Inhaltsverzeichnis
1 Das „Modell von Welt“ mit den semantischen Räumen der
Realwelt und der Phantasiewelt 2
1.1 Grenzziehung und Zuordnung der Akteure. 2
1.2 Grenzüberschreitungen, Extremräume und Ereignistilgung. 3
1.3 Parallelen der realen und fiktiven Welt 5
2 Der Filmausschnitt (00:29:39 - 00:36:48) vor dem Hintergrund des
Gesamtfilms 6
2.1 Alternierende Montage. 6
2.2 Point of View. 6
3 Die Bedeutung der Prüfungen Ofélias im Kontext des „Modells von Welt“ 7
4 Referenzen und Auffälligkeiten 8
Quellenverzeichnis. 9
- 1 -
1 Das „Modell von Welt“ mit den semantischen Räumen der Realwelt und der Phantasiewelt
Guillermo de Toros Film „Pans Labyrinth“ konstruiert, eingebettet in den historischen Kontext des faschistischen Regimes Francisco Francos, ein „Modell von Welt“, das auf zwei oppositionellen semantischen Räumen basiert: Der realen Welt und der Phantasiewelt. Ein einführender Text zu Beginn des Films verweist auf das Jahr 1944, in welchem der Spanische Bürgerkrieg zwar zu Ende, Spanien jedoch vom Franco-Regime geprägt ist. 1 Die heterodiegetische voice over Stimme, welche ebenfalls zu Beginn 2 und am Ende 3 des Films zu hören ist, erinnert an die Erzählstruktur eines Märchens. Diese Struktur nimmt die Protagonistin Ofélia im Laufe des Films auf, indem sie aus ihrem Buch vorliest oder ihrem ungeborenen Bruder erzählt. 4
1.1 Grenzziehung und Zuordnung der Akteure
Die Diegesis beinhaltet zum einen die Realwelt der Erwachsenen, die sich durch doppelte Grenzziehung in die Subräume der faschistischen Anhänger Francos und in den republikanischen Widerstand teilt. Den uniformierten Franco-Anhängern, deren Anführer Hauptmann Vidal ist, ist die Mühle als topographischer Raum zugeordnet. Die Rebellen um Mercedes Bruder Pedro halten sich in dem umliegenden Wald auf. Außerdem wird zwischen der Welt der unmündigen Frauen und der der Männer unterschieden. Zur ersten zählen Ofélias Mutter Carmen, die Hausangestellten, unter ihnen Mercedes, die jedoch im Laufe der Handlung aus ihrer Rolle ausbricht und Ofélia, die von der Männerwelt unterdrückt werden. Die Männer, insbesondere der Hauptmann, verkörpern die Intoleranz und Gewaltbereitschaft des Faschismus. Eine Ausnahme bildet der Arzt Dr. Ferreiro.
Zum anderen wird die Phantasiewelt der kleinen Ofélia, der unter anderem der Pan, die Feen und das Kinder fressende Ungeheuer angehören, konstituiert. Diese Welt
1 Vgl. Del Toro, Guillermo: Pans Labyrinth. Spanien: Wild Bunch 2006, 00:00:45 ff.
2 Vgl. ebd., 00:01:22 ff.
3 Vgl. ebd., 01:47:04 ff.
4 Vgl. ebd., 00:12:48 ff.
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ist für die Erwachsenen, die nicht an sie glauben unzugänglich und macht daher die Grenzziehung zwischen den semantischen Räumen möglich. Die Opposition zwischen der Welt der Erwachsenen und der Ofélias wird durch das Verhältnis zwischen der Protagonistin und ihrem Stiefvater Hauptmann Vidal deutlich. Dieses ist von Beginn an von gegenseitiger Antipathie geprägt. Ofélia, deren leiblicher Vater tot ist, weigert sich den neuen Mann an der Seite ihrer Mutter anzuerkennen.
1.2 Grenzüberschreitungen, Extremräume und Ereignistilgung
Die wichtigsten handlungsauslösenden Grenzüberschreitungen stellen Ofélias Übertritte von der realen in die phantastische Welt dar. Diese deuten sich bereits zu Beginn des Films an, als Ofélia zum ersten Mal das Insekt, das einer Stabheuschrecke ähnelt, sieht. In ihr glaubt sie eine Fee zu sehen, welche sie zur ersten Grenzüberschreitung in das Labyrinth und in den Extremraum unter dem Labyrinth, in dem sich der Pan aufhält führt. Gemäß dem Beuteholerschema bringt sie bei der Rückkehr in den Ausgangsraum das von Pan überreichte „Buch der Scheidewege“ mit. Dieses teilt ihr die erste der drei Prüfungen mit, die sie bestehen muss, um als unsterbliche Prinzessin Moana in die phantastische Welt zurückzukehren. Vor dem Abendessen mit ihrem Stiefvater flüchtend begibt sie sich erneut in die Phantasiewelt, um ihre erste Aufgabe zu erfüllen. Sie kehrt mit einem Schlüssel in den Ausgangsraum zurück und gelangt begleitet von der Fee wieder in Pans Labyrinth, der ihr eine Kreide überreicht, welche die Erfüllung der nächsten Aufgabe ermöglicht. Obwohl sie dem furchteinflößenden Pan nicht bedingungslos vertraut, flüchtet sie sich immer wieder vor der für sie grausamen realen Welt in die Phantasiewelt, um die Aufgaben zu lösen. Da es ihrer schwangeren Mutter schlecht geht, kann sie jedoch die zweite Prüfung nicht sofort ablegen, daher betritt der Pan die reale Welt, um sie an ihre Verpflichtung zu erinnern. Er überreicht ihr außerdem eine Alraune, die den Zustand der Mutter zu verbessern scheint. Der Dolch, den sie aus der zweiten Prüfung erhält ist wiederum die Voraussetzung für die letzte Aufgabe. Den Extrempunkt in Form eines Wendepunktes bei dieser Grenzüberschreitung stellt die Konfrontation mit dem kinderfressenden Ungeheuer dar, dem sie in letzter Sekunde in den Ausgangsraum entkommt.
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Arbeit zitieren:
Melanie Strauß, 2009, Eine Filmanalyse zu „Pans Labyrinth“ von Guillermo del Toro, Spanien 2006, München, GRIN Verlag GmbH
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