ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT 21E.
BIBLIOGRAPHIE 22
Einleitung
Lässt sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina der 1990er Jahre durch Hartmut Essers The-orie der Mobilisierung ethnischer Konflikte erklären? Dies ist die Frage, die in der vorliegenden Arbeit beantwortet werden soll.
Dazu sollen in einem ersten Teil der Arbeit die Theorie Essers erklärt und die wichtigsten Punkte herausgehoben werden. Dabei wird erläutert, was Ethnizität bedeutet, bzw. durch welche Merkmale sich ethnische Gruppen voneinander abgrenzen lassen. Neben Tradition und Askription sind laut Esser vor allem die ethnischen Ressourcen in Form von spezifischem Kapital von Bedeutung. Danach soll thematisiert werden, welche Struktur ethnische Konflikte aufweisen und wie insbesondere das Mobilisierungsproblem überwunden werden kann.
Im zweiten Teil der Arbeit wird der Konflikt in Bosnien-Herzegowina beschrieben. Zu Beginn soll die Auseinandersetzung zwischen den Bevölkerungsgruppen in den historischen Kontext Jugoslawiens und Bosnien-Herzegowinas eingeordnet werden, um danach den Konflikt und seine Hintergründe zu beschreiben. Im Mittelpunkt steht dabei einerseits die Beschreibung der Gruppen, die sich vor allem nach konfessionellen Merkmalen unterscheiden, und andererseits die nationalistischen Bewegungen und die damit verbundenen territorialen Ansprüche, die nach dem Zerfall Jugoslawiens gestellt wurden.
In einem letzten Teil sollen die ersten beiden Teile miteinander verbunden werden, um herauszuarbeiten, ob sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina anhand Essers Theorie ethnischer Konflikte zumindest ansatzweise erklären lässt. Es wird noch einmal darauf eingegangen, inwiefern man von ethnischen Gruppen sprechen kann und welche Rolle das ethnische Framing bei der Mobilisierung des Konfliktes gespielt hat.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und ein Gesamtfazit sollen die vorliegende Arbeit abrunden.
Als Quelle werden drei Texte von Esser (vgl. Bibliographie) verwendet. Ein weiterer Text wurde gelesen (Esser 1996b), da sich dieser aber praktisch mit den anderen Ausarbeitungen Essers deckt, wurde darauf verzichtet, diesen zu zitieren. Als Grundlage für den zweiten Teil diente insbesondere das Buch von Calic (1995), andere Quellen wurden ergänzend dazu genommen.
2
A. Hartmut Essers Theorie der Mobilisierung ethnischer Konflikte 1
Laut Esser (1996a: 65) sind ethnische Konflikte „Konflikte zwischen Gruppen, die sich gegenseitig nach ›ethnischen‹ Merkmalen abgrenzen“. Seine Grundhypothese lautet, dass ethnische Konflikte ein Spezialfall von sozialen Bewegungen sind, wobei die Besonderheit darin besteht, dass „die Vorgänge hier unter einer ›ethnischen‹ Rahmung stattfinden“ (Esser 1999: 246).
Esser wendet eine Rational-Choice Erklärung an, um die Entstehung und den Ablauf von ethnischen Konflikten zu erklären. Dabei können laut Esser vier Konstellationen und Konfliktfelder untersucht werden, die in einem späteren Kapitel genauer dargestellt werden sollen: Der strukturelle Hintergrund des Konflikts, Problem der Mobilisierung, ethnisches Framing und die situationslogische Eigendynamik (ebd.: 246):
“Es werden also nicht grundlegend neue empirische Phänomene beachtet, jedoch versucht,
den Vorgängen eine explizit HUNOlUHQGH Grundlage zu geben und dadurch die ›Situationslogik‹ des Geschehens mit der nötigen Logik zu versehen […].“ (ebd.: 246, Hervorhebung im Original)
Es geht Esser also nicht darum, ethnische Konflikte zu beschreiben, sondern zu erklären, wie sie entstehen.
1 Ethnizität und Merkmale ethnischer Gruppen
Laut Esser (1996a: 65, 1997: 876f) dient das Merkmal der Ethnizität vor allem der Abgrenzung von Gruppen und der Klassifikation von Trägern eines bestimmten Merkmals in Typen von Akteuren. Eine ethnische Gruppe beruft sich dabei auf eine gemeinsame Abstammung, die Unterschiede zu anderen Gruppen werden herausgehoben und die eigene Einmaligkeit und Eigenwertigkeit wird betont (Esser 1996a: 65, 1997: 876f.). Dabei gibt es aber „kein spezifisches Merkmal, das fest mit der Bildung von ethnischen Gruppierungen verbunden wäre“ (ebd.: 66) Als abgrenzende Merkmale können beliebige äußere Eigenschaften wie zum Beispiel Rasse, Hautfarbe, Religion, Sprache oder ein gemeinsames Territorium dienen (Esser 1996a: 65,1997: 877). Allerdings weisen ethnische Gruppen meist drei typische Merkmale auf, die ihnen zur Grenzziehung dienen: Tradition, Askription und ethnische Ressourcen in Form von spezifischem Kapital (1997: 878).
1 Der Autor der zitierten Quellen ist immer Hartmut Esser. Es wird deswegen darauf verzichtet, in der Quellenangabe immer den Namen zu nennen.
3
1.1 Abgrenzende Merkmale ethnischer Gruppen
Traditionen sind kulturelle und gedankliche Modelle wie Wissen, Werte, Emotionen und Handlungsprogramme und sind mit bestimmten Markierungen und Symbolen verbunden (Esser 1996a: 66). Auch der bereits vorher erwähnte subjektive Glaube an eine gemeinsame Abstammung gehört zu den Traditionen einer ethnischen Gruppe (ebd.: 65). Die Askription (Zuschreibung) dient zur Klassifikation von Personen und bedeutet, dass die Zugehörigkeit zu einer Gruppe - und damit verbundene Merkmale wie Sprache, Habitus oder Religion - weder abgelegt, noch durch individuelle Anstrengung erworben werden kann (1996a: 65, 1997: 878).
Ein drittes Merkmal von ethnischen Gruppen sind ethnische Ressourcen in Form von spezifischem Kapital. Diese sind laut Esser (1996a: 66, Hervorhebung im Original) deshalb soziologisch von Bedeutung, weil sie einerseits „für die Akteure im Alltag essentiell wichtig sind, JOHLFK]HLWLJ aber auch die Grenzziehung über den bloßen Glauben an die Gemeinsamkeit hinaus objektivieren.“
1.2 Spezifisches Kapital als Ressource ethnischer Gruppen
Esser geht davon aus, dass die meisten ethnischen Gruppen vorwiegend über spezifisches Kapital verfügen und generalisiertes Kapital nur einen kleinen Teil der ethnischen Ressourcen ausmacht (1997: 877).
Generalisiertes Kapital hat einen universellen Wert und wird auch außerhalb der Gruppe nachgefragt. Dazu zählen zum Beispiel (Bürger-)Rechte, ökonomisches Kapital wie Geld, Vermögen oder materielle Güter und Humankapital in Form von Bildungsabschlüssen und Prestigemerkmalen (Esser 1996a: 69, 1997: 877). Diese Art von Kapital ist in allen sozialen Bereichen gefragt und wird überall verwendet (Esser 1996a: 69).
Im Gegensatz dazu ist spezifisches Kapital außerhalb der Gruppe entweder nichts wert oder zumindest nicht ohne weiteres nutzbar. Es sind „Ressourcen, deren Brauchbarkeit zwingend an die Existenz GLHVHU Gruppe gebunden ist“ (Esser 1997: 877, Hervorhebung im Original). Spezifisches Kapital kann in Form von moralischem, kulturellem, sozialem oder politischem Kapital vorhanden sein und ist die wichtigste Grundlage für die Lösung der Alltagsprobleme von Akteuren in einer ethnischen Gruppe. Es dient zur ethnischen Definition der Gruppe, wobei nicht immer alle Kapitalsorten vorhanden sein müssen. (ebd.: 68) - Das kulturelle Kapital beinhaltet Formen der alltäglichen Lebensgestaltung der Gruppe wie Sprache, Habitus, Alltagswissen und Relevanzsysteme für typische Problembereiche
4
(1996a: 67, 1997: 877). Dabei handelt es sich überwiegend um askriptive Merkmale, denn sie sind nicht ohne weiteres neu erlernbar oder ablegbar. Sie dienen außerdem zur Klassifikation von Akteuren, denn „sie sind als Merkmale der Person gut identifizierbar und erlauben eine leichte und zweifelsfreie Typisierung der Akteure“ (1996a: 67).
- Das moralische Kapital resultiert größtenteils aus der ethnischen Grenzziehung und besteht „in der Verteilung wertender und solidarischer Gefühle“ (1996a: 66). Im Sinne einer moralischen Gemeinschaft beinhaltet es nach innen moralische Verpflichtungen, sowie Vertrauen und Hochwertung der eigenen Gruppe und eine abwertende Distanz und Misstrauen nach außen. Diese moralischen Gefühle müssen im Alltag immer wieder neu produziert werden. (ebd.: 66)
Laut Esser (1996a: 67) grenzt sowohl das kulturelle, als auch das moralische Kapital eine ethnische Gruppe nach außen ab. Das moralische Kapital stellt dabei die subjektiven, das kulturelle Kapital die objektiven Grenzen der jeweiligen Gruppe dar.
- Die Mobilisierbarkeit sozialer Beziehungen stellt das soziale Kapital einer ethnischen Gruppe dar (1997: 877) und hat einen besonderen Wert, da es in ein ganzes Netzwerk sozialer Beziehungen eingebettet ist (1996a: 67). Die Grundlage dieses Netzwerkes bilden die familiären und verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb von ethnischen Gemeinschaften dar. Im Zusammenhang mit ethnischen Konflikten ist das soziale Kapital deshalb von Bedeutung, weil es Vertrauen in die Verlässlichkeit von anderen Akteuren schafft und somit auch riskante kollektive Handlungen durchgeführt werden können. (ebd.: 67)
- Eine letzte ethnische Ressource ist politische Kapital, das Produkt einer Gruppenspezifischen Organisation ist (1997: 877). Es stellt die spezielle Basis der Organisation einer Gruppe dar und kann zum Beispiel die Form von Interessenverbänden oder politischen Parteien annehmen. Das politische Kapital dient einer Gruppe als Basis für die Mobilisierung einer sozialen Bewegung. (1996a: 68)
2 Die Struktur ethnischer Konflikte
Esser (1997: 876) sieht ethnische Konflikte als Spezialfall von sozialen Bewegungen, die ein starkes gemeinsames Schicksal erzeugen. Der Ausgangspunkt aller ethnischen Konflikte ist „der Wettlauf um die Definitionsmacht für den Wert eines spezifischen Kapitals, insbesondere den des jeweiligen kulturellen Kapitals“ (96a: 70f). Es handelt sich dabei stets um einen Nullsummenkonflikt, da das, was die eine Gruppe gewinnt, immer zu Lasten der anderen Gruppe geht. Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung besteht dann nicht mehr, weil „jede
5
Arbeit zitieren:
Monique Trachsel, 2009, Lässt sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina durch Hartmut Essers Theorie der Mobilisierung ethnischer Konflikte erklären?, München, GRIN Verlag GmbH
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