Gliederung
1. Einleitung 3
2. Die Intentionen nationalsozialistischer Erziehungsideologien 4
2.1 Adolf Hitler 4
2.1.1 Die ideale NS-Sozialisation 4
2.1.2 Hitlers Volkserziehung 5
2.2 Ernst Krieck 9
2.3 Alfred Baeumler 12
3. Die Erziehungsinstanzen im NS-Staat 14
3.1 Die Familie 14
3.2 Die Schule 16
3.3 Die Hitlerjugend 18
4. Schlussbemerkung: Pädagogische Beziehung oder Mittel zum Zweck? 19
5. Literaturverzeichnis 21
Anmerkung : Rechtschreibfehler auf Seite 11 „Überindividuellen“ so übernommen aus Eppler
2007, S 169 Eigentlich Kleinschreibung „überindividuellen“
Das heutige Verständnis einer pädagogischen Beziehung kann man weitestgehend umreißen, indem man sich den Erzieher, den Zögling und die Inhalte, welche vermittelt und angeeignet werden in einer Art Dreiecksbeziehung vorstellt. Je nach Art, Wertvorstellungen und Zielen der Erziehung ändern sich die Verhältnisse und Beziehungen zwischen Erzieher und Zögling innerhalb dieses pädagogischen Dreiecks sowie auch die Inhalte variieren und verschiedene Auswirkungen auf Erzieher und Zögling haben können.
Mein Anliegen ist es, in dieser Arbeit die pädagogische Beziehung im Nationalsozialismus zu untersuchen. Hierzu ist es wichtig sich mit der pädagogischen Ideologie des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und zu verstehen, welche Bedeutung die pädagogische Beziehung in dieser einnimmt. Ferner soll kontinuierlich der Frage nachgegangen werden, auf welche Ziele und Zwecke die pädagogische Beziehung des Nationalsozialismus gerichtet ist und welche Absichten mit ihr verbunden sind. Allerdings muss man gleich zu Beginn feststellen, dass man die eine grundlegende NS-Erziehungstheorie vergebens sucht. „Eine partei- oder staatsoffizielle pädagogische Doktrin hat es im Nationalsozialismus nicht gegeben“ (Giesecke 1999, S.9). Hauptsächlich findet man sich ähnelnde pädagogische Ideale, Vorstellungen und Prinzipien, die sich vor allem an der Ideologie Adolf Hitlers orientieren. „Die stetig sprudelnde Quelle solcher Maximen waren Hitlers Reden und vor allem ‘Mein Kampf’“ (Schreckenberg 2001, S.17). Daher soll als erstes auf die Erziehungsideologie Adolf Hitlers eingegangen werden, worunter seine Absicht einer idealen NS-Sozialisation sowie seine Volkserziehung im nationalsozialistischen Staat fällt. Anschließend gehen wir auf die beiden Wissenschaftler Ernst Krieck und Alfred Baeumler ein, die in zweiter Reihe sozusagen als Hitlers Sprachrohr fungierten (vgl. Schreckenberg 2001, S.17) und vor allem „…versuchten auf unterschiedlichen Wegen, dem neuen [nationalsozialistischen, Anm. d. Verf.] Regime nicht nur eine weltanschaulich passende Erziehungswissenschaft zu offerieren, sondern darüber hinaus auch diese Weltanschauung selbst philosophisch zu legitimieren“ (Giesecke 1999, S.10). Damit die Umsetzung dieser Ideologien in der Praxis veranschaulicht werden kann muss man einen Blick auf die pädagogische Beziehung in den Erziehungsinstanzen werfen. Hierbei möchte ich auf die drei Instanzen Familie, Schule und Hitlerjugend genauer eingehen. Zum Schluss soll kritisch reflektiert werden, ob man nach heutiger Auffassung im Nationalsozia-
- 4 -lismus überhaupt von „pädagogischer“ Beziehung sprechen darf, oder ob es sich um „Unpä-dagogik“ handelt, welche nur als Mittel zum Zweck der Ideologieverbreitung dient.
Zweifellos am prägendsten für die Pädagogik des Nationalsozialismus waren wohl die Erziehungsideale und Vorstellungen des Führers Adolf Hitler persönlich. „Die wichtigste Quelle … ist sein Hauptwerk Mein Kampf. Dazu kommen Fragmente aus Gesprächen, Reden und Monologen“ (Offermanns 2004, S.110). Hitlers Vorstellung von Pädagogik wird aber vor allem „… in den von Hermann Rauschning aufgezeichneten Gesprächen mit Hitler“ (ebd., S.110) ersichtlich. Hier äußert sich Hitler unter anderem: „Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. (…) Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. (…) Schmerzen muß sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein“ (Rauschning 1940, S.237, zitiert nach Offermanns 2004, S.110). Über diese Aussagen wird bereits ein grundlegendes Erziehungsideal Hitlers ersichtlich, nach welchem Emotionen und Empathie innerhalb der Beziehung zwischen Erzieher und Zögling ausgeschaltet werden sollen um den Zögling zur Härte zu erziehen. Emotionen werden als Gefühlsduselei und Schwäche angesehen und sind damit in Hitlers Erziehungsverständnis fehl am Platz. Welche Absichten und Ziele er damit verfolgt, sehen wir uns später noch genauer an. Werfen wir zunächst einen Blick auf den Aufbau des nationalsozialistischen Erziehungsstaates und Hitlers damit verbundener alles umgreifenden NS-Sozialisation.
2.1.1 Die ideale NS-Sozialisation
In einer Rede von 1938 beschreibt Hitler wie seine Vorstellung eines totalitären Erziehungsstaates aussieht (vgl. Giesecke 1999, S.19): Die Jugend soll von Anfang an nichts anderes lernen als deutsch zu denken und zu handeln. Mit zehn Jahren sollen die Jungen in die erste NS-Organisation, das Jungvolk eintreten, vier Jahre später in die Hitlerjugend und wieder vier Jahre später in die Partei, die Arbeitsfront, die SA oder die SS. Sollten sie danach immer noch keine ganzen Nationalsozialisten geworden sein, kommen sie zum Arbeitsdienst und dann zur Wehrmacht und danach wieder zurück in die SA oder SS „… und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben“ (Fest 1980, S.311f., zitiert nach Giesecke 1999, S.19). „Hier geht es zu-
- 5 -nächst nur um Hitlers Absicht, um das Ziel, nämlich um den möglichst lückenlosen Erzie-hungsstaat“ (Giesecke 1999, S.20) „… und zentrale Bedeutung [in diesem Kreislauf der NS-Sozialisation, Anm. d. Verf.] hatte der Gesichtspunkt der totalen Erfassung des (jungen) Men-schen, die ihn nie aus ihren Fängen ließ“ (Schreckenberg 2001, S.17). Diese idealtypische NS-Sozialisation, auch als „Bilderbuch-Sozialisation“ (Giesecke 1999, S.30) bezeichnet, soll alle Lebensbereiche durchdringen, zum Zwecke, dass die nationalsozialistische Denkart be-reits mit der Muttermilch aufgesogen wird (vgl. ebd., S.20) und einem sein ganzes Leben lang anerzogen wird, so dass es kein Entkommen mehr aus dem totalitären NS-Erziehungsstaat gibt und man bis an sein Lebensende nach den Maximen des nationalsozialistischen Staates handelt.
Die pädagogische Beziehung ist hierbei auf kein Ende hin angelegt. Der Mensch ist im NS-Staat bis zu seinem Tod immer auch ein Zögling, der sich möglichst viel nationalsozialistisches Gedankengut aneignen soll und egal, welcher NS-Organisation er angehört, immer der Obrigkeit des Regimes unterworfen ist. Für eine freie und individuelle Entwicklung des Zöglings bleibt somit kein Platz, da sich alle dieselben Inhalte in Form der NS-Ideologie aneignen müssen. Hitler rechtfertigt dies mit seiner Aussage: „Wenn man den Menschen ihre individuelle Freiheit lasse, so benehmen sie sich wie die Affen“ (Kanz, S.324, zitiert nach Schreckenberg 2001, S.17). Was nun aber die Inhalte der nationalsozialistischen Erziehung nach Hitler darstellen und welche Erziehungsziele durch den totalitären Erziehungsstaat angestrebt werden, soll im Folgenden klargestellt werden.
2.1.2 Hitlers Volkserziehung
Gleich vorweg genommen kann man das primäre Ziel der Volkserziehung Adolf Hitlers benennen, nämlich die Erhaltung des deutschen völkischen Staates durch die Reinheit der Rasse. „Der völkische Staat ‘hat die Rasse in den Mittelpunkt des allgemeinen Lebens zu setzen. Er hat für ihre Reinerhaltung zu sorgen. Er hat das Kind zum kostbarsten Gut eines Volkes zu erklären. Er muß dafür Sorge tragen, daß nur, wer gesund ist, Kinder zeugt; daß es nur eine Schande gibt: bei eigener Krankheit und eigenen Mängeln dennoch Kinder in die Welt zu setzen, doch eine höchste Ehre: darauf zu verzichten. Umgekehrt aber muß es als verwerflich gelten: gesunde Kinder der Nation vorzuenthalten’“ (Hitler 1936, S.446f., zitiert nach Giesecke 1999, S.23).
So beschreibt Hitler in „Mein Kampf“ seine Vorstellung darüber, dass nur die Starken und Gesunden ein Recht darauf haben, Kinder zu bekommen und somit für den Fortbestand des
- 6 -Volkes zu sorgen. Auf diese Weise soll die deutsche Rasse rein und veredelt werden. Hitler spricht sich auch klar gegen die Erhaltung „unwerten“ Lebens aus. Hinzu kommt noch, dass Hitler anderen Rassen, außer den deutschen Ariern, das Recht auf Erziehung und Bildung abspricht. Diese seien sowieso nicht bildsam und es ähnle der Tierdressur, würde man versu-chen, sie zu bilden.
„Von Zeit zu Zeit wird in Illustriertenblättern dem deutschen Spießer vor Augen geführt, daß da und dort zum ersten Mal ein Neger Advokat, Lehrer, gar Pastor, ja Heldentenor oder dergleichen geworden ist. (…) Es dämmert dieser verkommenen bürgerlichen Welt nicht auf, daß es sich hier wahrhaftig um eine Sünde an jeder Vernunft handelt; daß es ein verbrecherischer Wahnwitz ist, einen geborenen Halbaffen so lange zu dressieren, bis man glaubt, aus ihm einen Advokaten gemacht zu haben, während Millionen Angehörige der höchsten Kulturrasse in vollkommen unwürdigen Stellungen verbleiben müssen; daß es eine Versündigung am Willen des ewigen Schöpfers ist, wenn man Hunderttausende und Hunderttausende seiner begabtesten Wesen im heutigen proletarischen Sumpf verkommen lässt, während man Hottentotten und Zulukaffern zu geistigen Berufen hinaufdressiert. Denn um eine Dressur handelt es sich dabei, genauso wie bei der des Pudels, und nicht um eine wissenschaftliche ‘Ausbildung’. Die gleiche Mühe und Sorgfalt auf Intelligenzrassen angewendet, würde jeden Einzelnen tausendmal eher zu gleichen Leistungen befähigen“ (Hitler 1936, S.478, zitiert nach Giesecke 1999, S.26f.).
Hitler sieht somit in dem Versuch der Bildung anderer Rassen nur eine Verschwendung von Ressourcen, welche für sein deutsches und arisches Volk genutzt werden sollten. Auf gleiche Weise werden auch Juden und Sozialisten, welche als Feinde des Volkes gelten, von der Bildung ausgeschlossen. Betrachtet man hier wieder die pädagogische Beziehung, stellt man fest, dass nur bestimmte, ausgewählte Zöglinge überhaupt Zugang zu Erziehung und Bildung haben und nach Hitlers Ideal der gesamte völkische Staat die Rolle des Erziehers einnehmen soll. Überhaupt bekommt der Begriff des Volkes einen hohen Stellenwert im Nationalsozialismus und dessen Pädagogik. Genau deswegen spricht man auch von der Volkserziehung Hitlers. Das Volk hat die Pflicht geeignetes „Menschenmaterial“ (die rassisch reinen Zöglinge) zu „produzieren“, bereit zu stellen und in den Dienst der Allgemeinheit des völkischen Staates zu stellen (vgl. Offermanns 2004, S.110). Anschließend geht es darum, den jungen Zögling zu einem wertvollen Glied für die Volksgemeinschaft zu erziehen, wobei sich nicht an den Individualitäten und den Bedürfnissen des Zöglings selbst orientiert wird: „Das Erziehungskonzept Hitlers und seiner Nachbeter war nicht auf das Kind und seine zu entwickelnden individuellen Fähigkeiten und Begabungen ausgerichtet, schon gar nicht auf seine personale Würde, sondern auf das Volk, in welches sich der junge Mensch einzuordnen und dessen Zwecken er sich gehorsam unterzuordnen hatte (Schlagwort: ‘Du bist nichts, dein Volk ist alles!’)“ (Schreckenberg 2001, S.17).
Arbeit zitieren:
Alexander Schwalm, 2010, Die Bedeutung der pädagogischen Beziehung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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