Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Erziehungsmaximen Friedrich Wilhelms I. 3
2.1. Grundlagen der Erziehungsinstruktion von 1718 3
2.2. Religion als Ausgangspunkt monarchischen Handelns 4
2.3. Nützliche Fertigkeiten 5
2.4. Widersprüchlichkeiten: Die Doppelnatur der Instruktion. 6
2.5. Das Leitbild: Der junge „successor“ als Ebenbild des Königs 7
3. Die Erziehungsmaximen Friedrichs des Großen 8
3.1. Zu den Erziehungstexten Friedrichs des Großen 8
3.2. Autonomie und säkularisierte Tugend 9
3.3. Der Ökonom und Feldherr 10
3.4. Pädagogisches Vorgehen 12
4. Schlussbetrachtungen 13
5. Quellen- und Literaturverzeichnis 15
1
1. Einleitung
Das die Jugend Friedrichs des Großen prägende Phänomen war die sich über Jahre hinziehende Auseinandersetzung mit seinem Vater. Schon in früher Kindheit war ihm kein kindliches Leben beschert, der strenge Vater ließ seinen Sohn und Thronfolger kaum einmal unbeschwert seinen Launen nachgehen, der sich wiederum in die für ihn vorbestimmte Rolle immer weniger fügen wollte. Schließlich eskalierte der Konflikt; nach einem missglückten Fluchtversuch ließ der König den Freund und Mitwisser Friedrichs, von Katte, hinrichten. Später arrangierte sich Friedrich mit seinen Aufgaben. Als der König 1740 starb, waren beide längst ausgesöhnt. Ohne das Zerwürfnis im Einzelnen aufarbeiten zu wollen, kristallisiert sich darin heraus, dass Friedrich Wilhelms I. „Ringen[] mit dem Nachfolger [...] mehr als nur ein
klassisch- fürstlicher Vater- Sohn- Konflikt“ 1 gewesen ist Wenn auch die Frage erlaubt sein muss, inwiefern der junge Prinz schon über ein systematisch ausgeprägtes Staatsverständnis verfügt hatte, das dann in Widerspruch zu dem seines Vaters geraten konnte, liegt der Zusammenhang von Erziehungsprogramm und Staatsverständnis nahe; schließlich geht es doch in der Erziehung darum, einen zukünftigen König zu formen. Der persönliche Aspekt des Konflikts zwischen Vater und Sohn tritt daher in den Hintergrund; die Frage, ob Friedrich ein ‚guter Sohn‘ gewesen ist und inwiefern er den väterlichen Anweisungen nachkam, wird hier nicht gestellt. Es geht um die für das Staatswesen bedeutsamen Sachverhalte, denen die Frage gilt: Wie wird aus dem Kind ein guter zukünftiger König? Was zeichnet einen guten Regenten überhaupt aus? Welche Entwicklung sollte also der Thronfolger dem Willen des Königs nach nehmen, d. h. welches Selbst- und Staatsverständnis hatte er zu verinnerlichen? Nach der Herausarbeitung der Erziehungsmaximen Friedrich Wilhelms I. werden ihnen die Leitlinien der Erziehungsschriften Friedrichs gegenübergestellt. Die Kontinuitäten und Brüche zwischen den Auffassungen beider Hohenzollern sollen deutlich gemacht werden, um Aussagen darüber treffen zu können, inwiefern sich das Selbst- und Staatsbild vom ‚Soldatenkönig‘ zum ‚roi philosophe‘ möglicherweise gewandelt hat.
1 Heinrich, Gerd: Geschichte Preußens. Staat und Dynastie, Frankfurt 1981
2
2. Die Erziehungsmaximen Friedrich Wilhelms I.
2.1. Grundlagen der Erziehungsinstruktion von 1718 2
Ein Fürstenkind wurde für gewöhnlich spätestens im Alter von sieben Jahren in die Obhut einer männlichen Aufsichtsperson gegeben. Für den am 24. Januar 1712 geborenen Friedrich sollte nach dem Willen des Königs Graf Fink von Finkenstein die Funktion des Gouverneurs ausüben, dem Oberst von Kalkstein als Untergouverneur zur Seite gestellt wurde. An sie richtet sich die königliche Instruktion zur Erziehung Friedrichs vom 13. August 1718; sie ist im Großen und Ganzen derjenige Plan, nach dem Friedrich Wilhelm I. selbst schon erzogen worden war. Auf Anweisung des Kurfürsten Friedrich III. arbeitete ihn dessen Minister Paul von Fuchs im Jahre 1695 für den Gouverneur des Prinzen, Alexander Graf zu Dohna, auf der Grundlage einer älteren Instruktion aus.
Ernst Bratuschek zufolge gehen wesentliche Züge der Anweisung auf die Königin Sophie Charlotte zurück, deren Ideen wiederum von einem regen Gedankenaustausch
mit dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz beeinflusst worden sind 3 . Carl Hinrichs erwähnt als weitere Inspirationsquelle den halleschen Theologieprofessor August Hermann Francke, der einen dynamischen, auf das Weltliche gerichteten Pietismus vertrat, d.h. eine Bewegung zur Umgestaltung des Diesseits, um das ‚Reich
Gottes‘ auf Erden zu verwirklichen 4 .
Leibniz verfasste 1693 selber ein Konzept zur Erziehung eines künftigen Fürsten, nämlich des sächsischen Kurprinzen. Darin beschrieb und bewertete er die Eigenschaften eines Königs, die „Grade von Vollkommenheiten [...]: Notwendig ist,“ fasst Bratuschek die leibnizschen Ausführungen zusammen,
„daß der Fürst zu einem [...] frommen und pflichtgetreuen Menschen, zu einem Mann von
Mut, von gesundem Urteil und gesellschaftlichem Anstand erzogen werde. Nützlich ist es
dann, daß er seinen Beruf: die Staats- und Kriegskunst [...] lerne“, um vom Rat seiner
Minister und Generäle möglichst unabhängig zu sein. „Zur Zierde gereicht es ihm, wenn
er über das Bedürfnis hinaus aufgeklärt [...] ist.“ 5
2 Friedrich Wilhelm I., Instruktion und Bestallung...; abgedruckt in: Cramer, Friedrich [Hrsg.]: Zur
Geschichte Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. Könige von Preußen, Hamburg 1829
3 Bratuschek, Ernst: Die Erziehung Friedrichs des Großen, Berlin 1885, S. 3 f.
4 Hinrichs, Carl: Friedrich Wilhelm I. König in Preußen. Eine Biographie. Bd. 1: Jugend und Aufstieg,
Hamburg 1941, S. 24 f.
5 Bratuschek, Erziehung, S. 4
3
2.2. Religion als Ausgangspunkt monarchischen Handelns
Untersucht man den Erziehungsplan von 1718 anhand dieser Kategorien, stellt sich als Grundlage der ‚notwendigen‘ Eigenschaften des Hohenzollernprinzen die „rechte Liebe und Furcht vor Gott“ heraus, die „das Fundament und die einzige Grundsäule unserer
zeitlichen und ewigen Wohlfahrt“ 6 sei. Gefährliche Irrlehren und Sekten will der reformierte Vater von seinem Sohn abhalten, ebenso die katholische Religion. Er soll die ‚richtige‘ Religion verinnerlichen, gleichzeitig aber auch anderen Lehren ihren Raum lassen, wie sich aus dem Politischen Testament von 1722 ergibt: auch an dessen Anfang stellt der reformierte König sein Bekenntnis zum universalreformierten Glauben; Lutheraner seien prinzipiell wie Reformierte zu behandeln, Katholiken müsse man tolerieren, Juden allerdings solle man vertreiben. Das Bekenntnis zur Religion bedeutet jedoch nicht, den Priestern politische Einflussnahme zuzugestehen: Der König
trennt scharf zwischen dem Rat von Predigern und Staatsangelegenheiten 7 . Neben der Gottesfurcht stellt die auch religiös gerechtfertigte Pflichtschuldigkeit und der Respekt gegenüber den Eltern - und damit natürlich auch vor dem königlichen Vorgänger - ein weiteres wichtiges Element der persönlichen Tugenden dar, die Friedrich anerzogen werden sollten; diese bilden freilich kein separates Teilgebiet einer Persönlichkeit, keinen von staatsmännischen Qualitäten und Erfordernissen abgeschotteten Privatbereich, sondern einen Wesenskern monarchischen Verhaltens. Ein Prinz müsse „erst den Ruhm, daß er ein honnete homme ist, erwerben“, also ein Mensch sein, der sich kraft eigenen Willens Bescheidung auferlegt, bevor ihm
zugesprochen werden könne, „ein größerer und löblicher Fürst“ 8 zu sein. Dieser Rat ist durchaus von praktischem Nutzen: Ein bescheidener König verinnerlicht Haushaltsdisziplin und lebt sie selbst vor, ein demutsvoller König kann den an die
Eitelkeit appellierenden Einflüsterungen der „flatteurs und schmeichelers“ 9 eher widerstehen.
Aus den grundlegenden Prinzipien der Instruktion folgen die jeweiligen konkreten Unterrichtsgegenstände, d.h. diejenigen Grundkenntnisse und -fertigkeiten, über die der
6 Friedrich Wilhelm I., Instruktion, S. 7
7 vgl. Friedrich Wilhelm I., Instruktion König Friedrich Wilhelms I. für seinen Nachfolger [Das Politische
Testament Friedrich Wilhelms I. von 1722; zit.: Friedrich Wilhelm I., Testament].; abgedruckt in:
Dietrich, Richard [Hrsg.]: Die politischen Testamente der Hohenzollern, Köln/Wien 1986 (S. 221-243),
S. 235
8 Friedrich Wilhelm I., Instruktion, S. 12
9 Friedrich Wilhelm I., Testament, S. 223
4
Arbeit zitieren:
Andreas Mohr, 2006, Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm I. – Erziehungsmaximen im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung: Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm I. – Erziehungsmaximen im Vergleich ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung: neuer Titel erschienen: Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm I. – Erziehungsmaximen im Vergleich
Untersuchungen zum Gleichgewicht der Mächte in der Außenpolitik Friedr...
Nach dem Siebenjährigen Krieg ...
Frank Althoff
0 Kommentare