Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. Seite 2
2. Definition von Begabung. Seite 3
3. Die Diagnose von Begabung. Seite 5
3.1. Methoden der Diagnose. Seite 5
3.2. Die Fehldiagnose. Seite 8
3.3. Underarchiever. Seite 9
4. Anforderungen an den Lehrer. Seite 10
5. Arten der Förderung. Seite 12
5.1. Akzeleration. Seite 12
5.2. Enrichment. Seite 13
5.3. Äußere Differenzierung. Seite 13
5.4. Innere Differenzierung. Seite 14
6. Das Elsa-Brändström-Gymnasium in Oberhausen. Seite 16
6.1. Vereinbarung zum Bündnis für Erziehung und Lernen. Seite 16
6.2. Das Drehtürmodell. Seite 17
7. Die Laborschule Bielefeld. Seite 20
7.1. Heterogenität an der Laborschule. Seite 21
7.2. Das Stufenmodell. Seite 21
8. Fazit: Gemeinsamkeiten und Unterschiede in
der praktischen Begabtenförderung des
Elsa -Brändström-Gymnasiums und der Laborschule Bielefeld. Seite 23
Anhang: Literaturverzeichnis. Seite 25
2
1. Einleitung
Wenn es um die Förderung von hochbegabten Schülern geht, ist es immer wieder erstaunlich, dass für viele Personen die erste Frage, die sie sich dabei stellen, nicht „Wie kann ich Begabte am besten fördern?“ lautet, sondern: „Ist es prinzipiell sinnvoll, dass begabte Schüler gefördert werden?“ Sie gehen davon aus, dass Begabte den anderen Schülern gegenüber schon genug Vorzüge genießen und es überflüssig ist, ihnen noch zusätzlich Zeit, Aufmerksamkeit und Engagement zu widmen.
Nach meiner Meinung ist dies der falsche Ansatz. Viel zu häufig kann man an deutschen Schulen beobachten, dass der Unterricht für einen imaginären Durchschnittsschüler konzipiert wird. Dabei sind alle Anstrengungen nur darauf gerichtet, den Schülern, deren Leistungen diesen Anforderungen nicht gerecht werden, zu helfen, dieses Durchschnittslevel zu erreichen. Wenn man sich Staaten ansieht, die traditionell über einen sehr hohen Bildungsstandard verfügen und bei der PISA-Studie regelmäßig die obersten Plätze belegen, wie etwa Schweden und Finnland, so wird man feststellen, dass dort versucht wird, jeden Schüler nach seinen Begabungen optimal zu fördern, unabhängig davon, ob es sich dabei um einen lernbehinderten, einen hochbegabten oder einen durchschnittlich begabten Schüler handelt.
In dieser Arbeit soll gezeigt werden, auf welche Art und Weise die Förderung von begabten Schülern gelingen kann. Zu diesem Zwecke wird zunächst knapp geklärt, was man unter dem Begriff „Begabung“ zu verstehen hat und welche Methoden benutzt werden, um eine Begabung zu diagnostizieren. Danach werden die am häufigsten angewandten Methoden der Förderung, also die Akzeleration, das Enrichment sowie die innere und äußere Differenzierung, theoretisch erklärt. Zuletzt wird an den Beispielen des Elsa-Brändström-Gymnasiums und der Laborschule Bielefeld gezeigt, wie die theoretischen Grundlagen dort praktisch in die Tat umgesetzt werden.
Als primäre Literaturgrundlage dienen die Werke „Begabungsförderung in heterogenen Lerngruppen. Materialien zur Diagnostik, Förderpläne und Anregungen für die Unterrichtspraxis“, herausgegeben von Katrin Höhmann (2005), „Heterogenität in Schule und Unterricht. Handlungsansätze zum pädagogischen Umgang mit Vielfalt“, herausgegeben von
3
Sebastian Boller, Elke Rosowski und Thea Stroot (2007) und „Unser Kind ist hochbegabt“ von Franz J. Mönks und Irene H. Ypenburg (1998).
2. Definition von Begabung
In den letzten Jahrzehnten hat es zahlreiche Versuche gegeben, die Begabung exakt festzulegen und zu bestimmen. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Ansätze. Zwei der am häufigsten benutzten Modelle zur Erklärung von Begabung sind das Modell der triadischen Interdependenz von Franz J. Mönks und das Münchner (Hoch-)Begabungsmodell. Das Modell der triadischen Interdependenz von Mönks (1994): 1
Bei diesem Modell wird davon ausgegangen, dass sich die Begabung aus den Persönlichkeitsmerkmalen Intelligenz, Motivation und Kreativität (1. Triade) zusammensetzt. Die Begabung kann aber nur dann verwirklicht werden, wenn das Kind über ausreichende soziale Kompetenzen , bestehend aus Familie, Schule und Freunden (2. Triade) verfügt. Über das Zusammenwirken der beiden Triaden schreibt Mönks: „In diesem Modell wird demnach zum Ausdruck gebracht, daß eine positive wechselseitige Beziehung zwischen den beiden Triaden und ein ausgewogenes Verflochtensein bestimmend sind für eine möglichst ungestörte Entwicklung von Hochbegabung.“ 2
1 http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/f/fc/Moenks.png (zuletzt besucht am 03.04.2008)
2 Franz J. Mönks; Irene H. Ypenburg, Unser Kind ist hochbegabt, 2., aktualisierte Auflage, München
1998, Seite 25.
4
Das Münchner (Hoch-)Begabungsmodell (1995) 3 :
Dieses Modell, das besonders wegen seiner hohen Validität sehr geschätzt wird, findet vor allem Anwendung „zur psychometrischen Erfassung hochbegabter Kinder und Jugendlicher im Schulalter (Primar- und Sekundarstufe des allgemeinbildenden Schulwesens).“ 4 Es ist Teil des Münchner Hochbegabungs- Testsystems, bei dem viel Wert auf die Differenzierung der verschiedenen Begabungsfaktoren, Persönlichkeitsmerkmale und Umwelteinflüsse gelegt wird.
Viele der unterschiedlichen Modelle oder Definitionen, bei denen versucht wird, genau zu bestimmen, was eine Begabung ist, sind mit Vorsicht zu genießen. Zum einen gibt es sehr viele unterschiedliche Formen, wie eine Begabung ausgeprägt sein kann und des Weiteren unterscheiden sich die Begabungen auch stark in der Art und Weise ihres Entwicklungsverlaufs.
3 Kurt A. Heller, Begabungsdiagnostik in der Schul- und Erziehungsberatung, 2., vollständig
überarbeitete Auflage, Bern 2000, Seite 24.
4 Ebd.
5
Was man grundsätzlich beachten muss, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt, ist, dass eine Begabung stets mehrschichtig ist. Das bedeutet, dass man sie nicht nur auf einen Aspekt reduzieren kann, wie man dies besonders gut am Münchner (Hoch-)Begabungsmodell sehen kann. Häufig wird der Fehler begangen, eine hohe Begabung mit einem hohen Intelligenzquotienten gleichzusetzen. Es ist zwar nicht selten, dass die hohe Begabung mit einer hohen Intelligenz verbunden ist, aber ein hoher IQ ist keine Voraussetzung für eine Begabung. Diese kann ebenso auf den Gebieten Kreativität, Kunst und in sozialen Bereichen auftreten.
Ein gutes Beispiel einer klassischen Fehlinterpretation des Begriffes „Hochbegabung“, gibt Katrin Höhmann: „ ‚Was, du willst hoch begabt sein und weißt nicht mal, dass man dieses ‚dass‘ mit zwei ‚s‘ schreibt?‘ - O-Ton aus dem Schulalltag. Um Hochbegabung erkennen zu können ist es notwendig, sich von bestimmten Klischees zu trennen. Hochbegabung und Rechtschreibsicherheit haben beispielsweise nichts miteinander zu tun.“ 5
3. Die Diagnose von Begabung
3.1. Methoden der Diagnose
Nun stellt sich die Frage, an welchen Kriterien zu erkennen ist, ob ein Kind hochbegabt ist oder nicht. Wie unter Punkt 2 zu sehen war, ist die Art und Weise, wie eine Begabung ausgeprägt sein kann, höchst vielfältig. Dies erschwert das Erkennen einer Begabung. Wenn eine Begabung mit dem Auftreten herausragender schulischer Leistungen zusammenfällt, ist es nicht schwer, diese zu diagnostizieren. Aber häufig genug ist dies nicht der Fall, wie Sabine Platzer dies beschreibt:
„Es gibt Jungen, die zwar ständig originelle Einfälle habe, aber ziemlich chaotisch und nicht zum Arbeiten zu bewegen sind. Es gibt sehr begabte Mädchen, die aber schüchtern sind und sich in ihren Leistungen an die anderen Mädchen ihrer Klasse anpassen um nicht aufzufallen. Es gibt zynische Kritiker, die alles infrage stellen, was Lehrkräfte verlangen, anstatt einfach einmal mitzuarbeiten.“ 6
5 Katrin Hömann, Nicht automatisch schnell und effektiv. Wege zur begabtenfreundlichen Lernkultur,
in: Gerold Becker ; Herbert Altrichter (Hg.), Heterogenität. Unterschiede Nutzen, Gemeinsamkeiten stärken,
Seelze 2004, Seite 29.
6 Sabine Platzer: Besondere Begabungen erkennen und fördern, in: Ingrid Ahlring (Hg.), Praxis Schule 5
- 10, Extra: Differenzieren und individualisieren, Braunschweig 2002, Seite 218.
6
Besonders, das Gefühl des „anders sein“ und die Angst, von Gleichaltrigen nicht akzeptiert zu werden, läßt viele hochbegabte Kinder ihre Begabung unterdrücken und verstecken. Um eine Begabung zu belegen, werden in der Praxis viele unterschiedliche Verfahren angewandt. Man unterscheidet dabei zwischen „subjektiven“ und „objektiven“ Diagnoseverfahren. Diese Unterteilung soll keine Wertung über die Qualität der Methoden abgeben, sondern lediglich die unterschiedlichen Verfahrensweisen beschreiben. Unter objektiven Diagnoseverfahren versteht man solche, deren Ergebnisse sich eindeutig messen und mit anderen in Bezug setzten lassen, also v.a. genormte Leistungs- und Intelligenztests. Subjektive Verfahren beinhalten Methoden wie die Checkliste, die Beobachtung, das Gespräch oder auch die Peernominations, also Verfahren, die sich dazu eignen, vom Lehrer im Schulalltag durchgeführt zu werden.
Ein beliebte Methode sind Intelligenz- und Leistungstests, wie z.B. der Intelligenztests für Kinder HAWIK III (Hamburger-Wechsler- Intelligenztest für Kinder). Das Anwenden von Tests stellt allerdings einen Teil der sonderpädagogischen Professionalität dar, d.h. dass nur Sonderschullehrer und Beratungslehrer einen Intelligenztest durchführen dürfen. Durch das alleinige Ausfüllen eines Intelligenztests ist es nicht möglich, eine Begabung festzustellen. Eine andere Methode ist das Arbeiten mit einer Checkliste, auf der verschiedene Merkmale, die häufig bei hochbegabten Kindern auftreten, angeführt werden. Eine solche Checkliste findet man bei Sabine Platzer 7 :
7 Ebd., Seite 220.
7
Arbeit zitieren:
Peter Oehlenberg, 2008, Die Förderung von hochbegabten Schülern, München, GRIN Verlag GmbH
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