Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 1
2. Gottfried Kellers Novelle „Frau Regel Amrain und ihr Jüngster“ Von den Regeln der Erziehung,
die den Ausweg aus dem Typus der Seldwyler ermöglichen 2
2.1 Frau Regel Amrains Kampf um den Steinbruch und der Auslöser ihrer Erziehungsvorsätze 2
2.2 Frau Regel Amrains Erziehung als Ausweg aus dem seldwylerischen Dasein. 4
3. Schlusswort 9
4. Literatur und Internetquellenverzeichnis. 11
4. 11
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1. Einleitung
Nachdem Gottfried Keller bei seinem Verlag Vieweg 1 , bei dem er zuvor bereits publizierte, einen „Possen gespielt“ 2 hatte und dadurch für die Entstehung seines Novellenzyklus‘ ‚Die Leute von Seldwyla‘ den ersten Stein setzte, schrieb er im Jahre 1854 in einer Nachricht an Ferdinand Freiligrath, einem deutschen Dichter und Übersetzer, der zur gleichen Zeit wie Keller lebte 3 : „Ich […] werde nun zu Hause mit wichtigem Gesicht mich an eine höchst raffinierte und ausgetüftelte Tätigkeit machen.“ 4 In den darauf folgenden Jahren verfasste Keller seinen raffinierten und ausgetüftelten ersten Band des Novellenzyklus‘, den er ‚Die Leute von Seldwyla‘ nannte sowie den Plan für den zweiten Band, der jedoch erst in den Jahren zwischen 1860 und 1875 veröffentlicht wurde. Neben Giovanni Boccaccios ‚Decamerone‘, zählt Gottfried Kellers ‚Die Leute von Seldwyla‘ bis heute zu den bedeutsamsten, die Zeit überdauernden Novellenzyklen. 5
Der erste sowie der zweite Band der Erzählungen Kellers bestehen jeweils aus fünf Geschichten. Jene, die in dieser Hausarbeit im Zentrum steht, befindet sich im ersten Band an dritter Stelle und wurde von Gottfried ‚Frau Regel Amrain und ihr Jüngster‘ betitelt. Die Novelle spielt, wie es zu erwarten ist, in der fiktiven Stadt Seldwyla, die sich irgendwo innerhalb der Schweiz befindet. Frau Regel Amrain ist eine, von ihrem in Seldwyla geborenen Ehemann mit einem enormen Schuldenberg, zurückgelassene allein erziehende Mutter von drei Söhnen, die sich, nachdem ihr jüngster Sohn Fritz, sie vor einer unehelichen Liebelei rettete, das Ziel setzt, all ihre Aufmerksamkeit auf jenen kleinen Sohn zu lenken, der ihr an diesem Tag heldenhaft zur Seite stand, um ihn durch ihre spezielle Art der mütterlichen Erziehung auf einen besseren Weg zu lenken, als den, den sein Vater sowie die Masse der restlichen Seldwyler einschlugen. Christian Stotz schrieb hierzu:
„[Es ist nicht nur] der Konflikt zwischen Vater und heranwachsendem Sohn; es ist auch der Konflikt zwischen Rechtschaffenheit und Seldwylertum, zwischen ganz unterschiedlichen Auffassungen von Verantwortung. […] Es ist das Element, das die Sphären der Ökonomie und die der Bürgerpflicht, in denen Fritz jeweils achtbare Erfolge vorweisen kann, […] und das auch Resultat seiner Erziehung ist.“ 6
Ob Stotz‘ These der Wahrheit entspricht, dass Frau Regel Amrains Erziehung der Grundstein für ein nicht-seldwylerisches Leben ist, ob dementsprechend die Erziehung den Ausweg aus dem Typus der Seldwyler ermöglicht, wird in dem nun folgenden herausgearbeitet. Ebenfalls wird die Frage bearbeitet, was diesen Typus der Seldwyler ausmacht, wer ihm entspricht und wer es auch welchen Gründen schafft, aus dem Schema der Seldwyler auszubrechen.
1 Vgl. http://www.gottfriedkeller.ch/frameset.htm (Zugriff: 28.02.2011).
2 Keller, S. 653.
3 Vgl. Bauer‐ Jonis, S. 285.
4 Keller, S. 653.
5 Vgl. Ebenda.
6 Stotz, S. 124. 1
2. Gottfried Kellers Novelle „Frau Regel Amrain und ihr Jüngster“. Von den Regeln der Erziehung, die den Ausweg aus dem Typus der Seldwyler ermöglichen
2.1 Frau Regel Amrains Kampf um den Steinbruch und der Auslöser ihrer Erziehungsvorsätze
Gottfried Kellers Werk ‚Frau Regel Amrain und ihr Jüngster‘ ist, so wie Keller es selbst innerhalb des Untertitels dieser Sammlung festsetzte, eine Erzählung, d.h. es ist eine Darstellung eines ausgedachten oder wahren Ereignisses in mündlicher oder schriftlicher Form, welches sich in die Einleitung- in der der Autor die Situation beschreibt-, den Hauptteil- in dem die Personen Dialoge führen, agieren und handeln und die Situation dadurch zu einem Höhepunkt zuspitzen- und dem Schluss zusammensetztin dem der Konflikt gelöst wird und die Geschehnisse eventuell durch eine Überraschung abgerundet werden. Die Erzählung ist ein Oberbegriff für Sagen, Kurzgeschichten, Novellen, Anekdoten und Nacherzählungen. 7 Kellers Werk ist demzufolge zwar eine Erzählung, doch im engeren Sinne eine Novelle, da sie sich dadurch charakterisiert, dass sie eine kurze Form der Erzählung ist und „eine außergewöhnliche Begebenheit, […]in Prosa“ 8 darstellt.
‚Frau Regel Amrain und ihr Jüngster‘ ist schlussendlich eine Novelle, die die Geschichte um die im Titel genannte Regel Amrain sowie um ihren jüngsten Sohn Fritz beschreibt, welche beide in der fiktiven Stadt Seldwyla leben.Die Novelle beginnt mit der für sie typischen Einleitung der bisherigen Geschehnisse. Keller stellt zunächst die Namensgeberin der Erzählung vor, als „Frau eines abwesenden Seldwylers“ 9 mit „ […] einem großen Steinbruch […]“ (S.141) Herr Amrain im Gegenzug ist „ein ansehnlicher Mann“ (S.141), der eines Tages die Knopfmacherei, in der er arbeitete liquidierte und anschließend „[…] in einer wichtigen Hauptsitzung der Seldwyler Spekulanten jenen Steinbruch […]“ (S.141) hinter der Stadt übernahm und infolgedessen aufgrund seines entstandenen Schuldenwesens, seiner politischen Gesinnungslosigkeit sowie seiner „angemessenen beweglichen Lebensweise“ (S. 141) getrieben wird, die Flucht ins Ausland zu ergreifen. Dass es abzusehen war, dass Herr Amrain sich durch den Kauf des Steinbruches in den finanziellen Ruin treiben wird, anstatt zu Wohlstand und Reichtum, zeigt sich insbesondere in seiner Motivation, die Knopfmacherei zu verlassen und stattdessen in den Steinbruch zu wechseln:
„Nun hatte er die angemessene bewegliche Lebensweise gefunden, indem er mit einer roten Brieftasche voll Papiere und einem eleganten Spazierstock, auf welchem mit silbernen Stiften ein Zollmaß angebracht war, etwa in den Steinbruch hinaus lustwandelte, wenn das Wetter lieblich war […] und dann schleunigst in die Stadt zurückkehrte, um den eigentlichen Geschäften nachzugehen, dem Umsatz der verschiedenen Papiere in der Brieftasche, was in den kühlen Gaststuben auf das beste vor sich ging. Kurz, er war ein vollkommener Seldwyler […].“ (S.141f)
Innerhalb dieser Beschreibung über Herrn Amrain und seinen Beweggründen, diesen Steinbruch zu übernehmen, wird deutlich, dass er die Leitung nicht übernommen hat, um der Leiter eines
7 Vgl. Bauer‐ Jonis, S. 241.
8 Ebenda, S. 613.
9 Keller, S. 141. Um Platz zu sparen folgt nun die Nennung der Seitenzahl in Klammern nach dem Zitat. 2
Arbeit zitieren:
Susanne Hahn, 2011, Überlegungen zu Gottfried Kellers Novelle „Frau Regel Amrain und ihr Jüngster“, München, GRIN Verlag GmbH
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