Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Seite
1 Einleitung 1
1.1 Problem- und Zielstellung der Arbeit 2
1.2 Hypothesen zur Stoffeinheit 4
2 Planung der Unterrichtseinheit 4
2.1 Lerngruppenanalyse 4
2.2 Sachanalyse 6
2.3 Einordnung der Unterrichtseinheit in den Stoffverteilungsplan 8
2.4 Didaktisch- methodische Analyse 9
2.5 Lernziele 13
3. Durchführung der Unterrichtseinheit 13
3.1 Darstellung der vier Stunden mit theoretischem Inhalt 13
3.1.1 Beschreibung 13
3.1.2 Lernziele 14
3.1.3 Reflexion 14
3.2 Kurzdarstellung der ersten Stunde zum Thema: 16
Internationale Sportspielideen aus Griechenland
3.2.1 Kurzbeschreibung 16
3.2.2 Lernziele 17
3.2.3 Kurzreflexion 17
3.3 Kurzdarstellung der zweiten Stunde zum Thema: 19
Internationale Sportspielideen aus China
3.3.1 Kurzbeschreibung 19
3.3.2 Lernziele 20
3.3.3 Kurzreflexion 21
3.4 Kurzdarstellung der dritten Stunde zum Thema: 22
Internationale Sportspielidee aus Deutschland
3.4.1 Kurzbeschreibung. 22
3.4.2 Lernziele 23
3.4.3 Kurzreflexion 24
3.5 Ausführliche Darstellung der vierten Stunde zum Thema: 25
Internationale Sportspielideen aus der Türkei
3.5.1 Sachanalyse 25
3.5.2 Didaktische-methodische Analyse 27
3.5.3 Lernziele 29
3.5.4 Reflexion 30
3.6 Kurzdarstellung der fünften Stunde zum Thema: 32
Internationale Sportspielideen aus Sierra Leone
3.6.1 Kurzbeschreibung 32
3.6.2 Lernziele 33
3.6.3 Kurzreflexion 34
3.7 Ausführliche Darstellung der sechsten Stunde zum Thema: 35
Internationale Sportspielideen aus Russland
3.7.1 Sachanalyse 35
3.7.2 Didaktisch-methodische Analyse 37
3.7.3 Lernziele 39
3.7.4 Reflexion 39
II
4 Reflexion 41
4.1 Reflexion in Hinblick auf die Lernziele der Unterrichtseinheit 41
4.2 Reflexion in Hinblick auf die Hypothesen 43
Abschlie ßende Auswertung 44
4.3
5 Literaturverzeichnis 46
III
1. Einleitung
Seit dem 26.02.2008 trägt die Magdeburger ---------- -Sekundarschule unter der Patenschaft von Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper den Titel „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. In Magdeburg ist es die zweite Schule neben dem ---------- Gymnasium, welche diese Auszeichnung erhielt. Bundesweit gehören 498 Schulen aller Profile und Schulformen zu denen, die sich „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ nennen dürfen. Es ist ein Projekt von und für Schülerrinnen und Schüler, die gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, aktiv vorgehen und einen Beitrag zu einer gewaltfreien demokratischen Gesellschaft leisten wollen. Ziel der seit 1995 in Deutschland laufenden Kampagne ist die „Stärkung von Zivilcourage, von Weltoffenheit, Gewaltfreiheit und Konfliktfähigkeit an der Schule“ 1 . Die Idee von „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ wurde 1988 anlässlich des Erstarkens rechtsradikaler Parteien von Schülerrinnen sowie Schülern und Jugendarbeitern in Belgien entwickelt. Sie wollten auf diese Weise aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus eintreten. Das Projekt war so erfolgreich, dass es 1992 als „School Zonder Racisme" in den Niederlanden eingeführt wurde. 2 1995 führte der Verein Aktion Courage e. V. das Projekt in Deutschland ein, initiiert durch das damalige Vorstandsmitglied Ralf-Erik Posselt. Seit Anfang 2000 leitet Sanem Kleff als Vorstandsmitglied die Aktion Courage e. V. des Bundesprojektes. Die danach erfolgte Erweiterung des Titels in "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" soll die gesamte Bandbreite der Diskriminierungen, die es zu überwinden gilt, verdeutlichen und die aktive Rolle der Beteiligten stärker hervorheben. Strebt eine Schule diese Auszeichnung an, bedarf es selbstverständlich dazu des Willens und der Eigeninitiative von Schülerrinnen und Schüler. Auf eine groß angelegte Mitmachoffensive des Projektes wird verzichtet, da Schülerinnen und Schüler selbst über das Internet, aus den Medien oder durch Berichte von anderen Schulen von diesem Konzept erfahren sollen, um dann selbstständig zu entscheiden, ob und wie sie diese Auszeichnung erhalten können. Die formale Voraussetzung zur Teilnahme an dem Projekt ist eine Unterschriftenaktion. Mindestens 70 Prozent aller direkten Angehörigen der Schule müssen ihre Unterschrift geben. Jede Schule sucht sich einen Paten, der die Schule dauerhaft und engagiert bei dem Projekt unterstützt. Die Schule verpflichtet sich, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln und durchzuführen, um dauerhaft Diskriminierungen zu überwinden. Gerade an Schulen mit einer hohen Anzahl von Schülern mit Migrationshintergrund ist dies von großer Bedeutung. Die Sekundarschule -----------------------------in Magdeburg beschult 240 Schülerinnen und Schüler, davon sind im Schuljahr 2008/2009 66 Schülerinnen und Schüler mit einem ausländischen Herkunftsland vertreten. Das entspricht einer Prozentzahl von 27,5%. Die genaue Aufgliederung der Herkunftsländer kann im Anhang A Tab. 4 nachvollzogen werden. Diese Vielzahl von ausländischen Schülerinnen und Schülern muss mit den deutschen Kindern an einer kleinen Schule, wie es die -----------------------------darstellt, zu einem konfliktfreien und achtungsvollen
1 vgl. Pressemitteilung der Staatskanzlei, Sachsen-Anhalt, Nr. 498/2008
2 vgl. http://www.schule-ohne-rassismus.org/das-projekt.html
Umgang finden. Integration, Courage und Verständnis für andere Kulturen stehen damit bei der Verwirklichung eines guten Schulklimas im Vordergrund. Insbesondere durch den Sportbereich kann ein integratives und kooperatives Zusammenspiel der Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Der Sport spielt im Integrationsprozess eine wichtige Rolle, da es bei der Ausübung von Sportspielen zu einer Intensivierung der Sozialkontakte kommt und zugleich zu einer Steigerung der Kompetenzen in verschiedensten Bereichen, zum Beispiel beim Erlernen von sprachlichen Fähigkeiten oder beim fairen Umgang miteinander. Gegenseitige Anerkennung wird forciert, das Verständnis zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft wird angeregt und Sport fördert in erster Linie Gruppenerfolge und positive Gruppenerlebnisse. 3 Den Lebensbereich der anderen zu erfassen und zu akzeptieren, stellt oftmals ein Hindernis in der Verständigung zwischen zwei unterschiedlichen Kulturkreisen dar, so dass ein Weg gefunden werden muss, diese Barrieren rechtzeitig und nachhaltig aufzuheben. Eine sportliche Identifikation mit der anderen, neuen aber auch alten Heimat kann das Verständnis zwischen allen Mitwirkenden fördern und den interkulturellen Dialog begünstigen.
1.1 Problem- und Zielstellung der Arbeit
Um die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ dauerhaft zu bestätigen, müssen entsprechende Konzepte an der Schule erstellt und umgesetzt werden. Gerade an einer Schule, wo der Ausländeranteil bei 27,5 % liegt, müssen sinnvolle und nachhaltige Pläne verwirklicht werden, so dass eine verbesserte Integration realisiert wird oder sich ein Rückgang von rassistischen Diskriminierungen einstellen kann. Die Schülerinnen und Schüler bringen dabei Ideen ein, entwickeln Projekte und setzen diese um. Dieses Engagement wird von motivierten und vom Projekt überzeugten Lehrerinnen oder Lehrern unterstützt. Engagierte Pädagogen können ebenfalls Vorschläge, gerade an die jüngeren Jahrgangsstufen, abgeben, um angedachte Konzepte zu verwirklichen. Vielfältige Möglichkeiten können dabei umgesetzt werden: Projekttage oder Projektwochen zum Thema Rassismus, Debatten über Diskriminierungen, eine Erarbeitung einer Zeitung zur Thematik oder aber auch vielfältige Aktionsprogramme, in denen besonders die sportliche Aktivität von Bedeutung ist. Der Zugang zu sportlichen Aktivitäten und die verstärkte Teilnahme daran tragen zur Lösung dieser Aufgabe bei, indem sie die soziale Integration fördern. Durch sportliche Betätigung mit anderen Menschen lernen alle Beteiligten grundlegende Werte des Zusammenlebens wie Respekt, Teambereitschaft und Solidarität. 4 Besonders im Sportunterricht, bei dem viele Mädchen und Jungen - auch aus verschiedensten Ländern -miteinander Sport treiben, ist von großer Bedeutung, dass ein soziales und angepasstes Verhalten gezeigt wird. In der Klasse 6b der -----------------------------werden 22 Schülerinnen und Schüler beschult, davon sind 9 Kinder ausländischer Herkunft. Obwohl 10 Nationen in dieser Klasse vertreten sind, herrscht ein angenehmes und unter den Kindern der Klasse ein recht freundschaftliches Klima. Wenn sich aber eine neu zusammengestellte Klasse zusammenfinden muss, bzw. neue Schüler in die Klasse integriert werden
3 vgl. Seefried, S. & Kübler, H., 2008, S.7
4 vgl. http://www.uno-jahrdessports.de/Sport_und_Integration.10.0.html
2
sollen, muss ein soziales und offenes Klima vorhanden sein. Um dieses soziale und kulturelle Verständnis in der Klasse 6b auszubauen und zu festigen, so dass in den folgenden Klassenstufen keine Diskriminierungen oder rassistische Probleme auftreten, muss eine nachhaltige Entwicklung dieser Problematik geschehen. Diese Werte sind also durch die Schülerinnen und Schüler zu verinnerlichen. Um die oben genannten Effekte zu erreichen, müssen einzelne Ziele bzw. Etappen der Entwicklung bewältigt werden.
Hauptziel dieser Unterrichtseinheit ist es, den interkulturellen Dialog zwischen den Schülerinnen und Schülern der Klasse 6b durch Sportspiele zu fördern und somit ein besseres Verständnis für die eigene und fremde Kultur zu entwickeln oder diese zu festigen.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden aus sechs verschiedenen Ländern, Länder aus denen der Großteil der Schülerrinnen und Schülern der Klasse 6b kommt, Sportspiele aufgezeigt und umgesetzt. Die Erkenntnis, dass in jedem Land der Welt gespielt wird, soll dabei im Vordergrund stehen. „Children need to learn about appreciate, and experience their own and others‘cultures. A good way to explore other cultures and to learn more about one’s own is through play.” 5
Diesen multikulturellen und multiethnischen Zugang, durch eine sportpraktische Umsetzung internationaler Sportspielideen aufzuzeigen und umzusetzen, bietet den Schülern eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Verständnis zu ihrer kulturellen Umwelt. Um eine tiefgreifende und anschauliche Auseinandersetzung mit dem Thema zu erreichen, soll sich die Klasse auch theoretisch mit dem Thema auseinandersetzen, in dem sie zu jedem vorgestellten Land gruppenweise ein Plakat gestalten. Das Plakat soll das Land kurz präsentieren, berühmte Sportarten und Sportler aufzeigen sowie das in der Unterrichtseinheit umgesetzte kleine Sportspiel erläutern und dies mit Fotos unterlegen. Diese Anschaulichkeit ist dazu prädestiniert, über die Klassengrenzen hinweg, innerhalb der Schule die Aufmerksamkeit aller Kinder und Jugendlichen sowie der Lehrerschaft und der Gäste zu wecken. Dadurch können die anderen Klassen motiviert werden, sich ebenfalls mit dem Thema auseinander zu setzen sowie weitere Möglichkeiten im Rahmen des Projektes zu finden. Weitere Ziele, die nicht unmittelbar mit dem Projekt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ im Zusammenhang stehen, beziehen sich auf die körperliche Ertüchtigung innerhalb der Sportstunde sowie in der Freizeit. Daraus kann sich unter Umständen die Möglichkeit einer Verbesserung der Freizeit- und Pausengestaltung ergeben. Kinder spielen heutzutage viel zu wenig im Freien, so dass auf fast allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen beklagt wird, dass die Heranwachsenden in ihren motorischen und koordinativen Fertigkeiten Defizite aufweisen. Die vorgestellten internationalen Sportspiele sollen die Schülerinnen und Schülern anregen, sich wieder mehr in der Freizeit oder auf dem Schulhof zu bewegen und dieses Spiel nachzuspielen bzw. auch weiterzugeben.
5 Barbarash,L., 1997, S. 7
3
1.2 Hypothesen zur Stoffeinheit
Aus den Zielstellungen ergeben sich folgende Hypothesen:
Hypothese 1:
Es ist zu erwarten, dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6b ein größeres Verständnis für andere Kulturen aufweisen und somit eine verbesserte und nachhaltige Integration neuer und ausländischer Schülerinnen und Schüler stattfinden kann
Hypothese 2:
Es ist zu vermuten, dass die Schülerinnen und Schüler durch die Anregungen und Übungen in der Unterrichtsreihe neue Bewegungserlebnisse sammeln und diese in ihrer Freizeit umsetzen.
Hypothese 3:
Es kann angenommen werden, dass durch die Gestaltung des Plakates ein vertieftes Verständnis für die andere Kultur entwickelt wird und weitere Kenntnisse über das Land erworben werden, was die gegenseitige Akzeptanz fördern dürfte.
Hypothese 4:
Eine positive und aktivierende Wirkung der Plakate auf Angehörige der -----------------------------ist zu erwarten.
2. Planung der Unterrichtseinheit
2.1 Lerngruppenanalyse
Der Sportunterricht wird in der Sporthalle der G.-W.-Leibniz-Sekundarschule absolviert. Die Sporthalle misst eine Größe von 22x10Metern und kann somit als kleine Sportstätte eingeschätzt werden. Es befinden sich 10 Bänke, 8 Hocker, 30 Matten und eine große Hochsprungmatte in der Halle. Materialien für die Sportspiele Basketball, Volleyball, Fußball und Unihockey sind vorhanden. Außerdem findet man Geräte für das Gerätturnen und kleine Sportgeräte und Hilfsmittel vor. Der in der Nähe liegende Jahn-Sportplatz steht für die Außensportstunden zur Verfügung.
Die Klasse 6b besteht aus 22 Schülern, 12 Jungen und 10 Mädchen, die verschiedenen Nationen angehören.
Obwohl 10 Nationen in dieser Klasse vertreten sind, herrscht ein angenehmes und unter den Kindern der Klasse ein recht freundschaftliches Klima. Diskriminierungen oder rassistische Äußerungen sind selten zu hören und stellen kein Hindernis in der sozialen Verständigung dar. Bajram, Robert, Sebastian und Melanie K. kamen neu in die Klasse. Melanie K. hat sich gut bei den Mädchen integrieren können.
4
Robert und Bajram haben anfangs das Klassengefüge durch ihr Verhalten aufgewühlt. Gerade Bajram versuchte, sich mit Disziplinverstößen und Aussagen die Aufmerksamkeit der Schüler, aber auch der Sportlehrerin, zu holen. Sebastian ist ein sehr ruhiger Schüler, der sich aber in den letzten Wochen den immer zu ermahnenden Schülern mehr und mehr anpasste, in dem er mit einem unangemessenen Verhalten auftrat. Er wollte somit in das Klassengefüge integriert werden, was ihm bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gelang. Er wird als Außenseiter angesehen und hat Schwierigkeiten von den Mitschülern akzeptiert zu werden. Insgesamt ist durch die neuen Schüler die Klasse unruhiger und lebhafter geworden, wobei in der letzten Zeit durch neue Methoden die alte Struktur langsam wieder hergestellt wird. Eine pädagogische Konstante, wie die Verteilung von Stundennoten am Ende der Stunde, fördern das Verhalten einiger Schüler im positiven Sinne. Die Klasse ist trotzdem noch sehr lebhaft und oftmals übermütig, so dass sich die Schüler übermotiviert am Sportgeschehen beteiligen. Einige Jungen versuchen immer wieder, den Anweisungen der Lehrerin nicht zu folgen, in dem sie andere Übungen, als gestellt, ausüben oder auf den großen Matten und Sprossenwänden herumturnen. Trotz mehrmaliger Belehrungen und Ermahnungen meinerseits versuchen sie immer wieder undiszipliniert zu sein.
Für eine bessere Organisation sind deshalb von mir Pfiffregeln eingeführt worden:
- 1x Pfiff: Ruhe
- 2 Pfiffe: auf die Bank setzen
Dem Sportunterricht stehen die meisten Schüler aufgeschlossen gegenüber. Jedoch konnte bei einigen Schülern ein von stofflichen Inhalten abhängiges sportliches Interesse festgestellt werden. Das Leistungsvermögen und die Leistungsbereitschaft sind allgemein in der Klasse als „gut“ bis „befriedigend“ einzuschätzen. Die Klasse 6b ist spielbegeistert und ist gerade bei Wettkämpfen und Erwärmungsspielen sehr motiviert und interessiert an neuen Spielen. Probleme gibt es häufiger bei der Gruppen- oder Paareinteilung. Die Mädchen möchten nicht mit den Jungen zusammen spielen, bzw. einige Mädchen nur mit bestimmten anderen Mädchen in einer Gruppe sein. Dies wurde in der letzten Zeit mit einer Auslosung von Gruppen vermieden, die die Schüler dann auch akzeptierten. Insgesamt herrscht unter den Schülern dieser Lerngrupe ein für eine 6. Klasse normales soziales Klima. Streitigkeiten, Unstimmigkeiten unter den Mädchen und kleine Machtkämpfe bei den Jungen sind öfter zu beobachten, arten aber nur in seltenen Fällen aus. Gerade Bajram und Dildar haben mehrfach Streitigkeiten, die auch körperlich ausgetragen werden können.
Das Sportzeug wird leider immer von mindestens einem Schüler vergessen. Um diese Schüler trotzdem am Unterricht teilhaben zu lassen, müssen sie ein Protokoll zur Stunde schreiben, welches auch von mir ausgewertet wird.
5
2.2 Sachanalyse
Sportspiele unterscheiden sich in dieser Unterrichtseinheit in kleine Spiele und in Kleine Sportspiele. Die kleinen Spiele sind dabei eine Vorstufe zu den Kleinen Sportspielen. Döbler und Döbler bezeichnen als kleine Spiele „eine von einem bestimmten Spielgedanken beziehungsweise einer Aufgabe ausgehende Folge von freudvollen Handlungen, die durch motorische Leistung und soziale Aktivität bestimmt werden. Kleine Spiele tragen meist Wettbewerbscharakter; sie werden andererseits aber auch nur aus Freude am Miteinander gespielt, ohne die Ermittlung von Siegern“ 6 . Der Begriff der „Kleinen Sportspiele“ versucht, die Vielfalt an Bezeichnungen für Spielsammlungen (Volks-, Jugend-, Turn-, Schul-, Hallen-, Lauf-, Neck-, Rauf-, Kraft-, Bauern-, Tummelspiele usw.) zu vereinheitlichen. 7 Döbler und Döbler haben eine Systematik der Bewegungsspiele entwickelt, in der sowohl die kleinen als auch die sogenannten großen Spiele als Sportspiele bezeichnet werden. Demnach werden Bewegungsspiele durch motorische Leistung und soziale Aktivität charakterisiert. Diese Systematik unterteilt die Bewegungsspiele in volkstümliche Spiele, kleine Spiele und große Spiele. 8 Kleine Spiele legen eine Grundlage für die Kleinen Sportspiele und eröffnet den Schülerinnen und Schülern eine Chance, sich Anregungen auf emotionaler, kommunikativer, kognitiver und physischer Ebene zu holen. Durch das Spiel kann das Kind ganzheitlich in seiner Persönlichkeit, Intelligenz, seinem Selbstvertrauen gestärkt werden. 9 Spielen heißt, Kreativität, Selbstständigkeit und
Zusammenhänge erkennen, begreifen und daraus Schlüsse für das eigene Verhalten ziehen, beim spielerischen Erproben Orientierung finden und Einstellungen entwickeln. Kleine Spiele vermitteln den Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrem sportlichen Leistungsvermögen Erfolgserlebnisse, Spaß, Spannung und Zufriedenheit. Es ist auch eine Vielzahl von Spielen mit offenem Ausgang, ohne Sieger und Verlierer, dabei. Somit schaffen sie Räume für Selbstständigkeit und wirken dem reinen Konkurrenz- und Erfolgsdenken entgegen. Kleine Spiele lassen sich dabei durch gemeinsame Änderung der Regeln im Interesse der Spielfreude leicht variieren. Weiterhin können die Bedeutungen von Regeln und der Regeleinhaltung durch kleine Spiele gut erarbeitet werden. Kleine Sportspiele sind hierbei geeignet, eine Brücke in einer systematischen Spielentwicklung zwischen den kleinen Spielen mit dem variablen Regelwerk zu den großen Sportspielen unter internationalen Spielregeln darzustellen. Kleine Sportspiele sind Mannschaftsspiele mit recht festen Regeln, die jedoch eine zunehmende Angleichung an die Regeln und taktischen Verhaltensweisen in den großen Sportspielen erlauben. 10 Sie sind wegen ihrer freudvollen Note, ihres leistungsstimulierenden Charakters, ihrer übungsintensiven Wirksamkeit sowie ihrer wettkampfnahen Gestaltung ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen, vorbereitenden und auch speziellen Spielausbildung .11 Kleine Sportspiele erfordern und trainieren zum Beispiel das
6 Stiehler, G.; Konzag, I.; Döbler, H. 1988, S.15
7 vgl. Stündl, H., 1979, S. 21
8 Stiehler, G.; Konzag, I.; Döbler, H. 1988, S.18
9 vgl. Hofmann & Rodloff, 2002, S. 12
10 vgl. Koch, 1996, S. 9
11 vgl. Dietrich, K.; Dürrwächter, G.; Schaller, H.-J., 1994, S. 22
6
„situationsadäquate Umgehen mit dem Ball“ 12 . Technische Elemente des Zielspiels werden angewendet und Spielübersicht und Spielintelligenz sind gefragt: Es gilt, sich im Raum zu orientieren und sich „situationsgemäß auf die Aktionen von Mit- und Gegenspielern einzustellen“ 13 . Die Kleinen Sportspiele sind hierbei zweckvoll, da sie durch geringere technische Anforderungen und ein reduziertes Regelwerk eine Konzentration auf das Spielhandeln erlauben. Das Einhalten von Regeln sowie das faire Umgehen mit dem Gegenspieler sind unerlässlich und somit kann auch die Sozialkompetenz gestärkt werden. Kleine Sportspiele schaffen im Sinne einer integrativen Spielschulung Grundlagen, welche für alle Großen Sportspiele bedeutend sind. Sportspiele unterteilen sich in Mannschaftsspiele und Einzel-/Doppelspiele. Kleine Spiele und Kleine Sportspiele weisen viele unterschiedliche Klassifikationen und Intentionen auf. So werden auf der ganzen Welt zum Beispiel Ballspiele, Laufspiele, Kraftspiele, Zielwurfspiele oder Spiele, die die Geschicklichkeit schulen, gespielt. Ballspiele sind kleine oder große Spiele mit einem oder mehreren Bällen. Gilt das Spiel mit dem Ball als Sportart, so spricht man von Ballsportarten. Ballspiele schulen das Koordinationsvermögen, das körperliche Geschick und das Reaktionsvermögen. Laufspiele sind Spiele, in denen größtenteils gelaufen werden muss, aber das Laufen beschränkt sich nicht nur auf vorgegebenen Strecken, sondern umfasst viele Möglichkeiten, wie Lauf- und Fangspiele, Staffeln und Kombinationswettbewerbe mit Wurf- und Sprungübungen. 14 Kraftspiele sind Spiele, in der die Ausübung ein besonderes Maß an Körperkraft erfordert und die Muskeln ausbildet. Wiederum können Kraftspiele mit Materialien, wie Bällen, Bänken usw. verbunden werden. Unter einem Geschicklichkeitsspiel versteht man Spiele, die vom Spieler eine besondere Reaktionsfähigkeit und/oder eine gut ausgeprägte Feinmotorik verlangen. Hauptsächlich werden bei Geschicklichkeitsspielen das Balancevermögen, das Rhythmusgefühl (wie beim Gummitwist), das haptische Feingefühl und die Entfernungseinschätzung beansprucht. 15 Die in der Unterrichtseinheit vorgestellten Spiele können dementsprechend klassifiziert werden. Häufig werden Spiele mehreren Kategorien zugeteilt, so dass in der folgenden Abbildung ein Spiel mehreren Klassifikationen zugerechnet wird, da eine exakte Abgrenzung nicht möglich ist.
12 vgl. Jaklen, 1995, S.3
13 Jaklen, 1995, S.3
14 vgl. http://www.sportpaedagogik-online.de/leicht/laufspiele1.html
15 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Geschicklichkeitsspiel
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Berit Schüler, 2009, Interkultureller Dialog durch kleine Sportspiele, München, GRIN Verlag GmbH
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