Gliederung
1. Rousseau und Key - zwei Erzieher im Vergleich 3
2. Der Einfluss des historischen Hintergrundes 4
2.1 Rousseau: Leben in zeitgenössischen Konflikten
2.2 Ellen Key: Prägerin der Reformpädagogik 5
3. Die Erziehungskonzepte 6
3.1 Erziehung zur Mündigkeit und Unabhängigkeit bei Rousseau
3.2 Ellen Keys Pädagogik vom Kinde aus 8
3.3 Der direkte Vergleich beider Theorien 9
4. Möglichkeiten und Grenzen in der Gegenwart 11
5. Literaturverzeichnis 13
- 3 - 1.Rousseau und Key - zwei Erzieher im Vergleich
Wer kennt nicht Jean-Jacques Rousseau, einen der bekanntesten großen Denker und Mitbestreiter der Aufklärung? „Seine Radikalität besaß - und besitzt bis heute -Anregungskraft…“ (Raithel 2009, S. 104). In der Pädagogik verbreiteten sich seine Theorien vor allem durch sein 1762 veröffentlichtes Werk „Emile oder über die Erziehung“, in welchem er fiktiv und idealtypisch die, seines Erachtens, bestmögliche Erziehung des jungen Emile beschreibt.
Über ein Jahrhundert später macht sich die schwedische Lehrerin und Dozentin Ellen Key einen Namen in der Welt der Pädagogik. „Von maßgeblicher Bedeutung für re-formpädagogische Strömungen ist ihr 1900 erschienenes Werk ‘Das Jahrhundert des Kindes’, das … auf ein breite Leserschaft trifft“ (ebd., S. 139). Viele ihrer darin geschilderten Ansätze über eine ideale Erziehung für das Kind wurden zum Paradigma der Ende des 19. Jahrhunderts beginnenden Reformpädagogik. Die Erziehungskonzepte von Jean-Jacques Rousseau und Ellen Key möchte ich in dieser Arbeit nun im Hinblick auf grundlegende Gemeinsamkeiten und Unterschiede miteinander vergleichen, da ich im Laufe unseres Seminars großes Interesse für dieses Thema bei mir entdeckte. Dabei möchte ich sowohl auf die Art der Erziehung, als auch auf die Rolle und die Aufgaben des Erziehers sowie natürlich die Erziehungsziele näher eingehen. Da Rousseau und Key aber in völlig unterschiedlichen Zeiten lebten, die auch von verschiedenen gesellschaftlichen Ansichten und Meinungen geprägt waren, möchte ich zunächst auf den jeweiligen historischen Hintergrund eingehen, in welchem die Beiden ihr Leben verbrachten. Auf diese Weise kann man am Besten erkennen und nachvollziehen, was diese Erzieher zu ihrer Zeit beeinflusste und in ihre Erziehungskonzepte Einfluss fand, beziehungsweise was sie anprangerten und wovon sie sich abgrenzen wollten, um es durch die passende Erziehung zu verändern und zu verbessern. Denn wenn man einen Überblick über das bekommt, was diese Beiden in ihrem Leben beschäftigte, kann man ihre Theorien und Ansätze über die Erziehung auch am Besten verstehen. In jedem Fall aber kann man eines vorwegnehmen, das Jean-Jacques Rousseau und Ellen Key gemein ist: Beide gaben mit ihren Erziehungskonzepten immer wieder Anlass für Diskussionen und prägten bestimmte Themen und Ansichten der Pädagogik bis in die heutige Zeit.
Widmenwir uns zunächst der Lebens- und Wirkungszeit von Jean-Jacques Rousseau, womit wir uns hauptsächlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts befinden. Zu dieser Zeit setzt in Frankreich gerade die Aufklärung ein. Diese Epoche ist von vielen gesellschaftlichen Unruhen geprägt. „Rousseaus Leben spiegelt zeitgenössische Konflikte wieder, die zwischen Aufklärung, Romantik und Religion, zwischen städtischem und ländlichem Leben, zwischen zivilisatorischer Entwicklung und kulturellem Leben und zwischen politischer Abhängigkeit und Selbstständigkeit verliefen“ (Raithel 2009, S. 104).
Das Anliegen Rousseaus war es, die gesellschaftlichen Missstände aufzuzeigen und anzuprangern. Ein markantes Beispiel stellt hierbei seine Beantwortung einer Preisfrage der Akademie von Dijon dar. Die Frage lautete: „Hat die Wiederherstellung der Wissenschaften und Künste zur Reinigung der Sitten beigetragen?“ Darauf lautete Rousseaus Antwort: „Nein“. Seine dazugehörige Abhandlung richtete sich „…gegen den [damaligen, Anm. d. Verf.] Zeitgeist und die französische Gesellschaft…“ (ebd., S. 103). Auf diese Weise wurde Rousseau gewissermaßen berühmt und berüchtigt, denn er gewann bei dieser Preisfrage zwar den ersten Preis und machte sich als Philosoph einen Namen, aber er stieß damit auch auf Kritik, heftige Auseinandersetzungen und Anfeindungen (vgl. Eisenmann, in Pflüger 2008, S. 171). „Wie stark diese Rousseaus Leben beeinflussten, spiegelt sich in den paranoiden Zügen ab, die sich in seinen letzten Lebensjahren ausprägten…“ (Wolkler 1999, zitiert nach Eisenmann, in Pflüger 2008, S. 171). Allgemein setzt er sehr wenig Vertrauen in die Gesellschaft und ihre Kultur, welche sich auf Ausbeutung und Unterdrückung gründen. Seine Gesellschaftskritik rechtfertigt Rousseau durch die unmittelbare „…Erleuchtung eines ursprünglichen Naturzustands des Menschen - eines Menschen ohne soziale Bindung, ohne Sprache, ohne Kultur, aber eben auch ohne Eitelkeit, ohne Neid, ohne Falsch, kurzum: ohne Widerspruch zwischen Sein und Schein“ (Hansmann, in Dollinger 2008, S. 27). Diese Ansicht findet direkten Einfluss in Rousseaus Erziehungskonzept des Emile. Die Gesellschaft ist entfremdet von der Natur und um die natürliche Ordnung wieder herzustellen, liegt der Gedanke, dabei mit der Kindererziehung anzufangen, natürlich nicht fern, da Kinder dem ursprünglichen Naturzustand des
Arbeit zitieren:
Alexander Schwalm, 2010, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Erziehungskonzept von Jean-Jacques Rousseau und Ellen Key, München, GRIN Verlag GmbH
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