Inhaltsverzeichnis
1 Politische Rede als Sprechhandlung 2
2 Aspekte der Analyse politischer Sprache 3
2.1 Lexikologie 4
2.1.1 Ideologievokabular 4
2.1.2 Institutionsvokabular. 6
2.1.3 Ressortvokabular. 7
2.1.4 Allgemeines Interaktionsvokabular. 7
2.2 Pragmatik. 8
2.2.1 Implikaturen und Präsuppositionen. 8
2.2.2 Die pragmatische Analyse nach Burkhardt und Holly. 8
2.3 Entwurf eines Analysemodells. 11
3 Untersuchung der Rede Angela Merkels zum Haushalt 2010. 11
3.1 Analyse der lexikalischen Merkmale. 11
3.2 Pragmatische Untersuchung des Redeverlaufs. 14
3.2.1 Institutionelle Sprechakte. 15
3.2.2 Redestrategie. 15
3.2.3 Zwischenrufe. 17
4 Bedeutung der linguistischen Analyse öffentlich-politischer Kommunikation. 21
5 Literaturverzeichnis
1 Politische Rede als Sprechhandlung
Ob Bundestagsrede, Diskussionsrunde im Fernsehen oder Wahlkampfveranstaltung, Politik basiert auf Sprache. Mit dem Ziel, die Zustimmung der Bürger zu erreichen und Wähler zu gewinnen, bedienen sich politische Akteure vielfältiger sprachlicher Strategien und Wortschätze. Der Sprachwissenschaftler Horst Grünert betont die existenzielle Bedeutung von Sprache für das politische Leben: „Politik wird durch (mit) Sprache entworfen, vorbereitet, ausgelöst, von Sprache begleitet, beeinflußt, gesteuert, geregelt, durch Sprache beschrieben, erläutert, motiviert, gerechtfertigt, verantwortet, kontrolliert, kritisiert, be- und verurteilt.“ 1 Daraus ergibt sich, dass Sprache und Handeln in der Politik in einer engen Beziehung zueinander stehen und sich gegenseitig bedingen. In der sprachwissenschaftlichen Literatur spricht man vom sogenannten sprachlichen Handeln. 2
Eine große Rolle in der Sprache der Politik spielen Ideologien. Diese „einer bestimmten Gesellschaftsordnung zugrundeliegenden Wertvorstellungen und Denkmuster“ 3 , in diesem Fall die der einzelnen politischen Parteien, ermöglichen die auf Emotionen der Bürger fokussierte Vermittlung von unterschiedlichen politischen Wirklichkeiten. Nicht zu verleugnen ist die durch Sprache ermöglichte Manipulation der öffentlichen Meinung, sowie die Beeinflussung des Handelns der Menschen. 4
Auch wenn hier der Einfachheit halber von politischer Sprache die Rede ist, soll darauf hingewiesen sein, dass der Begriff keinesfalls alle Aspekte des Sprachgebrauchs in der Politik abdecken kann. Erwähnt seien beispielsweise die verschiedenen Handlungs- und Funktionsbereiche von Parlamentsdebatten, Wahlkampfbroschüren, Koalitionsverhandlungen und Sprechchören auf
Demonstrationen. Zwar befasst sich diese Arbeit konkret mit der parlamentarischen Rede, man spricht im Allgemeinen aber korrekt von Sprache und Kommunikation in der Politik. 5 Armin Burkhardt geht noch weiter und definiert politischen
1 Grünert 1983: 43.
2 Vgl. Girnth 2002: 1 f.; vgl. auch: Klein 2006. In: Girnth/Spieß: 17 ff.
3 Girnth 2002: 3.
4 Vgl. Girnth/Spieß 2006. In: Dies.: 9.
5 Vgl. Dieckmann 2005. In: Kilian: 21 f.
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Sprachgebrauch als jegliche Form des Sprechens über politische Sachverhalte und den Gebrauch von politiktypischem Satzbau und Stil. 6
Anhand lexikalischer und pragmatischer Gesichtspunkte sollen die sprachlichen und semantischen Merkmale der parlamentarischen Rede herausgestellt werden. Als Beispiel dazu dient die Rede der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zum Haushaltsgesetz 2010 vor dem Deutschen Bundestag am 17. März 2010. Zuvor werden die Grundlagen der Lexikologie politischer Sprache vorgestellt sowie ein auf pragmatische Eigenschaften konzentriertes, politolinguistisches Analysemodell auf Basis der Modelle von Burkhardt und Holly entworfen. Im Folgenden werden diese theoretischen Erkenntnisse dann am oben genannten Redebeispiel angewendet, wobei sich die Analyse auf einzelne auffällige lexikalische und pragmatische Merkmale, besonders Zwischenrufe, während der Rede konzentrieren wird.
2 Aspekte der Analyse politischer Sprache
Heiko Girnth definiert im Allgemeinen vier Merkmale politischer Sprachverwendung: Die „Öffentlichkeit“ beschreibt den offiziellen Charakter und die nach außen gerichtete Willensbildung politischer Sprache. Mit „Gruppenbezogenheit“ ist die positive Bewertung der „Eigengruppe“, beziehungsweise die negative Bewertung der „Fremdgruppe“ gemeint. Die doppelte Funktion der sprachlichen Handlungen, zum einen die „direkte Interaktion zwischen den politischen Akteuren“ und zum anderen die „zwischen den politischen Akteuren und der nur indirekt beteiligten Öffentlichkeit“ bezeichnet Girnth als „Mehrfachadressiertheit“. Als Ziel des politischen Diskurses bestimmt er außerdem den Konsens, beziehungsweise einen Dissens zwischen den poltischen Parteien. Das demokratische Streben nach Einigung, jedoch nicht ohne die notwendige Abgrenzung zur Fremdgruppe durch Aufrechterhaltung einer Unstimmigkeit, nennt Girnth „Konsens-“, beziehungsweise „Dissensorientiertheit“. 7 Diese vier Merkmale müssen bei der Untersuchung politischer Sprache bezüglich ihrer Lexikologie und Pragmatik berücksichtigt werden.
6 Vgl. Girnth/Spieß 2006: In: Dies.: 8.
7 Girnth 2002: 33 f.
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Die Analyse von Sprache und Kommunikation in der Politik lässt sich in zwei Teilbereiche gliedern. Die Lexikologie untersucht den in der Politik häufigen Wortschatz und ordnet ihn je nach Verwendung in einzelne Teilbereiche ein. Durch Sprache werden in der Politik bestimmte Sachverhalte, Gruppen oder Äußerungen positiv oder negativ bewertet. Dadurch werden Bürger und andere politische Akteure indirekt in ihrer Einstellung beeinflusst. Das geschieht auch durch nicht ausgesprochene, aber unterschwellig gemeinte Aussagen. Mit diesem handlungsorientierten Aspekt politischer Sprache befasst sich die pragmatische Analyse.
2.1 Lexikologie
Auf lexikalischer Ebene wird bei der Analyse politischer Sprache der Gebrauch von spezifischem Wortschatz untersucht. Nach Klein lassen sich vier Wortbestände definieren: Das Institutionsvokabular, das Ideologievokabular, das Ressortvokabular und das allgemeine Interaktionsvokabular, wobei die Verwendungshäufigkeit des Vokabulars eines Wortbestandes je nach Textart und Ziel der politischen Kommunikation variiert. 8
Der politische Wortschatz weist zwar Tendenzen einer Fachsprache auf, wird aber nicht als solche eingeordnet. Es handelt sich vielmehr um einen „Teil der allgemeinen Standardsprache.“ 9 Dennoch werden in den politischen Wortschatz ständig neue fachsprachliche Begriffe integriert, deren Fachbereich zum politischen Thema wird. 10 Da die Wortschatzmenge dadurch stetig steigt, ist es generell schwer, eine Grenze zwischen politischer Sprache und anderen Sprachbereichen zu ziehen. 11
2.1.1 Ideologievokabular
Durch Ideologievokabular definieren politische Gruppen ihre Überzeugungen und Sichtweisen und damit ihre ideologisch begründete Wirklichkeit. Dazu zählen Lexeme, die jeweils „grundlegende soziale Beziehungen und Formationen […], favorisierte Prinzipien der Organisation des politischen Lebens […] [und]
8 Vgl. Klein 2005. In: Kilian: 132.
9 Dieckmann. 2005. In: Kilian: 17.
10 Vgl. Volmert 1989: 74- 77.
11 Vgl. Dieckmann 2005. In: Kilian: 17.
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grundlegende Werte und Handlungsorientierungen“ 12 artikulieren. Zum Ideologievokabular der politischen Sprache zählen die Schlagwörter. 13 Burkhardt definiert Schlagwörter wie folgt: Nach semantischer Auffassung sind Schlagwörter „[…] abstrakte, politisch-programmatische Kurzformel[n] […].“ 14 Von der pragmatischen Seite aus betrachtet, dienen Schlagwörter dazu, sich von der Fremdgruppe, also der gegnerischen politischen Position, zu distanzieren, sich mit der eigenen Gruppe zu solidarisieren und außerdem die öffentliche Meinung und das Handeln zu beeinflussen. 15 Diese Ansicht teilt auch Dieckmann: „Die Wörter des Ideologievokabulars haben neben der denotativen (bezeichnenden, deskriptiven) Bedeutung oft ein ausgeprägtes evaluatives (bewertendes) und ein deontisches (zu Handlungen aufforderndes) Potenzial.“ 16 Das Ideologievokabular lässt sich deshalb in positive Miranda (Fahnenwörter und Hochwertwörter) beziehungsweise negative Anti-Miranda (Stigmawörter und Feindwörter) einteilen. 17 Dabei gilt aber, dass durch divergierende politische Positionen unterschiedliche Verständnisse desselben Begriffs entstehen können. So kann für die eine Partei ein Begriff als Stigmawort verwendet werden, während er für die andere ein Fahnenwort darstellt. Denn Fahnen- und Stigmawörter sind parteilich und ideologisch polysem, das heißt, dass die unterschiedlichen politischen Gruppen ein und denselben Ausdruck ideologisch verschieden auslegen. Burkhardt nennt als Beispiel dafür den Begriff Sozialismus, der für die CDU/CSU eine negative Bedeutung und für die SPD eine Zeit lang eine durchaus positive Konnotation hatte. Heute gilt der Terminus aufgrund seiner Assoziation mit dem SED-Regime auch bei der SPD nicht mehr als Fahnenwort. 18 Als parteiübergreifende Schlagwörter gelten hingegen die positiv konnotierten Hochwertwörter. 19 In der Demokratie haben sich „Zukunft, Frieden, Freiheit, Menschenwürde, Volk, Bildung […]“ 20 etabliert. Hochwertwörter dienen politischen
12 Klein 1989. In: Ders.: 7 f.
13 Vgl. Burkhardt 2003: 353.
14 Ders. 2003: 352.
15 Vgl. ders. 2003: 353.
16 Dieckmann 2005. In: Kilian: 19.
17 Vgl. ebd.
18 Vgl. Burkhardt 2003: 356 f.
19 Vgl. Gordienko 2005: 163.
20 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Melanie Strauß, 2010, Politolinguistik: Lexikalische und pragmatische Analyse politischer Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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